Die Abfallwirtschaft in Ägypten verbessern

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Nationales Abfallwirtschaftsprogramm (NSWMP)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Ägypten
Politischer Träger: Ägyptisches Umweltministerium
Gesamtlaufzeit: 2019 bis 2022

Ausgangssituation

Ägypten ist mit etwa 95 Millionen Einwohner*innen das bevölkerungsreichste Land im Nahen Osten. Das häusliche Abfallaufkommen lag 2016 bei rund 21,7 Millionen Tonnen pro Jahr. Die geschätzte jährliche Steigerung durch Bevölkerungswachstum und Veränderung der Konsumgewohnheiten liegt bei 3,4 Prozent. Der Ausbau von Dienstleistungen und Infrastruktur zur Abfallwirtschaft hält mit diesen Wachstumsraten nicht Schritt.

Zurzeit werden nur etwa 60 Prozent der erzeugten Abfälle eingesammelt, davon werden weniger als 20 Prozent ordnungsgemäß deponiert oder wiederverwertet. Während in einigen Städten die öffentlichen Räume sauber sind, ist die Situation in anderen Teilen des Landes prekär. Ein beachtlicher Teil der Abfälle wird in Kanälen, Flüssen oder Straßen und auf offenen Flächen ohne umweltbezogene Vorsorgemaßnahmen entsorgt. Dies führt zu erheblichen Umweltrisiken für Wasser, Boden und Luft und verunstaltet die Landschaft. Hinzu kommen erhebliche Gesundheitsrisiken für Mensch und Tier sowie die Beeinträchtigung der Wirtschaft, vor allem des Tourismus.

Die für die Sammlung und Entsorgung von Abfällen zuständigen Institutionen kommen ihren umfassenden Aufgaben trotz internationaler Unterstützung nicht nach. Es gibt keinen ausreichenden rechtlichen Rahmen und keine strategische Planung, die Zuteilung von Verantwortlichkeiten und Aufgaben ist unklar. Die Abfallentsorgung ist deutlich unterfinanziert und hat einen enormen Bedarf an nachhaltigen Investitionen und Dienstleistungen.

Ziel

Die ägyptische Bevölkerung profitiert von Verbesserungen des Abfallwirtschaftssystems. Die Privatwirtschaft ist in die Prozesse miteinbezogen. Ressourcen-, Gewässer- und Klimaschutz haben sich verbessert.

Vorgehensweise

Das Nationale Abfallwirtschaftsprogramm (NSWMP) wird als gemeinsames Vorhaben mit der KfW-Entwicklungsbank umgesetzt und in Kooperation mit der Europäischen Kommission und dem Schweizer Staatssekretariat für Wirtschaft durchgeführt. Zum einen trägt es zum Aufbau der notwendigen Strukturen auf nationaler Ebene bei, zum anderen unterstützt es – ergänzend zu Beiträgen aus der finanziellen Zusammenarbeit – die Errichtung von abfallwirtschaftlicher Infrastruktur in vier Gouvernements. Dabei werden Modellansätze für die Abfallwirtschaft durch angepasste technische Lösungen bei einer langfristig gesicherten Finanzierung erprobt. Die vor Ort vorhandene Kompetenz und Leistungsfähigkeit werden gefördert. Auf nationaler Ebene hilft das Vorhaben dabei, den notwendigen institutionellen, strategischen und rechtlichen Rahmen zu schaffen.

Das Programm unterstützt den Aufbau der Egyptian Waste Management Regulatory Authority (WMRA). Sie wird in Zusammenarbeit mit bestehenden Akteuren neue Leistungen für die Abfallwirtschaft anbieten. Hierzu gehören Politik- und Strategieerarbeitung, Unterstützung und Supervision der Gouvernements sowie die Schaffung nachhaltiger Finanzierungsmodelle.

Die Koordination zwischen den verschiedenen Institutionen wird verbessert. Akteure aus öffentlichen und privaten Einrichtungen, Universitäten und Zivilgesellschaft sind in die Planung und Entscheidungsfindung sowie die Umsetzung von Prozessen eingebunden und besser miteinander vernetzt.

Neue, dezentrale Ansätze für Abfallsammlung und Recycling sollen „grüne Jobs“ (Arbeitsstellen im Bereich Umweltschutz) schaffen und eine effiziente Ressourcennutzung fördern.

Wirkungen

  • Die Maßnahmen des Programms trugen maßgeblich zur Schaffung der gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Umsetzung des Reformprozesses im Abfallsektor bei.
  • In den vier Gouvernements wurden spezielle Abfallwirtschaftsabteilungen eingerichtet und personell ausgestattet. Von sechs neu eingeführten Modellen für verbesserte Sammlung und Recycling von Abfällen unter Einbeziehung beziehungsweise Formalisierung des informellen Sektors profitieren mehr als 29.000 Haushalte.
  • Eine Vernetzung privater und öffentlicher Akteure im Abfallsektor Ägyptens wurde durch eine Konferenz zur Kreislaufwirtschaft gezielt unterstützt und gefördert.
  • Die virtuelle Plattform Wasteportal Egypt wurde aufgebaut, um den Austausch über die vom Programm organisierten Netzwerkevents hinaus zu fördern und den Wissensaustausch internationaler und nationaler Kammern und Verbänden zu stärken.
  • Investitionsmöglichkeiten im Abfallsektor wurden erarbeitet und in die ägyptische Investitionskarte des Ministeriums für Investitionen und internationale Zusammenarbeit kartiert.
  • 15 kleine und mittlere Unternehmen (KMU) im Abfallsektor haben an einem Wachstumsentwicklungsprogramm teilgenommen. Sie konnten hierdurch ihr Geschäft weiterentwickeln und haben teilweise externe Finanzierungen für ihre Expansionsstrategien erhalten.
  • Das Bewusstsein für die Rolle der Privatwirtschaft im Abfallsektor hat bei Entscheidungsträgern und in der Öffentlichkeit aufgrund des digitalen Info-Materials für soziale Medien zugenommen.

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