Anpassung an den Klimawandel im Tschadseebecken

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Anpassung an den Klimawandel im Tschadseebecken
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Tschad
Politischer Träger: Commission du Bassin du Lac Tchad (CBLT)
Gesamtlaufzeit: 2013 bis 2018

Tschad. Überflutungsnachbau: trockenresistente rote und weiße Sorghum-Sorten (Berbere) (Foto Dr. Anja Stache, AHT) © GIZ

Ausgangssituation

Mit seinen weitläufigen Weide- und Ackerflächen und reichen Fischvorkommen ist der Tschadsee sowohl ein wirtschaftlich als auch ökologisch wichtiges Gebiet für die Mitgliedsländer der 1964 gegründeten Tschadseebeckenkommission Tschad, Nigeria, Niger, Kamerun, Zentralafrikanische Republik und Libyen. Das Tschadseebecken ist eines der größten abflusslosen Grundwasserbecken Afrikas und umfasst drei Klimazonen: im Norden das Wüstenklima der Sahara, im Zentral-Tschad die Sahelzone mit Regen- und Trockenzeiten, im Süden die Sudanzone mit heißem, wechselfeuchtem Tropenklima. Dadurch bestehen große regionale und saisonale Unterschiede in den Niederschlagsmengen.

In der Sahelzone wird der Klimawandel laut Weltklimarat besonders gravierende Auswirkungen auf die Landwirtschaft haben. Bereits seit den 1970er-Jahren haben in der Sahelregion Dürreperioden und Überflutungen deutlich zugenommen. Die Fläche des Tschadsees hat seit den 1960er-Jahren von 25.000 auf 4.800 Quadratkilometer (2014) abgenommen. Laut Umweltprogramm der Vereinten Nationen gehen 50 Prozent des Rückgangs der Tschadseefläche auf Auswirkungen des Klimawandels zurück. Die andere Hälfte wird durch die verstärkte Nutzung der Zuflüsse für landwirtschaftliche Bewässerung und erhöhten Wasserverbrauch einer ständig wachsenden Bevölkerung, insbesondere in Nigeria, Kamerun und Tschad, verursacht. Die multiethnische Bevölkerung des Tschadseebeckens ist von etwa 17 Millionen Menschen im Jahr 2005 auf inzwischen etwa 38 Millionen Menschen angewachsen.

Die Tschadseebeckenkommission ist die einzige von den Anrainerstaaten akzeptierte Institution zur Lösung der grenzüberschreitenden Probleme. Zu ihren Aufgaben gehört unter anderem ein nachhaltiges, integriertes Wasserressourcenmanagement im Tschadseebecken unter Berücksichtigung der Auswirkungen des Klimawandels. Sie soll zur Verbesserung der sozioökonomischen Bedingungen und der Umweltsituation im Einzugsgebiet beitragen, die Mitgliedsländer bezüglich wasserhaushaltsrelevanter Fragen koordinieren, mögliche Konflikte um natürliche Ressourcen entschärfen und die Mitgliedsländer bei Projekten mit grenzüberschreitender Wirkung beraten. Bislang verfügt die Kommission noch nicht über die Voraussetzungen, um diesen vielfältigen Aufgaben gerecht zu werden.

Ziel

Die Tschadseebeckenkommission ist in der Lage, wirksame Maßnahmen zur Anpassung der Landwirtschaft im Tschadseebecken an den Klimawandel zwischen den Mitgliedsländern zu koordinieren und umzusetzen.

Tschad. Überflutungsnachbau: trockenresistente rote und weiße Sorghum-Sorten (Berbere) (Foto Dr. Anja Stache, AHT) © GIZ

Vorgehensweise

Das Vorhaben unterstützt die Tschadseebeckenkommission vor allem durch den Aufbau von Wissen über Klimawandel, Anpassungsstrategien und -maßnahmen traditioneller und moderner Praktiken in der Landwirtschaft und stärkt ihre Kompetenz und Leistungsfähigkeit.

Die Entwicklung und Ausweitung verschiedener Anpassungsmaßnahmen wird „Musterlösungen“ liefern, die allen relevanten Akteuren in den Mitgliedsländern zugänglich gemacht werden. Eine Plattform zum regionalen Wissenstransfer dient dem Informations- und Datenaustausch zum Klimawandel. Lokale Produzentengruppen und -vereinigungen werden im Hinblick auf den Klimawandel sensibilisiert. In einer grenzübergreifenden Pilotzone Tschad – Kamerun werden die Auswirkungen des Klimawandels in der Landwirtschaft erfasst und Pilotmaßnahmen zur Verbesserung der Erträge durch Kombination traditioneller mit modernen Anpassungsmaßnahmen entwickelt (AHT GROUP AG). Durch die Verbesserung der Wertschöpfungskette wird die Ernährungssicherung unterstützt und der lokal-regionale Markt in der grenzüberschreitenden Region gefördert.

Wirkung

Eine im Rahmen des Vorhabens erstellte Studie zum Klimawandel im Tschadseebecken verdeutlicht die Herausforderungen sowohl für die Landwirtschaft als auch für die Sozioökonomie der Region.

Tschad. Überflutung der Felder während der Regenzeit: Vernichtung der Ernte am Tschadsee (Foto: Dr. Lames) © GIZ

Die Aufnahme des bestehenden landwirtschaftlichen Inventars durch Befragungen von über 1.100 Dörfern ergab, dass der Regenfeldanbau den Hauptanteil der landwirtschaftlichen Produktion in der Pilotzone ausmacht. Sie ist damit von Klimawandel und -schwankungen besonders betroffen. Aufgrund der Ergebnisse der Umfragen werden derzeit Maßnahmen zur Verbesserung der Ernte, etwa bei Bewässerung und Saatgut, zur verbesserten Lagerung und zur Diversifizierung der Wertschöpfungsketten entwickelt.