Unterstützung der Berufsbildungsreform

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Unterstützung der Berufsbildungsreform in Pakistan
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Pakistan
Politischer Träger: National Vocational & Technical Training Commission (NAVTTC)
Gesamtlaufzeit: 2017 bis 2019

Ausgangssituation

Energiesektor, Landwirtschaft, geografische Lage und seine junge Bevölkerung sind nur ein Teil des natürlichen Reichtums Pakistans. Jugendliche machen rund 60 Prozent der Bevölkerung des 180-Millionen-Einwohner-Landes aus. Trotz dieser positiven Faktoren kann Pakistan sein Potenzial wegen des Mangels an qualifizierten Arbeitskräften nicht voll nutzen.

Ziel

Das Ziel des Programms ist es, die Regierungsführung sowie die Beteiligung der Privatwirtschaft am Berufsbildungssektor zu verbessern und dadurch die Qualität von Weiterbildungsmaßnahmen gemäß den Arbeitsmarktanforderungen anzuheben.

Vorgehensweise

Das Programm, das vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) in Auftrag gegeben wurde und von der Europäischen Union mitfinanziert wird, unterstützt die pakistanische Regierung bei der Reform des Berufsbildungssektors. Nach Abschluss der ersten Phase im Dezember 2016 startete das Programm im Januar 2017 in eine zweite, auf drei Jahre angelegte Phase.

Aufbauend auf den Ergebnissen der ersten Phase (2011–2016) konzentriert sich das Programm derzeit landesweit auf vier Interventionsgebiete:

  1. Regierungsführung und Politikentwicklung. Das Programm unterstützt die Umsetzung einer nationalen Berufsbildungspolitik und fördert Kooperationsabkommen zwischen dem öffentlichen und dem privaten Sektor. Es hilft auch bei der Einführung eines Qualitätssicherungs- und Akkreditierungssystems für den Berufsbildungssektor.
  2. Engagement des privaten Sektors. Neben der Unterstützung von Partnerorganisationen zur erhöhten Beteiligung der Privatwirtschaft an beschlussfassenden Gremien fördert das Programm auch einen systematischen Dialog der Interessengruppen. Außerdem unterstützt das Programm die Einführung arbeitgebergeführter Sector Skills Councils und Institute Management Committees.
  3. Umsetzung der reformierten Berufsbildung. Unterstützt wird die Bereitstellung bedarfsorientierter Berufsbildungsangebote für Jugendliche in ganz Pakistan durch die Förderung von betrieblichen oder praxisbezogenen Berufsbildungsansätzen und Vereinbarungen zwischen Ausbildungsstätten und Unternehmen.
  4. Personalentwicklung/Lehrerausbildung. Der Interventionsbereich bezieht sich auf die Umsetzung des Nationalen Qualifikationsrahmens für berufliche Bildung und das Angebot bedarfsorientierter beruflicher Schulungen durch eine kompetenzbasierte Ausbildung und Bewertung. Er umfasst außerdem die Aus- und Weiterbildung von Berufsschullehrern und die Einrichtung von Kompetenzzentren für die Lehrerausbildung.

Wirkung

Ergebnisse der ersten Phase (2011–2016)

  • Das Programm hat den Start der ersten nationalen Berufsbildungsstrategie erleichtert und Hilfestellung bei der anfänglichen Einführung der National Skills Strategy auf Bundes- und Provinz-/Lokalebene geleistet. Ein neues Ausbildungsgesetz wurde entworfen, das den privaten Sektor in die Realisierung der Berufsbildungsreform einbinden soll. Rund 1.200 Berufsbildungsprogramme sind bereits akkreditiert worden.
  • Pakistan hat nun erstmals einen Nationalen Qualifikationsrahmen für berufliche Bildung, um die Qualität und den Praxisbezug der Berufsbildung zu verbessern. Die Umsetzung wurde durch die praktische Erprobung des Konzepts der kompetenzbasierten Ausbildung und Bewertung landesweit in 60 Ausbildungsberufen in 142 Berufsbildungsstätten mit 20.000 Absolventen unterstützt.
  • Um Kompetenzen und Ressourcen für die Durchführung von Reforminitiativen zu erweitern, nahmen 880 leitende und mittlere Beamte und Führungskräfte der Berufsbildungsbehörden in den Provinzen an Managementfortbildungen teil. Die Behörden in Punjab, Sindh und AJK erlangten eine entsprechende ISO-Zertifizierung.
  • 18 E-Learning-Zentren wurden eingerichtet; dadurch konnten rund 8.500 Berufsschullehrer Kurse in Pädagogik und Didaktik belegen. Gleichzeitig hat eine deutsche Universität mit 3 pakistanischen Hochschulen ein Postgraduiertenprogramm entwickelt, das eine neue Generation von Berufsschullehrern hervorbringen soll.
  • Bei der nationalen Berufsbildungskommission wurde ein nationales Kompetenzinformationssystem eingerichtet. Das webbasierte System liefert Echtzeitdaten für Arbeitsmarktanalysen und stellt außerdem regelmäßig Kontakt zwischen Arbeitssuchenden und Arbeitgebern her.
  • Durch die Unterstützung von 36 Projekten hat der Fund for Innovative Training (FIT) circa 125.000 Männer und Frauen gefördert. Der Fonds hat auch bei der Einrichtung von „Lernregionen“ im Grenzgebiet um Peschawar und Swar geholfen, von denen etwa 1.800 Menschen profitieren.
  • Karatschi und Lahore haben heutzutage einen neuen, gemeinschaftlichen Berufsbildungsplan, der Kurse in 11 technischen und kaufmännischen Berufen anbietet. Mit der aktiven Beteiligung von über 143 multinationalen und pakistanischen Unternehmen konnten auf der Grundlage des Bildungsplans 1.000 junge Fachkräfte ausgebildet werden.
  • Insgesamt wurden 102 Arbeitsvermittlungs- und Beratungszentren eingerichtet und 249 Beamte im ganzen Land ausgebildet. Zusätzlich wurden „Arbeitgeber des Jahres“-Auszeichnungen eingeführt, um sicherzustellen, dass Unternehmen, die die Berufsbildung fördern, größere Anerkennung erfahren. Zugleich hat das Programm den Dialog zwischen öffentlichem und privatem Sektor gestärkt. Heute ist der Privatsektor in Hinblick auf Berufsbildungsmaßnahmen, Planung und Umsetzung Teil des Prozesses.
  • Um das Programm und den gesamten Berufsbildungssektor sichtbarer zu machen, wurden verschiedene Großveranstaltungen organisiert, beispielsweise im September 2016 die erste internationale Berufsbildungskonferenz Pakistans. Die Veranstaltungen richteten sich an Schlüsselakteure wie Politiker, Unternehmer, Meinungsführer (Medien) und Entscheidungsträger.
  • Schließlich hat das Programm auch zur Entwicklung eines Mechanismus zur Geberkoordinierung für den Berufsbildungssektor beigetragen. Das Programm ist damit die einzige landesweit aktive gebergestützte Initiative. Zu den Gebern gehören beispielsweise das britische Department for International Development (DFID), die Weltbank, die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) und andere.