Reproduktive Gesundheit und Familiengesundheit

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: TZ-Modul: Reproduktive Gesundheit und Familiengesundheit
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), Europäische Union (seit 2019)
Land: Guinea
Politischer Träger: Ministère de la Santé (Ministry of Health)
Gesamtlaufzeit: 2015 bis 2022

Guineerinnen unterhalten sich über Dienste der reproduktiven Gesundheit.

Ausgangssituation

Durch lange Jahre politischer und wirtschaftlicher Instabilität und die Ebola-Epidemie 2014 bis 2016 ist Guineas Gesundheitssystem in einem schlechten Zustand. Aufgrund der hohen Mütter- und Kindersterblichkeit konnte das Land seine Millenniums-Entwicklungsziele nicht erreichen. Die Gesundheit, vor allem von Frauen und Mädchen, wird durch soziokulturelle Faktoren wie frühe Eheschließung und weibliche Genitalverstümmelung (female genital mutilation, kurz FGM) beeinträchtigt. Letztere betrifft unverändert fast alle Guineerinnen. 2016 nutzten weniger als neun Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter eine moderne Verhütungsmethode. In ländlichen Gebieten wird kaum ein Drittel der Entbindungen von qualifiziertem Personal begleitet. Zudem fehlen Beratungsangebote und Tests, die für eine HIV-Prävention nötig sind. Wegen der schlechten Qualität werden die Gesundheitsdienste, vor allem für die reproduktive Gesundheit, von der ländlichen Bevölkerung zu wenig genutzt.

Ziel

Die Nutzung von Gesundheitsdiensten, vor allem der sexuellen und reproduktiven Gesundheit, ist entsprechend ihrer Bedarfe gestiegen.

SONOCO-Mitarbeiter werden für das Thema Malaria sensibilisert.

Vorgehensweise

Das Vorhaben fördert die reproduktive Gesundheit in den Regionen Labé, Mamou, Faranah und Kindia und seit August 2019 in N’Zérékoré mit einer Kofinanzierung der Europäischen Union. Die GIZ arbeitet eng mit dem Gesundheitsministerium sowie mit anderen Regierungs- und Nichtregierungspartnern zusammen. Das Vorhaben wendet einen systemischen Ansatz mit gezielter Forschung an, der Ministerien, Institutionen und Gemeinden einbezieht, und stellt Modell-Ansätze für breitere Reformen des Gesundheitssystems bereit. Besonderes Augenmerk wird auf die Gender-Dimension und die Einbeziehung von Menschen mit Behinderungen gelegt. Das Programm arbeitet in fünf Arbeitsfeldern:

Es stärkt die Leistungsfähigkeit des Gesundheitsministeriums auf zentraler Ebene, in den Bereichen Personalverwaltung, Wissensmanagement und Sektorkoordinierung und unterstützt die Entwicklung nationaler Strategien. Zusätzlich unterstützt es die Digitalisierung für das Nationale Gesundheitsinformationssystem (SNIS) und die neue Direktion für Humanressourcen (DRH).

Das zweite Arbeitsfeld ist auf die Stärkung von Gesundheitsdistrikten durch die Entwicklung Operationeller Aktionspläne (OAPs) gerichtet und setzt einen verbesserten, wissenschaftlich begleiteten Monitoring-Ansatz für das Ministerium um.

Darüber hinaus verbessert das Vorhaben die Qualität der Dienstleistungen durch Schulung, Ausrüstung und Bereitstellung von Verbrauchsmaterial. Dazu gehören auch Partogramme und eine Reihe von ‚Mikroprojekten‘ zur Verbesserung der Arbeitsumstände, die vom Gesundheitspersonal selbst ermittelt und verwaltet werden.

Die Stärkung der Gemeindegesundheit und die Steigerung der Nachfrage für den universellen Zugang zu naheliegenden Gesundheitsdiensten guter Qualität sind Inhalt des vierten Arbeitsfelds. Dazu werden Sensibilisierungskampagnen umgesetzt und ein besonderer Schwerpunkt auf den Zugang junger Menschen zu jugendfreundlichen Diensten gelegt.

Einen bereichsübergreifenden Ansatz für FGM baut das Vorhaben vor allem durch Dialogforen aus. In ihnen kommen religiöse und politische Führungskräfte, Gesundheitspersonal, Anwält*innen und Medienschaffende zum Thema zusammen.

Blutuntersuchung im Labor

Ergebnisse

Am Ende der ersten Phase ist die Nutzung reproduktiver Gesundheitsdienste in den Regionen gestiegen. Die Anzahl der Verhütungsjahre hat sich zwischen 2015 und 2018 von 44.264 auf 129.498 fast verdreifacht; der Besuch ambulanter Dienste stieg um sechs Prozent. In mindestens zwei Regionen haben die Entbindungen mit qualifiziertem Personal erheblich zugenommen.

Die strategische und finanzielle Planung des Ministeriums ist durch vereinfachte Instrumente und integrierte OAPs verbessert, während das Nationale Gesundheitsinformationssystem und die Direktion für Humanressourcen dank moderner Software ihre Daten besser nutzen können. Die Partner-Koordinierungsplattformen haben die Überschneidungen zwischen den Interventionen verringert.

692 Gesundheitsfachkräfte wurden in geburtshilflicher Versorgung und in der Versorgung Neugeborener geschult. Im Jahr 2018 arbeiteten 65 Prozent aller Gesundheitseinrichtungen der Interventionsregionen mit dem Partograph. Die Arbeitsbedingungen des Gesundheitspersonals haben sich dank der Durchführung von 35 Mikroprojekten verbessert.

Durch eine öffentlich-private Partnerschaft (ÖPP, englisch Public-private-Partnership - PPP) mit der Firma SONOCO erhielten 1.115 Mitarbeiter*innen und ihre Familien Gesundheitsfürsorge, eine Krankenversicherung und Gesundheitsaufklärung. Fast 100.000 junge Menschen wurden zu reproduktiver Gesundheit sensibilisiert und 15.000 auf HIV getestet.17 Dialogforen zu weiblicher Genitalverstümmelung wurden erfolgreich organisiert.