Programm: Umwelt- und Ressourcenschutz – Handlungsansatz Wald und Biodiversität in Vietnam

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Schutz und nachhaltige Nutzung von Biodiversität und Ökosystemleistungen der Wälder in Vietnam
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Sozialistische Republik Vietnam
Politischer Träger: Ministerium für Landwirtschaft und Ländliche Entwicklung
Gesamtlaufzeit: 2014 bis 2020

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Ausgangssituation

Vietnam gehört zu den wichtigsten Biodiversitäts-Hotspots der Welt. Die Biodiversität und die Ökosystemleistungen der Wälder spielen bei der Existenzsicherung der ländlichen Bevölkerung in Vietnam und besonders der rund 25 Millionen in Waldnähe lebenden Menschen eine entscheidende Rolle. Als Eckpfeiler der Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft stützen sie zudem die nationale Wirtschaftsentwicklung. Die Leistungen der Wälder spielen auch bei der Anpassung an den Klimawandel und beim Klimaschutz eine wichtige Rolle. Die Waldfläche in Vietnam ist insgesamt zwar gewachsen, doch die Integrität und Qualität der Wälder haben sich in den letzten Jahrzehnten verschlechtert, und die Biodiversität und die Ökosystemleistungen der Wälder sind zunehmend gefährdet.

Vietnam hat sich verpflichtet, internationale Initiativen für Wald- und Biodiversitätsschutz, darunter das Übereinkommen über die biologische Vielfalt, umzusetzen. Seit Inkrafttreten des Gesetzes zum Schutz und zur Entwicklung der Wälder 2004 und des Forstgesetzes 2019 treibt Vietnam den Prozess der Forstsektorreform mit dem Ziel einer wirtschaftlich, ökologisch und sozial ausgewogenen Sektorentwicklung voran. Auch das 2008 verabschiedete Biodiversitätsgesetz untermauert die Bemühungen des Landes, dem Schutz der Biodiversität in allen Bereichen Vorrang einzuräumen.

Ziel

Staatliche Stellen auf nationaler und provinzieller Ebene, die für das Management von Schutzgebieten verantwortlich sind, setzen Mechanismen um, die lokalen Bevölkerungsgruppen Leistungen aus dem Biodiversitätserhalt und nachhaltigem Waldmanagement bereitstellen.

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Vorgehensweise

Das Vorhaben hat drei Arbeitsschwerpunkte:

1. Rechtliche und politische Rahmenbedingungen. Das Vorhaben berät nationale und lokale Entscheidungsträger bei der Entwicklung und Verbesserung rechtlicher Rahmenbedingungen und technischer Richtlinien für den Schutz der Biodiversität und die nachhaltige Nutzung von Ökosystemleistungen der Wälder. Die Beratung ist darauf ausgerichtet, dass die lokale Bevölkerung partizipiert und von den Ressourcen und Einnahmen der Wälder profitiert. Hierfür muss die finanzielle Basis für Waldbesitzer erweitert werden, indem Finanzierungsrichtlinien für geschützte Wälder erarbeitet und neue Modelle für die Vergütung von Umweltleistungen der Wälder (Payment for Forest Environmental Services, PFES) erprobt werden.

2. Nachhaltiges Management von Schutzgebieten Im Rahmen des Vorhabens werden die Kompetenzen für das Daten- und Informationsmanagement in Schutzgebieten gestärkt. Damit wird die Grundlage für die spätere Ausarbeitung nachhaltiger Finanzierungsstrategien und nachhaltiger Forstwirtschaftspläne geschaffen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang die Mitwirkung der angrenzenden Gemeinschaften, die durch Projektaktivitäten weiter gestärkt wird. Um die langfristige finanzielle Stabilität der Schutzgebiete zu gewährleisten, unterstützt das Projekt auch die Einbindung von Ökosystemleistungen in die Raumordnungspläne der Provinzen.

3. Umsetzung und Überwachung des Abkommens über Rechtsdurchsetzung, Politikgestaltung und Handel im Forstsektor. Das freiwillige Partnerschaftsabkommen über Rechtsdurchsetzung, Politikgestaltung und Handel im Forstsektor (Voluntary Partnership Agreement on Forest Law Enforcement, Governance and Trade, VPA FLEGT) ist eine gemeinsame Verpflichtung Vietnams und der Europäischen Union (EU), zur Bekämpfung des illegalen Holzeinschlags und des damit verbundenen Handels zusammenzuarbeiten. Das Vorhaben unterstützt Vietnam bei der Erfüllung seiner Verpflichtungen aus dem VPA FLEGT. Im Mittelpunkt steht die Stärkung der Fähigkeit nichtstaatlicher Akteure, wirksam zur Umsetzung und Überwachung des Abkommens beizutragen.

Wirkungen

  • Verbesserte rechtliche Rahmenbedingungen: Ein wesentliches Element des im November 2018 verabschiedeten überarbeiteten Forstgesetzes und seiner Ausführungsbestimmungen ist die allgemeine Verpflichtung der Waldbesitzer zum Schutz der Biodiversität. Nach dem neuen Planungsgesetz, das im Dezember 2018 verabschiedet wurde, müssen Ökosystemleistungen in der integrierten Planung zwingend berücksichtigt werden. Mithilfe des Vorhabens sind diese zentralen Rechtsvorschriften, die den Erhalt der Biodiversität und die nachhaltige Nutzung von Ökosystemleistungen fördern, im nationalen Gesetzesrahmen Vietnams verankert worden.
  • Bessere Forstfinanzierung: 2018 wurden über 126 Millionen US-Dollar an PFES-Mitteln ausgezahlt, wovon mehr als 500.000 Waldbesitzer oder Vertragshaushalte profitierten. Mit Unterstützung durch das Vorhaben wurde in drei Provinzen die Verwendung von Bankkonten anstelle von Barzahlungen an Waldbesitzer erprobt, was die Transparenz und Effizienz verbessert und das Risiko von Geldtransporten über weite Strecken verringert. Knapp 2.000 Bankkonten wurden für Einzelhaushalte und Gruppen eröffnet. Über diese Bankkonten wurden insgesamt 1,28 Millionen US-Dollar ausgezahlt. Ermutigt durch die guten Ergebnisse dieses Auszahlungsmechanismus hat die vietnamesische Forstverwaltung im Oktober 2018 Richtlinien für die Auszahlung von PFES-Mitteln über Bankkonten veröffentlicht, die landesweit umzusetzen sind.
  • Wirksames Management von Schutzgebieten: Das Vorhaben war einer der aktivsten Förderer des Raumbeobachtungsinstruments „Spatial Monitoring and Reporting Tool“ (SMART) in Vietnam. Im Zeitraum von 2014 bis 2017 unterstützte das Vorhaben zehn von achtzehn SMART-Standorten in Vietnam. Für eine bessere Zugänglichkeit und Nutzung von Daten wurde ein Online-Berichtssystem für Schutzgebiete eingeführt. Darüber hinaus hat Vietnam infolge der Überzeugungsarbeit, die im Rahmen des Vorhabens geleistet wurde, zwei wichtige Politikdokumente zur Verbesserung des Schutzgebietsmanagements und des Artenschutzes herausgegeben: den Nationalen Kompetenzentwicklungsplan für Schutzgebietspersonal und den Dringlichkeitsplan für Primatenschutz.
  • Auf dem Weg zu Legalität in der Holzwirtschaft: Die EU und Vietnam unterzeichneten im Oktober 2018 das VPA FLEGT. Mit Unterstützung durch das Vorhaben wurden der gemeinsame Umsetzungsrahmen für das VPA FLEGT sowie mehrere vorbereitende Studien erarbeitet. Die Ergebnisse der Studien, beispielsweise die Anerkennung freiwilliger Zertifizierungssysteme, werden nun bei der Erarbeitung des Rechtsrahmens für die Umsetzung des VPA berücksichtigt.
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