Ziviler Friedensdienst: Inklusiver Dialog, psychosoziale Unterstützung und Konflikttransformation in Ruanda und der Große-Seen-Region

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Programm Ziviler Friedensdienst: Friedensförderung in Ruanda und der Region der Großen Seen durch Stärkung des konstruktiven Umgangs miteinander
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Ruanda
Gesamtlaufzeit: 2001 bis 2018

ZFD Ruanda. Assumpta Mugiraneza, Direktorin des ZFD-Partners IRIBA, spricht auf dem internationalen Kolloquium „Archive der Stille“. (Kigali 2016) © James Rwasa / GIZ

Ausgangssituation

Auch 20 Jahre nach dem Genozid an den Tutsi bleibt Ruanda von dieser Gewalterfahrung geprägt. Die Traumatisierung ist ein bestimmendes soziales Thema und eine Herausforderung für die ruandische Gesellschaft und die Region der Großen Seen.

Die Frage des Umgangs mit der Gewalterfahrung stellt sich nicht nur für die Betroffenen selbst, sondern auch für die nachfolgenden Generationen. Traumatisierung wird von einer Generation auf die andere weitergegeben und steht auch im Zusammenhang mit häuslicher und sexualisierter Gewalt in der Gegenwart. Junge Menschen – in Ruanda stellen sie etwa die Hälfte der Bevölkerung – stehen dabei oft zwischen der offiziellen politischen Lesart der Vergangenheit, der eigenen Wahrnehmung und der der Eltern.

Ziel

Die verschiedenen Akteure der ruandischen Gesellschaft überwinden die trennenden Faktoren – auch in ihrer regionalen Dimension – und schaffen und gestalten ein gesellschaftliches Zusammenleben, das die Entfaltungsmöglichkeiten jedes Einzelnen respektiert und wertschätzt.

ZFD Ruanda. Workshop im Projekt “Eine gemeinsame Zukunft verhandeln” des ZFD-Partners IRIBA. Jugendliche verschiedener Herkunft werden miteinander in einen Dialog über Herkunft und Geschichte gebracht. Sie erhalten darüber hinaus psychosoziale Unterstützu

Vorgehensweise

Seit 2001 unterstützt der Zivile Friedensdienst (ZFD) zivilgesellschaftliche Organisationen in Ruanda und angrenzenden Regionen in ihren Friedens- und Versöhnungsbemühungen. Partnerorganisationen sind Ejo Youth Echo (Jugendmedienorganisation), Never Again Rwanda (Menschenrechts- und Jugendorganisation), AEGIS Trust (Verbrechen gegen die Menschlichkeit verhindern), Vision Jeunesse Nouvelle (Stärkung von Jugendlichen), Eglise Evangélique des Amis au Rwanda (kirchliche Friedensarbeit), UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR, Iriba Center for Multimedia Heritage (Förderung des kritischen Dialogs zur ruandischen Geschichte durch Medieneinsatz) und ARCT Ruhuka (Vereinigung von Traumaberaterinnen und -beratern).

Die Fachkräfte des ZFD beraten, unterstützen und stärken vorhandenes Potenzial, begleiten Prozesse und fördern die Partner in ihrer Kompetenz zur Konfliktfrüherkennung, gewaltfreier Konfliktbearbeitung und umfassenden sozialen Inklusion. In enger Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe (AGEH) und in Vernetzung mit anderen internationalen Akteuren arbeitet der ZFD grenzübergreifend in der Große-Seen-Region an folgenden Themen:

  • Psychosoziale Unterstützung für Flüchtlinge und andere vulnerable Gruppen
  • Vergangenheitsarbeit. Der ZFD identifiziert und stärkt friedensfördernde und verbindende Elemente, um die Versöhnungsbemühungen des Landes zu unterstützen.
  • Dialog. Im Rahmen von Dialogräumen und kulturellen Projekten entwickeln und vertreten die verschiedenen Akteure der ruandischen Gesellschaft, insbesondere Jugendliche, ihre eigenen Ansichten und Überzeugungen im Hinblick auf eine konstruktive Konfliktbearbeitung und eine tolerante und inklusive Gesellschaft in Ruanda und der Region. Auf Dorfebene und regional werden Perspektivwechsel und Abbau von negativen Stereotypen gefördert.
  • Berichterstattung für den Frieden. Junge Menschen gestalten Radiosendungen und üben so konfliktsensiblen Journalismus. Die auf Dialog und Inklusion basierenden Sendungen werden von Voice of America übernommen und erreichen so etwa 700.000 Hörer und Hörerinnen in der Region. Gemeinsame Sendungen mit den Jugendprojekten in Burundi und Nordkongo überwinden Grenzen und fördern Verständnis. Medienclubs in Schulen sensibilisieren für das Gemeinsame.
  • Konflikttransformation. ZFD-Fachkräfte unterstützen Partnerorganisationen dabei, den Fokus auf die gewaltfreie Bearbeitung von alten und neuen Konflikte zu legen.

Wirkungen

  • Angepasste Mechanismen der psychosozialen Begleitung und Prävention erlauben es, die Folgen von Traumatisierung in Dörfern und in Flüchtlingscamps zu handhaben, und so den betroffenen Personen Perspektiven einer umfassenden Lebensgestaltung sowie Möglichkeiten der sozialen Partizipation zu eröffnen.
  • Eine integrative Erinnerungskultur und Bewältigung des Geschehenen, die den Blick sowohl auf die Opfer als auch auf die Konsequenzen des Völkermords für die Täter und die Tätergruppe richtet, trägt zur Verhinderung neuer Gewalt bei.
  • Soziale Inklusion und Meinungspluralismus sind Bestandteile des täglichen Lebens in der Region. Die Menschen verfügen über ein gewaltfreies Verhaltensrepertoire.
  • Räume für Austausch und Dialog, beispielsweise durch partizipative Radiosendungen für junge Menschen, gegenseitige Projektbesuche oder Dialogkreise zwischen Tätern und Opfern in den Dörfern, ermöglichen polarisierten Gruppen einen Perspektivenwechsel. Sie lernen sich kennen, entdecken Gemeinsamkeiten und bauen dadurch feindselige Vorurteile ab.
  • Jugendliche entwickeln durch konfliktsensible Medienarbeit, Diskussionsrunden und öffentliche Redewettbewerbe selbstständiges Denken und sind in der Lage, eigene und die Perspektiven anderer zu reflektieren. Sie können mögliche Instrumentalisierungen und Aufrufe zu Gewalt erkennen und kritisch hinterfragen.
  • Konflikte werden lokal und bei jungen Menschen zunehmend gewaltfrei und mit vorhandenen sozialen Ressourcen gelöst.
ZFD Ruanda. Das Theaterstück “Rückkehr nach Kigali” ist Teil des internationalen Kolloquiums „Archive der Stille“, das der ZFD-Partner IRIBA in Kooperation mit der französischen Universität Paris 8 durchgeführt. (Kigali 2016)  © James Rwasa / GIZ