Städtische Sanitärversorgung

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Beratung der indischen Regierung zur Umsetzung der National Urban Sanitation Policy II
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Indien
Politischer Träger: Ministry for Urban Development (MoUD)
Gesamtlaufzeit: 2014 bis 2017

India. Shows part of the rehabilitation of a sewer system in Nashik © GIZ

Ausgangssituation

In Indien ist im letzten Jahrzehnt die Zahl der Städte mit über 5.000 Einwohnern um rund 50 Prozent auf mittlerweile knapp 8.000 angewachsen. Dort leben 31 Prozent der Gesamtbevölkerung. Dieser Trend setzt sich fort, sodass bis 2030 die Hälfte der indischen Bevölkerung in Städten leben wird. Der Aufbau von Infrastruktur und Dienstleistungen für die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung konnte mit diesem Bevölkerungszuwachs nicht mithalten. So verfügen nur circa 10 Prozent aller Städte über eine Kanalisation, an die dann wiederum nur Teilgebiete der Stadt angeschlossen sind. Ein großer Teil der Abwässer gelangt so gar nicht erst in Kläranlagen. Darüber hinaus sind viele Kläranlagen defekt, nicht ausreichend dimensioniert und Betrieb und Instandhaltung weisen massive Mängel auf. Die ungeklärten Abwässer fließen direkt in Oberflächengewässer und das Grundwasser und verschmutzen diese.

Mit dem nationalen Programm zur städtischen Sanitärversorgung (National Urban Sanitation Policy, NUSP) hat das indische Ministerium für Stadtentwicklung bereits 2008 den Startschuss für weitgehende Reformen in der kommunalen Abwasserentsorgung und der Verbesserung der Sanitärversorgung gegeben. Das Thema steht nach wie vor im Fokus der Regierung und erlangte seit der nationalen Wahl 2014 verstärkt Aufmerksamkeit.

Trotz der förderlichen politischen Rahmenbedingungen fehlt es den Stadtverwaltungen an Know-how, um die notwendige Infrastruktur und Dienstleistungen für die Abwasserentsorgung sachgerecht zu planen und umzusetzen.

Ziel

Indische Bundesländer und deren Städte ergreifen wirksame Maßnahmen gegen die Einleitung ungeklärter Abwässer in oberirdische Gewässer und das Grundwasser.

India. Shows part of the training for plumbers we had conducted © GIZ

Vorgehensweise

Das Projekt schließt an die Erfahrungen aus einem Vorgängerprojekt in fünf Städten und mit drei Landesregierungen an und wendet bereits erarbeitete Lösungsansätze in weiteren Bundesstaaten und Städten an.

Auf nationaler Ebene arbeitet das Projekt mit dem Ministerium für Stadtentwicklung und Trainingsinstituten zusammen. Auf Landesebene kooperiert es mit ausgewählten Landesregierungen und Trainingsinstituten und auf lokaler Ebene mit mittelgroßen Städten, deren Verwaltungen und gewählten Vertretern. Dieser Dreiebenen-Ansatz macht lokale Lösungen replizierbar und breitenwirksam und fördert vertikalen Wissensaustausch.

Von Bundesländern und Städten entwickelte Strategien und Umsetzungspläne zur Sanitärversorgung speist das Projekt bei seinen Partnern im Ministerium ein, die sie anderen Landesteilen zur Verfügung stellt. Handreichungen für gesamtstädtische sanitäre Versorgungspläne für mittelgroße Städte, Qualitätskriterien für Investitionsprojekte und Leitfäden für technische Lösungen erarbeitet und verbreitet das Projekt mit seinen Partnern.

Die Erfahrungen der fünf Pilotstädte gibt das Projekt an die Dienststellen der Bundesländer weiter, damit diese ihre Städte ebenfalls unterstützen können, städtische Sanitärversorgungspläne zu entwickeln und umzusetzen. Dabei geht es beispielsweise um Systeme zum Management von Fäkalschlamm, Betriebsmodelle für frauengerechte öffentliche Toiletten oder Systeme zur dezentralen Abwasserbehandlung.

Indien. Teilnehmer eines Trainings für Rohrleitungtechnik  © GIZ

Mit einigen ausgewählten mittelgroßen Städten arbeiten das Projekt, drei Landesregierungen und ein nationales Trainingsinstitut direkt zusammen. Gemeinsam entwickeln die Partner unter anderem ein Fortbildungsprogramm für Entscheidungsträger und technisches Personal der Städte, bei dem es um die Entwicklung und Umsetzung von sanitären Versorgungsplänen geht. Langfristig sollen regionale Trainingsinstitutionen diese Module übernehmen und anbieten.