Förderung eines klimafreundlichen Stromverbundes in Westafrika

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Förderung eines klimafreundlichen Stromverbundes in Westafrika
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Länder: ECOWAS-Staaten: Benin, Burkina Faso, Cabo Verde, Côte d’Ivoire, Gambia, Ghana, Guinea, Guinea-Bissau, Liberia, Mali, Niger, Nigeria, Senegal, Sierra Leone, Togo
Politischer Träger: ECOWAS Kommission
Gesamtlaufzeit: 2013 bis 2017

Ausgangssituation

Mangelnde Stromversorgung zu erschwinglichen Preisen hemmt die wirtschaftliche Entwicklung der westafrikanischen ECOWAS-Region mit ihren mehr als 300 Millionen Einwohnern. Da die Nachfrage das Angebot deutlich übersteigt, ist die Stromversorgung nicht verlässlich. Nur knapp jeder zweite Einwohner hat überhaupt Zugang zu Elektrizität. Dadurch ist die wirtschaftliche und soziale Entwicklung beeinträchtigt. Die große wachstums- und versorgungsbedingte Stromlücke muss auf möglichst wirtschaftliche und nachhaltige Art geschlossen werden. Gleichzeitig hat die Region erhebliche Energieressourcen, die jedoch sehr ungleich verteilt und unzureichend erschlossen sind. Insbesondere erneuerbare Energien werden – mit Ausnahme großer Wasserkraftwerke – bisher kaum genutzt.

Damit die Stromlücke überwunden und die Energieressourcen besser genutzt werden können, wurde 1999 der West African Power Pool (WAPP) gegründet. 2009 entstand mit dem ECOWAS Regional Centre for Renewable Energy and Energy Efficiency (ECREEE) eine weitere Regionalorganisation, die für eine stärkere Nutzung erneuerbarer Energien und eine Verbesserung der Energieeffizienz sorgen soll. Eine weitere wichtige Institution ist die ECOWAS Regional Electricity Regulatory Authority (ERERA). Sie wurde 2008 gegründet, um den grenzüberschreitenden Stromhandel in der ECOWAS-Region zu regulieren.

Bisher sind in den drei Bereichen des Stromverbundes – Erzeugung, Übertragung und Verteilung – wichtige Voraussetzungen für einen nachhaltigen westafrikanischen Strommarkt noch nicht erfüllt. Die Infrastruktur ist nicht ausreichend aufgebaut, Ressourcen und Know-how in den regionalen Institutionen fehlen ebenso wie finanzielle Mittel der Energieversorgungsunternehmen (EVU). Hinzu kommen die geringen Erfahrungen in der Durchführung von Erneuerbaren-Energien-Projekten, der geringe Austausch zwischen den Staaten sowie fehlende Unterstützung durch die nationalen Politiken.

Ziel

Wichtige Voraussetzungen für einen klimafreundlichen Stromverbund in der ECOWAS-Region sind geschaffen.

Vorgehensweise

Das Projekt verfolgt einen regionalen Ansatz. Zum einen werden über die Regionalinstitutionen der ECOWAS – WAPP, ECREEE und ERERA – Ansätze für nachhaltige Stromerzeugung und -nutzung in den Mitgliedstaaten verbreitet. Zum anderen verbessert das Projekt die Voraussetzungen für den regionalen Stromverbund und verknüpft praktische Erfahrungen mit der Entwicklung geeigneter Politiken und Instrumente. Das Projekt arbeitet bedarfsorientiert und unterstützt neben regionalen Aktivitäten auch einzelne nationale Ministerien und Energieversorgungsunternehmen. Es konzentriert sich vorrangig auf die Verbesserung der Rahmenbedingungen für die dauerhafte regionale Stromvermarktung. Dazu arbeitet es in den folgenden Bereichen:

  • Stromerzeugung: Das Projekt berät ECREEE bei der Verbesserung der Rahmenbedingungen zur Förderung netzgebundener erneuerbarer Energien. Es unterstützt ECREEE außerdem beim Aufbau einer Beratungsstelle, die nachhaltige Energieversorgung für die ECOWAS-Mitgliedstaaten fördert. Ausgewählte nationale Partner werden dabei beraten, nationale Aktionspläne für erneuerbare Energien, Förderpolitiken und -instrumente umzusetzen. Erfahrungen mit Leuchtturmprojekten in der ECOWAS-Region werden ermittelt und dokumentiert.
  • Stromübertragung: Das Programm berät das WAPP-Sekretariat dabei, ein regionales Informations- und Koordinationszentrum sowie fünf subregionale Kontrollzentren aufzubauen. Es unterstützt vor allem mit gezielten Kompetenzentwicklungsmaßnahmen, die das Personal dafür qualifizieren, den regionalen Strommarkt zu steuern und finanziell zu verwalten. ERERA wird bei der Schaffung wichtiger Instrumente zur Regulierung des regionalen Strommarktes beraten: beispielsweise zur Ausgestaltung von Verträgen zur Strombeschaffung und zur Nutzung der Transportnetze sowie Methoden zur Tarifbestimmung für die Nutzung des regionalen Transportnetzes.
  • Stromverteilung: In Absprache mit dem WAPP-Sekretariat unterstützt das Programm ausgewählte Energieversorgungsunternehmen dabei, Lösungen für die Verringerung der Stromverluste im Verteilnetz zu erarbeiten. Die erarbeiteten Maßnahmen werden exemplarisch umgesetzt. Erfolgreiche Ansätze werden dokumentiert und über regionale Kanäle unter den WAPP-Mitgliedern verbreitet sowie bei politischen Entscheidungsträgern und im Finanzsektor bekannt gemacht.
  • Organisations- und Personalentwicklung: Im Mittelpunkt steht der institutionelle Aufbau der regionalen Exzellenz-Trainingszentren für das Personal der Energieversorgungsunternehmen. Basierend auf den Trainingsbedarfen der Unternehmen sollen marktbasierte, regional zertifizierte Weiterbildungsangebote entwickelt werden. Sie sollen langfristig kostendeckend durchgeführt werden und einen regionalen Austausch ermöglichen. Die bedarfsorientierten Weiterbildungsangebote sollen die Leistungsfähigkeit des Personals der Energieversorgungsunternehmen langfristig verbessern.

Das Vorhaben ergänzt das Engagement der KfW Entwicklungsbank bei der Finanzierung von Erzeugungs- und Übertragungsinfrastruktur zum Aufbau des WAPP. Es stimmt sich intensiv mit bilateralen und globalen Vorhaben ab, vor allem in Nigeria, Ghana, Senegal und Benin. Eine enge Abstimmung erfolgt ebenfalls mit der Europäischen Union, der US-amerikanischen Entwicklungsagentur (USAID), der Weltbank und anderen Gebern.

Wirkungen

Das Programm geht direkt und indirekt auf zentrale Entwicklungsprobleme von Energieversorgungsunternehmen und Konsumenten ein. Es trägt dazu bei, die Stromverluste der Energieversorgungsunternehmen im Verteilnetz zu verringern und das regionale Weiterbildungsangebot für das Personal der Unternehmen zu erweitern. Der Beitrag des Programms zur Verbesserung der Rahmenbedingungen führt außerdem dazu, dass vermehrt in Erneuerbare-Energien-Projekte investiert wird. Konsumenten werden mittelfristig von einer verlässlicheren und bezahlbareren Stromversorgung profitieren.

Durch verbesserte Rahmenbedingungen für die Stromerzeugung mit erneuerbaren Energien, kombiniert mit der Unterstützung von Projektentwicklern, können mehr Energieprojekte verwirklicht werden. So werden personelle und institutionelle Ressourcen und Leistungsfähigkeit gestärkt und Dritte ermutigt, erfolgreiche Ansätze zu übernehmen.

Bei der Verbesserung der rechtlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen für erneuerbare Energien werden unterschiedliche Interessensgruppen einbezogen, um für alle Seiten tragfähige Lösungen zu erarbeiten. Das Vorhaben unterstützt so partizipative Entwicklung und gute Regierungsführung.