Produktivität fördern durch Know-how, Organisation und qualitatives Saatgut

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Beitrag zur Förderung der Landwirtschaftlichen Produktivität
Auftraggeber: Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL)
Land: Äthiopien
Politischer Träger: Ministry of Agriculture
Gesamtlaufzeit: 2015 bis 2021

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Ausgangssituation

Große Landesteile Äthiopiens bieten sehr günstige klimatische Bedingungen für die landwirtschaftliche Produktion, vor allem im Hochland. Dieses Potenzial wird bei weitem nicht ausgeschöpft. Dabei könnte die landwirtschaftliche Produktion in Äthiopien die Bevölkerung ernähren und zusätzlich Einnahmen aus dem Export von landwirtschaftlichen Erzeugnissen schaffen.

Trotzdem sind zehn Millionen Menschen von regelmäßiger Nahrungsmittelhilfe abhängig. Das Land importiert zunehmend Grundnahrungsmittel. Günstige klimatische Bedingungen bleiben ungenutzt, weil die überwiegend kleinen landwirtschaftlichen Betriebe kaum Zugang zu Maschinen, Dünger und Saatgut haben. Die Bäuerinnen und Bauern wenden darüber hinaus unvorteilhafte Bewirtschaftungsmethoden an. In der Folge sind die Flächenerträge selbst im afrikanischen Vergleich niedrig.

Ziel

Die Voraussetzungen zur Steigerung der landwirtschaftlichen Produktivität sind verbessert.

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Vorgehensweise

Höhere landwirtschaftliche Erträge erfordern Know-how, Organisation und qualitatives Saatgut. Das Vorhaben setzt an diesen Stellschrauben an: Ertragreiches und widerstandsfähiges Saatgut soll in ausreichender Menge und zu fairen Preisen erwerbbar sein. Bäuerinnen und Bauern erlernen den richtigen Gebrauch von Landmaschinen und moderner Bodenbewirtschaftung. Bäuerliche Kooperativen bauen ihre Managementfähigkeiten aus.

Hierzu arbeitet das Vorhaben mit äthiopischen Institutionen aus Forschung, Erwachsenenbildung und Verwaltung zusammen und bringt sie mit starken Partner*innen aus der deutschen Privatwirtschaft, den Genossenschaften und dem öffentlichen Bereich zusammen.

Angepasstes Saatgut: In Zusammenarbeit mit dem Ethiopian Biodiversity Institute setzt sich das Vorhaben für den Erhalt genetischer Ressourcen ein. Es unterstützt das Ethiopian Institute of Agricultural Research dabei, angepasstes Saatgut zu züchten. Neun kleinbäuerlichen Genossenschaften in den Bundesländern Tigray, Amhara und Oromia hilft das Vorhaben dabei, regional angepasstes Saatgut zertifiziert zu vermehren und lokal zu vermarkten. Darüber hinaus unterstützt das Vorhaben als Mitglied in der nationalen Saatgutberatungsgruppe die Erarbeitung von Strategien und Regeltexten für die Saatguterzeugung und Sortenzulassung. Das Projekt fördert die Anwendung internationaler Standards in der Saatgutkontrolle.

Nutzung von Landmaschinen: Das Agrarweiterbildungszentrum für Mechanisierung in Kulumsa vermittelt seit seiner Eröffnung im Jahr 2013 den Nutzen landwirtschaftlicher Mechanisierung. An den Schulungen nehmen jährlich etwa 900 Bäuerinnen und Bauern sowie landwirtschaftliche Fachkräfte teil. Das Bildungszentrum lehrt den praktischen Umgang mit Landmaschinen und die Anwendung von angepassten Anbauverfahren, die die Bodenfruchtbarkeit erhalten und die Produktivität langfristig steigern.

Stärkung von bäuerlichen Kooperativen: Das landwirtschaftliche Berufsbildungszentrums in Ardaita soll in ein Trainingszentrum für Kooperativen sowie die Weiterbildung von Dozent*innen umgebaut werden. Dadurch erhalten Kooperativen dauerhaft Fortbildungsangebote. Gemeinsam mit der Federal Cooperative Agency (FCA) ist ein Prüfverfahren entstanden. Dadurch überwacht und bewertet die FCA das Management der rund 80.000 bäuerlichen Kooperativen.

Wirkungen

  • Das Ethiopian Biodiversity Institute lagert in der neuen Kühlkammer pflanzengenetisches Material nach internationalem Standard. Dieses Material nutzt das Ethiopian Institute of Agricultural Research für die Züchtung neuer Gerstensorten, die einen höheren Ertrag mit einer hohen Widerstandskraft gegen Krankheiten verbinden. Das staatliche Forschungsinstitut entwickelt heute zielgerichtet und schneller neue Sorten, die für eine dauerhaft Ertragsteigerung nötig sind.
  • Die unterstützten Saatgut-Kooperativen verkaufen jährlich 1.100 Tonnen zertifiziertes Getreidesaatgut. Damit verbessern sie die Versorgung mit Saatgut und erhöhen gleichzeitig ihr Einkommen. Die Dynamik privater Unternehmen könnte die Verfügbarkeit noch deutlicher verbessern. Eine Öffnung in diese Richtung kann das Strategiedokument zur Transformation der Saatgutbranche bewirken, welches die nationale Saatgutberatungsgruppe im Sommer 2019 vorgelegte.
  • Die Federal Cooperative Agency (FCA) erreicht mittlerweile jedes Jahr die Hälfte der geschäftsfähigen Kooperativen mit regelmäßigen Überprüfungen. Die Audits helfen den Kooperativen, Organisation und Finanzmanagement zu verbessern. Dazu dienen auch die Kurzzeitkurse in Buchhaltung, Vermarktung und Management, die die Berufsschule Ardaita neuerdings für Kooperativen anbietet.
  • Absolvent*innen des Agrarweiterbildungszentrum für Mechanisierung (ATC) bieten heute in verschiedenen landwirtschaftlichen Servicebetrieben Dienstleistungen für Kleinbäuerinnen und Kleinbauern an, die sich eigene Maschinen nicht leisten können. Auch in staatlichen Betrieben und Agrarforschungszentren sorgen Absolvent*innen des ATC für den fachgerechten Einsatz und die Wartung der Landmaschinen.
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