Steigerung der Produktivität durch verbesserten Zugang zu hochwertigem Saatgut und Mechanisierung

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Beitrag zur Förderung nachhaltiger landwirtschaftlicher Produktivität in Äthiopien
Auftraggeber: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL)
Land: Äthiopien
Partner: Bundessortenamt, KWS Saat SE & Co. KGaA, Gemeinschaft zur Förderung von Pflanzeninnovation e.V., Leibnitz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung
Politischer Träger: Landwirtschaftsministerium
Gesamtlaufzeit: 2015 bis 2023

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Ausgangssituation

Das landwirtschaftliche Produktionspotenzial Äthiopiens wird bislang nicht voll ausgeschöpft. Obwohl die landwirtschaftliche Produktion in Äthiopien die Bevölkerung ernähren und zusätzliche Einnahmen aus dem Export landwirtschaftlicher Erzeugnisse schaffen könnte, sind noch immer rund zehn Millionen Menschen von regelmäßiger Nahrungsmittelhilfe abhängig. Das Land importiert zunehmend Grundnahrungsmittel. Die landwirtschaftliche Produktion bleibt hinter den Möglichkeiten zurück, weil die durchschnittlich nur 0,5 Hektar großen Betriebe im Hochland keinen Zugang zu Maschinen, Dünger und Qualitätssaatgut haben. Zudem wenden die Landwirt*innen selten die vorteilhaftesten Produktionsmethoden an.

Ziel

Die Voraussetzungen zur Steigerung der landwirtschaftlichen Produktivität in Äthiopien sind verbessert.

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Vorgehensweise

Das Vorhaben unterstützt die folgenden einander ergänzenden Maßnahmen:

Lokal angepasstes Saatgut: Gemeinsam mit dem Ethiopian Biodiversity Institute (EBI) und der deutschen Genbank trägt das Vorhaben zur Erhaltung der einzigartigen genetischen Ressourcen Äthiopiens bei. In Zusammenarbeit mit der Firma KWS Saat SE und dem Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter (Gemeinschaft zur Förderung von Pflanzeninnovation, GFPi) hilft es dem Ethiopian Institute of Agricultural Research (EIAR) bei der Züchtung lokal angepasster Gerstensorten mit verbesserten Eigenschaften zur Erzeugung früher Saatgutgenerationen. Das Vorhaben unterstützt neun Genossenschaften in drei Regionen Äthiopiens bei der Erzeugung zertifizierten Saatguts aus frühen Saatgutgenerationen und seiner Vermarktung in diesen Regionen. Als Mitglied der äthiopischen Saatgutberatungsgruppe und in Kooperation mit dem deutschen Bundessortenamt wirkt das Vorhaben an der Erarbeitung und Überarbeitung von Strategien und Regelungen für den Saatgutsektor mit. Außerdem fördert es die Anwendung internationaler Standards bei der Saatgutqualitätskontrolle und der Sortenzulassung.

Mechanisierung der Landwirtschaft: Das landwirtschaftliche Weiterbildungszentrum (Agricultural Training Centre, ATC) in Kulumsa veranstaltet seit seiner Eröffnung 2013 praktische Schulungen zur Bedienung von Landmaschinen und zu Anbauverfahren, die die Bodenfruchtbarkeit erhalten und zu einer langfristigen Produktivitätssteigerung führen. Im Durchschnitt nehmen jährlich 600 Landwirt*innen, Maschinenführer*innen, Lehrkräfte und Studierende der landwirtschaftlichen Berufsbildung sowie arbeitslose Jugendliche an den Schulungen teil. Zur Förderung der landwirtschaftlichen Mechanisierung organisiert das Vorhaben außerdem Feldvorführungen und berät in Politik- und Regelungsfragen.

Verbessertes Bildungsangebot für bäuerliche Genossenschaften: Das Vorhaben trägt dazu bei, das landwirtschaftliche Berufsbildungszentrum in Ardaita in ein College mit einem dauerhaften Fortbildungsangebot für Genossenschaften umzuwandeln. In Zusammenarbeit mit der Federal Cooperative Agency (FCA) engagiert es sich auch bei der Ausbildung von Ausbildenden in fünf Verbänden, die dann ihre Mitglieder schulen und beraten.

Wirkungen

  • Mit seiner Beratung zur Verbesserung der strategischen rechtlichen Rahmenbedingungen in Zusammenarbeit mit dem Bundessortenamt leistete das Vorhaben einen Beitrag zu
    • der Annahme einer nationalen Saatgutpolitik 2020,
    • der Billigung einer neuen Erklärung über Pflanzenzüchterrechte 2018 und der Vorlage der entsprechenden Verordnung beim Ministerrat im Januar 2020,
    • der Festlegung von Standards für deklariertes Qualitätssaatgut (17 Kulturen).
  • Das nationale und vier regionale Saatgutlabors benutzen nun verbesserte Geräte und wenden mindestens zwei von der Internationalen Vereinigung für Saatgutprüfung festgelegte Standards an.
  • Eine überarbeitete Strategie einschließlich eines Geschäftsmodells zur Umwandlung des landwirtschaftlichen Berufsbildungszentrums in Ardaita in ein nationales Genossenschafts-College liegt vor.
  • Das EBI lagert 32 Prozent der Genbanksammlung oder 17.038 Muster in einem neuen Kühlraum entsprechend internationalen Standards für die langfristige Erhaltung.
  • Das EBI hat 64 Muster gefährdeter Favabohnen nachgebaut.
  • Das EIAR hat die Zahl der jährlich in der Gerstenzucht erzeugten effektiven Kreuzungen vervierfacht und die Züchtungszeit für eine neue Sorte um 30 Prozent verkürzt. Das hat zu deutlichen Verbesserungen bei neu eingeführten quantitativen Züchtungsparametern geführt.
  • 1.300 Landwirt*innen, die in neun Saatguterzeuger-Genossenschaften organisiert sind, haben ihre jährliche Produktion von Gersten- und Weizensaatgut von 600 Tonnen (2016) auf 1.200 Tonnen pro Jahr gesteigert. Damit werden etwa 64.000 Landwirt*innen mit verbessertem Saatgut versorgt.
  • Das ATC wurde am 3. Dezember 2020 offiziell an das EIAR übergeben und wird von diesem ab dem 16. Januar 2021 betrieben.
  • Das ATC hat Schulungen und Vorführungen für 5.243 Auszubildende (darunter Traktorfahrer*innen, Mechanisierungsdienstleister*innen, Lehrkräfte der landwirtschaftlichen Berufsbildung, College-Studierende und 80 arbeitslose Jugendliche) veranstaltet.
  • 2019 wurde das ATC als Assessment Center für Landmaschinenführer*innen für die Klassen I–IV und als Traktorfahrschule akkreditiert.
  • 90 Prozent der arbeitslosen Jugendlichen (72 Auszubildende), die im Umgang mit Traktoren geschult wurden, haben eine Beschäftigung gefunden.

Stand: Dezember 2020

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