Gemeindebasierte Bewirtschaftung von Walnussbaumwäldern und Weideflächen in Süd-Kirgisistan

Projektkurzbeschreibung

 

Titel: Erhaltung der Biodiversität und Armutsminderung durch gemeindebasierte Bewirtschaftung von Walnussbaumwäldern und Weideflächen in Süd-Kirgisistan
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Kirgisistan
Politischer Träger: Staatliche Agentur für Umweltschutz und Forstwirtschaft der Republik Kirgisistan; Ministerium für Landwirtschaft und Melioration der Republik Kirgisistan
Gesamtlaufzeit: 2014 bis 2018

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Ausgangssituation

Obwohl die Waldgebiete Kirgisistans nicht allzu groß sind, bilden sie einen wichtigen Biodiversitäts-Hotspot. Viele gezüchtete Obst- und Walnussbaumvarietäten gehen auf die wild wachsenden Walnuss- und Obstbäume im Süden des Landes zurück. Der Schutz dieser wilden Spezies ist für die ganze Welt von Bedeutung. Außerdem tragen die Wälder zur Regulierung des Wasserzyklus in flussabwärts gelegenen Gebieten bei und bilden damit eine wichtige Lebensgrundlage für die Bevölkerung, die in hohem Maße auf die natürlichen Ressourcen angewiesen ist, und zwar insbesondere auf die Nutzung von Nüssen, Weideland und Holz.

Durch die beschleunigte Gletscherschmelze gehört Kirgisistan inzwischen zu den am stärksten vom Klimawandel betroffenen Ländern der Welt. Das bestehende System zur Bewirtschaftung von Wald- und Weideflächen ist nicht an die Veränderungen angepasst, wodurch die Bodenerosion verstärkt werden dürfte. Dies wiederum wird voraussichtlich eine weitere Degradierung von Wald- und Weideflächen zur Folge haben.

Den relevanten staatlichen Stellen ist es bislang nicht gelungen, die bestehenden Landnutzungskonflikte beizulegen oder innovative Formen der Landbewirtschaftung zu entwickeln, die die örtliche Bevölkerung einbeziehen. Auch sind die örtlichen Gemeinden nicht in der Lage, nachhaltige Bewirtschaftungsmodelle einzuführen, die es erlauben, die Erhaltung der Biodiversität, die Anpassung an den Klimawandel und eine Steigerung der örtlichen Einkommen gleichzeitig zu erreichen.

Ziel

Ausgewählte Gemeinden in Süd-Kirgisistan nutzen nachhaltige Bewirtschaftungsmodelle für die Wald- und Weidewirtschaft, um die Erhaltung der Biodiversität, die Anpassung an den Klimawandel und die Steigerung der örtlichen Einkommen zu fördern.

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Vorgehensweise

Das Projekt konzentriert sich auf drei Hauptschwerpunkte:

Wir unterstützen staatliche Stellen und lokale Gemeinden (Forstbüros, Weidekomitees, lokale Selbstverwaltungen usw.) bei der Entwicklung eines gemeinsamen Plans zur Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen. Wald- und Weidenutzer werden in diesen Prozess einbezogen. Der Bewirtschaftungsplan soll nicht nur zur Einführung einer nationalen Waldreform anregen, sondern auch dazu beitragen, dass ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den Rollen und Zuständigkeiten der verschiedenen Akteure erreicht wird, die an der Wald- und Landbewirtschaftung beteiligt sind. Eine nachhaltige Weidewirtschaft konzentriert sich auf den Schutz der bestehenden Artenvielfalt, und die Wälder werden gemäß den Grundsätzen einer sachgerechten Forstwirtschaft bewirtschaftet, die den Schutz des Waldes mit Aufforstungsmaßnahmen verbindet. Durch die Umsetzung einer nachhaltigen Bewirtschaftung gemäß den Bewirtschaftungsplänen wird der Zustand von Wäldern und Weiden verbessert.

Einige Gebiete werden von dem Projekt aufgeforstet. Dabei werden Walnuss- und Obstbäume gepflanzt, die besonders gut an den Klimawandel angepasst sind. Sechs Forstbüros erhalten die zum Pflanzen junger Bäume notwendige Unterstützung. Ferner sollen Setzlinge aus dem natürlichen Genpool der einheimischen Arten in Baumschulen gezogen und anschließend auf entwaldeten Flächen gepflanzt werden. Außerdem wurden die Forstbüros mit Computern, Brandbekämpfungsausrüstungen und Material zum Bau von Zäunen ausgerüstet. Für den Bau von Zäunen und die Aufforstung von Flächen nehmen die Forstbüros örtliche Nutzergruppen unter Vertrag.

Die Ergebnisse der agrar- und forstwirtschaftlichen Forschung sowie Innovationen aus früheren Projekten bilden eine wichtige Grundlage für die Arbeit des Projekts. Das Projekt bietet der örtlichen Bevölkerung neue Möglichkeiten für eine nachhaltigere Waldnutzung. So werden verstärkt Flächen wiederaufgeforstet, und der Holzeinschlag zur Brennholzgewinnung geht zurück. Dabei werden neue Aufforstungsmethoden und alternative Einkommensquellen eingeführt und möglichst weit verbreitet. Wir unterstützen beispielsweise Bauernkooperativen und vermitteln diesen Techniken zur Erhaltung von Wasser- und Bodenressourcen, zum Bau von Gewächshäusern und zur Verbesserung der Qualität des Viehbestands. Außerdem sieht das Projekt eine Informationskampagne zu energieeffizienten Technologien vor, die darauf abzielt, überflüssigen Holzeinschlag zu verringern. Im Rahmen dieser Kampagne wird die örtliche Bevölkerung über Möglichkeiten der Wärmedämmung von Häusern informiert.

Seit September 2015 werden die Projektmaßnahmen durch das Unternehmen UNIQUE durchgeführt.

Wirkung

In Zusammenarbeit mit den leskhozes und Weidekomitees haben wir ein neues Modell zur Bewirtschaftung von Weideflächen getestet. Das Modell ist das Ergebnis intensiver Diskussionen, die von unseren Experten moderiert wurden und an denen neben Mitarbeitern der Forstbüros auch Vertreter von Weidekomitees sowie von Distrikt- und Dorfverwaltungen beteiligt waren. Die Verantwortung für die Überwachung der Weiden liegt nach wie vor bei den Forstbüros, während die jährlichen Weidenutzungsrechte auf die Nutzerkomitees übertragen werden.

Nach den Schulungen zu Technologien für den Schutz von Wasser und Boden haben örtliche Bauern Regenwasserauffangbecken und ein Tröpfchenbewässerungssystem gebaut. Dabei haben sie nicht nur einen Erfolg durch Learning-by-doing erzielt, sondern einen Sinn für eigenverantwortliches Handeln entwickelt.

Fünfhundert Bauern haben die Schulungen zu Viehzucht und Anbau von Kulturpflanzen absolviert. Einige der Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben sich zu Gruppen zusammengeschlossen, um die Qualität ihres Viehbestands durch Züchtung gezielt zu verbessern. Außerdem wurde ein Wettbewerb um die besten Geschäftspläne durchgeführt. Die Gewinner waren zehn Nutzergruppen, die als Auszeichnung Solartrocknungsgeräte zur Verarbeitung von Waldprodukten erhielten. Damit sind sie nun in der Lage, qualitativ hochwertiges Trockenobst zu höheren Preisen zu vermarkten.

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Dank der monatlichen Informationstouren durch die Projektgebiete ist das Wissen um nachhaltige Methoden der Weide- und Waldwirtschaft in den örtlichen Gemeinden erheblich gestiegen.