Gemeindebasierte Bewirtschaftung von Walnussbaumwäldern und Weideflächen in Süd-Kirgisistan

Projektkurzbeschreibung

 

Titel: Erhaltung der Biodiversität und Armutsminderung durch gemeindebasierte Bewirtschaftung von Walnussbaumwäldern und Weideflächen
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Kirgisistan
Politischer Träger: Staatliche Agentur für Umweltschutz und Forstwirtschaft der Republik Kirgisistan
Gesamtlaufzeit: 2018 bis 2020

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Ausgangssituation

Obwohl die Waldgebiete Kirgisistans nicht allzu groß sind, bilden sie einen wichtigen Biodiversitäts-Hotspot. Viele gezüchtete Obst- und Walnussbaumvarietäten gehen auf die wild wachsenden Walnuss- und Obstbäume im Süden des Landes zurück. Der Schutz dieser wilden Spezies ist für die ganze Welt von Bedeutung. Außerdem tragen die Wälder zur Regulierung des Wasserzyklus in flussabwärts gelegenen Gebieten bei und bilden damit eine wichtige Lebensgrundlage für die Bevölkerung, die in hohem Maße auf die natürlichen Ressourcen angewiesen ist.

Kirgisistan ist eines der am stärksten vom Klimawandel betroffenen Länder der Welt. Das bestehende System zur Bewirtschaftung von Wald- und Weideflächen ist nicht an die Veränderungen angepasst, was die Bodenerosion verstärken dürfte. Dies wiederum wird voraussichtlich eine weitere Degradierung von Wald- und Weideflächen zur Folge haben.

Die relevanten staatlichen Stellen haben Schwierigkeiten mit der Lösung von Landnutzungskonflikten und der Einbindung von lokalen Gemeinschaften in die Entscheidungsprozesse. Auch die lokalen Gemeinschaften selbst sind nicht in der Lage, nachhaltige Bewirtschaftungsmodelle für natürliche Ressourcen anzuwenden, mit denen die Erhaltung der biologischen Vielfalt, die Anpassung an den Klimawandel und eine Steigerung der örtlichen Einkommen erreicht werden könnte.

Ziel

Das Projekt integriert in enger Zusammenarbeit mit staatlichen und lokalen Partnern ein nachhaltiges Bewirtschaftungsmodell für natürliche Ressourcen in die wirtschaftlich Praxis der von Waldgebieten abhängigen Gemeinden Kirgisistans.

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Vorgehensweise

Das Projekt wurde in Bazar-Korgon, einem Distrikt der Region Jalal-Abad, umgesetzt. In diesem Gebiet erstrecken sich natürliche Walnussbaumwälder auf einer Fläche von 13.000 Hektar. Dabei handelt es sich um die weltweit größten ihrer Art.

Das Projekt konzentriert sich auf die Unterstützung staatlicher Stellen und lokaler Gemeinschaften. Dazu wurde ein gemeinsames Bewirtschaftungsmodell für natürliche Ressourcen eingeführt, das von dem Vorhaben derzeit weiterentwickelt wird. Neben von Pilotprojekten zu nationalen Waldreform trägt die gemeinsame Bewirtschaftung auf lokaler Ebene dazu bei, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den Rollen und Zuständigkeiten der verschiedenen an der Landnutzung beteiligten Akteure zu erreichen.

Zur Institutionalisierung von bewährten Praktiken unterstützt das Projekt Forstunternehmen, Waldnutzer und örtliche Organisationen bei Organisationsentwicklungsprozessen, die auf einen steten Wissensaustausch und die Integration der spezifischen Interessen von Frauen abzielen. Sechs lokale Forstunternehmen wurden bei der Pflanzung einer Mischung aus ausgewählten, heimischen Walnuss- und Obstbäumen unterstützt, von denen angenommen wird, dass sie gut an den Klimawandel angepasst sind.

Wenn der örtlichen Bevölkerung neue, nachhaltigere Möglichkeiten zur Nutzung der Waldressourcen geboten werden, können sich die Walnussbaumwälder erholen. Daher hat das Projekt in größerem Maßstab alternative Einkommensquellen erschlossen. So wurden beispielsweise Qualitäts- und Produktnormen für forstwirtschaftliche Nichtholzerzeugnisse zur Verbesserung der Exportmöglichkeiten entwickelt.

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Wirkung

Unter Beteiligung von lokalen Forstunternehmen und Weidekomitees wurde ein neues Modell zur Bewirtschaftung von Weideflächen eingeführt. Mit den wichtigsten Stakeholdern aus drei Pilotforstunternehmen wurden integrierte Bewirtschaftungspläne für natürliche Ressourcen entwickelt, die Faktoren wie Tourismus und Wertschöpfungsketten berücksichtigen. 400 Wald- und Weidenutzer haben mit Mitarbeitern von Forstbetrieben zusammengearbeitet.

Baumschulen wurden dabei unterstützt, hochwertige und klimabeständige Setzlinge aus Walnuss- und Obstbäumen zu ziehen. Diese Setzlinge werden anschließend dazu verwendet, eingezäunte Parzellen aufzuforsten und die Wälder zu regenerieren.

Zehn Nutzergruppen haben einen Wettbewerb um die besten Geschäftspläne gewonnen und Solartrocknungsgeräte zur Trocknung und Verarbeitung von Waldprodukten erhalten. Damit sind sie nun in der Lage, qualitativ hochwertiges Trockenobst sowie Pilze und Heilkräuter zu höheren Preisen zu vermarkten. Darüber hinaus wurden zwei lokale Erzeugnisse – Süßigkeiten aus im Wald gewonnenen Rohstoffen und Walnussöl – als Markenprodukte etabliert.

Seit Februar 2015 haben die Mitglieder der lokalen Gemeinschaften ihr Wissen über nachhaltige Methoden der Weide- und Waldwirtschaft durch vierteljährliche Informationstouren in den Projektgebieten verbessert. Im Zuge der Sensibilisierung für die Einzigartigkeit der südkirgisischen Wälder haben unsere Projektpartner die Initiatoren des „Walnuss-Festivals“ unterstützt. Dabei handelt es sich um eine beliebte Veranstaltung, die jährlich Hunderte von Besuchern anzieht.

Neue Konzepte für umweltbezogene Bildungsmaßnahmen wurden eingeführt. Das erarbeitete Handbuch für Lehrer*innen ergänzt die staatlichen Lehrpläne.

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