Entwicklung der Natur- und Wirtschaftsräume Tai und Comoé

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Entwicklung der Natur- und Wirtschaftsräume Tai und Comoé in der Côte d'Ivoire
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Côte d’Ivoire
Politischer Träger: Landwirtschaftsministerium (MINAGRI)
Partner: Entwicklungspartnerschaften mit TNCI, Barry Callebaut, CIPEXI
Gesamtlaufzeit: 2013 bis 2016

Ausgangssituation

Nach der mehrere Jahre andauernden politischen und sozioökonomischen Krise befindet sich die Elfenbeinküste im Umbruch. Während des Konflikts ist die landwirtschaftliche Produktion in manchen Gebieten auf Subsistenzniveau zurückgefallen, da die Bauern weder Betriebsmittel kaufen, noch ihre Produkte vermarkten konnten. Viele Schutzgebiete und staatliche Wälder sind stark geschädigt worden. Zwei der wichtigsten Schutzgebiete sind der Taï-Nationalpark, der größte intakte Regenwald Westafrikas, im Südwesten und der Comoé-Nationalpark im Norden des Landes. Sie tragen beide die Prädikate „Biosphärenreservat“ und „Weltnaturerbe“ der UNESCO. Die Parks bilden die Grundlage für ein stabiles Mikroklima, entscheidend für die lokale Agrarproduktion. Der Taï-Park unterliegt einem erheblichem Druck: In seinem Umfeld werden 15 Prozent der Weltproduktion an Kakao sowie Palmöl und weitere Kulturen angebaut. Um den Comoé-Park herum spielen vor allem Baumwolle und Cashewnüsse eine wichtige Rolle. Durch extensive Anbaumethoden, den geringen Modernisierungsgrad der Landwirtschaft und geschwächte staatliche Institutionen sind die Produktion und das Einkommen der Produzenten zurückgegangen.

Ziel

Der Schutz der Biodiversität und die nachhaltige Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen in den Natur- und Wirtschaftsräumen Taï und Comoé sind verbessert. Die ländliche Bevölkerung wendet Anbaupraktiken an, die die Artenvielfalt fördern und gleichzeitig ihr Einkommen erhöhen.

Vorgehensweise

Mit den verantwortlichen Ministerien erarbeitet das Projekt politische Strategien, in denen nachhaltige land- und forstwirtschaftliche Methoden verankert sind. Gleichzeitig soll der Erhalt der Artenvielfalt berücksichtigt werden.

Das Projekt baut in enger Zusammenarbeit mit den lokalen Akteuren die Wertschöpfungsketten Kakao, Palmöl, Cashew, Mais, Zwiebeln und Schweinzucht aus. Darüber hinaus entwickelt es gerechte Geschäftsbeziehungen zwischen der Agro-Industrie und Familienbetrieben. In der Waldwirtschaft arbeitet es mit der Holzindustrie zusammen, um Waldressourcen in den Wirtschaftsräumen Taï und Comoé nachhaltig zu managen.

Im Südwesten des Landes steht die Entwicklung der Wirtschaft um den Nationalpark Tai und dessen Schutz im Zentrum der Aktivitäten. Dazu entwickelt das Programm mit seinen Partnern eine Strategie, wie illegal genutzte landwirtschaftliche Fläche wieder in den Nationalpark zurück geführt werden kann. Mit der Parkdirektion entstehen Systeme, um den Park besser zu managen. Netzwerke und Dialogplattformen mit der Wirtschaft dienen ebenfalls dem Schutz und der Entwicklung des Parks.

Neben dem Nationalpark Taï konzentriert sich das Programm auf den Park Comoé und sein wirtschaftliches Umfeld. Hier berät das Programm die Umwelt- und Agrarbehörde dabei, die finanzielle und technische Unterstützung für eine nachhaltige ländliche Wirtschaftsentwicklung und Naturschutzpolitik zu verbessern. Weiterhin schult das Programm die Parkschutzbehörde beim Management, damit die Mitarbeiter ihre Aufgaben genau kennen und sie besser wahrnehmen können. Bestehende Konflikte um Bodenrechte zwischen Kleinbauern und Viehhaltern sollen durch gezielte Beratung und Sensibilisierung vermindert werden. Landwirtschaftliche Beratungsdienste und Branchenverbände werden dabei unterstützt, das Angebot an Schulungen für Kleinbauern zu erweitern. Der Fokus der Schulungen liegt hierbei auf nachhaltigen und umweltfreundlichen Anbaupraktiken. Durch erleichterten Zugang zu landwirtschaftlichen Betriebsmitteln und Krediten in der Peripherie des Nationalparks Comoé sollen Produktivität und Investitionsbereitschaft erhöht werden.

Die Consultingfirma GFA unterstützt die Umsetzung des Vorhabens.

Wirkung

Insgesamt haben in den vergangenen Jahren 450 kleine Aktivitäten in den Bereichen Reis, Gemüseanbau, Kunsthandwerk und Tierhaltung das Einkommen von etwa 8.000 Haushalten um 300 Euro jährlich gesteigert. Lokale Wirtschaftskreisläufe kamen in Schwung, sodass weniger Konflikte zwischen der Bevölkerung entstanden. In der Zwiebelproduktion testeten die Partner eine neue Sorte, die die Bauern auch außerhalb der Anbausaison anpflanzen und vermarkten können. Dadurch erhöht sich das Einkommen der Produzenten und Produzentinnen.

Gemeinsam mit Unternehmen führte das Programm Sozial- und Ökostandards wie die Rainforest Alliance oder UTZ Certified in der Kakaoproduktion ein. Die bisher 1.500 zertifizierten Produzenten verzeichnen ein bis zu 60 Prozent höheres Einkommen gegenüber dem Landesdurchschnitt, wovon insgesamt 20.000 Personen in kleinbäuerlichen Haushalten profitieren. Weiterhin integrierten 70 Prozent der geförderten Betriebe insgesamt über 130.000 Schattenbäume in ihre Produktionssysteme, wodurch zahlreiche Bäume wieder aufgeforstet wurden. Das Projekt führte Schulwälder ein und forstete so 22 Hektar Wald wieder auf. 3.000 Schüler hatten dadurch die Chance, sich über den Wert des Waldes und die Notwendigkeit von Schutzgebieten zu informieren.

Trotz zunehmenden menschlichen Nutzungsdrucks hat das Management des Taï-Nationalparks den Erhaltungsstatus des Parks mithilfe seiner Partner sichern können. Die vorher illegal landwirtschaftlich genutzten Flächen hat das Parkmanagement zu 98 Prozent wieder zurückgewonnen.