Unterstützung des Nationalen Programms für nachhaltige Kleinbewässerungslandwirtschaft

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Unterstützung des Nationalen Programms für nachhaltige Klein-bewässerungslandwirtschaft
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Mali
Politischer Träger: Ministère de l‘Agriculture
Gesamtlaufzeit: 2017 bis 2019

Internetseite_PASSIP_Etuvage riz_ Kassoum Keita

Ausgangssituation

Die Hälfte der ländlichen Bevölkerung Malis lebt unterhalb der Armutsgrenze und ist unter- oder mangelernährt. Der herkömmliche Regenfeldbau schafft es aufgrund der klimatischen Veränderungen und des starken Bevölkerungswachstums nicht, Einkommen und Ernährung der Bevölkerung zu sichern. Mali verfügt jedoch über große Wasserreserven, die sich für den Ausbau und die Diversifizierung der landwirtschaftlichen Produktion sowie für eine bessere Ernährung im Rahmen von Kleinbewässerungslandwirtschaft nutzen lassen.

Anfang 2012 verabschiedete die Regierung Malis das Nationale Programm für Kleinbewässerung. Sowohl auf staatlicher Seite als auch bei öffentlichen und privaten Dienstleistern fehlt jedoch das Know-how, um das Programm umzusetzen. Die kleinbäuerlichen Familienbetriebe kommen bislang nur begrenzt in den Genuss verbesserter Bewässerungssysteme. Die Erträge landwirtschaftlicher Erzeugnisse sind bislang niedrig und reichen nicht aus, um die Ernährungssituation nachhaltig zu verbessern.

Ziel

Die in der Kleinbewässerungslandwirtschaft tätige ländliche Bevölkerung verbessert ihre wirtschaftliche Lage und ihre Ernährungssituation.

Vorgehensweise

Die Bundesregierung finanzierte zunächst die Bewässerungsinfrastruktur durch den Bau von Kleinstaudämmen und die Einrichtung von Bewässerungsflächen. Mit dem aktuellen Vorhaben unterstützt die GIZ, im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), umfassend die nachhaltige Nutzung der geschaffenen Anbauflächen.

Mit den verantwortlichen malischen Ministerien erarbeitet das Projekt geeignete gesetzliche Rahmenbedingungen und schult die Mitarbeiter aus Ministerien und Behörden, damit sie diese umsetzen und überwachen können. Mit Weiterbildungseinrichtungen entwickelte das Projekt Curricula und Lehrerfortbildungen, um die Ausbildung für Dienstleistungsberufe in der Bewässerungslandwirtschaft zu verbessern.

Die Bauern lernen, Flächen nachhaltig zu bewirtschaften, landwirtschaftliche Erzeugnisse wie Reis und Gemüse fachgerecht zu lagern, zu verarbeiten und zu vermarkten und ihre Ernährung zu verbessern. In Schulungen vermitteln das Projekt und Agrarberater der Bevölkerung dazu das notwendige Wissen. Sie kann so allmählich das wirtschaftliche Potenzial der Kleinbewässerung für eine rentable Landwirtschaft und zur besseren Ernährung nutzen.

Das Projekt arbeitet vor allem mit Bauern aus dem Binnendelta des Niger in den Regionen Timbuktu und Mopti, im Dogonland und in den Regionen Koulikoro/Bélédougou sowie Sikasso. 2017 kommen Maßnahmen in der Region Kayes hinzu.

Das Vorhaben wird von der Europäischen Union und der kanadischen Regierung kofinanziert. Curricula und Lehrerfortbildungen werden in Zusammenarbeit mit dem Consulting-Konsortium AFC/ECO entwickelt.

Wirkungen

Die strategische Planungsgrundlage für die Entwicklung der Kleinbewässerungslandwirtschaft in Mali, das mit Unterstützung des Vorgängervorhabens erarbeitete Nationale Programm für Kleinbewässerung, hat der Ministerrat Anfang 2012 verabschiedet.

Die Nationale Direktion für Ländliche Infrastruktur koordiniert die Aktivitäten verschiedener nationaler und internationaler Organisationen, die sich für die Förderung der kleinbäuerlichen Bewässerungslandwirtschaft einsetzen. Deren Mitarbeiter bearbeiten inzwischen alle Belange der Kleinbewässerungslandwirtschaft.

Ein Handbuch über gute Erfahrungen in der Kleinbewässerungslandwirtschaft sowie das technische Handbuch für Kleinstaudämme liegen vor.

Das Projekt erarbeitete zusammen mit 5 regionalen landwirtschaftlichen Ausbildungszentren in den Regionen Kayes, Koulikoro, Mopti, Ségou und Sikasso 12 Curricula mit insgesamt 46 Modulen. Sie sind die Grundlage eines hochwertigen Aus- und Fortbildungsangebots, das die zentralen Bereiche der Kleinbewässerungslandwirtschaft umfasst. Den naturräumlichen Gegebenheiten der einzelnen Regionen angepasste Versionen der Lehrpläne liegen zusätzlich vor. 660 Mittler, davon etwa ein Viertel Frauen, wurden nach den Lehrplänen fortgebildet. Private Agrardienstleister arbeiten mit den neuen Inhalten.

Mehr als 3.000 Produzenten, davon etwa 60 Prozent Frauen, wurden geschult: in verbesserten Techniken des Reis- und Gemüseanbaus, Nacherntetechnologie, landwirtschaftlichem Unternehmertum und in Verarbeitung und Vermarktung landwirtschaftlicher Erzeugnisse.

Über 90 Prozent der im Niger-Binnendelta errichteten Bewässerungsanlagen werden von kleinbäuerlichen Familienbetrieben intensiv genutzt. Sie konnten ihren Reisertrag gegenüber den früheren traditionellen Anbaumethoden verdreifachen und auf einem stabilen Ertragsniveau von durchschnittlich 5,8 Tonnen pro Hektar halten. Selbst während der politischen Krise 2012/13 haben die Bauern diesen Standard gehalten.

Auf den bewässerbaren Ackerflächen um die im Dogonland errichteten Kleinstaudämme werden Zwiebeln und Schalotten angebaut, mit einem sehr guten durchschnittlichen Ertragsniveau von 27 Tonnen pro Hektar und Jahr.

In Bélédougou haben die Bauern ihre Reiserträge auf den Bewässerungsflächen um die Kleinstaudämme und die Flussschwellen mit 4 Tonnen pro Hektar vervierfacht. Die Erträge bei Tomaten liegen mit 26 bis 32 Tonnen pro Hektar auf sehr hohem Niveau.

Mali. Dörfliche Kleinewässerungsanlage in Diré, Region Timbuktu © GIZ / PASSIP PMN

In Mali ist der Reisanbau überwiegend von Männern dominiert. Durch den höheren Anteil an Gemüsebau arbeiten inzwischen auch deutlich mehr Frauen in der Landwirtschaft. In der Region Koulikoro/Bélédougou und im Dogonland liegt der Frauenanteil bei 30 Prozent, wohingegen es im vom Reisanbau geprägten Niger-Binnendelta nur 6 Prozent sind.