Management der marinen Ökoregion Benguelastrom

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Schutz und nachhaltige Nutzung der Meeresbiodiversität der marinen Ökoregion Benguelastrom
Auftraggeber: Internationale Klimaschutzinitiative (IKI); Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU)
Land: Namibia
Politischer Träger: Auf regionaler Ebene: Benguela Current Convention (BCC), Auf nationaler Ebene: Republiken Angola, Namibia und Südafrika
Gesamtlaufzeit: 2014 bis 2020

Ausgangssituation

Das marine Ökoregion des Benguelastroms befindet sich im Südostatlantik und erstreckt sich entlang der Küste Südangolas, der gesamten namibischen Küste und der West- und Südküste Südafrikas bis nach Port Elizabeth, im Osten des Landes. Die Region ist eines der produktivsten produktivsten und biologisch vielfältigsten marinen Gebiete der Welt.

In Anerkennung ihres außergewöhnlichen grenzüberschreitenden Naturkapitals haben die Regierungen Angolas, Namibias und Südafrikas 2007 die Benguela Current Commission (BCC) gegründet, um das trilaterale Management des gemeinsamen Ökosystems zu fördern. Die drei Mitgliedstaaten erkannten die Notwendigkeit, im Rahmen der Kommission gemeinsame Maßnahmen zu ergreifen, um ein ökosystemgestütztes Management und eine Steuerung der marinen Biodiversität und der natürlichen Ressourcen der marinen Ökoregion des Benguelastroms zu erreichen. Ziel ist es, eine ganzheitliche Vision zu verwirklichen, die das sozioökonomische Entwicklungspotential dieses ökologisch einzigartigen Meeresraumes bestmöglich fördert, so dass alle Branchen und die Gesellschaften der Anrainerstaaten einen greifbaren und nachhaltigen Nutzen daraus ziehen können. Mit der Ratifizierung der Benguela Current Convention durch die drei Länder im Jahr 2015 ist die Kommission nun dazu ermächtigt und als regionale Organisation dafür verantwortlich, die zwischenstaatlichen Vereinbarungen zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung der marinen Ökoregion umzusetzen.

Das MARISMA-Projekt ist eine Partnerschaft zwischen der BCC, ihren Vertragsstaaten Angola, Namibia und Südafrika und der deutschen Regierung zur nachhaltigen Entwicklung der marinen Ökoregion. Für die Erreichung der regionalen Entwicklungsziele ist die Erschließung des wirtschaftlichen Potenzials für ein nachhaltiges Wachstum der Region unerlässlich. Das Kooperationsprojekt unterstützt daher die BCC und ihre Vertragsstaaten bei der Maximierung des sozioökonomischen Nutzens bei gleichzeitiger Sicherung der Gesundheit des marinen Ökosystems und der Bereitstellung von Dienstleistungen.

Ziel

Das nachhaltige Management der marinen Biodiversität und Ressourcen der marinen Ökoregion Benguelastrom ist durch die Verbesserung der Kapazitäten der BCC und ihrer Mitgliedsstaaten in Bezug auf ökologisch oder biologisch bedeutsame Meeresgebiete (Ecologically or Biologically Marine Significant Areas, EBSAs) und die Meeresraumplanung (MRP) gestärkt.

Vorgehensweise

Der Ansatz des Projektes, anhand dem die nachhaltige Meeresnutzung im Benguelastroms möglich gemacht werden soll, konzentriert sich auf die Umsetzung der so genannten Meeresraumplanung (MRP). Dabei handelt es sich um einen Entscheidungsprozess, der steuert, wo und wann menschliche Aktivitäten im Meer stattfinden. Sicherzustellen, dass die richtige Tätigkeit am richtigen Ort stattfindet, hilft der Meereswirtschaft der Region dabei, nachhaltig zu wachsen. Davon profitieren Mensch und Umwelt gleichermaßen. Die MRP hilft den sektoralen Entscheidungsträgern dabei, einander bei ihrer Planung zu ergänzen. Sie zeigt räumliche Konflikte und Synergien zwischen den Nutzungen auf und fördert die gemeinsame Nutzung von Meeresgebieten, um möglichst vielen Branchen zu nutzen.

Die MRP ist ein integrativer Prozess, der eine Vielzahl von Interessengruppen einbezieht. Regierung, Industrie, Nichtregierungsorganisationen und Gemeinden arbeiten gemeinsam auf einen vereinbarten Meeresraumplan hin, der von möglichst vielen Beteiligten unterstützt und von den Behörden umgesetzt wird.

Wirkungen

1. Umsetzung und Institutionalisierung der MRP

MARISMA unterstützt die Entwicklung eines gemeinsamen Verständnisses der MRP sowie ihrer Auswirkungen und Vorteile. Regionale und nationale MRP-Rahmen leiten die Umsetzung von MRP in der maritimen Ökoregion. Für jedes Land wurden Zustandsberichte erstellt, um die Wissensgrundlage für die Entwicklung eines Meeresplans zu schaffen.

Das Projekt verwendet einen „Learning-by-doing“-Ansatz, der Interventionen auf mehreren Ebenen umfasst. So werden konkrete Lernmöglichkeiten und Erfahrungen durch die praktische Umsetzung der MRP auf subnationaler Ebene bereitgestellt. Basierend auf der Analyse und Kartierung der aktuellen und potentiellen zukünftigen räumlichen und zeitlichen Verteilung menschlicher Aktivitäten werden in prioritären Meeresgebieten Meeresraummanagementpläne entwickelt. Diese Planentwürfe stehen kurz vor der Fertigstellung. Die Lernergebnisse dieses „Prototyps/Pilotprojekts“ sind mit der Entwicklung eines günstigen Umfelds für gute Regierungsführung auf nationaler und regionaler Ebene verknüpft. Ein MRP-Gesetz wurde vom südafrikanischen Parlament verabschiedet und vom Präsidenten gebilligt. In Angola wurde die MRP durch eine neue Direktion für Meeresangelegenheiten institutionalisiert. Darüber hinaus wurde durch einen Präsidialerlass eine Seekommission gebildet, die der MRP als primäres Instrument der Meerespolitik Priorität einräumt. In Namibia wird die MRP im nationalen Entwicklungsplan vorrangig berücksichtigt. Eine regionale MRP-Strategie wurde angenommen, um die Kohärenz bei der grenzüberschreitenden Planung zu gewährleisten.

2. Wo sind die ökologisch bedeutsamen Meeresgebiete? – Informationen für die MRP

Das Projekt hat die BCC-Mitgliedsstaaten bei der Identifizierung und der Aktualisierung der Beschreibungen ihrer „ökologisch oder biologisch bedeutsamen Meeresgebiete“ (EBSAs) unterstützt. Insgesamt wurden 16 EBSAs überprüft und verbessert und 12 neue EBSAs beschrieben. EBSAs sind jene Bereiche der marinen Ökoregion Benguelastrom, die besondere ökologische Eigenschaften aufweisen und beim Management menschlicher Aktivitäten eine erhöhte Risikoaversion erfordern können. Die Beschreibung der EBSAs der Ökoregion und die Bewertung ihres Status ist eine wichtige Informationsebene bei der Entwicklung und Umsetzung der MRP.

Die Entwicklung von Meeresplänen in prioritären Meeresgebieten ist mit den identifizierten EBSAs verknüpft und fällt räumlich mit ihnen zusammen. Dies wird es den Ländern ermöglichen, die EBSAs von der wissenschaftlichen Information zum Management zu überführen – oder: „von der Karte zur Handlung“. In Südafrika sind die Kerngebiete der EBSAs zu Meeresschutzgebieten erklärt worden.

3. Entwicklung von Fähigkeiten, Sensibilisierung und Ermöglichung von Lernen und Zusammenarbeit

MARISMA nimmt als Querschnittselement der MRP- und EBSA-Aktivitäten die folgenden Funktionen wahr:

  • Umsetzung einer regionalen Strategie zur Entwicklung von Kapazitäten, die sicherstellt, dass alle Aktivitäten der EBSAs und der MRP so gestaltet werden, dass die Kapazitäten ausgebaut und entwickelt und die vorhandenen Kompetenzen genutzt werden
  • Umsetzung einer Kommunikations- und Sensibilisierungsstrategie für die Öffentlichkeit, um die Vorteile der MRP bekannter zu machen
  • Ermittlung der gewonnenen Erkenntnisse und Ermöglichung des Wissensaustauschs über Erfolge und potenzielle Fallstricke in der Region und weltweit

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