Ziviler Friedensdienst: Interkulturelle Dialogförderung im bolivianischen Tiefland

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Ziviler Friedensdienst: Förderung der zivilen Konfliktbearbeitung und des interkulturellen Dialogs im bolivianischen Tiefland
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Bolivien
Gesamtlaufzeit: 2012 bis 2019

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Ausgangssituation

Im Rahmen der Veränderungen in Bolivien und den damit einhergehenden Dezentralisierungsprozessen gibt es auf regionaler und lokaler Ebene ein erhöhtes Konfliktpotenzial bei demokratischer Regierungsführung und Partizipation. Weitere Konflikte entstehen durch die Politik der massiven Ausbeutung natürlicher Ressourcen, die sich einerseits auf die Umwelt aber auch auf marginalisierte und benachteiligte Bevölkerungsgruppen auswirkt.

Ziel

Prozesse politischer Teilhabe verlaufen zunehmend gewaltfrei, lokale Rechtsvorschriften werden partizipativ ausgearbeitet. Auch Umwelt und Ressourcenkonflikte werden mehr und mehr gewaltfrei bearbeitet. Marginalisierte, benachteiligte Bevölkerungsgruppen, insbesondere indigene Völker, Kleinbauern und Frauen, üben nachweislich ihre Rechte aus. Ihre politische Teilhabe ist gestärkt.

Vorgehensweise

Das Programm Ziviler Friedensdienst (ZFD) stellt Projektmittel zur Verfügung und arbeitet mit internationalen und lokalen Fachkräften sowie lokalen Partnerorganisationen nach folgenden Prinzipien zusammen:

  • Der ZFD arbeitet systemisch, das heißt, er setzt beim Konfliktverhalten einzelner Menschen an und geht davon aus, dass die Änderungen im Konfliktverhalten Einzelner zu positiven Erfahrungen und damit zu nachhaltigen Einstellungsänderungen führen, die eine Änderung des Systems bewirken können.
  • Er geht von dynamischen Wechselwirkungen aus und setzt auf verschiedenen Ebenen der Zivilgesellschaft an: lokal und national sowie auf verschiedenen Ebenen innerhalb von Organisationen.
  • Er arbeitet an der Schnittstelle zwischen Menschenrechten und Konflikttransformation. Grundlage sind die Menschenrechte mit Fokus auf benachteiligte Bevölkerungsgruppen, unter dem Grundsatz der Allparteilichkeit, das heißt, Eliten wie Großgrundbesitzer, staatliche Stellen, Banken und Privatunternehmen werden einbezogen.

Wirkung

  • Gruppen wie die indigene Bevölkerung und Kleinbauern, die bislang von politischen Entscheidungen ausgeschlossen waren, werden in Entscheidungen der lokalen Politik einbezogen. In fünf Gemeinden fördert der ZFD Dialogprozesse zur partizipativen Erarbeitung kommunaler Autonomiestatute. In einer Gemeinde wurde das Statut Paragraf für Paragraf im Konsens verabschiedet.
  • Der bolivianische Ombudsmann für Menschenrechte hat ein nationales Konfliktmonitoringsystem für menschenrechtsrelevante Themen eingerichtet. Auf dieser Grundlage wurde ein Interventionsmodell aufgebaut.
  • Die NGO Fundación Tierra hat ein Monitoringsystem mit Daten zum aktuellen Stand und zu Konflikten bei der rechtlichen Sicherung indigener Territorien sowie deren Umwandlung in indigene Autonomiegebiete aufgebaut. Die Öffentlichkeit und die Ministerien verfügen damit über bessere Informationen zum Dezentralisierungsprozess und zu erforderlichen Interventionen in Konfliktfällen.
  • Für zwei indigene Territorien wurden Umweltschutzpläne verabschiedet. Die Entschädigungen für die indirekten Auswirkungen von Straßenbauten wurden signifikant erhöht.
  • Organisationen, die in der Dialogförderung und zivilen Konfliktbearbeitung tätig sind, haben sich in einer Lerngemeinschaft zusammengeschlossen. Die Teilnehmenden der Lerngemeinschaft und einer Dialogmoderatorenschule haben ihre Fach- und Methodenkenntnisse erweitert. Mehr als 140 Teilnehmende wurden in der Dialogschule bereits fortgebildet.
  • Friedenspädagogische Inhalte wurden in die Curricula der Schulen im Chaco und in der Chiquitania aufgenommen.
  • ACOVICRUZ, ein Bezirksverband der kommunalen Bürgerbeteiligung, hat ein System zur Bearbeitung von Bürgerbeschwerden aufgebaut und in zwei Landkreisen eingeführt. Zivilgesellschaftliche, indigene und kleinbäuerliche Organisationen aus vier Landkreisen der Chiquitania wurden zu Gesetzen für Partizipation und soziale Kontrolle geschult. Der Partner des ZFD hat einen Landkreis bei der Erarbeitung des Gesetzes zu Partizipation und sozialer Kontrolle begleitet. Öffentliche Debatten um Dialog und Demokratie wurden angestoßen.
  • Der Partner des ZFD CCCH, Dachverband des indigenen Volks der Guaraní im Departamento Chuquisaca, hat einen Radiosender sowie ein Radionetzwerk aufgebaut, die konfliktsensible, dialogbasierte Beiträge zu Menschenrechten ausstrahlen.
  • LIDEMA, ein Dachverband der Umweltorganisationen Boliviens, hat eine Studie erstellt und in einen vom ZFD moderierten Dialog eingebracht. Thema sind die Auswirkungen und Alternativen der auf die Ausbeutung der natürlichen Rohstoffe ausgerichteten Ressourcenpolitik beim Anbau von Soja. Das indigene Volk der Mosetén in Amazonien, das unter anderem von einem Erdölprojekt betroffen ist, wurde zu Menschen- und Konsultationsrechten geschult. Es brachte sich daraufhin in die Erarbeitung lokaler Entwicklungsvisionen und -pläne ein.
  • Die Stiftung zur Erhaltung des tropischen Trockenwaldes der Chiquitania (FCBC) hat ein hochspezialisiertes Monitoringsystem zu Umwelt- und sozialen Konflikten in der Chiquitania installiert. Außerdem hat der Partner des ZFD eine Dialogplattform zum Schutz und zur nachhaltigen Bewirtschaftung des einzigartigen tropischen Trockenwaldes in der Chiquitania wiederbelebt. Seit 2015 ist FCBC Mitglied der Internationalen Union zur Bewahrung der Natur (IUCN) und natürlicher Ressourcen und schloss sich damit einer internationalen Allianz von mehr als 1.200 Mitgliedern aus rund 160 Ländern an.
  • In Zusammenarbeit mit dem nationalen Verband der Gemeinderätinnen und Bürgermeisterinnen ACOBOL wurden die Mitarbeitenden dieser Partnerorganisation in Methoden und Konzepten der zivilen Konfliktbearbeitung und der Dialogförderung, ausgebildet, wodurch eine gleichberechtigte politische Teilhabe von Frauen gestärkt wurde.

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