Ziviler Friedensdienst: Dialogförderung und gewaltfreie Konfliktbearbeitung im bolivianischen Tiefland

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Ziviler Friedensdienst: Förderung des interkulturellen demokratischen Dialogs und der gewaltfreien Konflikttransformation im bolivianischen Tiefland
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Bolivien
Gesamtlaufzeit: 2012 bis 2022

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Ausgangssituation

Die rasanten gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Veränderungen Boliviens stellen das Land vor große Herausforderungen. Das Erbe der Kolonialzeit, das primär auf der Ausbeutung von Naturressourcen beruhende Entwicklungsmodell der Regierung und unzureichend eingelöste Versprechen der Bürgerbeteiligung führen zu Konflikten, die sich sowohl auf die Umwelt als auch auf marginalisierte und benachteiligte Bevölkerungsgruppen auswirken.

Ziel

Benachteiligte Bevölkerungsgruppen sind in die politische und gesellschaftliche Willensbildung eingebunden. Umwelt- und Ressourcenkonflikte werden gewaltfrei gelöst und lokale Rechtsvorschriften partizipativ ausgearbeitet. 

Vorgehensweise

Der Zivile Friedensdienst (ZFD) stellt Projektmittel zur Verfügung und arbeitet mit internationalen und lokalen Fachkräften sowie lokalen Partnerorganisationen zusammen. So unterstützt das Programm Menschen im bolivianischen Tiefland in ihrem Engagement für Dialog, Menschenrechte und Frieden. Konfliktsensibilität und Allparteilichkeit sind dabei von zentraler Bedeutung. Im Zentrum der Arbeit steht die Veränderung von Einstellungen, Verhalten und Beziehungen von Menschen, die Einfluss auf Strukturen und Institutionen sowie die Konfliktkultur der bolivianischen Gesellschaft ausüben.

Wirkung

  • Indigene Bevölkerung, Kleinbauern und Kleinbäuerinnen, die bislang von politischen Entscheidungen ausgeschlossen waren, werden an lokalpolitischen Entscheidungen beteiligt. Der Gemeinderat von San Ignacio de Velasco hatte beispielsweise den ZFD und zwei seiner Partnerorganisationen beauftragt, die Erstellung der neuen Gemeindeverfassung unter Beteiligung aller Bevölkerungsgruppen zu moderieren. Das Ergebnis stärkt die Position der Chiquitanos, der indigenen Bevölkerungsmehrheit im Landkreis, und liegt nun dem Verfassungsgericht zur Bewilligung vor.
  • Die ZFD-Dialogschule hat über die Jahre mehr als 200 Vertreter*innen aus Nichtregierungsorganisationen (NRO), staatlichen Instanzen und Bildungseinrichtungen geschult. Diese initiieren nun dialogbasierte Projekte in ihrem beruflichen Umfeld. In der staatlichen bolivianischen Verwaltungsschule wurde eine angepasste Version der Dialogschule pilotiert. Die Institution will die Dialog-Fortbildung zu einem festen Bestandteil ihrer Arbeit machen.
  • Organisationen und Akteure, die in der Dialogförderung und der zivilen Konfliktbearbeitung tätig sind, haben sich in einer Lerngemeinschaft zusammengeschlossen. In Präsenzveranstaltungen und E-Learning-Angeboten erweitern die Teilnehmenden ihre Fach- und Methodenkenntnisse.  
  • Die Stiftung zum Erhalt des tropischen Trockenwaldes der Chiquitania (FCBC) hat in verschiedenen Gemeinden Rundtische und Informationsveranstaltungen zum Schutz und zur ressourcenschonenden Bewirtschaftung des einzigartigen Ökosystems in der Chiquitania durchgeführt.
  • Das aufsuchende Radioprogramm „Radio Viajera“ der NRO IRFA berichtet konfliktsensibel über lokale Auseinandersetzungen. Es erreicht ein Publikum von etwa 800.000 Personen, vor allem in den ländlichen Gebieten des bolivianischen Tieflands.
  • Die in der Partnerorganisation Universität NUR betriebene Grundlagenforschung zu Ressourcenkonflikten ermöglicht es weiteren Partnerorganisationen des ZFD, ihre Aktivitäten informierter und gezielter umzusetzen.

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