Ziviler Friedensdienst: Interkulturelle Dialogförderung im bolivianischen Tiefland

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Programm Förderung der zivilen Konfliktbearbeitung und des interkulturellen Dialogs im bolivianischen Tiefland
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Bolivien
Gesamtlaufzeit: 2012 bis 2018

Ausgangssituation

Im Rahmen des Veränderungsprozesses in Bolivien und der damit einhergehenden Dezentralisierungsprozesse gibt es regional und lokal erhöhtes Konfliktpotenzial bei demokratischer Regierungsführung und Partizipation. Weitere Konflikte entstehen durch die Politik der massiven Ausbeutung natürlicher Ressourcen, die die Umwelt sowie insbesondere marginalisierte und benachteiligte Bevölkerungsgruppen betrifft.

Ziel

Prozesse politischer Teilhabe verlaufen zunehmend gewaltfrei, lokale Rechtsvorschriften werden partizipativ ausgearbeitet. Auch Konflikte um Ressourcen werden mehr und mehr gewaltfrei bearbeitet. Marginalisierte, benachteiligte Bevölkerungsgruppen, insbesondere indigene Völker, Kleinbauern und Frauen, üben nachweislich ihre Rechte aus. Ihre politische Teilhabe ist gestärkt.

Vorgehensweise

Das Programm Ziviler Friedensdienst (ZFD) stellt Projektmittel zur Verfügung und arbeitet mit internationalen und lokalen Fachkräften sowie lokalen Partnerorganisationen nach folgenden Prinzipien zusammen:

  • Der ZFD arbeitet systemisch, das heißt, er setzt beim Konfliktverhalten einzelner Menschen an und geht davon aus, dass die Änderungen im Konfliktverhalten Einzelner zu positiven Erfahrungen und damit zu nachhaltigen Einstellungsänderungen führen, die eine Änderung des Systems bewirken können.
  • Er geht von dynamischen Wechselwirkungen aus und setzt auf verschiedenen Ebenen der Zivilgesellschaft an: lokal und national sowie auf verschiedenen Ebenen innerhalb von Organisationen.
  • Er arbeitet an der Schnittstelle zwischen Menschenrechten und Konflikttransformation. Grundlage sind die Menschenrechte mit Fokus auf benachteiligten Bevölkerungsgruppen, unter dem Grundsatz der Allparteilichkeit, das heißt, Eliten wie Großgrundbesitzer, staatliche Stellen, Banken und Privatunternehmen werden einbezogen.

Wirkung


  • Gruppen wie indigene Bevölkerung und Kleinbauern, die bislang von politischen Entscheidungen ausgeschlossen waren, werden in Entscheidungen der lokalen Politik einbezogen. In fünf Gemeinden werden vom ZFD Dialogprozesse zur partizipativen Erarbeitung kommunaler Autonomiestatute durchgeführt. In einer Gemeinde wurde das Statut Paragraf für Paragraf im Konsens verabschiedet.
  • Der bolivianische Ombudsmann für Menschenrechte hat ein nationales Konfliktmonitoringsystem für menschenrechtsrelevante Themen eingerichtet. Auf dieser Grundlage wurde ein Interventionsmodell aufgebaut.
  • Die Stiftung Land hat ein Monitoringsystem mit Daten zum aktuellen Stand und zu Konflikten bei der rechtlichen Sicherung indigener Territorien sowie deren Umwandlung in indigene Autonomien aufgebaut. Die Öffentlichkeit und die Ministerien verfügen damit über bessere Informationen zum Dezentralisierungsprozess und zu erforderlichen Interventionen in Konfliktfällen.
  • Für die Bevölkerung von zwei indigenen Territorien wurden Schutzpläne verabschiedet. Die Entschädigungen für die indirekten Auswirkungen von Straßenbauten wurden signifikant erhöht.
  • Organisationen, die in der Dialogförderung und zivilen Konfliktbearbeitung tätig sind, haben sich in einer Lerngemeinschaft zusammengeschlossen. Die Teilnehmenden der Lerngemeinschaft und einer Dialogmoderatorenschule haben ihre Fachkenntnisse erweitert. Mehr als 120 Teilnehmende wurden in der Dialogschule bereits fortgebildet.
  • Friedenspädagogische Inhalte wurden in die Curricula der Schulen im Chaco und in der Chiquitania aufgenommen.
  • ACOVICRUZ, ein Bezirksverband der kommunalen Kontrollkomitees, hat ein System zur Bearbeitung von Bürgerbeschwerden aufgebaut und in zwei Landkreisen eingeführt. Zivilgesellschaftliche, indigene und kleinbäuerliche Organisationen aus vier Landkreisen der Chiquitania wurden zu Gesetzen für Partizipation und soziale Kontrolle geschult. Der Partner des ZFD hat einen Landkreis bei der Erarbeitung des Gesetzes zu Partizipation und sozialer Kontrolle begleitet. Öffentliche Debatten um Dialog und Demokratie wurden angestoßen.
  • Der Partner des ZFD CCCH, Dachverband des indigenen Volks der Guaraní im Departamento Chuquisaca, hat einen Radiosender sowie ein Radionetzwerk aufgebaut, die konfliktsensible, dialogbasierte Beiträge zu Menschenrechten ausstrahlen.
  • LIDEMA, der Dachverband der 26 Umweltorganisationen Boliviens, hat eine Studie erstellt und in einen von seinem Partner ZFD moderierten Dialog eingebracht: Thema sind Auswirkungen und Alternativen der auf die Ausbeutung der natürlichen Rohstoffe ausgerichteten Ressourcenpolitik bei Soja. Das indigene Volk der Mosetén in Amazonien, das unter anderem von einem Erdölprojekt betroffen ist, wurde zu Menschen- und Konsultationsrechten geschult. Es brachte sich daraufhin in die Erarbeitung lokaler Entwicklungsvisionen und -pläne ein.
  • Die Stiftung zur Erhaltung des tropischen Trockenwaldes der Chiquitania (FCBC) hat ein hochspezialisiertes digitales Monitoringsystem zu Umwelt- und sozialen Konflikten in der Chiquitania installiert. Außerdem hat der Partner des ZFD eine Dialogplattform zum Schutz und zur nachhaltigen Entwicklung des einzigartigen tropischen Trockenwaldes in der Chiquitania wieder in Betrieb genommen. Seit 2015 ist FCBC Mitglied der Internationalen Union zur Bewahrung der Natur und natürlicher Ressourcen und schloss sich damit einer internationalen Allianz von mehr als 1.200 Mitgliedern aus rund 160 Ländern an.

ZFD Bolivien. Dialogprozess in Muyupampa 2011 zur Ausarbeitung der Gemeindeverfassung © GIZ

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