Ziviler Friedensdienst: Mit zivilen Methoden gewaltsame Konflikte bearbeiten

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Ziviler Friedensdienst: Transformation von gewaltsamen Konflikten im Kontext sozialer Ungleichheit durch Methoden ziviler Konfliktbearbeitung
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Kenia
Gesamtlaufzeit: 2009 bis 2022

Partner präsentieren ihre Ideen während eines Workshops © ZFD/GIZ

Ausgangssituation

Die Mehrheit der kenianischen Bevölkerung lebt trotz des hohen Wirtschaftswachstums in Armut. Das Land ist seit der Kolonialzeit stark gespalten. Die extreme Ungleichheit hat verschiedene Ursachen: eine ungerechte Verteilung ohnehin knapper Ressourcen, Korruption und einen ungleichen Zugang zu staatlichen Leistungen. Ein schnelles Bevölkerungswachstum, hohe Jugendarbeitslosigkeit, Straflosigkeit und ungünstige Umweltbedingungen schüren ebenfalls Konflikte. 

Die Konflikte verlaufen zumeist entlang ethnischer Linien und werden durch politische Interessen verdichtet. Große Teile des Landes sind von Unsicherheit und Kriminalität geprägt. Anschläge der Terrormiliz Al-Shabaab destabilisieren das Land zusätzlich. Regelmäßig kommt es bei Wahlen zu gewalttätigen Eskalationen. Den Höhepunkt markierten die Nachwahlunruhen von 2007/08 mit etwa 1.200 Toten und 600.000 Binnenvertriebenen. Die daraufhin gestartete Reformagenda und eine neue Verfassung haben nicht die erhofften Wirkungen erzielt. 

Seit Präsident Uhuru Kenyatta zusammen mit William Ruto die Wahlen 2013 gewann, nehmen Repressionen gegen Oppositionelle, Medien, zivilgesellschaftliche Organisationen und Verteidiger*innen von Menschenrechten zu. Die Wahlen 2017 gingen mit wochenlangen Unruhen einher, verliefen aber bei Weitem weniger blutig als zehn Jahre zuvor. Dennoch beruhigte sich die Lage erst, als sich Präsident Kenyatta und sein Gegenspieler Raila Odinga im März 2018 auf ein Einheitsabkommen einigten. Dieser Schritt beinhaltet ein Potenzial für Frieden – mit Blick auf die nächsten Wahlen, aber auch für die Eskalation von Konflikten. 

Ziel

Stark aufgestellte Partnerorganisationen setzen ihre Maßnahmen zunehmend konfliktsensibel und zielgruppenorientiert um. Lokale Akteure tragen Konflikte, die sich auf soziale Ungleichheit beziehen, ohne Einsatz von Gewalt aus und fördern so den Zusammenhalt auf Gemeindeebene. 

Jugendliche diskutieren Machtbegriffe © ZFD/GIZ

Vorgehensweise

Der Ziviler Friedensdienst (ZFD) unterstützt seit 2009 zivilgesellschaftliche – und in letzter Zeit vermehrt auch staatliche – Partnerorganisationen in Kenia. Zurzeit liegt der Fokus auf Friedensjournalismus, alternativer Streitschlichtung sowie auf der Etablierung von Dialogstrukturen, die einen gewaltfreien Umgang mit Konflikten bewirken. Konkret heißt das, die Akzeptanz von Vielfalt in der Bevölkerung zu fördern sowie vergangene und akute Konflikte durch Mediation aufzuarbeiten. Des Weiteren sollen Einstellungen in der Bevölkerung sowie bei staatlichen Vertreter*innen und Politiker*innen positiv verändert sowie sozioökonomische Gerechtigkeit gefördert werden. 

Darüber hinaus setzt sich der ZFD dafür ein, dass Medien neutral berichten und vermehrt friedensfördernde Themen in ihre Programme aufnehmen. Durch Gewalt, Ungerechtigkeit, Armut und Perspektivlosigkeit traumatisierte Personen  sowie Mitarbeitende von Partnerorganisationen werden durch psychosoziale Unterstützung gestärkt und nehmen an Dialogprozessen teil. 

Capacity-building Workshop für Community Radio Journalisten/innen © ZFD/GIZ

Wirkungen

Mit Hilfe des Vorhabens konnten zum Beispiel beim kenianischen Medienrat (Media Council of Kenya) deutlich effektivere interne Organisationsstrukturen etabliert werden. Durch die gezielte und am Bedarf ausgerichtete Schulung von Mitarbeitenden in Partnerorganisationen, verbesserte das Vorhaben die Umsetzung von Friedensprojekten.   

Die kenianische nationale Menschenrechtskommission (Kenya National Human Rights Commission) stärkt das Netzwerk von Menschenrechtsorganisationen an der kenianischen Küste. Mit den Partnern Kituo cha Sheria und FIDA-Kenya wird es wenig beachteten Gruppen in drei Regionen ermöglicht, Konflikte, die sich etwa auf die Rückgabe von Land beziehen, durch Mediation beizulegen. Familien oder Nachbarn, die seit zehn Jahren verfeindet sind, beginnen wieder miteinander zu sprechen. 

Das „Radio for Peace“-Programm der Partnerorganisation Kenia Community Media Network   unterstützt 40 lokale Radiosender. Ein über alle Sender ausgestrahltes Hörspiel zum Thema „Vertreibung“ erreicht so Millionen Zuhörende. Die Organisation Haki Yetu und Pamoja for Transformation arbeiten mit knapp 1.000 Jugendlichen, um diesen neue Perspektiven zu eröffnen und eine Chance auf Re-Integration in die Gemeinschaft zu ermöglichen. Außerdem werden Mitarbeiter*innen unserer Partner geschult, traumatisierte Personen zu erkennen und adäquat zu versorgen. 

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