Ziviler Friedensdienst: Stärkung der zivilen Konflikttransformation

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Ziviler Friedensdienst: Stärkung der zivilen Konflikttransformation in Libanon
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Libanon
Gesamtlaufzeit: 2010 bis 2021

2017 HL Conflict Transformation Trainings (6)

Ausgangssituation

Die Gesellschaft Libanons ist gespalten: Der langjährige Bürgerkrieg (1975 bis 1990), die Unruhen von 2006 und 2008, der Bürgerkrieg im benachbarten Syrien sowie nationale, regionale und konfessionelle Fragmentierung haben Spuren im sozialen Gefüge hinterlassen. Das fehlende staatliche Gewaltmonopol, die Kontinuität der Bürgerkriegseliten in politischen Ämtern und die damit verbundene Kultur der Straflosigkeit führen zu wiederkehrenden Spannungen zwischen den Bevölkerungsgruppen. Die überdurchschnittlich hohe Anzahl von Kleinwaffen in Libanon begünstigt die gewaltsame Konfliktaustragung.

 Eine weitere Herausforderung ist die enorm hohe Migration syrischer und palästinensischer Geflüchteter: Mehr als eine Million Syrer*innen sind nach Libanon geflüchtet, dazu Zehntausende Palästinenser*innen aus syrischen Flüchtlingslagern. Seit Ende 2013 ist Libanon außerdem direkt durch den Bürgerkrieg im benachbarten Syrien bedroht: Dies machen Bombenanschläge deutlich, zu denen sich Gruppen aus Saudi-Arabien und Irak und grenzübergreifende Kämpferorganisationen wie die salafistische IS-Bewegung bekannt haben. Angriffe auf Armeecheckpoints in der Grenzregion und das Eingreifen der Hisbollah in das Kriegsgeschehen destabilisieren den ohnehin schwachen Staat weiter und verunsichern die Menschen.

Innerhalb der libanesischen Gesellschaft und Politik spielt die Konfessionszugehörigkeit eine wichtige Rolle. Sie prägt den Aufbau des Bildungssystems, die Medienlandschaft, die öffentliche Verwaltung sowie die politische Repräsentation. Insgesamt 18 Religionsgemeinschaften sind in Libanon anerkannt, darunter schiitische und sunnitische Muslime, maronitische Christen sowie viele weitere christliche Religionsgemeinschaften der Ost- und Westkirchen, Drusen und eine sehr kleine jüdische Minderheit. In der jüngsten Vergangenheit gestaltet sich die Begegnung zwischen den Gruppierungen zunehmend schwierig. Viele Menschen sehen sich und ihre Gemeinschaft als die einzigen Opfer an und schreiben den jeweils „anderen“ die Schuld an der prekären Situation zu. Dadurch wird der gesellschaftliche Dialog erschwert und notwendige politische Entscheidungen blockiert. Dies spiegelt sich auch in der geringen Vernetzung und Kooperation innerhalb der Zivilgesellschaft wider, was wiederum eine Friedensförderung hemmt.

Ziel

Die verschiedenen Bevölkerungsgruppen im Land stehen miteinander im Dialog. Die Zivilgesellschaft ist besser in der Lage, mit Konflikten konstruktiv und gewaltfrei umzugehen.

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Vorgehensweise

Der Zivile Friedensdienst (ZFD) unterstützt verschiedene Plattformen, die den innergesellschaftlichen Dialog ermöglichen und die Teilhabe von Jugendlichen erhöhen. Dazu gehören Veranstaltungsreihen für künftige religiöse Würdenträger*innen und mit politischen Nachwuchsorganisationen sowie die Arbeit mit jungen Medienschaffenden. 

Auf spielerische Art und Weise werden die Methoden der gewaltfreien Kommunikation Menschen in entlegenen Kommunen und Bildungseinrichtungen nahegebracht. Ein eigens dafür entwickeltes Brettspiel bietet den Spielenden Raum zum Nachdenken über das eigene Konfliktverhalten und zeigt neue Handlungsmöglichkeiten in Konfliktsituationen auf.

Ein Pilotprojekt stößt zudem eine konfessionsübergreifende Debatte über eine wünschenswerte Zukunft an. Diese soll einen bewussteren Umgang mit Konflikten schaffen und gewaltfreies Verhalten in den Bereich des Denkbaren verschieben.

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Wirkung

Engagierte Akteure wurden durch Trainings und Dialogveranstaltungen vernetzt. Die wiederholte Begegnung von Teilnehmenden aus verschiedenen Bevölkerungsgruppen hat dazu beigetragen, Vorbehalte abzubauen und ein besseres Verständnis für die Situation und die Sichtweisen anderer Gruppen zu entwickeln.

ZFD-Partner und deren Zielgruppen sind zunehmend mit den Methoden der gewaltfreien Konfliktbearbeitung vertraut und wenden diese aktiv in ihrem Umfeld an. Das Brettspiel zu den Methoden der gewaltfreien Kommunikation hat bereits über die Landesgrenzen hinaus Anklang gefunden. Nun soll es gemeinsam mit internationalen Trägern weiterentwickelt werden und auch in anderen kulturellen Kontexten Raum zur Reflexion bieten.

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