Ziviler Friedensdienst: Stärkung der zivilen Konflikttransformation

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Ziviler Friedensdienst: Stärkung der zivilen Konflikttransformation in Libanon
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Libanon
Gesamtlaufzeit: 2010 bis 2019

ZFD Libanon. Die Märtyrerstatue in Beirut ist ein wichtiges Symbol derjenigen, die sich für sozialen Wandel hin zu Gerechtigkeit und Frieden engagieren. © GIZ

Ausgangssituation

Die Gesellschaft Libanons ist gespalten: Der langjährige Bürgerkrieg (1975 bis 1990), die Unruhen von 2006 und 2008, der Bürgerkrieg im benachbarten Syrien sowie nationale, regionale und konfessionelle Fragmentierung haben Spuren im sozialen Gefüge hinterlassen. Das fehlende staatliche Gewaltmonopol, die Kontinuität der Bürgerkriegseliten in politischen Ämtern und die damit verbundene Kultur der Straflosigkeit führen zu immer wiederkehrenden Spannungen zwischen Bevölkerungsgruppen. Die überproportional hohe Anzahl von Kleinwaffen in Libanon begünstigt die gewaltsame Konfliktaustragung.

Aktuell bedroht die syrische Flüchtlingskatastrophe das labile Gleichgewicht des Landes. Mehr als eine Million Syrer sind nach Libanon geflüchtet, dazu Zehntausende Palästinenser aus syrischen Flüchtlingslagern. Seit Ende 2013 ist Libanon außerdem direkt durch die Gewalt aus dem Bürgerkrieg im benachbarten Syrien bedroht. Bombenanschläge, zu denen sich Gruppen aus Saudi Arabien und Irak und grenzübergreifende Kämpferorganisationen wie die salafistische IS-Bewegung bekannt haben, machen dies deutlich. Angriffe auf Armeecheckpoints in der Grenzregion und das Eingreifen der Hisbollah in das Kriegseschehen destabilisieren den ohnehin schwachen Staat weiter und verunsichern die Menschen zunehmend.

Innerhalb der libanesischen Gesellschaft und Politik spielt die Konfessionszugehörigkeit eine wichtige Rolle. Sie prägt den Aufbau des Bildungssystems, die Medienlandschaft, die öffentliche Verwaltung sowie die politische Repräsentation. Insgesamt 18 Religionsgemeinschaften sind in Libanon anerkannt, darunter schiitische und sunnitische Muslime, maronitische Christen sowie viele weitere christliche Religionsgemeinschaften der Ost- und Westkirchen, Drusen und eine sehr kleine jüdische Minderheit. In der jüngsten Vergangenheit gestaltet sich die Begegnung zwischen den Gruppierungen zunehmend schwieriger. Viele Menschen sehen sich und ihre Gemeinschaft als die einzigen Opfer an und schreiben den jeweils „anderen“ die Schuld an der prekären Situation zu. Dies erschwert den gesellschaftlichen Dialog und blockiert notwendige politische Entscheidungen. Es spiegelt sich auch in der geringen Vernetzung und Kooperation innerhalb Zivilgesellschaft wider, was wiederum einen nachhaltigen Beitrag zur Friedensförderung hemmt.

Ziel

Die verschiedenen Bevölkerungsgruppen im Land stehen miteinander im Dialog. Die Zivilgesellschaft ist besser in der Lage, mit Konflikten konstruktiv und gewaltfrei umzugehen.

ZFD Libanon. Angehörige unterschiedlicher Konfessionen sind aktiv in die Dialoginitiativen der ZFD-Partner involviert. © GIZ

Vorgehensweise

Der Zivile Friedensdienst (ZFD) unterstützt verschiedene Plattformen, die den interreligiösen sowie den innergesellschaftlichen Dialog ermöglichen. Dazu gehören Veranstaltungsreihen für künftige religiöse Würdenträger und mit politischen Nachwuchsorganisationen sowie die Arbeit mit jungen Medienschaffenden. Auf spielerische Art und Weise werden die Methoden der gewaltfreien Kommunikation Menschen in entlegenen Kommunen nahegebracht. Ein eigens dafür entwickeltes Brettspiel bietet den Spielenden Raum für Reflexion über das eigene Konfliktverhalten und weist neue Handlungsoptionen in Konfliktsituationen auf.

Ein Pilotprojekt stößt zudem eine konfessionsübergreifende Debatte über eine wünschenswerte Zukunft an, die ein Bewusstsein über den Umgang mit Konflikten schaffen soll und durch einen Perspektivwechsel gewaltfreies Verhalten in den Bereich des Denkbaren verschiebt.

Wirkungen

Engagierte Akteure wurden durch Trainings und Dialogveranstaltungen vernetzt. Die wiederholte Begegnung von Teilnehmenden aus verschiedenen Bevölkerungsgruppen hat dazu beigetragen, Vorbehalte abzubauen und ein nachhaltig besseres Verständnis für die Situation und die Sichtweisen anderer Gruppen zu entwickeln.

ZFD Libanon. Stadtzentrum von Beirut: Bürgerkriegsruinen stehen direkt neben Neubauten. Der Blick in die Zukunft erfordert die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. © GIZ

ZFD-Partner und deren Zielgruppen sind zunehmend mit den Methoden der gewaltfreien Konflikttransformation vertraut und wenden diese aktiv in ihrem Umfeld an. Das Brettspiel zu den Methoden der gewaltfreien Kommunikation hat bereits über die Landesgrenzen hinaus Anklang gefunden und soll nun gemeinsam mit internationalen Trägern weiterentwickelt werden, um auch in anderen kulturellen Kontexten Raum zur Reflexion zu bieten.