Ziviler Friedensdienst: Gewaltprävention durch psychosoziale Stärkung von Kindern und Jugendlichen

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Psychosoziale Unterstützung und Öffentlichkeitsarbeit, insbesondere für Kinder und Jugendliche
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Palästinensische Gebiete
Gesamtlaufzeit: 2008 bis 2019

Palästinensische Gebiete. Marteria auf einer Bühne mit palästinensischen Mädchen beim Aal Falasteen Festival im Shu’afat Flüchtlingslager in Ostjerusalem. © GIZ

Ausgangssituation

Die Auswirkungen der israelischen Besatzung sind die Grundursache vieler psychosozialer Probleme von Kindern und Jugendlichen in den Palästinensischen Gebieten. Arbeits- und Perspektivlosigkeit und die psychosozialen Folgen der Besatzung wie Frustration, Ohnmachts- und Gewalterfahrung machen sie anfällig für eine zunehmende Radikalisierung.

In Palästina fehlt es vor allem an menschlicher Sicherheit. Besonders deutlich wird dies in den Flüchtlingslagern, den C-Gebieten des Westjordanlandes und in Ostjerusalem. Hier kommen mehrere Probleme zusammen: mangelnder Zugang zu Bildung und Ausbildung, eine extrem hohe Arbeitslosenquote, Gewalt durch Sicherheitskräfte an der Bevölkerung oder auch häusliche Gewalt in Familien.

Ziel

Psychosoziale Maßnahmen haben psychische und physische Belastungen von Kindern und Jugendlichen in den Palästinensischen Gebieten aufgefangen, Frustration und Aggression sind reduziert. Die Bereitschaft zu gewalttätigen Handlungen innerhalb der palästinensischen Bevölkerung und gegen die Besatzungemacht ist verringert, konstruktive Wege in der Auseinandersetzung mit dem Konflikt sind entwickelt.

Neu entwickelte Handlungsoptionen des gewaltfreien Miteinanders wirken der politischen, sozialen und geografischen Fragmentierung der palästinensischen Gesellschaft entgegen.

Palästinensische Gebiete. Die Partnerorganisation “Uakala’ al-We’am” (Peace Agents) arbeitet mit Flüchtlingen im Westjordanland. Mit der Kampf- und Friedenskunst Aikido werden Resilienz und gewaltfreie Konfliktbewältigungsstrategien gefördert. © GIZ

Vorgehensweise

Der Zivile Friedensdienst (ZFD) stärkt zivilgesellschaftliche Akteure, die psychosoziale Beratung, Unterstützung und traumaspezifische Therapien anbieten und „sichere Räume“ schaffen, um die Resilienz und Selbstbestimmung der Zielgruppen zu fördern.

Genderrelevante Themen werden durchgehend berücksichtigt, geschlechtsspezifische Gewalt und ihre politischen und kulturellen Ursachen werden gesellschaftspolitisch thematisiert.

Die Partner- und Trägerorganisationen des ZFD leiten Bedarfe bezüglich menschlicher Sicherheit (auch Gesundheit und Ernährung) von zivilgesellschaftlichen Akteuren an entsprechende Stellen weiter.

Mechanismen und Strukturen, wie konfliktverschärfende Narrative und Stereotype, die zur Fragmentierung beitragen, werden thematisiert und in gesellschaftlichen Strukturen (zum Beispiel kulturellen und Bildungseinrichtungen) bearbeitet. Fragmentierte Gruppen arbeiten zusammen, um Handlungsoptionen des gewaltfreien Miteinanders zu entwickeln und bringen diese in die jeweiligen gesellschaftlichen Strukturen ein.

Wirkungen

In den „sicheren Räumen“ der ZFD-Partnerorganisationen werden alternative Methoden, Bewältigungsstrategien und Ausdrucksformen erarbeitet, die zu einem gewaltreduzierten Miteinander beitragen. Beschäftigungs- und Handlungsmöglichkeiten im sportlichen, musikalischen, künstlerischen und kulturellen Rahmen bieten insbesondere für Jugendliche kreativ-konstruktive Wege der Auseinandersetzung mit dem Konflikt und halten sie von den gewaltgeprägten Brennpunkten fern.

Die Partnerorganisationen treten als Besuchsziel für politische und zivilgesellschaftliche Repräsentanten hervor. Hierdurch wird die Problemsituation direkt und anschaulich in andere Länder getragen, und zugleich werden Handlungsoptionen diskutiert.

Palästinensische Gebiete. Am Ende eines Summer Camps findet ein Abschlussrundgang durch Silwan, Ostjerusalem statt. Kinder und Jugendliche lernen spielerisch und in Gemeinschaft besser ihre eigene Geschichte, Kultur und traditionelle Werte zu verstehen. ©

Über kulturelle, musikalische und sportliche Maßnahmen wurden zudem erste Schritte in Richtung Zusammenarbeit und Austausch zwischen den Partnerorganisationen aus den verschiedenen Teilen der Westbank und Ostjerusalem unternommen, so zum Beispiel in einem Konzert im Shuafat-Flüchtlingslager in Ostjerusalem, bei dem auch Organisationen aus Nazareth, Syrien und Jordanien teilnahmen.

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