Ziviler Friedensdienst: Stärkung und Vernetzung von Friedensakteuren im Kontext der Vergangenheitsarbeit

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Stärkung und Vernetzung von Friedensakteuren im Kontext der Vergangenheitsarbeit
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Nepal
Gesamtlaufzeit: 2018 bis 2020

ZFD Nepal. Umgang mit der Vergangenheit und Gestaltung friedlichen Zusammenlebens: Forumtheaterarbeit. © GIZ

Ausgangssituation

Die nepalesische Gesellschaft ist geprägt durch ein hohes Maß an struktureller Gewalt. Armut, soziale Ausgrenzung und Ungerechtigkeit sowie staatliche Strukturen, die die Rechte der Bürger nicht schützen, haben zu politischer Instabilität geführt, die Mitte der 1990er-Jahre in einen gewaltvoll ausgetragenen Konflikt mündete.

Mit dem Friedensabkommen von 2006 wurden grundlegende demokratische Prozesse vereinbart. Zentral war die Verabschiedung einer neuen Verfassung im September 2015. Diese wurde mit 80 Prozent Zustimmung von der Verfassungsgebenden Versammlung verabschiedet und in Kraft gesetzt. Die Madeshis, vorrangig Bewohner der südlichen an Indien grenzenden Landesteile, sahen ihre Rechte und Belange in der neuen Verfassung jedoch nicht hinreichend berücksichtigt. Um Verfassungsänderungen zu erzwingen, organisierten sie teilweise gewaltsame Proteste und Grenzblockaden, die auch Todesopfer forderten. Infolge der Proteste kam der Import wichtiger Güter aus Indien praktisch zum Erliegen.

Im Januar 2016 wurde die Verfassung geändert. Sie beinhaltet nun die proportionale Beteiligung in allen Regierungsstrukturen, eine der Kernforderungen der Madeshi-Parteien. Zur Durchsetzung weiterer Forderungen sind neue Proteste angekündigt, die in Katmandu ausgetragen werden sollen.

Nepal befindet sich somit weiterhin in einer anhaltend fragilen Phase der Friedenskonsolidierung. Der Rechtsstaat funktioniert unzulänglich, kein einziges Kriegsverbrechen wurde bisher ernsthaft strafrechtlich verfolgt. Große Teile der Bevölkerung haben auch weiterhin keinen Zugang zu grundlegenden ökonomischen, sozialen und kulturellen Rechten. Kasten-, Geschlechts- sowie ethnische Zugehörigkeit bestimmen weitgehend die soziale Stellung. Zwar wurden Kommissionen zur Aufklärung von Menschenrechtsverletzungen während des Bürgerkriegs eingerichtet, die erfolgreiche Umsetzung ihrer Aufgaben steht jedoch noch aus.

Hinzu kommen Schwierigkeiten beim Wiederaufbau nach den schweren Erdbeben im Mai und April 2015, in deren Folge Nepal innerhalb von 12 Monaten von mehr als 400 Nachbeben erschüttert wurde. Die Beben forderten etwa 9.000 Menschenleben und zerstörten eine halbe Million Wohngebäude, soziale Infrastruktur und Transportwege. Sie vernichteten die Lebensgrundlage vieler Menschen, die nun existenziell bedroht sind. Seit dem Erdbeben sind in den Medien viele Klagen über unzulängliche und/oder falsch verteilte Hilfsgüter laut geworden.

Zur raschen Behebung der Erdbebenschäden hatte die nepalesische Regierung angekündigt, eine eigene Behörde‚ die National Reconstruction Authority (NRA), aufzubauen. Organigramm und Strategie der NRA wurden inzwischen veröffentlicht; Aktivitäten in den betroffenen Gebieten sind jedoch kaum zu verzeichnen. Von den durch internationale Geber zugesagten rund 4 Milliarden US-Dollar sind bislang nur geringe Beträge abgeflossen.

Ziel

Lokale Strukturen und Dialogräume sind etabliert und tragen zunehmend zur gewaltfreien Bearbeitung sozialer Konflikte bei. Der Umgang mit der Vergangenheit und die Gestaltung von Versöhnung werden in der nepalesischen Bevölkerung diskutiert. Dadurch gelingt es der Gesellschaft in Nepal langfristig, die Vergangenheit aufzuarbeiten und positive Zukunftsperspektiven zu entwickeln.

ZFD Nepal. Umgang mit der Vergangenheit und Gestaltung friedlichen Zusammenlebens: Forumtheaterarbeit. © GIZ

Vorgehensweise

Der ZFD fördert den konstruktiven gewaltfreien Umgang mit Konflikten und die systematische Stärkung und Vernetzung lokaler, regionaler und nationaler Friedensakteure. Unterstützt und fortgebildet werden insbesondere lokale Akteure, Nichtregierungsorganisationen und Regierungsinstitutionen in den Bereichen zivile Konfliktbearbeitung, Wahrheitsfindung und Versöhnung. Dabei legt das Projekt den Schwerpunkt auf marginalisierte Gebiete außerhalb der Metropolregion Kathmandu und bindet die dortige Dorf- und Gemeindebevölkerung, in der starke Konflikte vorherrschen, ein. Opferverbände werden darin unterstützt, ihre Anliegen professionell zu dokumentieren und in den öffentlichen Diskurs einzubringen. Dadurch tragen sie zur Wahrheitsfindung bei.

Durch den Aufbau lokaler Friedensstrukturen und Dialogforen werden unterschiedliche Interessengruppen sowie politische Vertreterinnen und Vertreter miteinander ins Gespräch gebracht; sie nutzen diese Räume zunehmend für die gemeinsame Bearbeitung gesellschaftlicher Konflikte und den Dialog über Vergangenheit und Versöhnung. Gleichzeitig werden staatliche Stellen entlastet, das Vertrauen der Bevölkerung in lokale Strukturen wird gestärkt.

Wirkung

  • Die in Methoden der zivilen Konfliktbearbeitung ausgebildeten Multiplikatoren wenden ihre erlernten Fähigkeiten in ihren Gemeinden an und tragen dazu bei, dass lokale Konflikte gewaltfrei bearbeitet werden. Ehemalige Kontrahenten arbeiten heute innerhalb ihrer Gemeinden zusammen.
  • Die im Bereich zivile Konfliktbearbeitung ausgebildeten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von zivilgesellschaftlichen und staatlichen Organisationen bringen ihre Kenntnisse in die Planung und Umsetzung von Aktivitäten ihrer jeweiligen Organisation ein.
  • Insbesondere nepalesische Nichtregierungsorganisationen sind in ihrer Fähigkeit gestärkt, den gewaltfreien Umgang mit individuellen, sozialen und politischen Konflikten zu fördern.
  • Die Methode des Forumtheaters (nach Augusto Boal) wird durch unterschiedliche Gruppen im ganzen Land praktiziert und nachgefragt und trägt dazu bei, eigene Denkmuster und Vorurteile zu hinterfragen und Diskriminierung abzubauen.