Ziviler Friedensdienst: Stärkung und Vernetzung von Friedensakteuren im Kontext der Vergangenheitsarbeit

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Ziviler Friedensdienst: Systematische Stärkung und Vernetzung lokaler und nationaler Friedenspotenziale in der Post-Kriegsphase
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Nepal
Gesamtlaufzeit: 2008 bis 2021

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Ausgangssituation

Die nepalesische Gesellschaft ist geprägt durch ein relativ hohes Maß an struktureller Gewalt, mit Armut, sozialer Ausgrenzung und Ungerechtigkeit sowie staatlichen Strukturen, die die Rechte der Menschen nicht ausreichend schützen. 1996 wurde der ‚People’s War‘ von einer kleineren kommunistischen Partei ausgerufen. Die maoistische Bewegung gewann vor allem in den ländlichen Gebieten in den folgenden fünf Jahren an Aufschwung. 2001 mobilisierte der nepalesische Staat die Armee, um gegen die Bewegung zu kämpfen. 

Das Friedensabkommen wurde 2006 zwischen den Maoisten und den politischen Parteien unterzeichnet und stellt einen „Fahrplan“ für den Übergang zum Frieden dar. Zentral war die Verabschiedung einer neuen Verfassung im September 2015, direkt im Anschluss an zwei große Erdbeben im selben Jahr. Dennoch bleibt die Verfassung von einigen Gruppen umstritten, welche ihre Rechte und Interessen nicht in ausreichendem Maße berücksichtigt sehen. 

Parallel dazu machte sich das Land im vergangenen Jahrzehnt auf den Weg zur Dezentralisierung und zum föderalen Staat. 2017 fanden Wahlen für die föderale Struktur statt. Die ersten lokalen Wahlen seit 20 Jahren ermöglichten es gewählten lokalen Repräsentant*innen, ihre Arbeit aufzunehmen. Auch die Wahlen auf Landes - und Provinzebene wurden Ende 2017 abgehalten. Es ist noch nicht absehbar, ob der Föderalisierungsprozess zu mehr Frieden und Stabilität führen wird, oder neue Ungleichgewichte mit sich bringt.

Das Risiko für Gewalt bleibt weiterhin gegeben, da Ungleichheiten und Diskriminierungen in einem zugleich hoch politisierten öffentlichen Raum fortbestehen. 

Ziel

Es sind Strukturen etabliert, die Menschen den Raum geben, sich gewaltfrei mit Konflikten einer fragmentierten Gesellschaft auseinanderzusetzen. Gruppen von Opfern und Überlebenden haben ihre Fälle dokumentiert und arbeiten die Vergangenheit auf. 

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Vorgehensweise

Der Zivile Friedensdienst (ZFD) fördert den konstruktiven gewaltfreien Umgang mit Konflikten in Nepal. Zudem unterstützt und vernetzt er Friedensakteure im ganzen Land. Dies geschieht durch die Unterstützung von Gemeindemediation, Dialogforen, gewaltfreier Kommunikation und Theater für Konflikttransformation. Außerdem werden vor allem lokale Vertreter*innen, Nichtregierungsorganisationen und Regierungsinstitutionen in den Bereichen zivile Konfliktbearbeitung und Vergangenheitsarbeit fortgebildet. 

Der ZFD arbeitet mit lokalen Akteuren, um ganzheitliche Ansätze zur Vergangenheitsarbeit, Gerechtigkeit, Versöhnung und Heilung zu fördern. Dies unterstützt Opfer des Bürgerkriegs (1996 bis 2006) dabei, Rechenschaft und Antwort von den formellen Mechanismen der Übergangsjustiz zu erhalten. Zudem unterstützt der ZFD Prozesse für lokale Erinnerungsarbeit. Der ZFD hat beispielsweise Gemeinden, die vom Konflikt betroffen waren, mit Theatergruppen zusammengebracht. Das schafft einen Raum, um die Themen der Vergangenheit in einer breiteren Öffentlichkeit zu bearbeiten.

Wirkungen

  • Akteure, die in Nepal Dialogarbeit fördern und durchführen, sind regional und national besser vernetzt und tauschen regelmäßig Erfolgsgeschichten aus 
  • Lokale politische Führer*innen haben ein besseres Verständnis für ihre Rollen im neuen lokalen Rechtssystem. Sie nutzen und fördern den Einsatz von gewaltfreier Kommunikation und Mediation in ihren Gemeinden.
  • Lokale Gemeindemediator*innen und Dialogbegleiter*innen sind ausgebildet und nutzen ihre Fähigkeiten, um zur gewaltfreien Lösung lokaler Konflikte beizutragen.
  • Überlebende, die im zehnjährigen Konflikt Behinderungen davontrugen, konnten ihre persönlichen Geschichten in sicheren Räumen teilen und dadurch innere Heilungsprozesse anstoßen. Sie haben ihre Fälle öffentlich gemacht und dadurch zur politischen Sichtbarkeit von Menschen mit Behinderungen beitragen. Ihre Geschichten wurden veröffentlicht und von über 2.000 Menschen in acht Distrikten Nepals gesehen und gehört.
  • Über 600 Opfer des Konflikts und ihre Leiden wurden in öffentlichen Erinnerungsveranstaltungen von Lokalregierungen anerkannt. Dies eröffnet Chancen für Entschädigungen, Anerkennung, Heilung und Versöhnung auf lokaler Ebene. 
  • Das „Internationale Theaterfestival für Soziale Transformation“ in Kathmandu und in drei weiteren Städten Nepals konnte mit seinen 27 Stücken über 10.000 Zuschauer*innen sowie hochranginge Politiker*innen erreichen. Theaterschaffende und Publikum haben die Wichtigkeit erkannt, sozio-politisch relevante Themen durch Kunst zu adressieren und ihre eigene Kultur in den Stücken zu bewahren. 

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