Ziviler Friedensdienst: Stärkung und Vernetzung von Friedensakteuren im Kontext der Vergangenheitsarbeit

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Ziviler Friedensdienst: Systematische Stärkung und Vernetzung lokaler und nationaler Friedenspotenziale in der Post-Kriegsphase
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Nepal
Gesamtlaufzeit: 2008 bis 2020

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Ausgangssituation

Armut, soziale Ausgrenzung sowie staatliche Strukturen, die Rechte der Menschen nicht ausreichend schützen, prägen Nepals Gesellschaft. 1996 rief eine kleinere kommunistische Partei den Bürgerkrieg aus. Die maoistische Bewegung gewann vor allem in den ländlichen Gebieten in den folgenden fünf Jahren Aufschwung. Im Jahr 2001 mobilisierte der nepalesische Staat die Armee, um gegen die Bewegung zu kämpfen.

Das Friedensabkommen wurde 2006 zwischen den Maoisten und den politischen Parteien unterzeichnet. Zentral war die Verabschiedung einer neuen Verfassung im September 2015. Dennoch bleibt diese bei einigen Gruppen umstritten, da sie ihre Rechte und Interessen nicht ausreichend berücksichtigt sehen.

Parallel dazu machte sich das Land im vergangenen Jahrzehnt auf den Weg zur Dezentralisierung und zum föderalen Staat. 2017 gab es Wahlen für die föderale Struktur. Diese ersten lokalen Wahlen seit 20 Jahren ermöglichten es gewählten lokalen Repräsentanten ihre Arbeit aufzunehmen. Auch auf nationaler- und Provinzebene wurde Ende 2017 gewählt. Dabei ist noch nicht absehbar, ob der Föderalisierungsprozess zu mehr Frieden und Stabilität führen wird oder neue Ungleichgewichte mit sich bringt.

Das Risiko für Gewalt bleibt weiterhin. Ungleichheiten und Diskriminierungen bestehen fort, in einem zugleich hochpolitisierten öffentlichen Raum.

Ziel

Die nepalesische Bevölkerung setzt sich gewaltfrei mit Konflikten einer fragmentierten Gesellschaft auseinander. Gruppen von Opfern und Überlebenden haben ihre Fälle dokumentiert und arbeiten ihre Vergangenheit auf.

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Vorgehensweise

Der Zivile Friedensdienst (ZFD) fördert den konstruktiven gewaltfreien Umgang mit Konflikten in Nepal. Darüber hinaus stärkt und vernetzt das Projekt lokale, regionale und nationale Friedensakteure. Dies geschieht durch die Unterstützung von Gemeindemediation, Dialogforen, gewaltfreie Kommunikation und Theater für Konflikttransformation. Außerdem werden insbesondere lokale Akteure, Nichtregierungsorganisationen und Regierungsinstitutionen in den Bereichen zivile Konfliktbearbeitung und Vergangenheitsarbeit fortgebildet. Dabei richtet sich das Projekt auch an die Bewohner ländlicher Gebiete.

Der ZFD unterstützt Opfer des Bürgerkriegs (1996 bis 2006) dabei, Rechenschaft und Antwort im Rahmen der Übergangsjustiz zu erhalten. Zudem unterstützt erProzesse für lokale Erinnerungsarbeit: So hat der ZFD Gemeinden, die vom Konflikt betroffen waren, mit Theatergruppen zusammengebracht, um die Themen der Vergangenheit in einer breiteren Öffentlichkeit zu bearbeiten.

Wirkungen

Lokale Gemeindemediatoren und Dialogbegleiter tragen zur gewaltfreien Lösung lokaler Konflikte bei. Nepalesische Nichtregierungsorganisationen sind in der Lage, die gewaltfreie Bearbeitung von individuellen, sozialen und politischen Konflikten voranzutreiben. Netzwerke von weiblichen Überlebenden des Konflikts fördern mit ihren Initiativen die lokale Erinnerungsarbeit. Zudem gibt es sichere Räume für Überlebende des Konflikts, ihre Stimmen werden gehört und Heilungsprozesse sind angestoßen. Überlebende fordern Gerechtigkeit: Sie teilten ihre Geschichten mit politischen Vertretern und anderen relevanten Behörden.