Religiöse Würdenträger unterstützen sparsamen Umgang mit Wasser

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Verbesserung kommunaler Wassereffizienz durch Zusammenarbeit mit religiösen Autoritäten
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) Sonderinitiative „Stabilisierung in Nordafrika und Nahost“
Land: Jordanien
Politischer Träger: Jordanisches Ministerium für Wasser und Bewässerung
Gesamtlaufzeit: 2015 bis 2019

 

Gläubige bei der rituellen Waschung in der Shishani-Moschee in Amman; Fotograf: Thomas Imo/photothek.net

Ausgangssituation

Jordanien gehört zu den wasserärmsten Ländern weltweit. Starkes Bevölkerungswachstum, zunehmende wirtschaftliche Entwicklung sowie die Aufnahme von mehr als 655.000 registrierten Flüchtlingen aus dem benachbarten Syrien erhöhen den Wasserverbrauch und damit den Druck auf die knappen Ressourcen im Land zusätzlich. Neben der humanitären Katastrophe führt die hohe Anzahl der Flüchtlinge mehr und mehr zu einer Überlastung der Trinkwasserver‑ und Abwasserentsorgungssysteme, die sich auf die gesamte Bevölkerung auswirkt.

Trotz des spürbar knappen Wassers mangelt es sowohl in der jordanischen Bevölkerung als auch unter den syrischen Flüchtlingen an Bewusstsein für einen sparsamen Umgang mit Wasser und natürlichen Ressourcen. Die sozialen Spannungen zwischen der jordanischen Bevölkerung und den syrischen Flüchtlingen nehmen zu.

Es fehlen öffentlichkeitswirksame Kampagnen, die die jordanische Bevölkerung und die syrischen Flüchtlinge dazu anregen, sparsam mit Wasser umzugehen. Potenzial dafür bietet die religiöse Überzeugung: Rund 94 Prozent der jordanischen Bevölkerung und über 90 Prozent der in Jordanien aufgenommenen syrischen Flüchtlinge bekennen sich zum Islam. Ihr Glaube dient als Referenzrahmen für das eigene Verhalten und bestimmt politische Diskurse. Religiöse Würdenträger haben einen entsprechend großen Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung und einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft.

Ziel

Die Voraussetzungen für den sparsamen Umgang mit Wasser sind bei syrischen Flüchtlingen und der Bevölkerung in aufnehmenden Gemeinden geschaffen.

Wasserbotschafter Imam Khaled von der Usama bin Zaid-Moschee in Mafraq;  Fotograf: Thomas Imo/photothek.net

Vorgehensweise

Gemeinsam mit dem jordanischen Ministerium für Wasser und Bewässerung sowie mit dem Religionsministerium arbeitet das Projektteam daran, die Bevölkerung über ihr eigenes religiöses Wertesystem und ihren Glauben zum verträglichen Umgang mit Wasser anzuregen.

Mit religiösen Würdenträgern und Bildungsexperten erarbeitet das Projektteam Informations- und Lehrmaterialien zum Thema Ressourcen- und Wasserschutz. Mit diesen Unterlagen schulen die Partner Imame und Waithat – männliche und weibliche Religionsgelehrte – damit diese als Wasserbotschafter in den Gemeinden den Gläubigen vermitteln, wie sie sparsam mit Wasser umgehen können und warum dies wichtig ist. Eigenes Lehrmaterial wurde auch für christliche Würdenträger entwickelt.

Für Schulen und Hochschulen werden religiös abgeleitete Lehrmaterialien entwickelt und in den Religionsunterricht aufgenommen, um das Bewusstsein für das Thema Wasserknappheit zu verankern.

Neben den religiösen Unterweisungen nutzt das Projekt auch die Massenmedien, um dort ebenfalls über die Glaubensvorstellungen auf die Bedeutung des Wasser- und Ressourcenschutzes einzugehen und die Menschen zu sensibilisieren.

Im Norden und im Zentrum Jordaniens rüsten die Projektpartner einige ausgewählte Moscheen mit Anlagen für die Regenwassersammlung und das Grauwasserrecycling aus. Diese sogenannten „Wasser-Plus-Moscheen“ zeigen der Bevölkerung Einsparmöglichkeiten auf, die die Menschen auch in ihrem privaten Haushalt umsetzen können.

Der aus dem Projekt resultierende sparsamere Umgang mit Wasser und natürlichen Ressourcen verringert die Spannungen zwischen aufnehmender jordanischer Bevölkerung und syrischen Flüchtlingen.

Das Vorhaben ist Teil der Sonderinitiative des Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ)  zur Stabilisierung und Entwicklung in Nordafrika und Nahost. Mit den Projekten der Sonderinitiative trägt das Ministerium dazu bei, wirtschaftliche und soziale Perspektiven für die Menschen in der Region zu schaffen. In diesem Rahmen stehen für Vorhaben der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH und anderer Oorganisationen in den Jahren 2014 bis 2021 bisher mehr als 300 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung. Im Fokus stehen dabei die Themenbereiche Jugend- und Beschäftigungsförderung, wirtschaftliche Stabilisierung, Demokratisierung sowie die Stabilisierung von Nachbarländern in Krisensituationen.