Religiöse Würdenträger unterstützen sparsamen Umgang mit Wasser

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Bewirtschaftung Wasserressourcen in Jordanien – Verbesserung kommunaler Wassereffizienz durch Zusammenarbeit mit religiösen Autoritäten
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) Sonderinitiative „Stabilisierung in Nordafrika und Nahost“
Land: Jordanien
Politischer Träger: Jordanisches Ministerium für Wasser und Bewässerung
Gesamtlaufzeit: 2015 bis 2017

Ausgangssituation

Jordanien gehört zu den wasserärmsten Ländern weltweit. Starkes Bevölkerungswachstum, zunehmende wirtschaftliche Entwicklung sowie Flüchtlinge aus Syrien erhöhen den Wasserverbrauch und führen zu noch weniger Süßwasser im Land. Neben der humanitären Katastrophe sorgt die steigende Zahl der Flüchtlinge aus Syrien für zusätzliche Defizite in der Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung, die sich auf die gesamte Bevölkerung auswirken.

Trotz des spürbar knappen Wassers fehlt sowohl in der jordanischen Bevölkerung als auch unter den syrischen Flüchtlingen das Bewusstsein für einen sparsamen Umgang mit Wasser und natürlichen Ressourcen. Die sozialen Spannungen zwischen der jordanischen Bevölkerung und den syrischen Flüchtlingen nehmen zu. Sie wirken sich auch auf die Verteilung des Wassers aus.

Es fehlen öffentlichkeitswirksame Kampagnen, die die jordanische Bevölkerung und die syrischen Flüchtlinge dazu anregen, sparsam mit Wasser umzugehen. Potenzial dafür bietet die religiöse Überzeugung: Rund 94 Prozent der jordanischen Bevölkerung und über 90 Prozent der in Jordanien aufgenommenen syrischen Flüchtlinge bekennen sich zum Islam. Ihr Glaube dient als Referenzrahmen für das eigene Verhalten und bestimmt politische Diskurse. Religiöse Würdenträger haben einen entsprechend großen Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung und einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft.

Ziel

Die Voraussetzungen für den sparsamen Umgang mit Wasser sind bei syrischen Flüchtlingen und der Bevölkerung in aufnehmenden Gemeinden geschaffen.

Vorgehensweise

Gemeinsam mit dem jordanischen Wasserministerium und dem Religionsministerium arbeitet das Projektteam daran, die Bevölkerung über ihr eigenes religiöses Wertesystem und ihren Glauben zum verträglichen Umgang mit Wasser anzuregen.

Mit religiösen Würdenträgern und Bildungsexperten erarbeitet das Projektteam Informations- und Lehrmaterialien zum Thema Ressourcen- und Wasserschutz. Mit diesen Unterlagen schulen die Partner Imame und Waithat – männliche und weibliche Religionsgelehrte – damit diese als Wasserbotschafter in den Gemeinden den Gläubigen vermitteln, wie sie sparsam mit Wasser umgehen können und warum dies wichtig ist.

Für Schulen und Hochschulen werden religiös abgeleitete Lehrmaterialien entwickelt und in den Religionsunterricht aufgenommen, um das Bewusstsein für das Thema Wasserknappheit zu verankern.

Neben den religiösen Unterweisungen nutzt das Projekt auch die Massenmedien, um dort ebenfalls über die Glaubensvorstellungen auf die Bedeutung des Wasser- und Ressourcenschutzes einzugehen und die Menschen zu sensibilisieren.

Im Norden und im Zentrum Jordaniens rüsten die Projektpartner einige ausgewählte Moscheen mit Anlagen für die Regenwassersammlung und das Grauwasserrecycling aus. Diese Wasser-Plus-Moscheen werden der Bevölkerung Einsparmöglichkeiten aufzeigen, die die Menschen auch in ihrem privaten Haushalt umsetzen können.

Der aus dem Projekt resultierende sparsamere Umgang mit Wasser und natürlichen Ressourcen wird die Spannungen zwischen aufnehmender jordanischer Bevölkerung und syrischen Flüchtlingen verringern.

Das Vorhaben ist Teil der Sonderinitiative des BMZ zur Stabilisierung und Entwicklung in Nordafrika und Nahost. Mit den Projekten der Sonderinitiative trägt das Ministerium dazu bei, wirtschaftliche und soziale Perspektiven für die Menschen in der Region zu schaffen. In diesem Rahmen stehen für Vorhaben der GIZ und anderer Durchführungsorganisationen in den Jahren 2014 bis 2019 bisher mehr als 200 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung. Im Fokus stehen dabei die Themenbereiche Jugend- und Beschäftigungsförderung, wirtschaftliche Stabilisierung, Demokratisierung sowie die Stabilisierung von Nachbarländern in Krisensituationen.