Religiöse Würdenträger unterstützen sparsamen Umgang mit Wasser

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Verbesserung kommunaler Wassereffizienz durch Zusammenarbeit mit religiösen Autoritäten
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) Sonderinitiative „Stabilisierung in Nordafrika und Nahost“
Land: Jordanien
Politischer Träger: Jordanisches Ministerium für Wasser und Bewässerung
Gesamtlaufzeit: 2015 bis 2021

Gläubige bei der rituellen Waschung in der Shishani-Moschee in Amman; Fotograf: Thomas Imo/photothek.net

Ausgangssituation

Jordanien gehört zu den wasserärmsten Ländern weltweit. Ein starkes Bevölkerungswachstum, die zunehmende wirtschaftliche Entwicklung sowie die Aufnahme von über 655.000 registrierten Flüchtlingen aus dem benachbarten Syrien erhöhen zusätzlich den Wasserverbrauch und damit den Druck auf die knappen Ressourcen des Landes. Neben der humanitären Katastrophe führt der rasche Anstieg der Bevölkerungszahl zu einer Überlastung der Trinkwasserver‑ und Abwasserentsorgungssysteme.

Trotz des spürbar knappen Wassers mangelt es sowohl in der jordanischen Bevölkerung als auch unter den syrischen Flüchtlingen an Bewusstsein für einen sparsamen Umgang mit Wasser und natürlichen Ressourcen. Die sozialen Spannungen zwischen der jordanischen Bevölkerung und den syrischen Flüchtlingen nehmen zu.

Dem Land fehlt es an öffentlichkeitswirksamen Kampagnen, die die jordanische Bevölkerung und die syrischen Flüchtlinge dazu anregen, sparsam mit Wasser umzugehen. Ein möglicher Ansatz besteht darin, sich die religiöse Überzeugung zunutze zu machen. Rund 94 Prozent der jordanischen Bevölkerung und über 90 Prozent der in Jordanien aufgenommenen syrischen Flüchtlinge bekennen sich zum Islam. Ihr Glaube dient als Referenzrahmen für das eigene Verhalten und bestimmt den politischen Diskurs. Religiöse Würdenträger haben daher einen entsprechend großen Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung und einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft.

Ziel

Bei den syrischen Flüchtlingen und bei der Bevölkerung in den aufnehmenden Gemeinden sind die Voraussetzungen für den sparsamen Umgang mit Wasser geschaffen.

Wasserbotschafter Imam Khaled von der Usama bin Zaid-Moschee in Mafraq;  Fotograf: Thomas Imo/photothek.net

Vorgehensweise

Gemeinsam mit dem jordanischen Ministerium für Wasser und Bewässerung sowie mit dem

Gemeinsam mit dem jordanischen Ministerium für Wasser und Bewässerung sowie mit dem Religionsministerium arbeitet das Projektteam daran, die Bevölkerung mithilfe ihres eigenen religiösen Wertesystems und ihres Glaubens zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit Wasser anzuregen.

In Zusammenarbeit mit religiösen Würdenträgern und Bildungsexperten erarbeitet das Projektteam Informations- und Lehrmaterialien zum Thema Ressourcen- und Wasserschutz. Mit diesen Unterlagen schulen die Partner Imame und Waithat – männliche und weibliche Religionsgelehrte –, damit diese als Wasserbotschafter den Gläubigen in den Gemeinden vermitteln, wie sie sparsam mit Wasser umgehen können und warum dies so wichtig ist. Es wurde auch spezielles Lehrmaterial für christliche Würdenträger erstellt.

Für Schulen und Hochschulen werden auf den religiösen Überzeugungen basierende Lehrmaterialien entwickelt und im Religionsunterricht verwendet, um das Bewusstsein für das Thema Wasserknappheit zu stärken.

Neben den religiösen Unterweisungen nutzt das Projekt auch die Massenmedien, um dort über die Glaubensvorstellungen auf die Bedeutung des Wasser- und Ressourcenschutzes einzugehen und die Menschen zu sensibilisieren.

Im Norden und im Zentrum Jordaniens rüsten die Projektpartner einige ausgewählte Moscheen mit Anlagen zur Regenwassersammlung und für Grauwasserrecycling aus. Diese „Wasser-Plus-Moscheen“ zeigen der Bevölkerung Einsparmöglichkeiten auf, die die Menschen auch in ihrem privaten Haushalt umsetzen können.

Der aus dem Projekt resultierende sparsamere Umgang mit Wasser und natürlichen Ressourcen verringert auch die Spannungen zwischen der aufnehmenden jordanischen Bevölkerung und den syrischen Flüchtlingen

Das Vorhaben ist Teil der Sonderinitiative des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) zur Stabilisierung und Entwicklungsförderung in Nordafrika und Nahost. Mit den Projekten der Sonderinitiative trägt das BMZ dazu bei, wirtschaftliche und soziale Perspektiven für die Menschen in der Region zu schaffen. 

Wirkungen

Es wurden bereits über 2.500 religiöse Würdenträger zum Thema Ressourcen- und Wasserschutz geschult.
In den lokalen Gemeinschaften ist die Botschaft, dass ein sparsamer Umgang mit Wasser wichtig ist, angekommen: 22 Prozent der Personen, die regelmäßig eine Moschee aufsuchen, geben an, dass sie bei ihrem Besuch in der Moschee etwas über Wassereinsparmaßnahmen erfahren haben. Das ist ein Anstieg um 14 Prozent gegenüber der Quote zu Beginn des Projekts. Von den Menschen, die angeben, dass sie bei einer religiösen Versammlung etwas über Wasserknappheit erfahren haben, sagen 25 Prozent, sie hätten danach ihr Verhalten geändert.

Darüber hinaus betrachten mittlerweile 92 Prozent der lokalen Gemeinschaften Wasserverschwendung als unethisch – das ist ein Anstieg um 18 Prozent. 

Zu Beginn des Projekts war noch eine Mehrheit von 60 Prozent der Befragten der Überzeugung, dass sie das Wasser, das sie erhalten, beliebig verwenden könnten. Die Größe dieser Gruppe ist mittlerweile auf 20 Prozent geschrumpft. Darin zeigt sich, dass Wasser nicht mehr als ein beliebiger Rohstoff betrachtet wird, sondern dass die Menschen verstehen, dass die Wassernutzung mit einer ethischen Verpflichtung verbunden ist. 

Die Untersuchung hat auch ergeben, dass das Wassersparverhalten um über 15 Prozentpunkte zugelegt hat, mit einem besonders deutlichen Anstieg bei den Flüchtlingen aus Syrien.