Minderung von Treibhausgasen in der MENA-Region

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Politikdialog und Wissensmanagement zu Niedrigemissionsstrategien in der MENA Region
Auftraggeber: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU)
Land: Ägypten, Algerien, Iran, Jordanien, Marokko, Tunesien
Politischer Träger: Ägypten: Ministry of Environment; Algerien: Ministère de l’Energie, Ministère de l’Environnement et des Energies Renouvelables; Iran: Ministry of Energy; Jordanien: Ministry of Environment; Marokko: Ministère de l’Energie, des Mines et du Développement Durable; Tunesien: Ministère de l‘Energie, des Mines et des Energies Renouvelables; Arabische Liga: Energieabteilung, Kairo/Ägypten
Gesamtlaufzeit: 2014 bis 2021

Ausgangssituation

In den Ländern des Nahen Ostens und Nordafrikas, der MENA-Region, wachsen Bevölkerung und damit Energie- und Ressourcenbedarf in den kommenden Jahrzenten weiterhin stark. Niedrige Energiepreise durch Bezuschussung von fossilen Energieträgern wie Öl und Gas fördern den Energieverbrauch zusätzlich. Dadurch steigen Treibhausgasemissionen weiter an und der Druck auf Ökosysteme und natürliche Ressourcen nimmt zu. Mit der Unterzeichnung des Klimaabkommens von Paris und der Einreichung von nationalen Reduktionszielen (Nationally Determined Contributions; NDC) haben die Regierungen der MENA Länder sich dazu bekannt, Strategien zur Transformation ihrer Volkswirtschaften in nachhaltige und kohlenstoffarme Wirtschaftssysteme zu entwickeln und umzusetzen.

Bisher konzentrieren sich die MENA-Länder beim Klimaschutz darauf, den Anteil erneuerbarer Energien (RE) an der Energieversorgung zu erhöhen, insbesondere um ihre Versorgungssicherheit zu erhöhen. Einzelne Länder haben begonnen, Fördermechanismen und Minderungsaktivitäten im Energiesektor und darüber hinaus zu entwickeln; die energie- und volkswirtschaftlichen Auswirkungen sind bislang jedoch kaum abgeschätzt. Klima- und Energiestrategien, die mögliche Entwicklungspfade zu einer emissionsarmen Wirtschaft und einem nachhaltigen Energiesystem aufzeigen, fehlt es weiterhin an Kohärenz, langfristiger Perspektive und Umsetzungsstrukturen.

Ziel

Ansätze zur Entwicklung einer kohlenstoffarmen und  widerstandsfähigen Wirtschaft in der MENA-Region sind überregional verbreitet.

Vorgehensweise

Zur Verbesserung der Kooperation zwischen Ländern der MENA-Region unterstützt das Projekt die regionale und überregionale Verbreitung von klima- und energiepolitischen Ansätzen. Die Maßnahmen des Projekts unterstützen politische Entscheidungsträger und zuständige Institutionen bei der systematischen Entwicklung und Umsetzung einer integrierten und ambitionierten Klimapolitik in Form von Emissionsminderungs- und Anpassungsstrategien.. Das Projekt trägt dazu bei, dass die Partnerländer Maßnahmen für die Minderung von Emissionen und Anpassung an Folgen des Klimawandels planen und in Ihre NDCs integrieren. Langfristig wird so die Transformation zu emissionsarmen und resilienten Wirtschaftssystemen unterstützt.

Die Beratung zur Stärkung der Klima- und Energiestrategien orientiert sich an den aktuellen Bedürfnissen und Entwicklungen der Länder und erfolgt in enger Abstimmung mit den politischen Partnern der Zielländer. Das Projekt entwickelt geeignete Instrumente zur Erreichung ihrer Minderungs- und Anpassungsziele für Teilsektoren und begleitet deren Umsetzung.

Damit Wissen und Erfahrung in lokalen Strukturen erhalten bleibt, kooperiert das Projektteam mit nationalen Institutionen in den jeweiligen Partnerländern. Eine enge Zusammenarbeit mit regionalen Organisationen, wie der Arabischen Liga, fördert darüber hinaus den grenzüberschreitenden Austausch zwischen Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.

Wirkungen

Um die Auswirkungen des Ausbaus erneuerbarer Energien und verbesserter Energieeffizienz auf andere Bereiche abzuschätzen, unterstützt das Projekt im Bereich der Niedrigemissionsstrategien eine volkswirtschaftliche Folgenabschätzung durch Szenario-Modellierung in Marokko,  Tunesien und Algerien.

Im Iran unterstützt das Projekt bei Anpassungsstrategien und der nachhaltigen Landnutzung in Fluss- und Naturschutzgebieten, in denen der Nutzungsdruck durch den Klimawandel wächst. Um natürliche Ressourcen und Funktionen des Ökosystems zu erhalten und negative Effekte umzukehren, unterstützt das Projekt lokale Partner bei der Erarbeitung nachhaltiger Landnutzungskonzepte in einem Flussgebiet.

Um die Finanzierung von klimafreundlichen Technologien in der MENA-Region zu verbessern, bietet das Projekt technische und wirtschaftliche Beratung für den Einsatz innovativer Technologien. Dazu gehört zum Beispiel eine Kostenstudie zu solarer Meereswasserentsalzung. Das Projekt finanziert in diesem Rahmen auch Fortbildungen für Entscheidungsträger aus dem Finanzsektor im Zusammenhang mit erneuerbaren Energien und Energieeffizienz in Marokko, Tunesien, Ägypten und Jordanien. Auf Basis dieses Wissens können Finanzinstitute Projektanträge bzw. Business Pläne, Technologien und Mechanismen besser beurteilen.

Das Projekt unterstützt die Energieabteilung der Arabischen Liga (LAS) gemeinsam mit ihrem technischen Arm, dem Regional Center for Renewable Energies and Energy Efficiency (RCREEE), bei der Umsetzung der Pan Arab Sustainable Energy Strategy sowie bei der Erstellung Nationaler Aktionspläne und Jahresberichte zum Ausbau erneuerbarer Energien und Energieeffizienzmaßnahmen. Erste nationale Aktionspläne sind bereits fertiggestellt (Libanon, Sudan) und weitere befinden sich in der Erstellung (Jordanien, Ägypten, Irak und Djibouti). Mit den National Renewable Energy Action Plans liegen damit erstmals strategische Dokumente zur Ausbauplanung von erneuerbaren Energien vor, deren Umsetzung auf regionaler Ebene nach einem abgestimmten Format überprüft werden können.

Das Projekt veranstaltet regionale Trainings und Wissensaustausche zur wirtschaftlichen und rechtlichen Systemintegration von Maßnahmen im Zusammenhang mit erneuerbaren Energien und Energieeffizienz. So berät das Projekt beispielsweise in Algerien den nationalen Netzbetreiber Sonelgaz bei der Bewältigung künftiger Herausforderungen.. Seit 2015 organisiert das Projekt die Global Exchange Platform on Solar Power Plants, die 2018 zum vierten Mal stattfinden wird. Sie bietet Entscheidungsträgern aus Energieministerien ein Forum zum Austausch untereinander sowie mit Vertretern aus dem Privatsektor und der Wissenschaft an.