Unterstützung für Flüchtlinge, insbesondere Rückkehrwillige, und aufnehmende Gemeinden

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Unterstützung für Flüchtlinge, insbesondere Rückkehrwillige, und aufnehmende Gemeinden in Kenia
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) im Rahmen der Sonderinitiative „Fluchtursachen bekämpfen – Flüchtlinge reintegrieren“
Land: Kenia
Politischer Träger: Refugee Affairs Secretariat (Ministry of Interior), Kenya
Gesamtlaufzeit: 2015 bis 2020

Kenia. Mitglieder der aufnehmenden Gemeinde erhalten auch in abgelegenen Gebieten medizinische Untersuchungen. © GIZ / Alex Kamweru

Ausgangssituation

Durch gewalttätige Konflikte im Südsudan, in Somalia und anderen Ländern der Region ist die Zahl der Flüchtlinge in Kenia derzeit auf über eine halbe Million angestiegen. Flüchtlinge dürfen außerhalb der Flüchtlingslager keine Beschäftigung oder landwirtschaftliche Aktivtäten ausüben. Ihre Selbstversorgung und damit auch die Kompetenzen zur Reintegration in ihre Heimatländer sind deshalb wenig ausgeprägt.

Auch die lokale Bevölkerung ist sehr arm. Durch die Unterversorgung mit Nahrungsmitteln und Basisdienstleistungen, vor allem bei Wasser und Gesundheit, sind die Lebensbedingungen sowohl der Flüchtlinge als auch der lokalen Bevölkerung in den Hauptaufnahmegebieten Kakuma und Dadaab nicht gesichert. Häufiger kommt es deshalb zu Konflikten. Flüchtlinge, die in ihre Heimatländer zurückkehren könnten und an einer Rückkehr interessiert sind, sind nur unzureichend auf ein Leben dort vorbereitet.

Ziel

Die Lebensbedingungen von Flüchtlingen, vor allem von Rückkehrwilligen, sowie der lokalen Bevölkerung in Turkana West (Kakuma) und Garissa County (Dadaab) sind verbessert.

Kenia. Jugendliche Flüchtlinge und Mitglieder der aufnehmenden Gemeinde lernen Techniken für Mediation und friedliche Konfliktbearbeitung. © GIZ / Alex Kamweru

Vorgehensweise

Die Maßnahmen des Vorhabens richten sich gleichermaßen an die Flüchtlinge und die lokale Bevölkerung in den Gebieten in und um die Flüchtlingscamps Kakuma und Dadaab. Das betrifft sowohl beschäftigungsorientierte Aus- und Fortbildung für rückkehrwillige Flüchtlinge als auch Ernährungssicherung, bessere ärztliche Versorgung und friedliche Konfliktbearbeitung. Das Vorhaben kooperiert dazu unter anderem mit der größten afrikanischen Nichtregierungsorganisation im Gesundheitssektor, AMREF, sowie mit dem International Rescue Committee und den Johannitern.

Mobile Gesundheitsdienste für die halbnomadische Bevölkerung in den Aufnahmegemeinden sowie medizinische Dienste im Flüchtlingslager werden unterstützt. In Aus- und Fortbildungen erwerben Flüchtlinge und Mitglieder der aufnehmenden Gemeinde nützliche Kenntnisse für potenzielle Beschäftigungen. Sie werden zu landwirtschaftlichen Anbautechniken beraten, beispielsweise durch das Anlegen von Schulgärten im Flüchtlingscamp. Durch Cash-for-Work-Maßnahmen können Flüchtlinge und lokale Anwohner ihre Einkommen verbessern. Beide Gruppen erhalten außerdem verbesserten Zugang zu Wasser und Sanitärversorgung. In interaktiven Workshops an Schulen üben Jugendliche, Konflikte gewaltfrei zu lösen.

Das Projekt ist Teil der BMZ-Sonderinitiative „Fluchtursachen bekämpfen – Flüchtlinge reintegrieren“. Kurzfristig unterstützt es gleichermaßen Flüchtlinge und aufnehmende Gemeinden. Langfristig mindern nachhaltige Maßnahmen strukturelle Fluchtursachen wie soziale Ungleichheit oder Ernährungsunsicherheit. Dieses Projekt leistet einen Beitrag zur Verbesserung der Lebensbedingungen von Flüchtlingen, vor allem derjenigen, die in ihre Heimatländer zurückkehren möchten, sowie der Menschen in den aufnehmenden Gemeinden in Kenia.

Wirkungen

Mit mobilen Gesundheitsdiensten und bereitgestellte Facharztbehandlungen wurden mehr als 35.000 Patienten in teils sehr abgelegenen Regionen erreicht. 141 Mitarbeiter des lokalen Gesundheitspersonals wurden in der Behandlung von Mangel- und Unterernährung bei Kleinkindern sowie schwangeren und stillenden Müttern geschult. Der Neubau einer Frauen- und Kinderstation im Camp, die Sanierung von Gesundheitszentren, Apotheken und Lagerstätten für Nahrungsergänzungsmittel sowie die Ausstattung mit Medikamenten und medizinischen Geräten verbesserte die medizinische Infrastruktur. Das Missionskrankenhaus in Kakuma wurde von einer deutschen Ärztin unterstützt.

Flüchtlinge und Mitglieder der aufnehmenden Gemeinden werden in innovativen Anbautechniken geschult, um ihre Selbstversorgung zu verbessern. Im Flüchtlingslager wurden 20 Schulgärten angelegt. Rund 1.400 Personen aus landwirtschaftlichen Produktions- und Vermarktungsgruppen, mit einem 60-prozentigen Frauenanteil, profitieren von der Instandsetzung von Brunnen. Cash-for-Work-Maßnahmen, durch die ein zusätzliches Einkommen erwirtschaftet wird, trugen bislang zur Verbesserung der Grundversorgung von 618 Haushalten bei. Die Installation von 99 Solarstraßenleuchten im Camp und in der Umgebung ermöglichen verlängerte Geschäftszeiten und erhöhen zusätzlich die Sicherheit.

Kenia. Schülerinnen und Schüler arbeiten in einem Schulgarten im Flüchtlingslager Kakuma. © GIZ / Alex Kamweru

In Kompetenzentwicklungsmaßnahmen zur friedlichen Konfliktbearbeitung wurden bestehende lokale Verhandlungsstrukturen gestärkt und durch Dialogforen ergänzt. In interaktiven Workshops an Schulen wurden 545 Jugendliche in den Grundlagen von Mediation und friedlicher Konfliktlösung geschult.