RETORNO: Unterstützung rückkehrender Binnenvertriebener und aufnehmender Gemeinden bei Ernährungssicherung und Wiederaufbau

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Unterstützung rückkehrender Binnenvertriebener und aufnehmender Gemeinden bei Ernährungssicherung und Wiederaufbau in Kolumbien
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Kolumbien
Politischer Träger: Unidad de Atención y Reparación Integral de Víctimas (UARIV, Staatliches Institut zur Unterstützung der Opfer der Gewalt)
Gesamtlaufzeit: 2015 bis 2018

Kolumbien: In der Region Guaviare ansässige Nukak und benachbarte Bauern lösen gemeinsam Konflikte. © GIZ

Ausgangssituation

Gemäß dem UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR sind seit Mitte der 80er Jahre rund 5,7 Millionen Menschen in Kolumbien von ihren angestammten Wohnorten gewaltsam vertrieben worden und gelten als Binnenvertriebene. Ursachen sind der jahrzehntelange bewaffnete Konflikt zwischen Staat und verschiedenen illegitimen bewaffneten Gruppierungen sowie Drogenproduktion und -schmuggel. Überdurchschnittlich stark betroffen ist die bäuerliche, indigene und afrokolumbianische Bevölkerung, die in den häufig entlegenen Konfliktregionen wohnt. Die Gesetzgebung ermöglicht seit 2011 die kollektive Rückführung oder Umsiedlung und Entschädigung von Binnenvertriebenen. Die lokalen Behörden sind in vielen Fällen jedoch überfordert, vereinbarte Maßnahmen für Entschädigung und kollektive Umsiedlung umzusetzen. Die umgesiedelten Binnenvertriebenen werden an ihren neuen Wohnorten häufig von den alteingesessenen Einwohnern diskriminiert. Sowohl die Neuankömmlinge als auch die alteingesessene Bevölkerung haben kaum Aussicht, eine Arbeit zu finden und damit ein neues Leben aufzubauen. Die mangelhafte Versorgung mit staatlichen Dienstleistungen und die weiten Entfernungen zu den Städten erschweren beiden Gruppen eine ausreichende soziale und wirtschaftliche Entwicklung.

Ziel

Die sozialen und produktiven Lebensgrundlagen von rückkehrenden Binnenvertriebenen und aufnehmenden Gemeinden in den ausgewählten Regionen sind verbessert.

Vorgehensweise

Das Vorhaben arbeitet in den Departments Córdoba und Guaviare. Es fördert die Kompetenzen staatlicher Akteure wie Provinz- und Gemeindeverwaltungen und der Opferbehörde UARIV ebenso wie die von Nichtregierungsorganisationen. Dabei stehen die Bedürfnisse der Binnenvertriebenen und die Verbesserung ihrer Lebenssituation im Mittelpunkt. Das Vorhaben unterstützt die Partner beim Aufbau von Kompetenzen zur Einbeziehung der Bevölkerung und zur erfolgreichen Bewerbung um knappe staatliche Fördermittel, bei der Integration des Themas in Entwicklungspläne sowie bei der Errichtung von Infrastruktur.

Das Programm unterstützt Maßnahmen zur Verbesserung von Ernährung und Einkommen der Binnenvertriebenen sowie zu ihrer wirtschaftlichen Selbstständigkeit und ihrer Selbstorganisation. Damit ihre Integration in die aufnehmenden Gemeinden konfliktfrei verläuft, bietet das Programm Fortbildungen zu gewaltfreiem Umgang bei Konflikten an und Aktivitäten, die den sozialen Zusammenhalt stärken.

In der Region Guaviare unterstützt das Programm die indigenen, bis vor kurzem noch nomadisch lebenden Völker Jiw, Nukak und Sikuani. Sie wurden durch die linke Guerilla, illegalen Bergbau, den Drogenanbau und -schmuggel und die damit verbundene Gewalt aus ihren angestammten Gebieten vertrieben. In den ihnen zugewiesenen Ländereien können sie ihren traditionellen Lebensweisen nicht mehr nachgehen und leben in extremer Misere. Ihre Existenz als Volksgemeinschaft ist bedroht. Das Vorhaben unterstützt sie bei der Verbesserung ihrer Wohnsituation, beim Zugang der Kinder zu Bildung sowie bei ihren traditionellen Lebensgrundlagen Jagd, Fischerei und Landwirtschaft. Es arbeitet dabei mit Experten zusammen, die die Volksgemeinschaften seit langem kennen und denen sie vertrauen.

Wirkungen

In drei Gemeinden in Córdoba steht der Bevölkerung wieder sauberes Trinkwasser zur Verfügung. In dem Dorf Villanueva wurde eine Straße repariert, außerdem wurden den Familien Fahrräder übergeben, so dass Kinder und Jugendliche nun schneller ihre Schule erreichen können. Die Schule in Villanueva wurde mit Möbeln und Unterrichtsmaterial ausgestattet.

Das Projekt hat damit begonnen, die nur aus Pfählen und Plastikplanen bestehenden Unterkünfte der Jiw und Nukak durch einfache Holzhütten zu ersetzen und in zehn Siedlungen Hängematten, Decken, Moskitonetze, Kanus und Angelgerät auszugeben. 35 Familienclans wohnen jetzt in stabileren Unterkünften und haben ihre Selbstversorgung mit Lebensmitteln deutlich verbessert.