Beschäftigungsmöglichkeiten für palästinensische Jugendliche verbessern

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Mehr Jobchancen für palästinensische Jugendliche
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Palästinensische Gebiete
Politischer Träger: Ministerium für Hochschulbildung (Ministry of Higher Education; MoHE), Arbeitsministerium (Ministry of Labor; MoL)
Gesamtlaufzeit: 2015 bis 2023

Studierende am Arbeitsplatz

Ausgangssituation

In den Palästinensischen Gebieten ist die Bevölkerung sehr jung: Ein Drittel ist zwischen 15 und 29 Jahre alt. Die Arbeitslosenquote liegt in dieser Altersgruppe bei knapp 50 Prozent, unter Hochschulabsolvent*innen sogar bei etwa 60 Prozent. Das verstärkt die Frustration und Perspektivlosigkeit der jungen Generation, deren Leben durch die Auswirkungen des Nahost-Konflikts geprägt ist. Die hohe Arbeitslosigkeit ist daher eine der drängendsten Herausforderungen in den Palästinensischen Gebieten.

Trotz der vielen Arbeitssuchenden haben Unternehmen oftmals Schwierigkeiten, freie Stellen adäquat zu besetzen. Ein Grund: Die Qualifikation der Jugendlichen und jungen Erwachsenen entspricht nicht den Anforderungen der Unternehmen. Dies gilt sowohl für die Ausbildung akademischer Fach- und Führungskräfte als auch für die berufliche Bildung. Oft fehlen den Absolvent*innen der Praxisbezug und wichtige „Soft Skills“ wie Teamfähigkeit oder Kommunikationsstärke.

Ziel

Die Beschäftigungsmöglichkeiten für palästinensische Jugendliche und junge Erwachsene haben sich durch eine arbeitsmarktorientierte Ausbildung verbessert. Sowohl die junge Bevölkerung als auch die palästinensische Wirtschaft profitieren von der Einführung eines dualen Studiums und arbeitsmarktorientierten Kurzzeitqualifizierungen.

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Vorgehensweise

Das Vorhaben baut duale Studiengänge auf – eine Neuheit in der Region. Zudem führt es für benachteiligte Jugendliche Kurzzeitkurse durch, die den Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtern. Das Projekt orientiert sich an dem in Deutschland etablierten Modell dualer Studiengänge und an bisherigen Erfahrungen mit Kurzzeitkursen in den Palästinensischen Gebieten.

Die dualen Studiengänge ermöglichen den jungen Menschen, eine Ausbildung in einem Betrieb zu absolvieren und zeitgleich einen Hochschulabschluss zu erwerben. So schließen die Studiengänge die Lücke zwischen Theorie und Praxis und steigern den Praxisanteil einer akademischen Ausbildung. Vier Fachgebiete stehen im Fokus: Elektrotechnik, Betriebswirtschaftslehre, Informationstechnologie, und Wirtschaftsingenieurwesen. Die dualen Studiengänge setzen auf die enge Kooperation zwischen der Al-Quds Universität und der palästinensischen Privatwirtschaft: Die theoretische Ausbildung übernimmt die Universität, die praktischen Phasen werden in Zusammenarbeit mit zahlreichen Unternehmen entwickelt und umgesetzt. Pro Semester können rund 340 Studierende anwendungsorientiert lernen.

Arbeitsmarktorientierte Kurzzeitqualifizierungen von bis zu drei Monaten erreichen benachteiligte Jugendliche und junge Erwachsene. Diese Kurzzeitkurse werden durch die Privatwirtschaft genutzt und vermittelt. Dabei spezifizieren die Unternehmen zunächst die Qualifikationen, die sie für ihre Betriebe benötigen – zum Beispiel, wenn sie für die Installation und Instandhaltung von Solaranlagen Techniker*innen suchen. Palästinensische Träger beruflicher Bildung konzipieren auf dieser Grundlage entsprechende Kurse und führen sie durch.

Hinzu kommen Schulungen für Mitarbeiter*innen in abgelegenen Gemeinden, damit diese lernen, für junge Menschen Beschäftigungsmöglichkeiten zu entwickeln – zum Beispiel durch die Unterstützung von Fraueninitiativen, die traditionelle Waren produzieren und verkaufen.

Das Vorhaben ist Teil der Sonderinitiative des Bundesministeriums für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit zur Stabilisierung und Entwicklung in Nordafrika und Nahost. Mit den Projekten der Initiative trägt das Ministerium dazu bei, wirtschaftliche und soziale Perspektiven für die Menschen in der Region zu schaffen.

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Wirkungen

  • Die Lehrpläne für die Studiengänge Elektrotechnik, Betriebswirtschaftslehre, Informationstechnologie und Wirtschaftsingenieurwesen sind entwickelt, mit den Partnerfirmen abgestimmt und durch die nationale Akkreditierungsagentur (AQAC) zugelassen worden.
  • In den vier dualen Studiengängen sind 336 Studierende eingeschrieben, davon sind 45 Prozent Frauen (Stand Februar 2020).
  • 216 Partnerfirmen bilden die Studierenden der dualen Studiengänge aus. Sie haben sich verpflichtet, die Studierenden sechs Monate pro Jahr auszubilden und monatliche Ausbildungsvergütungen von mindestens 200 US-Dollar zu zahlen.
  • Mitarbeiter*innen der Al-Quds Universität sowie die Anleiter*innen in den Partnerfirmen wurden zur Durchführung des dualen Studiums qualifiziert.
  • Eine breit angelegte Werbekampagne, die das duale Studium bekannt macht, läuft seit 2015 und generierte eine hohe Aufmerksamkeit.
  • Die ersten Student*innen der Elektrotechnik (19 Graduierte) und der Informationstechnologie (11 Graduierte) schlossen im Februar 2020 offiziell ihr Studium ab. Etwa 50 Prozent von ihnen hatten bereits vor Studienabschluss einen Arbeitsvertrag mit einem palästinensischen Unternehmen unterschrieben.
  • 1.327 Jugendliche und junge Erwachsene (darunter 44 Prozent Frauen) haben erfolgreich eine Kurzzeitqualifizierung absolviert. Davon haben etwa 44 Prozent eine Beschäftigung gefunden, die ihrer Qualifikation entspricht.

Weitere Informationen