Deutsches Biosicherheitsprogramm

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Umsetzung des Deutschen Biosicherheitsprogramms
Auftraggeber: Auswärtiges Amt
Land: Weltweit, vor allem Georgien, Kasachstan, Mali, Marokko, Sudan, Tunesien, Ukraine
Politischer Träger: Marokko, Tunesien: Ministère de la Santé; Sudan: Federal Ministry of Health
Gesamtlaufzeit: 2013 bis 2019

Deutsches Biosicherheitsprogramm. Lokaler Experte in persönlicher Schutzausrüstung während einer Simulationsübung zu biologischen Gefahrenlagen. © GIZ

Ausgangssituation

Hochansteckende Krankheiten können die Gesundheit, Sicherheit und Stabilität ganzer Staaten und Gesellschaften gefährden. Die Erfahrung des Ebola-Ausbruchs in Westafrika hat dies verdeutlicht. Vergleichbare Krankheiten können auch durch Unfälle in Forschungslaboren oder den Missbrauch von Erregern verbreitet werden. Fachexperten unterscheiden dabei den Begriff „Biosecurity“, der sich auf den möglichen Missbrauch von gefährlichen Agenzien bezieht, vom Begriff „Biosafety“, der den Schutz vor biologischen Erregern bezeichnet. Um solchen biologischen Risiken entgegenzuwirken und einen Beitrag zur Globalen Partnerschaft gegen die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen und -materialien der G7-Staaten zu leisten, rief das Auswärtige Amt 2013 das Deutsche Biosicherheitsprogramm ins Leben. Das Programm ist Bestandteil der präventiven Sicherheitspolitik der Bundesregierung. Es trägt zur Umsetzung des Übereinkommens über das Verbot biologischer Waffen bei.

Ziel

Kompetenzen und Leistungsfähigkeit im Bereich der Biosicherheit sind in den Partnerländern gestärkt.

Deutsches Biosicherheitsprogramm. Praktische Übung zum Umgang mit Medien und Öffentlichkeit bei Epidemien und biologischen Anschlägen. © GIZ

Vorgehensweise

Das Biosicherheitsprogramm wird gemeinsam von GIZ, Robert Koch-Institut (RKI), Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM), Friedrich-Loeffler-Institut für Tiergesundheit (FLI) und dem Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr (IMB) umgesetzt.

Die GIZ unterstützt das Auswärtige Amt bei der Steuerung und der Außendarstellung des Biosicherheitsprogramms. Hierzu wurde ein Programmbüro im Auswärtigen Amt eingerichtet, das gemeinsam mit dem RKI betrieben wird und als zentrale Geschäftsstelle fungiert. Darüber hinaus werden 16 Vorhaben in mehr als 12 Partnerländern umgesetzt, für die ein einheitlicher methodischer Ansatz entwickelt wurde. Sämtliche Programmaktivitäten sind einem oder mehreren von sechs übergeordneten Programmzielen zugeordnet:

  1. Präventions- und Reaktionsfähigkeit bei biologischen Risiken sind verbessert.
  2. Hochpathogene Erreger werden sicherer erkannt und diagnostiziert.
  3. Bei biologischen Risiken koordinieren sich Netzwerke zunehmend effektiv.
  4. Bei Biosafety und Biosecurity werden zunehmend internationale Standards angewendet.
  5. Das Bewusstsein für Prinzipien, Praktiken und Instrumente der Nichtverbreitung biologischer Waffen ist gestärkt.
  6. Die Partnerländer und Deutschland tauschen sich nachhaltig wissenschaftlich über biologische Sicherheit aus.

In den Schwerpunktländern Sudan, Tunesien und Marokko arbeitet die GIZ in enger Abstimmung mit dem Robert Koch-Institut. Sie konzentriert sich dabei auf Maßnahmen in den Themenfeldern:

  • Sensibilisierung für biologische Risiken und Maßnahmen im Bereich Biosicherheit
  • Vernetzung von Akteuren zur Vorbeugung, Erkennung und Abwehr von biologischen Gefahren
  • Stärkung der Leistungsfähigkeit staatlicher Institutionen an der Schnittstelle zwischen Gesundheit und Sicherheit

Die GIZ unterstützt zusätzlich Projekte anderer, am Biosicherheitsprogramm beteiligter deutscher Fachinstitute in Georgien, Kasachstan, Mali und in der Ukraine sowie internationale Organisationen.

Deutsches Biosicherheitsprogramm. Ausbildung von lokalem Fachpersonal in der Nutzung und Wartung eines mobilen Labors. © GIZ

Wirkungen

Im Sudan wurde ein nationales Labornetzwerk entwickelt und eingerichtet. Es ermöglicht landesweit den institutionalisierten, bundesstaatenübergreifenden Austausch sudanesischer Labore über Biosicherheit und erleichtert die Bekämpfung hochgefährlicher Krankheitserreger. In Workshops wurden mehr als 100 Fachkräfte zur Laborvernetzung geschult. In Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen aus dem Gesundheitssektor konnte zudem eine landesweite Richtlinie zur Biosicherheit erstellt werden. Sie trägt dazu bei, internationale Biosicherheitsstandards im Sudan zu etablieren und die Reaktionsfähigkeit auf Epidemien und andere biologische Gefahren zu verbessern.

In Tunesien wurde die Entwicklung eines Notfallplans für bioterroristische Anschläge und Epidemien begleitet. In einer Simulationsübung mit 30 Teilnehmenden konnte der Plan getestet und evaluiert werden. Er verbessert die tunesische Präventions- und Reaktionsfähigkeit auf biologische Gefahren und trägt zur besseren Vernetzung der verantwortlichen Akteure bei. In 14 Kommunikationstrainings wurden rund 140 tunesische Gesundheitsfachkräfte fortgebildet, um bei einer Epidemie oder einer biologischen Gefahrenlage mit Medien und Öffentlichkeit situationsangemessen zu kommunizieren. Eine Risikokommunikationsstrategie zur effizienteren Kommunikation bei Gesundheitsnotfällen wird derzeit entwickelt.

In Marokko wurde im Oktober 2015, gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium, eine Konferenz zum Thema Risikokommunikation mit 120 Teilnehmenden organisiert. Nachfolgend wurde mit Experten der GIZ eine nationale Strategie für Risikokommunikation entwickelt, die 2017 verabschiedet werden soll. Sie sieht institutionenübergreifende Kommunikationsmechanismen vor, die es erleichtern sollen, negative Auswirkungen im biologischen Ernstfall abzumildern und einzudämmen sowie eine angemessene Interaktion mit der Bevölkerung zu gewährleisten. In 7 Trainings wurden zudem mehr als 60 Beschäftigte des marokkanischen Gesundheitsministeriums für die Kommunikation mit Medien und Öffentlichkeit bei Epidemien und biologischen Anschlägen geschult.