Berufliche Bildung für ökologisches Wirtschaften

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Berufliche Bildung für ökologisches Wirtschaften
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Südafrika
Politischer Träger: Department of Higher Education and Training (DHET)
Gesamtlaufzeit: 2015 bis 2018

Südafrika. Pilotprojekt zur dualen Ausbildung, die Auszubildende Fikile Nxumalo © GIZ

Ausgangssituation

Der Status Südafrikas als Schwellenland spiegelt nur unzureichend die strukturellen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen des Landes wider: Das Wirtschaftswachstum lag 2014 bei lediglich 1,4 Prozent. Hohe Lohnkosten, ein rigides Arbeitsrecht, zunehmend willkürliche Eingriffe des Staates, eine verfehlte Bildungspolitik und ein daraus resultierender Mangel an qualifizierten Arbeitskräften halten Unternehmen davon ab, im Land zu investieren.

Die strukturell bedingte Arbeitslosigkeit liegt offiziell bei 25 Prozent, inoffiziell bei 40 Prozent. Mehr als die Hälfte der Jugendlichen unter 25 Jahren sind arbeitslos. Besonders betroffen sind schwarze Jugendliche, Frauen und alle Menschen mit geringer Bildung oder fehlender Berufsausbildung.

Ursachen der hohen Jugendarbeitslosigkeit sind das geringe Wirtschaftswachstum und eine Schulbildung, die nicht auf das Arbeitsleben ausgerichtet ist. Unternehmen können trotz hoher Arbeitslosigkeit mangels qualifizierter Arbeitskräfte freie Stellen nicht besetzen. Auch das Ausbildungsniveau an öffentlichen Berufsbildungsinstitutionen ist niedrig, die Lehrkräfte sind schlecht oder gar nicht ausgebildet. Es existieren keine praxis- und wirtschaftsorientierten Berufsbildungsprogramme zur Ausbildung qualifizierter Fachkräfte, in denen Unternehmen eine maßgebliche Rolle spielen. Unternehmen konzentrieren sich überwiegend auf betriebliche Aus- und Fortbildungsmaßnahmen für ihr eigenes Personal, arbeiten aber nicht mit den öffentlichen Colleges der technischen Berufsbildung (TVET-Colleges) zusammen.

Ziel

In den Provinzen Gauteng und Ost-Kap wird eine Pilotmaßnahme für ein praxis- und wirtschaftsorientiertes Berufsbildungsprogramm zur Ausbildung qualifizierter Fachkräfte durchgeführt, in der Unternehmen eine maßgebliche Rolle spielen.

Südafrika. Pilotprojekt zur dualen Ausbildung, Installateur Sello Mokawane © GIZ

Vorgehensweise

Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) kooperiert die GIZ eng mit dem südafrikanischen Ministerium für Höhere Bildung und Qualifizierung (DHET), vier TVET-Colleges, Unternehmens- und Berufsverbänden sowie Einzelunternehmen.

Das Vorhaben unterstützt ein südafrikanisches Pilotprojekt zur dualen Ausbildung, das aus Mitteln des National Skills Fund (NSF) des DHET finanziert wird: An vier TVET-Colleges wird eine dual strukturierte Lehrlingsausbildung für Elektriker sowie für Wasser-/Abwasserinstallateure erprobt. Das Pilotprojekt dient der südafrikanischen Regierung als Referenz einer bedarfs- und wirtschaftsorientierte Ausbildung für qualifizierte Fachkräfte. Nicht nur das DHET und ausgewählte TVET-Colleges, sondern auch Arbeitgeber und Berufsverbände sollen so gestärkt werden. Praktische Ausbildungsphasen in Betrieben werden mit Blockunterricht im TVET-College verknüpft. Bei der Durchführung des Pilotprojektes sammelt die südafrikanische Regierung Lernerfahrungen, die sie in den Politik- und Strategieprozess einfließen lässt.

Das Vorhaben konzentriert sich in fünf Handlungsfeldern auf:

  1. Etablierung von Mechanismen und Prozessen für ein südafrikanisches dual strukturiertes Berufsbildungsprogramm
  2. Stärkung der Managementfähigkeiten in TVET-Colleges und Unternehmen
  3. Verbesserung der Ausbildungsqualität an den TVET-Colleges
  4. Einführung von Prüfungsverfahren unter Beteiligung von Unternehmen
  5. Verbesserung des Dienstleistungsangebots der TVET-Colleges
Südafrika. Werbung für das Pilotprojekt zur dualen Ausbildung © GIZ

Wirkungen

Neue Ausbildungsgänge für Elektriker und Gas-Wasser-Installateure sind offiziell anerkannt und registriert. Der Berufsverband der Wasser-/Abwasserinstallateure und der Unternehmensverband Swiss South African Cooperation Initiative sind beim National Skills Fund registriert: Als Hauptarbeitgeber werden sie eine Koordinierungsfunktion gegenüber beteiligten Unternehmen für bis zu 200 Lehrlinge übernehmen.

Die Vorbereitungen für den Ausbildungsbeginn von bis zu 175 Lehrlingen sind abgeschlossen: An 4 Standorten haben im August 2016 rund 100 Lehrlinge ihre Ausbildung zum Elektriker begonnen. An 2 weiteren Standorten können Ende 2016 weitere 50 Lehrlinge ihre Ausbildung zum Wasser-/Abwasserinstallateur beginnen.