Verbesserung der Wassersicherheit für Vertriebene

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Förderung des partizipativen Ressourcenmanagements zur Stabilisierung der Situation in Flüchtlinge aufnehmenden Gemeinden
Auftraggeber: Sonderinitiative „Fluchtursachen bekämpfen – Flüchtlinge reintegrieren“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Jordanien
Politischer Träger: Ministerium für Wasser und Bewässerung
Gesamtlaufzeit: 2015 bis 2020

Ausgangssituation

Jordanien gehört zu den trockensten Ländern der Welt. Die Wasserversorgungssysteme des Landes sind veraltet und vielerorts nicht bedarfsgerecht und befinden sich zudem in einem schlechten Wartungszustand. Dadurch gehen an manchen Orten bis zu 70 Prozent des Wassers verloren. Die daraus resultierenden Versorgungsengpässe waren bereits eine Herausforderung für die Gemeinden, als sie nur die jordanischen Haushalte versorgen mussten. Im November 2019 hatte Jordanien, das südliche Nachbarland von Syrien, offiziell mehr als 650.000 syrische Flüchtlinge registriert. Mehr als 80 Prozent von ihnen leben außerhalb der offiziellen Flüchtlingslager. Die Flüchtlinge aufnehmenden Gemeinden haben die Aufgabe, die notwendige Infrastruktur für Flüchtlinge bereitzustellen, was sie häufig vor erhebliche Herausforderungen stellt. Die Gewährleistung einer ausreichenden Versorgung der Bevölkerung mit sauberem Wasser bringt viele Gemeinden an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit.

Ziel

Die Verfügbarkeit von sauberem Wasser in sechs der Flüchtlinge aufnehmenden Gemeinden und im Flüchtlingslager Gerasa ist verbessert.

Vorgehensweise

Im Norden des Landes, nahe der syrischen Grenze, leben besonders viele syrische Flüchtlinge neben der einheimischen Bevölkerung. Das Projekt „Förderung des partizipativen Ressourcenmanagements zur Stabilisierung der Situation in den Flüchtlinge aufnehmenden Gemeinden (PRM)“ wird im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) in sechs aufnehmenden Gemeinden durchgeführt, um sicherzustellen, dass die mehr als 39.000 Einwohner*innen – darunter 5.000 Flüchtlinge – ausreichend mit Wasser versorgt werden. Mit ihren Interventionen auf verschiedenen Ebenen sorgt die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH dafür, dass baufällige Wasserversorgungsnetze instandgesetzt und moderne Wasserspeichersysteme sowie barrierefreie Zugänge zu Wasserversorgungsanlagen in privaten Haushalten und öffentlichen Einrichtungen errichtet werden. Darüber hinaus beteiligt sich die schweizerische Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) an der Projektumsetzung in einer der Gemeinden (Bait Ras) sowie an den Maßnahmen im Lager Gerasa. Dadurch soll die Wasserversorgung auf Ebene der Haushalte für mehr als 15.000 Menschen verbessert werden.

Die Bewohner*innen der sechs aufnehmenden Gemeinden haben die Möglichkeit, sich über partizipative Austauschplattformen in die Verbesserung der langfristigen Wasserversorgung einzubringen. Angehörige der lokalen Gemeinde, darunter auch syrische Flüchtlinge, nehmen an regelmäßigen Multi-Stakeholder-Sitzungen mit den Institutionen der Wasserwirtschaft teil, um Fragen rund um die Wasserversorgung und die künftig erforderlichen Baumaßnahmen zu erörtern. Somit spielen Vertreter*innen aller gesellschaftlichen Gruppen eine zentrale Rolle bei der Sicherstellung einer gerechten Verteilung von Wasser in den Gemeinden und bei der Lösung von Konflikten um diese knappe Ressource. Aufgrund des Erfolgs der partizipativen Herangehensweise ist vorgesehen, ein partizipatives Ressourcenmanagement-Konzept bei dem verantwortlichen Wasserversorger zu verankern.

Wirkungen

Durch Reparaturen an den Wasserversorgungsnetzen konnten die Wasserverluste in den betroffenen Gemeinden von über 46 Prozent auf 24 Prozent halbiert werden. Die Sanierung des Versorgungsnetzes und die Installation von Wasserspar- und Wasserspeichertechnik hat dazu geführt, dass die Gemeinden jedes Jahr rund 505.000.000 Liter Wasser sparen. Diese Menge entspricht dem Wasserbedarf von 16.000 Menschen und hat einen monetären Wert von fast 1.000.000 Euro.

In den aufnehmenden Gemeinden und im Lager Gerasa hat das Vorhaben 5.550 moderne Wassertanks auf Hausdächern installiert. Außerdem werden rund 6.800 wassersparende Haushaltsgeräte und 1.400 Wasserspartoiletten bereitgestellt. Darüber hinaus trägt das Projekt dazu bei, dass in über 480 Haushalten und 53 öffentlichen Einrichtungen barrierefreie Zugänge mit Rampen sowie Roll- und Toilettenstühlen installiert werden, so dass alle Menschen Zugang zu Wasser haben.

Das Projekt hat zudem mehr als 50 Mitarbeiter*innen des zuständigen Wasserversorgers geschult. Dadurch konnten die Schulungsteilnehmer*innen ihre Kapazitäten ausbauen und haben Kenntnisse und Fähigkeiten zur Verbesserung der örtlichen Wasserversorgung, zur Planung von Versorgungsnetzen sowie zur Minimierung von Wasserverlusten erworben. Bei allen Projektmaßnahmen werden Menschen mit besonderen Bedürfnissen, wie Kinder und Menschen mit Behinderungen, besonders berücksichtigt.