Verbesserung der Wasserversorgung flüchtlingsaufnehmender Gemeinden in Jordanien

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Förderung partizipativen Ressourcenmanagements zur Stabilisierung der Situation in flüchtlingsaufnehmenden Gemeinden (PRM)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) im Rahmen der Sonderinitiative „Fluchtursachen bekämpfen – Flüchtlinge reintegrieren“
Land: Jordanien
Politischer Träger: Jordanisches Wasserministerium
Gesamtlaufzeit: 2015 bis 2020

Conflics over Water_Stakeholder photo

Ausgangssituation

Bis Mitte Juni 2018 hat Jordanien, Syriens südlicher Nachbar, offiziell 666.500 syrische Flüchtlinge registriert. Mehr als 80 Prozent der Geflüchteten leben außerhalb der offiziellen Flüchtlingscamps. Die aufnehmenden Gemeinden müssen die notwendige Infrastruktur bereitstellen, was sie häufig vor beinahe unüberwindbare Herausforderungen stellt. Insbesondere die Deckung des Trinkwasserbedarfs führt viele Gemeinden an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit, denn Jordanien gehört zu den wasserärmsten Ländern der Welt. Hinzu kommt, dass die Infrastruktur der Wasserversorger veraltet ist, nur unzureichend gewartet wird und vielerorts die Anforderungen nicht mehr erfüllt. In manchen Kommunen gehen dadurch bis zu 70 Prozent des Trinkwassers verloren. Dies wiederum führt zu Wasserknappheit, die für viele jordanische Gemeinden schon dann zum Problem wird, wenn nur die jordanischen Haushalte zu versorgen sind. Mit dem Zuzug von Flüchtlingen ist die Zahl der Wasserverbraucher jedoch erheblich gestiegen, was die Versorgungsengpässe weiter verschärft. Die ohnehin knappen Wasserressourcen des Landes müssen nun den Bedarf sowohl der jordanischen Bevölkerung als auch der syrischen Flüchtlinge decken, was das Konfliktpotenzial in den betroffenen Gemeinden steigen lässt.

Ziel

Die Verfügbarkeit von Wasser in sechs der aufnehmenden Gemeinden ist verbessert.

Vorgehensweise

Im Norden Jordaniens, unweit der syrischen Grenze, leben besonders viele syrische Flüchtlinge mit der lokalen Bevölkerung zusammen. In sechs aufnehmenden Gemeinden sorgt das Projekt im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) „Förderung partizipativen Ressourcenmanagements zur Stabilisierung der Situation in flüchtlingsaufnehmenden Gemeinden (PRM)“ dafür, dass mehr als 39.000 Einwohner, darunter 5.000 Geflüchtete, ausreichend Wasser zur Verfügung steht. Durch die Umsetzung der Maßnahmen auf verschiedenen Ebenen, sorgt die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH dafür, dass marode Wassernetze repariert werden, private Haushalte moderne Wasserspeicher erhalten und Rampen eine für alle zugängliche Wasserversorgung in öffentlichen Einrichtungen ermöglichen. Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) der Schweiz trägt zudem zur Umsetzung der Projektaktivitäten in einer der Gemeinden (Bait Ras) bei, sowie zu den Maßnahmen im Camp Jerash für die Verbesserung der Wasserversorgung auf Ebene der einzelnen Haushalte. 

Darüber hinaus erhalten die Einwohner der sechs flüchtlingsaufnehmenden Gemeinden die Möglichkeit, sich langfristig für ihre Wasserversorgung durch die Einrichtung partizipativer Austauschplattformen zu engagieren. Lokale Gemeindemitglieder, sowie syrische Flüchtlinge nehmen an regelmäßigen Multi-Stakeholder-Treffen mit den verantwortlichen Einrichtungen des Wassersektors teil, um Fragen zum Thema Wasser und den Bedarf zukünftiger Baumaßnahmen zu besprechen. Auf diese Weise spielen die Verantwortlichen aller Gesellschaftsgruppen eine zentrale Rolle bei der gerechten Verteilung des Wassers in den Gemeinden und der Vermeidung möglicher Konflikte um diese knappe Ressource. Basierend auf dem Erfolg dieses partizipatorischen Ansatzes ist vorgesehen, ein partizipatorisches Ressourcenmanagement beim verantwortlichen Wasserversorger zu verankern.

Das Projekt ist Teil der Sonderinitiative „Fluchtursachen bekämpfen – Flüchtlinge reintegrieren“, das kurzfristig Mittel für die Unterstützung von Flüchtlingen und aufnehmenden Gemeinden bereitstellt. Langfristig sollen strukturelle Fluchtursachen wie soziale Ungleichheit oder geringe Zukunftschancen beseitigt werden. 

Im Allgemeinen unterstützt das PRM-Projekt die Wasserversorgung und trägt zur zunehmenden Wassersicherheit sowie zu besseren Lebensbedingungen sowohl für die Jordanier, als auch für die syrischen Flüchtlinge bei. Darüber hinaus fördert es den sozialen Zusammenhalt, die Gesundheit, sowie eine nachhaltige Entwicklung.

Wirkungen

Durch die Instandsetzung der Wasserversorgungsnetze werden die Wasserverluste in den betroffenen Gemeinden von mehr als 40 Prozent auf 30 Prozent gesenkt und damit nahezu halbiert. Dadurch sparen die örtlichen Gemeinden im Jahr rund 333.000 Kubikmeter Wasser ein, was ungefähr 783.000 Euro entspricht. Diese Menge sichert den täglichen Wasserbedarf von 9.500 Menschen. Darüber hinaus wurden 2.990 moderne Wassertanks auf Hausdächern installiert, sowie 2.800 wassersparende Einrichtungen wurden gefährdeten Haushalten zur Verfügung gestellt. Zusätzlich wurden barrierefreie Eingänge, einschließlich der Rampen, Rollstühle und fahrbare Toilettenstühle in über 160 Haushalten und 36 öffentlichen Einrichtungen eingerichtet, um die Wasserversorgung für jeden sicherzustellen.  

Das Projekt fördert ferner mehr als 50 Beschäftigte des verantwortlichen Wasserversorgers mit Trainings zur Kapazitätsentwicklung, die ihre Fähigkeiten stärken die Versorgung der Gemeinden weiter zu verbessern, neue Leitungsnetze zu planen und die Wasserverluste zu minimieren. Bei allen Projektmaßnahmen werden Menschen mit speziellen Bedürfnissen, wie beispielsweise Kinder oder Behinderte, besonders berücksichtigt.