Verbesserung der Wasserversorgung flüchtlingsaufnehmender Gemeinden in Jordanien

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Förderung partizipativen Ressourcenmanagements zur Stabilisierung der Situation in flüchtlingsaufnehmenden Gemeinden (PRM)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) im Rahmen der Sonderinitiative „Fluchtursachen bekämpfen – Flüchtlinge reintegrieren“
Land: Jordanien
Politischer Träger: Jordanisches Wasserministerium
Gesamtlaufzeit: 2015 bis 2020

Ausgangssituation

Seit Ausbruch des syrischen Bürgerkriegs im Jahr 2011 wurden von den etwas mehr als 20 Millionen Einwohnern des Landes 11,4 Millionen aus ihrer Heimat vertrieben. 6,6 Millionen Menschen sind Flüchtlinge im eigenen Land, während etwa 4,8 Millionen Syrien verlassen haben. Die meisten von ihnen haben Zuflucht in den Nachbarländern gesucht. In Jordanien, Syriens südlichem Nachbarstaat, wurden nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) bis Ende 2017 mehr als 655.000 Flüchtlinge offiziell registriert. Mehr als 80 Prozent der Geflüchteten leben außerhalb der offiziellen Flüchtlingscamps. Die aufnehmenden Gemeinden müssen die entsprechende Infrastruktur bereitstellen, was sie häufig vor beinahe unüberwindbare Herausforderungen stellt. Insbesondere die Deckung des Trinkwasserbedarfs führt viele Gemeinden an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit, denn Jordanien gehört zu den wasserärmsten Ländern der Welt. Hinzu kommt, dass die Infrastruktur der Wasserversorger veraltet ist, nur unzureichend gewartet wird und vielerorts die Anforderungen nicht mehr erfüllt. In manchen Kommunen gehen dadurch bis zu 70 Prozent des Trinkwassers verloren. Dies wiederum führt zu Wasserknappheit, die für viele jordanische Gemeinden schon dann zum Problem wird, wenn nur die jordanischen Haushalte zu versorgen sind. Mit dem Zuzug von Flüchtlingen ist die Zahl der Wasserverbraucher jedoch erheblich gestiegen, was die Versorgungsengpässe weiter verschärft. Die ohnehin knappen Wasserressourcen des Landes müssen nun den Bedarf sowohl der jordanischen Bevölkerung als auch der syrischen Flüchtlinge decken, was das Konfliktpotenzial in den betroffenen Gemeinden steigen lässt.

Ziel

Die Wasserversorgung in sechs aufnehmenden Gemeinden ist verbessert.

Vorgehensweise

Im Norden Jordaniens, unweit der syrisch-jordanischen Grenze, leben besonders viele syrische Flüchtlinge mit der lokalen Bevölkerung zusammen. In sechs dieser Gemeinden sorgt ein Projekt im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) dafür, dass den insgesamt 37.000 Einwohnern, darunter fast 4.800 Geflüchteten, ausreichend Wasser zur Verfügung steht. Als Durchführungsorganisation sorgt die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH dafür, dass marode Wassernetzwerke repariert werden, private Haushalte moderne Wasserspeicher erhalten und Rampen eine für alle zugängliche Wasserversorgung in öffentlichen Einrichtungen ermöglichen. Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) der Schweiz trägt zudem zur Umsetzung der Projektaktivitäten in der Gemeinde Bait Ras bei.

Diese Modernisierungen, kommen allen zugute, den syrischen Flüchtlingen und der heimischen Bevölkerung gleichermaßen. Die verbesserten Lebensumstände wiederum tragen dazu bei, dass Konflikte zwischen den Gruppen zukünftig besser vermieden werden können. Auch haben die Einwohner der sechs Gemeinden die Möglichkeit, sich langfristig für ihre Wasserversorgung zu engagieren. In Arbeitsgruppen und regelmäßigen Treffen mit jordanischen Wasserbetrieben und Politikern diskutieren sie, welche Baumaßnahmen in der Zukunft erforderlich sind. Vertreter aller gesellschaftlichen Gruppen können sich einbringen, so dass das Wasser zukünftig gerecht in den Gemeinden verteilt wird und mögliche Konflikte um die knappe Ressource gar nicht erst entstehen. Bei Erfolg soll dieses Modell auf das gesamte Land ausgeweitet werden.

Das Projekt ist Teil der Sonderinitiative „Fluchtursachen bekämpfen – Flüchtlinge reintegrieren“, das kurzfristig Mittel für die Unterstützung von Flüchtlingen und aufnehmenden Gemeinden bereitstellt. Langfristig sollen strukturelle Fluchtursachen wie Ungleichheit oder geringe Zukunftschancen beseitigt werden. Das Vorhaben leistet einen Beitrag zur Wasserversorgung von Flüchtlingen und aufnehmenden Gemeinden und fördert dadurch den sozialen Zusammenhalt, die Gesundheit der Bevölkerung sowie eine nachhaltige Entwicklung.

Wirkungen

Durch die Instandsetzung der Wasserversorgungsnetze werden die Wasserverluste in den betroffenen Gemeinden von mehr als 40 Prozent auf 30 Prozent gesenkt und damit nahezu halbiert. Dadurch sparen die Gemeinden im Jahr rund 185.168 Kubikmeter Wasser und 424.000 Euro ein. 2.700 moderne Wassertanks werden zurzeit auf Hausdächern installiert. Damit können 60 Prozent der Privathaushalte in den Projektgemeinden Wasser speichern. Außerdem werden mehr als 45 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des verantwortlichen Wasserversorgers gefördert. In Fortbildungen lernen die Beschäftigten der staatlichen Yarmouk Water Company beispielsweise, wie sie die Versorgung der Gemeinden weiter verbessern, neue Leitungsnetze planen und die Wasserverluste minimieren können. Bei allen Projektmaßnahmen werden Menschen mit speziellen Bedürfnissen, wie beispielsweise Kinder oder Behinderte, besonders berücksichtigt.