Eine saubere Schule für Alle

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Dezentrales Abwassermanagement: WASH an Schulen in aufnehmenden Gemeinden
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) im Rahmen der Sonderinitiative „Fluchtursachen bekämpfen – Flüchtlinge reintegrieren“
Land: Jordanien
Politischer Träger: Jordanisches Ministerium für Wasser und Bewässerung
Gesamtlaufzeit: 2015 bis 2017

Sonderinitiative „Fluchtursachen bekämpfen – Flüchtlinge reintegrieren“. Jordanien. Grundschulkinder der Pilotschule Fatima Bint Al-Yaman in Huwara, Irbid stellen sich zur traditionellen Eröffnungszeremonie „tabour“ auf. © GIZ

Ausgangssituation

Seit Beginn des Bürgerkriegs 2011 sind rund 4,8 Millionen Menschen aus Syrien geflohen. Die meisten Flüchtlinge suchten in den Nachbarländern Schutz – in Jordanien, der Türkei, dem Libanon, dem Irak und Ägypten. Allein in Jordanien wurden bis Mitte 2016 mehr als 655.000 Syrer offiziell registriert. Jordanische Regierungskreise gehen sogar von bis zu 1,4 Millionen Flüchtlingen im Land aus. Mehr als 140.000 von ihnen sind Kinder, die jordanische Schulen besuchen. Waren viele Schulen bereits vor der zusätzlichen Aufnahme syrischer Schulkinder überfüllt, verschärfen sich die Herausforderungen in den aufnehmenden Gemeinden durch die steigenden Schülerzahlen zusehends. Überlastete Verwaltungsstrukturen und überfordertes Lehrpersonal sind die Folge. An 98 Schulen wird bereits in einem Doppelschichtsystem unterrichtet.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Infrastruktur der Schulen nicht für die rasant steigenden Schülerzahlen ausgelegt ist. Besonders der wartungsintensive Wasser- und Sanitärbereich ist betroffen. Das Versagen des Abwasser- und Hygienemanagements in dem ohnehin wasserarmen Land hat drastische Auswirkungen. Verschmutzte sanitäre Einrichtungen beinträchtigen die Gesundheit der Schulkinder. Nicht an die zentrale Wasserversorgung angeschlossene Schulen entsorgen ihr Abwasser in Sickergruben, die das Grundwasser verunreinigen und so die Gesundheit der gesamten Bevölkerung gefährden.

Ziel

Das Abwasser- und Hygienemanagement an überbelegten Schulen in aufnehmenden Gemeinden ist verbessert.

Vorgehensweise

Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt ein Infrastrukturprojekt 98 jordanische Schulen bei der Bewältigung von Abwasser- und Hygieneproblemen. Gemeinsam mit den jordanischen Partnern entwickelt die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH Lösungsansätze für wartungsarme Sanitäranlagen, die ein besseres und nachhaltiges Abwasser- und Hygienemanagement an den Schulen gewährleisten.

So entstehen wassersparende und an die gestiegenen Schülerzahlen angepasste sanitäre Einrichtungen an zunächst 10 Pilotschulen. Die Toiletten werden entsprechend der Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) umgebaut: nach Geschlechtern getrennt und behindertengerecht. Schulpersonal sowie Schülerinnen und Schüler erlernen den Umgang mit den Anlagen und ihre Wartung. Reinigungskräfte werden in Hygiene und Sicherheit am Arbeitsplatz geschult.

Darüber hinaus werden an den Schulen dezentrale Kleinkläranlagen sowie Regenwassertanks installiert. Die jordanischen und syrischen Schulkinder bewässern mit dem gesammelten und aufbereiteten Wasser die Schulgärten. Bei dieser gemeinsamen Arbeit lernen sich die in einer Morgens- und einer Nachmittagsschicht getrennt unterrichteten Kinder kennen. Zusätzlich können sie an außerschulische Aktivitäten teilnehmen, beispielsweise gemeinsam Sport treiben, künstlerisch tätig sein oder mehr über die Themen Wasser und Umwelt lernen. Dies fördert Begegnung und Austausch zwischen den Schülergruppen und trägt zur Integration der Flüchtlingsfamilien und zur Minderung des Konfliktpotenzials bei.

Das Projekt ist Teil der BMZ-Sonderinitiative „Fluchtursachen bekämpfen – Flüchtlinge reintegrieren“. Kurzfristig unterstützt es Flüchtlinge und aufnehmende Gemeinden gleichermaßen. Langfristig mindern nachhaltige Maßnahmen strukturelle Fluchtursachen, beispielsweise die Beseitigung von Hygieneproblemen an Schulen. Dieses Projekt leistet einen Beitrag zur Gesundheitsförderung und sorgt für eine verbesserte Lernumgebung für syrische und jordanische Schülerinnen und Schüler.

Wirkung

Um zielgerichtet die gewünschten Veränderungen angehen zu können, analysierte die GIZ zunächst die Probleme an den 98 Schulen, an denen jordanische und syrische Schulkinder unterrichtet werden. Aufbauend auf den Ergebnissen wurden Folgemaßnahmen durchgeführt. Dabei konzentrierten sich die GIZ und ihre Partner 2015 auf 10 Schulen mit 7.000 jordanischen und 5.000 syrischen Schulkindern. Bis Ende 2017 werden insgesamt 117.600 Schulkinder – 68.600 Jordanier und 49.000 syrische Flüchtlinge – von einem verbesserten Wasser- und Sanitärmanagement und einem besseren Lernumfeld profitieren.

Sonderinitiative „Fluchtursachen bekämpfen – Flüchtlinge reintegrieren“. Jordanien. Durch gemeinsames Spielen auf dem Schulhof lernen sich die Schulkinder der Pilotschule Ajnadeen in Al Barha, Irbid kennen. © GIZ

Schätzungen zufolge sind derzeit über 90.000 syrische Kinder im schulpflichtigen Alter aufgrund fehlender Aufnahmekapazitäten vom Schulunterricht ausgeschlossen – der Bedarf für ein nachhaltig verbessertes Schulmanagement wird in naher Zukunft weiter ansteigen. Vor allem mit Blick auf die sich ausdehnenden Krisen in Syrien und dem Mittleren Osten bieten die gemeinsam mit den Partnern erarbeiteten lokalen Lösungsansätze großes Potenzial, um auf die nationale Ebene ausgeweitet zu werden.