Nachhaltige Energie für Ernährung

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Nachhaltige Energie für Ernährung – Powering Agriculture
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Global
Gesamtlaufzeit: 2013 bis 2019

Ausgangssituation

Im Jahr 2050 werden laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) 9 Milliarden Menschen auf der Erde leben. Die globale Nahrungsproduktion muss um 70 Prozent steigen, um den künftigen Lebensmittelbedarf decken zu können. Gleichzeitig wird auch die Nachfrage nach Energie steigen. Ein Drittel des weltweiten Energieverbrauchs geht derzeit auf den Ernährungssektor zurück. Dieser ist noch immer stark von fossilen Energieträgern abhängig und laut FAO für 20 Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Energiesparende Ansätze und Alternativen zu dieselbetriebenen Technologien haben sich – trotz erfolgreicher Beispiele nachhaltiger Energienutzung – in der Agrar- und Ernährungswirtschaft bisher kaum durchgesetzt.

Ziel

Die Energieeffizienz und die Nutzung erneuerbarer Energien in landwirtschaftlichen Wertschöpfungsketten sind erhöht, sodass die Produktivität steigt und Treibhausgasemissionen sinken.

Vorgehensweise

Das Vorhaben setzt den deutschen Beitrag zur internationalen Initiative „Powering Agriculture – An Energy Grand Challenge for Development“ (PAEGC) um. PAEGC ist eine gemeinschaftliche Initiative des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), der US-amerikanischen Entwicklungsagentur USAID, der schwedischen Entwicklungsagentur Sida, der US-Regierungsagentur zur Förderung von US-Investitionen im Ausland (OPIC) und des US-Energieunternehmen Duke Energy. Ziel der Initiative ist es, die Entwicklung und Verbreitung innovativer, markttauglicher Ansätze für den Einsatz klimafreundlicher Energietechnologien in der Agrarwirtschaft in Entwicklungs- und Schwellenländern zu fördern. Über internationale Wettbewerbe werden Firmen, Universitäten und nichtstaatliche Organisationen ausgewählt, die direkte Zuschüsse erhalten. Zurzeit fördert PAEGC 24 Projekte.

Das Vorhaben erprobt in weiteren 16 Pilotprojekten nachhaltige Energielösungen in landwirtschaftlichen Wertschöpfungsketten, zum Beispiel solare Milchkühlungssysteme. Wissen und Erfahrungen in dem Themenfeld werden gesichtet, aufbereitet und verbreitet, unter anderem über die interaktive Wiki-Plattform „Powering Agriculture“ auf energypedia.info, die bereits mehr als 100.000 Besuche aufweist. Inhaltliche Schwerpunkte sind solarbetriebene Bewässerungssysteme, Kühlung sowie Energieeffizienz in Wertschöpfungsketten. Das Portal beinhaltet auch eine online verfügbare Toolbox, die bei der Beratung zu Finanzierung, Auswahl, Installation und Operation von solaren Bewässerungssystemen unterstützt. Die Toolbox vereinfacht es der Fachcommunity, Systemeffizienz, Wirtschaftlichkeit und Wassernutzung zu kalkulieren und damit Endnutzer*innen, Entscheidungsträger*innen und Finanzierer*innen besser zu beraten sowie Risiken zu mindern.

Um einen Überblick über verfügbare nachhaltige Energietechnologien und deren Einsatz zu erhalten, erstellt das  Vorhaben Studien, zum Beispiel zu Kosten und Nutzen von erneuerbaren Energien in verschiedenen Wertschöpfungsketten. Insgesamt veröffentlichte das Projekt bisher 28 Studien und gibt das Wissen aus Theorie und Praxis in Aus- und Fortbildungsprogrammen weiter. Zu den insgesamt 43 stattgefundenen Trainings zählt auch der kostenlose Onlinekurs (MOOC), den 1.400 Teilnehmende aus aller Welt zur Weiterbildung und zum Austausch über nachhaltige Energielösungen in der Agrar- und Ernährungswirtschaft nutzten. Darüber hinaus trainierte das Vorhaben über 350 Menschen mit der Toolbox zu solarer Bewässerung und bildete 16 Toolboxtrainer*innen aus. Insgesamt nahmen 2.076 Menschen an Trainings des Vorhabens teil.

Das Vorhaben ist in Bonn angesiedelt und arbeitet mit privaten und/oder staatlichen Partner*innen vor Ort zusammen. Zusätzlich gibt es einen regionalen Hub für Ostafrika in Kenia.

Wirkungen

Erste über die internationale Initiative Powering Agriculture geförderte Innovationen erreichen Marktreife und weitere Verbreitung. Zum Beispiel hat der Innovator Village Infrastructure Angels, der seit Ende 2015 gefördert wird, solarbetriebene Verarbeitungsstationen für Grundnahrungsmittel entwickelt und vermarktet diese kommerziell in Indonesien, Papua Neu-Guinea, den Philippinen und Vanuatu.  Das Unternehmen verkaufte 230 Solarmühlen und konnte zusätzliche öffentliche Mittel in Höhe von circa zwei Millionen US Dollar mobilisieren.

68 kenianischen Teefabriken haben seit 2014 Energieeffizienzmaßnahmen durchgeführt. So kam es zur Einsparung von 13,5 Millionen US-Dollar in Energiekosten.  Die Maßnahmen verhinderten außerdem die Abholzung von 1,3 Millionen Bäumen. Insgesamt wurden so rund 10.000 Tonnen CO2 eingespart.

Der MOOC-Onlinekurs konnte das Bewusstsein für die Bedeutung des Energie-Landwirtschaft-Nexus bei Entscheidungsträger*innen in 55 Schwellen-  und Entwicklungsländern schärfen. Außerdem stärkte das Projekt Netzwerkstrukturen  und bildete Entscheidungsträger*innen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Politik in Trainings weiter.

Download

Weitere Informationen