Grenzenlose Geldtransfers

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Förderung des Zugangs zu Remittances und weiteren Finanzdienstleistungen über digitale Lösungen (Digi#ances)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) im Rahmen der Sonderinitiative „Fluchtursachen bekämpfen – Flüchtlinge reintegrieren“
Land: Jordanien
Politischer Träger: Jordanische Zentralbank (CBJ)
Gesamtlaufzeit: 2015 bis 2018

Mobiltelefone sind heute zu einem fast lebensnotwendigen Begleiter geworden, gerade für Flüchtlinge. © GIZ

Ausgangssituation

Seit Jahrzehnten ist Jordanien Aufnahmeland für Flüchtlinge aus den benachbarten Krisen- und Konfliktregionen. Menschen aus Palästina, Irak, Libanon und seit 2011 vor allem aus Syrien suchen in dem relativ stabilen Land Zuflucht. Besonders in Notsituationen sind viele Menschen auf finanzielle Unterstützung von Familienangehörigen und Freunden angewiesen, haben aber kaum Möglichkeiten, Geld einfach und kostengünstig zu empfangen und sicher zu verwahren. Syrischen Flüchtlingen ist die Eröffnung eines Bankkontos bislang nicht erlaubt und auch 75 Prozent der jordanischen Erwachsenen besitzen kein Bankkonto. Daher werden die meisten Zahlungen sowohl aus dem Ausland, als auch innerhalb Jordaniens, bar getätigt.

Digitale Finanzdienstleistungen können dabei helfen die hohen Risiken und Kosten zu minimieren, die das Senden über informelle Wege und über formelle Geldtransferdientsleister birgt. Für die jordanische Wirtschaft sind private Geldtransfers von im Ausland lebenden Angehörigen und Landsleuten, sogenannte Remittances, seit langem ein bedeutender Faktor: 2015 machten sie mit 3,8 Milliarden US-Dollar etwa 10 Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus.

Ziel

Die Voraussetzungen zur Nutzung digitaler Dienstleistungen für grenzüberschreitende Geldtransfers - Remittances - sind für Flüchtlinge und jordanische Haushalte geschaffen.

Vorgehensweise

Um Flüchtlingen und einkommensschwachen Jordaniern und Jordanierinnen den Zugang zu Finanzdienstleistungen zu erleichtern und damit deren Möglichkeiten, sich selbst wirtschaftlich und sozial weiter zu entwickeln, erarbeitet die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH gemeinsam mit der jordanischen Zentralbank Lösungen für diese Zielgruppe. Um informationsbasierte Durchführungskonzepte anwenden zu können, führt die Consultative Group to Assist the Poor, CGAP, eine umfassende Studie zur Situation und Möglichkeiten des digitalen Geldtransfers in Jordanien für das Projekt durch. Ein Konsortium aus AFC, ADG und Altai Consulting unterstützen das Projekt im Bereich finanzieller Grundbildung. Das Projekt verfolgt mehrere Ansätze:

  1. Ein bedarfsgerechtes digitales Geldtransferangebot auf nationaler Ebene ist Grundlage für grenzüberschreitende Systeme. Daher entwickeln die Partner zusammen mit der Privatwirtschaft mobilfunkbasierte Finanzdienstleistungen und testen sie im Rahmen von Pilotprojekten.
     
  2. Um den verantwortungsbewussten Umgang mit digitalen Finanzdienstleistungen zu fördern, finden zielgruppengerechte Informationskampagnen und Schulungen statt. So lernen syrische Flüchtlinge, einkommensschwache jordanische Bevölkerungsgruppen und vor allem Frauen die digitalen Finanzdienstleistungen zu nutzen.
     
  3. Damit das jordanische Angebot für Geldtransfers auf grenzüberschreitende Remittances ausgeweitet werden kann, muss die bereits bestehende nationale Regulierung erweitert werden. Das Projektteam berät die jordanische Zentralbank (CBJ) dabei, Regulierungs- und Aufsichtsmechanismen zu entwickeln, die internationalen Standards für Konsumentenschutz, Anti-Geldwäsche und Anti-Terrorismusfinanzierung gerecht werden.

Wirkung

Der Zugang zu Finanzdienstleistungen steigert die Möglichkeiten zur Selbsthilfe bei Flüchtlingen und einkommensschwachen Jordaniern und Jordanierinnen. Mit dem Zugang zu Finanzdienstleistungen ist es für diese Zielgruppe leichter, sich wirtschaftlich und sozial in die aufnehmenden Gemeinden zu integrieren. Sie können Überweisungen von Familie und Freunden sicher, kostengünstig und bequem empfangen, Geld sicher verwahren und sind somit besser für Notsituationen gewappnet.

„Fluchtursachen bekämpfen – Flüchtlinge reintegrieren“

Das Projekt ist Teil der Sonderinitiative „Fluchtursachen bekämpfen – Flüchtlinge reintegrieren“. Das BMZ stellt darin seit 2014 Mittel bereit, um kurzfristig Flüchtlinge und aufnehmende Gemeinden zu unterstützen sowie langfristig strukturelle Fluchtursachen, wie Armut, Ungleichheit oder Ernährungsunsicherheit, zu beseitigen. Finanziert werden in erster Linie Projekte in Entwicklungsländern, die von Flüchtlingskrisen besonders stark betroffen sind.