Grenzenlose Geldtransfers

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Förderung des Zugangs zu Remittances und weiteren Finanzdienstleistungen über digitale Lösungen (Digi#ances)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) im Rahmen der Sonderinitiative „Fluchtursachen bekämpfen – Flüchtlinge reintegrieren“
Land: Jordanien
Politischer Träger: Jordanische Zentralbank (CBJ)
Gesamtlaufzeit: 2015 bis 2019

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Ausgangssituation

Seit Jahrzehnten ist Jordanien Aufnahmeland für Flüchtlinge aus den benachbarten Krisen- und Konfliktregionen. Dazu zählen Palästina, der Irak, der Libanon und in jüngster Zeit auch Syrien. Besonders in Notsituationen sind viele Menschen auf die finanzielle Unterstützung von Familienangehörigen und Freunden angewiesen, haben aber kaum Möglichkeiten, Geld einfach und kostengünstig zu empfangen und sicher zu verwahren.

Syrische Flüchtlinge können bislang nur unter großen Schwierigkeiten Bankkonten eröffnen und auch 58 Prozent der jordanischen Erwachsenen besitzen kein Bankkonto. Daher werden die meisten Zahlungen sowohl aus dem Ausland, als auch innerhalb Jordaniens, bar getätigt. Digitale Finanzdienstleistungen können dazu beitragen, die hohen Risiken und Kosten zu minimieren, die das Senden über informelle Wege und über formelle Geldtransferdienstleister birgt. Für die jordanische Wirtschaft sind private Geldtransfers von im Ausland lebenden Angehörigen und Landsleuten, sogenannte Rücküberweisungen (remittances), seit langem ein wichtiger Faktor: 2016 machten sie mit 5,1 Milliarden US-Dollar etwa 13 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus.

Ziel

Die Voraussetzungen zur Nutzung digitaler Dienstleistungen für grenzüberschreitende Rücküberweisungen durch Flüchtlinge und jordanische Haushalte sind geschaffen.

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Vorgehensweise

Um Flüchtlingen und einkommensschwachen Jordanierinnen und Jordaniern den Zugang zu Finanzdienstleistungen zu erleichtern und ihnen damit bessere Möglichkeiten der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung zu eröffnen, erarbeitet die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH gemeinsam mit der jordanischen Zentralbank Lösungen für diese Zielgruppe. Gemeinsam führen sie das Projekt Förderung des Zugangs zu Remittances und weiteren Finanzdienstleistungen über digitale Lösungen (Digi#ances) durch. Mit diesem Projekt unterstützen sie die Zielgruppe dabei, sich wirtschaftlich und sozial weiterzuentwickeln.

Die Consultative Group to Assist the Poor (CGAP) hat für das Projekt eine umfassende Studie zur Situation und zu den Möglichkeiten für digitale Geldtransfers in Jordanien durchgeführt. Hierdurch wurde die Anwendung informationsbasierter Durchführungskonzepte gefördert. Ein Konsortium aus AFC, ADG und Altai Consulting unterstützt das Projekt auf dem Gebiet der finanziellen Grundbildung.

Das Projekt verfolgt mehrere Ansätze:

  • Ein bedarfsgerechtes digitales Geldtransferangebot auf nationaler Ebene ist Grundlage für grenzüberschreitende Systeme. Daher entwickeln die Partner zusammen mit der Privatwirtschaft mobilfunkbasierte Finanzdienstleistungen und testen sie im Rahmen von Pilotprojekten.
  • Um den verantwortungsbewussten Umgang mit digitalen Finanzdienstleistungen zu fördern, finden zielgruppengerechte Informationskampagnen und Schulungen statt. So lernen syrische Flüchtlinge, einkommensschwache jordanische Bevölkerungsgruppen und vor allem Frauen, die digitalen Finanzdienstleistungen zu nutzen.
  • Damit das jordanische Angebot für Geldtransfers auf grenzüberschreitende Geldtransfers (Rücküberweisungen) ausgeweitet werden kann, muss die bereits bestehende nationale Regulierung erweitert werden. Das Projektteam berät die jordanische Zentralbank (CBJ) bei der Entwicklung von Regulierungs- und Aufsichtsmechanismen, die internationalen Standards in den Bereichen Verbraucherschutz sowie Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung entsprechen.

Das Projekt ist Teil der Sonderinitiative „Fluchtursachen bekämpfen – Flüchtlinge reintegrieren“. Im Rahmen dieser Sonderinitiative stellt das BMZ seit 2014 Mittel bereit, um kurzfristig Flüchtlinge und aufnehmende Gemeinden zu unterstützen und langfristig strukturelle Fluchtursachen, wie Armut, Ungleichheit oder Ernährungsunsicherheit zu beseitigen. Finanziert werden in erster Linie Projekte in Entwicklungsländern, die von Flüchtlingskrisen besonders stark betroffen sind.

Ziel

Im Rahmen einer Entwicklungspartnerschaft mit einem jordanischen FinTech-Unternehmen hat das Projekt bisher 60.000 jordanischen Bürgern und Flüchtlingen die Nutzung von digitalen Finanzdienstleistungen, sogenannten Mobile Wallets, ermöglicht (März 2018).

Mobile Wallets sind mobile Anwendungen, mit denen Finanztransaktionen wie das Anlegen von Sparguthaben und Überweisungen durchgeführt werden. Finanzmittler spielen eine wichtige Rolle in der Wertschöpfungskette, damit Kunden Konten eröffnen, ihre Mobile Wallets mit Bargeld aufladen und Geld abheben können. Der Unterschied zu einem Bankkonto besteht darin, dass die Eröffnung wesentlich einfacher ist und dafür weniger Dokumente erforderlich sind. Auf der anderen Seite sind die Transaktionslimits niedriger als bei Banken, liegen jedoch immer noch in einem Bereich, der im Alltag übliche Finanztransaktionen ermöglicht. Bei Mobile Wallets gibt es kein Mindestguthaben, und die Gebühren sind ebenfalls niedriger als bei herkömmlichen Banken.

Zur Verbesserung des Rechtsrahmens für lokale und grenzüberschreitende digitale Finanzdienstleistungen hat das Projekt die Ausarbeitung von Verordnungen zum Verbraucherschutz unterstützt; diese wurden im März 2017 veröffentlicht.

Ferner hat das Projekt mit dem DFS-Rat die Einrichtung und Durchführung eines öffentlich-privaten Politikdialogs unterstützt, der darauf zielt, relevante politische Themen zur Sprache zu bringen und sich über Erfahrungen und die gewonnenen Erkenntnisse auszutauschen. In dem von der jordanischen Zentralbank (CBJ) geleiteten DFS-Rat kommen vierteljährlich Stakeholder aus den Bereichen Regulierung, Industrie und Zivilgesellschaft zusammen. Bislang hat der Dialog einen Beitrag zur Ausarbeitung von Richtlinien für den Verbraucherschutz und die Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung geleistet.

Zur Förderung des Bewusstseins und der Kompetenz für digitale Finanzdienstleistungen wurde im Rahmen des Projekts eine Roadmap entwickelt, die von 13 Organisationen aus dem Privatsektor, der Entwicklungshilfe und der humanitären Hilfe unter Beteiligung der Regierung gemeinsam umgesetzt wird.