Verbesserung schulischer Rahmenbedingungen für libanesische Kinder und Flüchtlingskinder aus Syrien

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Rehabilitierung von Schulen mit syrischen Flüchtlingskindern und Aufbau schulischer Kapazitäten unter Einbeziehung bedürftiger libanesischer Kinder im Libanon
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) im Rahmen der Sonderinitiative „Fluchtursachen bekämpfen – Flüchtlinge reintegrieren“
Land: Libanon
Politischer Träger: Libanesisches Bildungsministerium (MEHE)
Gesamtlaufzeit: 2015 bis 2018

Ansicht vom Schulhof auf eine zur Sanierung/Rehabilitierung vorgesehenen Schule. Im Doppelschichtbetrieb werden morgens libanesische und nachmittags syrische Schüler unterrichtet. El Minieh-Dennie, Nordlibanon (März 2016) © GIZ

Ausgangssituation

Der Bürgerkrieg in Syrien hat seit dem Beginn 2011 rund 6,6 Millionen Menschen zu Vertriebenen im eigenen Land gemacht. Weitere 4,8 Millionen Syrerinnen und Syrer suchten in den Nachbarländern Schutz. Allein der westlich angrenzende Libanon hat rund 1,2 Millionen syrische Flüchtlinge aufgenommen – bei ursprünglich 4,5 Millionen Einwohnern wuchs die Bevölkerung des Landes somit um fast ein Viertel.

Mehr als die Hälfte der Flüchtlinge im Libanon sind Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 3 und 18 Jahren. Eltern, die es sich leisten können, schicken ihre Kinder vorzugsweise auf Privatschulen. Libanesische Kinder aus ärmeren Schichten und syrische Flüchtlingskinder nutzen die Angebote der staatlichen Schulen.

Die öffentlichen Schulen des Landes sind häufig nicht in einem geeigneten Zustand, um zusätzlich Kinder aufzunehmen. Viele Schulgebäude sind baufällig und unhygienisch. Hinzu kommt, dass die Lehrkräfte für den Umgang mit traumatisierten, psychosozial gestressten Flüchtlingskindern nicht ausgebildet sind. Lediglich 240 der insgesamt rund 1.260 öffentlichen Schulen konnten bislang zusätzliche Schulkinder aus Syrien aufnehmen. Dies entspricht 30 Prozent der benötigten Schulplätze für die Flüchtlinge. 70 Prozent aller Flüchtlingskinder haben keinen Zugang zum öffentlichen Bildungssystem und bleiben so ohne formale Schulbildung.

Ziel

Schulische Rahmenbedingungen für syrische Flüchtlingsfamilien und für libanesische Familien in den Aufnahmegemeinden sind verbessert.

Vorgehensweise

Damit aus den libanesischen und syrischen Schulkindern keine „verlorene Generation“ wird, muss der Libanon seine Schulen ausbauen. Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH unterstützt im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) die notwendigen Maßnahmen. Gemeinsam mit dem libanesischen Partnerministerium wählt die GIZ Schulen aus, deren marode Infrastruktur verbessert werden muss. Sie vergibt Bauleistungen und Bauaufsicht an libanesische Unternehmen und koordiniert die baulichen und sanitären Arbeiten.

Ergänzend zu den Baumaßnahmen werden die Lehrkräfte geschult, professionell mit psychosozialen Stressreaktionen und Traumata umzugehen. In Seminaren lernen sie, die besonderen Bedürfnisse von Jungen und Mädchen aus Flüchtlingsfamilien und benachteiligten libanesischen Bevölkerungsgruppen zu erkennen und proaktiv darauf einzugehen. Verhaltensauffällige Schulkinder können zukünftig sowohl in großen Klassen als auch im Doppelschichtbetrieb besser betreut werden. Techniken zur eigenen Stress- sowie zur Konfliktbewältigung stehen ebenfalls auf dem Fortbildungsplan. Davon profitieren Lehrpersonal sowie Schülerinnen und Schüler gleichermaßen.

Die GIZ unterstützt die libanesische Regierung dabei, ihre ambitionierten Ziele umzusetzen: Alle Kinder im Libanon, auch die syrischen Flüchtlingskinder, sollen eine Schulbildung erhalten. Dafür hat die libanesische Regierung gemeinsam mit nationalen und internationalen Institutionen und Organisationen eine Notfallstrategie entwickelt: „Alle Kinder mit Bildung erreichen“, (RACE). Im Jahr 2016 sollen so 200.000 syrische Kinder am regulären Schulunterricht teilnehmen.

Das Projekt ist Teil der BMZ-Sonderinitiative „Fluchtursachen bekämpfen – Flüchtlinge reintegrieren“. Kurzfristig unterstützt es gleichermaßen Flüchtlinge und aufnehmende Gemeinden. Langfristig mindern nachhaltige Maßnahmen strukturelle Fluchtursachen wie soziale Ungleichheit oder Perspektivlosigkeit. Dieses Projekt leistet einen Beitrag zur schulischen Bildung und zu einer verbesserten Lernumgebung für syrische Flüchtlingskinder und libanesische Schulkinder.

Wirkungen

Die Baumaßnahmen an den Schulen und die pädagogische und psychosoziale Qualifizierung der Lehrer haben positive Auswirkungen auf das von der Syrienkrise stark betroffene Land: Eine wachsende Zahl junger Libanesen und Syrer erhält eine Schuldbildung und somit eine Zukunftsperspektive. Den Flüchtlingskindern bietet der regelmäßige schulische Tagesablauf Normalität und Stabilität. Auch die aufnehmenden Gemeinden profitieren von gut ausgestatteten Schulen und ausgebildetem Lehrpersonal. Sowohl die allgemeinen Lebensbedingungen der Flüchtlingsfamilien als auch die der ortsansässigen Bevölkerung verbessern sich und sozialer Zusammenhalt wird dadurch gefördert.

Wandbemalungen von Schülerinnen und Schülern verschönern die oft maroden Schulen, die im Rahmen des Vorhabens rehabilitiert werden. Chouf, Ain w Zein (März 2016) © GIZ