Psychosoziale Arbeit stärken

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Psychosoziale Unterstützung für syrische/irakische Flüchtlinge und Binnenvertriebene
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Jordanien, Libanon, Irak, Türkei, Syrien
Gesamtlaufzeit: 2015 bis 2022

Psychosoziale Unterstützung für syrische und irakische Flüchtlinge und Binnenvertriebene. Erster Fachaustausch des Regionalvorhabens in Berlin (3. Juni 2016) © GIZ

Ausgangssituation

Trotz des weitgehend militärischen Sieges über den so genannten Islamischen Staat (IS), gibt es keine politische Lösung in Syrien. Vor allem die Zivilbevölkerung leidet. Rund 400.000 Menschen haben ihr Leben verloren, etwa zwei Millionen wurden verwundet. Über sechs Millionen Syrer*innen wurden zu Binnenvertriebenen (Internally Displaced Persons, IDP) und weitere 5,6 Millionen sind in Nachbarstaaten geflohen. Die Aufnahmeländer haben oft selbst mit großen Herausforderungen zu kämpfen. Dies führt für die Schutzsuchenden zu prekären ökonomischen, sozialen und gesundheitlichen Bedingungen.

Auch die Situation im Irak ist weiter angespannt – das Land steht vor der Herausforderung eines wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wiederaufbaus, unter anderem der Millionenstadt Mosul. Der IS hat während seiner Herrschaft einen Demoralisierungsprozess und eine weitere religiöse Spaltung der Gesellschaft in Gang gesetzt, die ein langfristiger Wiederaufbau berücksichtigen muss.

Viele Syrer*innen und Iraker*innen haben durch Vertreibung körperliche Gewalt, den Verlust von Angehörigen und andere Menschenrechtsverletzungen erfahren, die sich auf ihr psychisches und soziales Wohlbefinden auswirken. Die begrenzten Kapazitäten staatlicher und zivilgesellschaftlicher Unterstützung und der Mangel an gut ausgebildetem Personal erschweren die Verarbeitung des Erlebten. Austausch unter Fachpersonal findet oft nur in begrenztem Rahmen statt. Das führt dazu, dass diese ihre Aktivitäten nicht immer ausreichend miteinander abstimmen. So orientieren sich nicht alle Akteure an gemeinsamen Prinzipien für die Arbeit im Bereich „Psychische Gesundheit und psychosoziale Unterstützung“ (Mental Health and Psychosocial Support, MHPSS) für Menschen auf der Flucht.

Ziel

Die psychosoziale Versorgungslage von geflüchteten Menschen im Nahen Osten ist verbessert.

Psychosoziale Unterstützung für syrische und irakische Flüchtlinge und Binnenvertriebene. Begrüßung der Teilnehmenden am ersten Fachaustausch des Regionalvorhabens in Berlin (3. Juni 2016) © GIZ

Vorgehensweise

In Kooperation mit staatlichen und zivilgesellschaftlichen Stellen in Deutschland und der Region verbessert das Vorhaben die psychosoziale Unterstützung für Flüchtlinge und Binnenvertriebene im Nahen Osten. Es fördert die Verankerung von MHPSS-Ansätzen, indem es beispielsweise Projekten im Bildungsbereich dabei hilft, Lehrer*innen für die Arbeit mit traumatisierten Kindern zu sensibilisieren. Zudem fördert es den Austausch zwischen relevanten Akteuren und stärkt das Fachwissen vor Ort. Dies geschieht, indem gemeinsame Prinzipien entwickelt und deren Nutzung unterstützt wird und die Zusammenarbeit der Vorhaben, die in der Region psychosoziale Unterstützung für Flüchtlinge und Binnenvertriebene anbieten, gefördert wird. Ein weiterer Fokus liegt auf der Förderung von MHPSS-Kompetenz bei den Kräften vor Ort, um bedarfsgerechte Dienstleistungen zu verankern.

Wirkung

Gemeinsam mit Partnern erarbeitete das Vorhaben einen kontext- und gendersensiblen Orientierungsrahmen zu MHPSS im Kontext der Syrien- und Irakkrisen. Das Dokument beinhaltet unter anderem Hinweise, wie psychosoziale Ansätze in andere Bereiche der Entwicklungszusammenarbeit integriert werden können und wie gute MHPSS-Praktiken aussehen. Das Papier wurde von der deutschen Regierung in die Syrienkonferenz 2019 eingebracht.

Zudem wurden mit Partnern Papiere zu Kompetenzentwicklung (Capacity Development) im Bereich MHPSS sowie zur psychosozialen Unterstützung von Überlebenden sexualisierter Gewalt verfasst.

Das Vorhaben hat etwa 30 Fachaustausche, Studienreisen und Workshops in Deutschland und dem Nahen Osten finanziert und/oder organisiert, auf denen sich über 800 Personen zu Fragen der psychosozialen Unterstützung ausgetauscht haben.

Gemeinsam mit einem Forscherteam entwickelt das Vorhaben einen Ansatz zur Mitarbeiterfürsorge für lokales MHPSS-Personal. 

Psychosoziale Unterstützung für syrische und irakische Flüchtlinge und Binnenvertriebene. Präsentation der Arbeitsgruppenergebnisse beim ersten Fachaustausch des Regionalvorhabens in Berlin (3. Juni 2016) © GIZ

Um den Überblick über MHPSS-Angebote in den Projektländern zu stärken und um Dopplungen zu vermeiden, hat das Vorhaben eine Webanwendung finanziert, mittels derer MHPSS-Akteure ihre Aktivitäten für alle Nutzer transparent auflisten können.

Das Vorhaben unterstützt andere GIZ- und zivilgesellschaftliche Projekte, wenn diese psychosoziale Ansätze in ihre Arbeit integrieren wollen, beispielsweise im Bereich Beschäftigungsförderung von Flüchtlingen.