Psychosoziale Arbeit stärken

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Psychosoziale Unterstützung für syrische und irakische Flüchtlinge und Binnenvertriebene
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) im Rahmen der Sonderinitiative „Fluchtursachen bekämpfen – Flüchtlinge reintegrieren“
Land: Jordanien
Gesamtlaufzeit: 2015 bis 2018

Psychosoziale Unterstützung für syrische und irakische Flüchtlinge und Binnenvertriebene. Erster Fachaustausch des Regionalvorhabens in Berlin (3. Juni 2016) © GIZ

Ausgangssituation

Rund 6,6 Millionen Syrerinnen und Syrer wurden seit Ausbruch des Bürgerkriegs im Jahr 2011 zu Vertriebenen im eigenen Land. Weitere 4,8 Millionen suchten in den Nachbarländern Türkei, Jordanien, Libanon und Irak Schutz. Im schon lange von gewaltsamen Konflikten betroffenen Irak sind durch den Vormarsch des sogenannten Islamischen Staates weitere 3,9 Millionen Menschen aus ihrer Heimat vertrieben worden.

Die Flüchtlinge und Binnenvertriebenen in der gesamten Region leiden nicht nur unter materieller Not, sondern auch unter den psychosozialen Folgen der Konflikte. Viele Jahre haben sie in Angst gelebt und Verluste erlitten, deren Folgen auch nach der Flucht aus ihren Heimatländern andauern. In den Aufnahmeländern leben Flüchtlinge und Vertriebene oft in Armut und am Rande der Gesellschaft, was ihr psychosoziales Wohlergehen gefährdet. In den aufnehmenden Gemeinden fehlt es an Spezialisten wie Psychologen, Psychotherapeuten und Sozialarbeiter, die Flüchtlinge und Binnenvertriebene professionell unterstützen und ihnen dabei helfen können, ihre traumatischen Erfahrungen zu überwinden. Mehr als 50 Akteure internationaler Organisationen setzen sich für die psychische Gesundheit und das psychosoziale Wohlergehen der Menschen in der Krisenregion ein.

Ziel

Die verstärkte Zusammenarbeit von internationalen Organisationen gemäß abgestimmter gender- und kontextsensibler Standards verbessert die psychosoziale Versorgung von Flüchtlingen und Binnenvertriebenen aus Syrien und dem Irak in den Aufnahmeländern des Nahen Ostens.

Psychosoziale Unterstützung für syrische und irakische Flüchtlinge und Binnenvertriebene. Begrüßung der Teilnehmenden am ersten Fachaustausch des Regionalvorhabens in Berlin (3. Juni 2016) © GIZ

Vorgehensweise

Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) engagiert sich die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH für die psychosoziale Gesundheit der Menschen im Raum Syrien, Jordanien, Irak, Libanon und Türkei. Die GIZ vernetzt die deutschen staatlichen und nichtstaatlichen Programme und Akteure im Nahen Osten und stärkt so Koordination und Austausch. Dabei geht es unter anderem um Themen wie Mitarbeiterfürsorge, gute Praktiken psychosozialer Arbeit und die Unterstützung von Lehrkräften, die mit traumatisierten Schülerinnen und Schülern arbeiten.

Die GIZ bündelt das Know-how der Organisationen und verknüpft es mit vorliegenden Erkenntnissen zu psychischer Gesundheit und psychosozialer Unterstützung der internationalen Fachgemeinschaft. Sie organisiert Fachtreffen für die lokalen und internationalen Experten in der Region und entwickelt eine webbasierte Wissensplattform. Dieses Wissensmanagementsystem macht allen Akteuren zentrale Informationen der psychosozialen Arbeit mit Flüchtlingen zugänglich. Beispielsweise finden die Helfer auf der Plattform Qualitätsstandards und bewährte Praktiken zur psychosozialen Arbeit in fragilen Kontexten, die ihre Arbeit erleichtern und professionalisieren.

Didaktische Materialen zu mentaler Gesundheit und psychosozialer Unterstützung werden in deutscher, englischer und arabischer Sprache eingestellt. Die Plattform dokumentiert die Aktivitäten aller Akteure und ermöglicht so ein abgestimmtes Vorgehen, das dazu beiträgt, die zur Verfügung stehenden Ressourcen effektiv zu nutzen. Vor allem Flüchtlinge, Vertriebene und die aufnehmenden Gemeinden profitieren von der effizienteren Arbeit.

Das Projekt ist Teil der BMZ Sonderinitiative „Fluchtursachen bekämpfen – Flüchtlinge reintegrieren“. Kurzfristig unterstützt es gleichermaßen Flüchtlinge und aufnehmende Gemeinden. Langfristig mindern nachhaltige Maßnahmen strukturelle Fluchtursachen wie soziale Ungleichheit oder Ernährungsunsicherheit. Dieses Projekt trägt zur Verbesserung der psychosozialen Versorgung von Flüchtlingen und Binnenvertriebenen bei.

Wirkung

Zu Beginn der Arbeit Ende 2015 kooperierte das Projekt mit etwa 20 Organisationen im Nahen Osten. Seither wächst der Kreis der Partner stetig. Nach knapp neun Monaten erreicht die GIZ Hunderte Fachleute, die Flüchtlinge und Vertriebene in vielfältiger Weise unterstützen. Viele von ihnen sind täglich unmittelbar mit menschlichem Leiden konfrontiert. Um die psychische Gesundheit der Helferinnen und Helfer zu erhalten, erarbeitet das Projekt zusammen mit Praktikern und Wissenschaftlern ein besonderes Pilotmodell: Sogenannte Peer-Supportstrukturen bieten den Helferinnen und Helfer mehr Möglichkeiten, um bei der Arbeit sowohl sich selbst zu schützen, als auch um Rückhalt in ihren Teams und Organisationen zu finden.

Beim ersten Fachaustausch des Regionalvorhabens kamen Anfang Juni 2016 in Berlin über 50 Akteure zusammen, die im Rahmen der Syrien- und Irakkrise auf dem Gebiet der psychosozialen Gesundheit arbeiten. Inhaltliche Schwerpunkte waren eine effektive Vernetzung, Ansätze zur Stärkung der mentalen Gesundheit und für psychosoziale Unterstützung sowie die Mitarbeiterfürsorge für lokales Personal. Zusätzlich hat ein von drei deutschen Universitäten auf den Weg gebrachtes Forschungsvorhaben damit begonnen, kontextangepasste Peer-Supportmodelle zu entwickeln und im Nahen Osten zu pilotieren.

Im Oktober 2016 fand in Amman eine Konferenz zu Monitoring und Evaluierung auf dem Gebiet der psychischen Gesundheit und psychosozialen Unterstützung statt, an der 75 Fachkräfte aus acht Ländern teilnahmen. Auf der Veranstaltung wurden verschiedene Instrumente, die in diesem Bereich zur Erfolgsmessung sowie zur Bewertung potenzieller Gefahren eingesetzt werden können, miteinander verglichen.

Psychosoziale Unterstützung für syrische und irakische Flüchtlinge und Binnenvertriebene. Präsentation der Arbeitsgruppenergebnisse beim ersten Fachaustausch des Regionalvorhabens in Berlin (3. Juni 2016) © GIZ

Verschiedene Staatliche und nichtstaatliche Praktiker haben einen konzeptionellen Rahmen entwickelt, der die Frage beantwortet, was qualitative hochwertige Arbeit auf dem Gebiet der psychischen Gesundheit und psychosozialen Unterstützung syrischer und irakischer Flüchtlinge ausmacht. Dieser Rahmen kann sowohl von Durchführungsorganisationen als auch von Gebern eingesetzt werden.