Abfallentsorgung mit positiven Effekten

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Waste to (positive) Energy in Jordanien
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) im Rahmen der Sonderinitiative „Fluchtursachen bekämpfen – Flüchtlinge reintegrieren“
Land: Jordanien
Politischer Träger: Jordanisches Ministerium für kommunale Angelegenheiten
Gesamtlaufzeit: 2015 bis 2017

Jordanien. Training zur fachgerechten Müllentsorgung in der nordjordanischen Gemeinde Mafraq. Arbeiter, Flüchtlinge und Jordanier werden angelernt und erhalten eine an das lokale Lohngefüge angepasste Bezahlung, Arbeitskleidung und -geräte. © GIZ

Ausgangssituation

Durch den Bürgerkrieg in Syrien wurden seit 2011 rund 6,6 Millionen Menschen zu Vertriebenen im eigenen Land, weitere 4,8 Millionen flohen zumeist in die Nachbarländer. Laut Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) bietet allein Jordanien mehr als 655.000 syrischen Flüchtlingen Schutz. Nach inoffizieller Schätzung halten sich jedoch weit mehr Syrerinnen und Syrer in Jordanien auf: Die Bevölkerungszahl sei durch die starke Zuwanderung von Flüchtlingen aus dem nördlichen Nachbarland um mindestens zehn Prozent gestiegen.

Die erhöhte Bevölkerungsdichte belastet die aufnehmenden Gemeinden. Sie können öffentliche Dienstleistungen nicht mehr ausreichend gewährleisten. Auch die Abfallentsorgung, die bereits vorher unzureichend war, ist durch das erhöhte Müllaufkommen überfordert. Laut einer Studie des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP 2014) hat sich nach dem starken Zuzug von Flüchtlingen beispielsweise die Abfallmenge in der nordjordanischen Gemeinde Qasabat von täglich 300 auf über 500 Tonnen erhöht. Abfallmengen wie diese stellen die Verwaltungen in den Gemeinden vor große Entsorgungsprobleme. Die Folge ist eine Vermüllung, die gesundheitliche Risiken birgt und schlimmstenfalls zum Ausbruch von Cholera, Hepatitis A und Typhus führen kann. Diese für alle Betroffenen schwierige Situation ruft zudem Konflikte zwischen der lokalen Bevölkerung und den zugezogenen syrischen Flüchtlingen hervor.

Ziel

In den Flüchtlinge aufnehmenden Gemeinden Irbid, Ar Ramtha, Mafraq und Wasattyah wirkt eine arbeitsintensive Wertstoffsammlung und -aufbereitung konfliktmindernd und entlastet die Umwelt.

Vorgehensweise

Abhilfe schafft ein Projekt in rund 22 jordanischen Gemeinden, wie Irbid, Ar Ramtha, Mafraq, und Wasattyah, sowie in Flüchtlingscamps und mehreren Naherholungsgebieten: Jordanische und syrische Arbeiter sammeln Müll, trennen ihn und verarbeiten die Wertstoffe. Dies entlastet die Gemeinden, verbessert die Hygiene in den Kommunen und stoppt die Ausbreitung von Krankheiten.

Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) setzt die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH das Vorhaben um. Gemeinsam mit ihren lokalen Partnern sorgt die GIZ für Beschäftigung und unterrichtet die Arbeiter in Wertstoffkunde und Mülltrennung und stellt ihnen die erforderlichen Werkzeuge wie Schubkarren oder Müllpressen zur Verfügung. Die GIZ garantiert, dass Arbeitsschutzrichtlinien eingehalten werden. So müssen beispielsweise alle Arbeiter geimpft sein und Schutzkleidung tragen. Beschäftigt werden die Arbeitskräfte entweder in Voll- oder Teilzeit sowie auf Tageslohnbasis. Die unterschiedlichen Verdienstmöglichkeiten gelten für die syrischen Flüchtlinge und die einheimische Bevölkerung gleichermaßen. Durch die gemeinsame Arbeit lernen sich beide Bevölkerungsgruppen besser kennen, was dazu beiträgt, Konflikte zu vermeiden.

Die Einwohnerinnen und Einwohner der vier Gemeinden können sich auch langfristig für Abfallvermeidung engagieren. Auf Veranstaltungen erfahren sie mehr über Recycling, Umweltschutz, Hygiene und Gesundheit. In Arbeitsgruppen können sie die Themen mit Experten diskutieren.

Das Projekt ist Teil der BMZ-Sonderinitiative „Fluchtursachen bekämpfen – Flüchtlinge reintegrieren“. Kurzfristig unterstützt es gleichermaßen Flüchtlinge und aufnehmende Gemeinden. Langfristig mindern nachhaltige Maßnahmen strukturelle Fluchtursachen wie soziale Ungleichheit oder Ernährungsunsicherheit. Dieses Projekt leistet einen Beitrag zur Beschäftigung von Flüchtlingen und Bewohnern aufnehmender Gemeinden. Es fördert sozialen Zusammenhalt, Gesundheit und eine nachhaltige Entwicklung in der Region.

Wirkung

Die arbeitsintensiven Maßnahmen beschäftigen allein 2016 rund 6.000 Jordanier und Syrer. Neben einem Einkommen profitieren sie zusätzlich von den Qualifizierungsmaßnahmen.

Parallel zu den Arbeitern und Arbeiterinnen unterstützt das Projekt bis Ende 2017 weitere Partner, wie politische Institutionen, private Haushalte, Gemeindevertreter, Unternehmen oder Unternehmensgründer. Damit sollen die Aktivitäten rund um Müllverwertung und -vermeidung nachhaltig erfolgreich werden.

Jordanien. Entsorgungsaktion in einem Naherholungsgebiet. Durch diese Maßnahmen wird gleichzeitig das Umweltbewusstsein geschult. © GIZ

In den Flüchtlinge aufnehmenden Gemeinden in Irbid und Mafraq beispielsweise werden pro Monat bis zu 1.000 Tonnen Kompost, 150 Tonnen Papier und Karton sowie 120 Tonnen Plastikmüll sammeln. Jeder Beschäftigte erhält Handschuhe und Schutzwesten sowie Sammelwerkzeuge wie Besen, Greifer und Schubkarren. Einige Gemeinden erhalten Müllautos und -tonnen, Container, Recyclingstationen und Kompostieranlagen.