Offener Regionalfonds für Südosteuropa – Biodiversität

Projektbeschreibung

Bezeichnung: Offener Regionalfonds für Südosteuropa – Biodiversität
Open Regional Fund for South-East Europe – Biodiversity
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Regional (Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Republik Mazedonien, Montenegro, Serbien)
Politischer Träger: Regionaler Kooperationsrat (RCC)
Gesamtlaufzeit: 2015 bis 2018

Ausgangssituation

Südosteuropa (SEE) verfügt über eine außerordentlich große biologische Vielfalt. Die Region beherbergt eine Vielzahl an Ökosystemen, die von den mediterranen Küstengebieten über Flüsse, Wälder und Steppen bis hin zu Hochgebirgslandschaften reichen. Viele der in dieser Region anzutreffenden Tier- und Pflanzenarten sind endemisch, und die Region besitzt eine enorme Agrobiodiversität. Allerdings fehlt auf allen Ebenen ein Bewusstsein dafür, wie wichtig die verschiedenen Tier- und Pflanzenarten, die Lebensräume und Ökosysteme sowie die genetische Vielfalt der Region für die menschliche Gesundheit und menschliches Wohlbefinden sind. Diese Ressourcen werden nur unzureichend geschützt. Biodiversitätsaspekte werden bei der Festlegung von Entwicklungsschwerpunkten und -plänen nur selten berücksichtigt – trotz der Tatsache, dass die biologische Vielfalt für Nahrungsmittel sorgt, zur Reinhaltung von Luft und Wasser beiträgt und darüber hinaus auf lokaler und nationaler Ebene einen hohen soziokulturellen, wirtschaftlichen und Freizeitwert bietet (beispielsweise in Form von lokalen Produkten und Möglichkeiten für den Tourismus).

Insbesondere im ländlichen Raum sowie in Gebirgs-, Wald- und Küstengebieten ist die Biodiversität ernsthaft gefährdet, und zwar hauptsächlich durch eine unsachgemäße Landnutzung, Zersiedelung, den Bau von Infrastrukturen, die übermäßige Beanspruchung von Böden, die Intensivierung oder Aufgabe der Landwirtschaft sowie den Klimawandel. In der SEE-Region gibt es viele Landesgrenzen, die Ökosysteme und Gebiete mit hohem ökologischen Wert trennen. Dadurch bietet sich die Notwendigkeit aber auch Chance, diese gemeinsamen Ressourcen durch eine grenzüberschreitende regionale Zusammenarbeit zu schützen und nachhaltig zu nutzen.

Der EU-Beitritt ist ein gemeinsames Ziel der Länder der Region. Allerdings stellt die Anpassung an die komplexe Umweltgesetzgebung der EU eine große Herausforderung für sie dar. In Bezug auf die Biodiversität bedeutet dies, dass die SEE-Länder die Vogelschutzrichtlinie, die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie sowie die EU-Biodiversitätsstrategie 2020 umsetzen müssen. In vielen südosteuropäischen Ländern fehlen dafür finanzielle, technische und personelle Mittel sowie verlässliche Daten. Außerdem fällt es den Staaten der Region schwer, Schutz- und andere Gebiete (beispielsweise das Natura 2000-Netz) zur Erhaltung der Biodiversität auszuweisen und zu verwalten und Fragen der Artenvielfalt in ihren politischen Entscheidungsprozessen zu berücksichtigen.

Ziel

Eine verstärkte Zusammenarbeit in Südosteuropa trägt zur Umsetzung der EU-Biodiversitätsstrategie 2020 bei.

Vorgehensweise

Der Offene Regionalfonds für Biodiversität (ORF BD) unterstützt regionale Projekte, die darauf abzielen, die EU-Biodiversitätsstrategie durch verstärkte regionale Zusammenarbeit umzusetzen. Das Projekt wird mit Partnern aus mindestens drei Ländern gemeinsam geplant und realisiert. Die Hauptpartner sind neben den für Naturschutz, Biodiversität und Umweltmanagement zuständigen staatlichen Stellen die Behörden für Tourismus, Land- und Forstwirtschaft, Energie und Finanzen sowie zivilgesellschaftliche Organisationen, Akteure der Privatwirtschaft und themenspezifische Netzwerke der Region.

Der ORF BD fördert Lernprozesse in den Kooperationsländern und bezieht die relevanten Stakeholder aus Kroatien, dem jüngsten EU-Mitgliedstaat, aktiv mit ein. Das Projekt unter-stützt staatliche, nicht staatliche und andere zivilgesellschaftliche Akteure beim Aufbau organisatorischer Kapazitäten auf themenspezifischen und Querschnittsfeldern. Es fördert die Vernetzung und Partnerschaften mit regionalen und bilateralen Initiativen der GIZ sowie mit internationalen Organisationen und Initiativen, darunter die Internationale Union zur Bewahrung der Natur und natürlicher Ressourcen (IUCN), das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP), der World Wildlife Fund (WWF), der Critical Ecosystem Partnership Fund (CEPF) und das Regional Center for Environment (REC). Diese Kontakte sorgen für eine höhere Effizienz und eine bessere Koordination der von den Partnern umgesetzten Maßnahmen; sie unterstützen die pilothafte Umsetzung neuer Strategien zur Verankerung des Biodiversitätskonzepts auf politischer und institutioneller Ebene. Aus diesem Grund stärkt der Fonds die Regionalarbeitsgruppe Umwelt (Regional Environmental Working Group – REWG) des Regionalen Kooperationsrats (RCC).

Im Rahmen von regionalen Konsultationen hat das Projekt eine Reihe von Maßnahmen identifiziert, die unter Einbeziehung aller Kooperationsländer der SEE-Region schwerpunktmäßig vorangetrieben werden sollen. Die ersten drei Maßnahmen wurde im Juli 2016 auf den Weg gebracht und umfassen folgende Punkte:

Im Rahmen von regionalen Konsultationen hat das Projekt eine Reihe von Maßnahmen identifiziert, die unter Einbeziehung aller Kooperationsländer der SEE-Region schwerpunktmäßig vorangetrieben werden sollen. Die ersten drei Maßnahmen wurde im Juli 2016 auf den Weg gebracht und umfassen folgende Punkte:

  • Informationsmanagement und Berichterstattung in Bezug auf die Biodiversität (Biodiversity Information Management and Reporting – BIMR): Im Rahmen dieser Maßnahme werden die Kapazitäten der Partner im Hinblick auf eine Berichterstattung, die mit der Biodiversitätskonvention und anderen EU-Anforderungen (beispielsweise in Bezug auf das Natura 2000-Netz) konform ist, durch die Entwicklung von regionalen Richtlinien gestärkt.
  • Beurteilung und Bewertung von Ökosystemdienstleistungen (Ecosystem Services Assessment and Valuation – ESAV): Diese Maßnahmen umfassen eine Querschnittsstrategie, die darauf ausgerichtet ist, den Nutzen von Biodiversität und Ökosystemdienstleistungen im Zusammenhang mit der Entwicklungsplanung in bestimmten Zielsektoren (beispielsweise Tourismus und Landwirtschaft) zu ermitteln und bekannt zu machen, um so künftige Entscheidungsprozesse zu verbessern.
  • Regional Network of Biodiversity CSOs – BioNET: BioNET vernetzt zivilgesellschaftliche Organisationen, die sich mit dem Thema Biodiversität befassen, unterstützt sie bei Kampagnen, Lobbyarbeit und Mittelbeschaffung und stärkt ihre organisatorischen Kapazitäten.
  • Vernetzung der Akteure, die über Naturschutzwissen (beispielsweise junge Fachkräfte, Experten, Wissenschaftler). Dadurch sollen der Aufbau eines regionalen Experten-Netzwerks durch gezieltes Capacity Building unterstützt werden.

Zu den weiteren Schwerpunkten, die derzeit vorbereitet werden, gehören:

  • Grenzüberschreitendes Ökosystem-Management im Šar Planina-Gebirge, einem Biodiversitäts-Hotspot mit hohem Tourismuspotential zwischen Albanien, dem Kosovo und der Republik Mazedonien). Dadurch sollen inklusive Planungs-, Monitoring- und Management-Prozesse auf lokaler und regionaler Ebene unterstützt werden. Dabei wird Wert darauf gelegt, dass die Menschen vor Ort einbezogen werden und wesentliche Nutznießer der Maßnahme sind.