Ziviler Friedensdienst / Sonderinitiative Flucht: Schutz vor erneuter Vertreibung

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Programm Ziviler Friedensdienst: Schutz vor erneuter Vertreibung. Integration von Binnenflüchtlingen
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Kenia
Gesamtlaufzeit: 2014 bis 2021

© ZFD/GIZ

Ausgangssituation

Flucht und Vertreibung prägen die Geschichte Kenias. Mit der Ansiedlung europäischer Kolonialherren und Zwangsumsiedlungen veränderte sich die ethnische Landkarte. Die Zahl der Binnenvertriebenen nahm stetig zu. Bis heute erheben zahlreiche Gruppen Anspruch auf bestimmte Gebiete und Ressourcen. Die Siedlungs- und Vergabepolitik kenianischer Regierungen, die in der Regel Eliten bevorzugte, verschärfte die Konflikte. Während der gewalttätigen Ausschreitungen nach den Wahlen 2007/08 wurden rund 600.000 Menschen gewaltsam vertrieben.

Die Mehrzahl der Binnenvertriebenen hat keinen ausreichenden Zugang zu Land, Grundversorgung und Existenzsicherung. Viele Menschen fanden Zuflucht in wirtschaftlichen schwachen Regionen. Die Aufnahmegemeinden fühlen sich bedroht oder befürchten, von den Geflüchteten vertrieben zu werden. Daraus resultierende Konflikte um ohnehin knappe Ressourcen werden meist zwischen Ethnien ausgetragen.

Ressourcenknappheit, Klimawandel und Umweltzerstörung zwingen auch weiterhin immer mehr Menschen zur Flucht.

Ziel

Binnenvertriebene und Aufnahmegemeinden tauschen sich aus, das Vertrauen ist gestärkt. Beide Gruppen setzen sich dafür ein, dass ihre Konflikte friedlich gelöst werden. Auf diese Weise beugen sie einer erneuten Flucht und Vertreibung vor. Die Rechte von Binnenvertriebenen sind bekannt und werden vor allem von lokalen staatlichen Akteuren stärker berücksichtigt.

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Vorgehensweise

In der Region Rift Valley stehen sich Binnenvertriebene und Aufnahmegemeinden tendenziell feindselig gegenüber. Der Zivile Friedensdienst (ZFD) unterstützt zusammen mit zivilgesellschaftlichen und religiösen Gruppen und internationalen Organisationen Binnenvertriebene und Aufnahmegemeinden, von Vertreibung bedrohte Bevölkerungsgruppen sowie lokale Regierungsstrukturen und Führungspersönlichkeiten. Das Projekt arbeitet dabei auf zwei Ebenen: Viele Maßnahmen wenden sich direkt an die Bevölkerung in den Gebieten, in denen Binnenvertriebene angesiedelt wurden. So gibt es alle zwei Monate Gesprächsrunden, die trainierte Teams aus der Bevölkerung organisieren. Ihr Ziel ist eine Plattform, über die sich verschiedene Bevölkerungsgruppen austauschen. Die Menschen sollen die Möglichkeit haben, gemeinsam Lösungsansätze zu entwickeln, was den Zugang zu Wasser, Gesundheit, Land und Informationen betrifft. Ergänzend dazu bieten ZFD-Partnerorganisationen psychologische Einzel- und Gruppenberatung für Überlebende von Vertreibungen und Gewalt an. Zudem gibt es Unterstützung zur Traumabewältigung. Darüber hinaus werden lokale sowie regionale Verwaltungs- und Regierungsvertreter über die Situation von Binnenvertriebenen und deren Rechte informiert. Der ZFD und seine Partner haben Informationsmaterialen zum Thema Binnenflucht entwickelt, die zur Aufklärung und zum Schutz vor erneuter Vertreibung betragen. Das Projekt ist Teil der BMZ-Sonderinitiative „Fluchtursachen mindern – Flüchtlinge reintegrieren“.

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Wirkungen

In der Region Rift Valley hat sich die Verständigung zwischen den verschiedenen ethnischen Gruppen verbessert. So lösen Bauern und Viehhalter ihre Konflikte zunehmend gewaltfrei. In Nakuru arbeiten die Konfliktparteien sowie der zuständige nationale Parlamentsabgeordnete zusammen an Lösungsansätzen für den in der Region vorherrschenden Landkonflikt.

Auch der Informationstausch zwischen der Bevölkerung und staatlichen Stellen sowie Ältesten und Bezirksbeauftragten in Banita und Majani Mingi läuft reibungsloser. So profitieren marginalisierte Gruppen mittlerweile von staatlichen Dienstleistungen: Alleinerziehende Mütter, Witwen und Menschen mit Behinderungen verfügen seit kurzem über die notwendigen Informationen, um  staatliche Unterstützung zu beantragen.

Die Eigeninitiativen und das neue aktive Handeln der Bevölkerung tragen dazu bei, weitverbreitete Gefühle von Hoffnungslosigkeit und Ohnmacht – und damit auch einen Teil der Konfliktdynamik – zu reduzieren. Dies bestätigen Teilnehmende an den Gesprächsrunden und Weiterbildungen.