Ziviler Friedensdienst / Sonderinitiative Flucht: Gewaltprävention durch Medien- und Dialogarbeit

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Programm Ziviler Friedensdienst: Gewaltprävention durch Medien- und Dialogarbeit zum Abbau von Vorurteilen und Stereotypen
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Libanon
Gesamtlaufzeit: 2016 bis 2021

Ziviler Friedensdienst (ZFD). Dialogworkshop bei einer Partnerorganisation des ZFD. © GIZ

Ausgangssituation

Seit Beginn der gewaltsamen Auseinandersetzungen in Syrien suchen viele Menschen Schutz im angrenzenden Libanon. Knapp zwei Drittel der Geflüchteten leben in den ärmsten und strukturschwachen Regionen des Landes, der Bekaa-Ebene und dem Nordlibanon. Rund die Hälfte von ihnen ist jünger als 18 Jahre.

Der Libanon hat proportional zur Einwohnerzahl weltweit die meisten syrischen Flüchtlinge aufgenommen. Rund ein Viertel seiner Bevölkerung sind nach offiziellen Angaben Geflüchtete aus Syrien. Da auf Anweisung der libanesischen Behörden seit 2015 keine Flüchtlinge mehr registriert werden, liegt die Dunkelziffer sehr viel höher. Der Libanon hat die Genfer Flüchtlingskonvention nicht unterschrieben und spricht von Vertriebenen. Es gibt keine offiziellen Flüchtlingscamps, die ein Minimum an staatlichem Schutz garantieren könnten. Das Engagement oder wenigstens die Duldung der aufnehmenden Gemeinden und die Arbeit zivilgesellschaftlicher Organisationen haben deshalb große Bedeutung. Helferinnen und Helfer bewegen sich dabei jedoch, ebenso wie die Flüchtlinge selbst, in einem unsicheren rechtlichen Rahmen.

Die anfängliche Hilfsbereitschaft der libanesischen Bevölkerung wich, mit Andauern der Krise, zunehmender Skepsis gegenüber den Flüchtlingen. Die Bedenken werden durch Ängste, Stereotypen und Vorurteile verstärkt. Diskriminierung durch die Bevölkerung und staatliche Akteure sowie eine eindimensionale Darstellung der Syrer in libanesischen Medien als Terroristen oder ungebildete Tagelöhner sind weit verbreitet. Punktuell kam es deshalb bereits zu Gewaltausbrüchen; es besteht die Gefahr zunehmender gewaltsamer Auseinandersetzungen zwischen aufnehmenden Gemeinden und Flüchtlingen. Verweigerung der Menschenrechte und Perspektivlosigkeit können gleichzeitig zu Radikalisierungstendenzen sowohl bei den Schutzsuchenden und als auch in den marginalisierten Gastgemeinden führen.

Ziel

Im Libanon lebende Menschen werden, unabhängig von ihrer Herkunft, grundsätzlich respektiert und leben ohne Angst vor Gewaltausbrüchen. Angst, Vorurteile und Diskriminierung gegenüber syrischen Flüchtlinge sind abgebaut; Alternativen zur religiösen Radikalisierung werden aufgezeigt.

Vorgehensweise

Der Zivile Friedensdienst (ZFD) fördert, ergänzend zur humanitären Hilfe, die soziale Integration der syrischen Flüchtlinge im Libanon. Um Gewaltbereitschaft im Umgang mit Konflikten langfristig abzubauen, steht der Abbau von Vorurteilen und Stereotypen innerhalb der libanesischen Gesellschaft im Mittelpunkt der Arbeit.

Durch konfliktsensible Medienarbeit, Forschung und Öffentlichkeitsarbeit wird auf unterschiedlichen gesellschaftlichen Ebenen ein Bewusstseinswandel angeregt. Beispielsweise regen Medienschaffende und Studierende dazu an, die Stereotypenbildung in der Medienberichterstattung über syrische Flüchtlinge zu hinterfragen und darüber in Dialog zu treten. Gemeinsam mit Flüchtlingen erarbeiten sie alternative Erzählformen für deren Anliegen und Geschichten und verbreiten sie.

Der ZFD schafft darüber hinaus Ausdrucksmöglichkeiten und Räume für marginalisierte Gruppen, in denen sich Menschen aus den syrischen Flüchtlingsgemeinden und den aufnehmenden Gemeinden begegnen können. Jugendliche und junge Erwachsene stehen dabei im Zentrum.

Das Projekt ist Teil der BMZ Sonderinitiative „Fluchtursachen bekämpfen – Flüchtlinge reintegrieren“.

Ziviler Friedensdienst (ZFD). Libanon hat im Vergleich zur Einwohnerzahl weltweit am meisten syrische Flüchtlinge aufgenommen. © GIZ