Ziviler Friedensdienst: Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts und Gewaltprävention durch Kultur- und Sportangebote für palästinensische Flüchtlinge

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts und Gewaltprävention durch Kultur- und Sportangebote für palästinensische Flüchtlinge
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Palästinensische Gebiete
Gesamtlaufzeit: 2014 bis 2022

Ziviler Friedensdienst (ZFD). Aktivitäten im Rahmen des Sawa-Sawa-Festivals. © GIZ

Ausgangssituation

Heute sind rund fünf Millionen Menschen beim Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge (UNRWA) als palästinensische Flüchtlinge registriert. Palästina gehört zu den ältesten Krisenherden der Welt. Die Vertreibung der Palästinenser*innen begann unmittelbar nach der Teilungsresolution der Vereinten Nationen und der Gründung Israels im Jahr 1948.

Die palästinensischen Gebiete sind fragmentiert und gliedern sich geographisch, politisch und institutionell in das Westjordanland (Zonen A, B und C), Ost-Jerusalem und den Gazastreifen. Die sich an den Sechstagekrieg von 1967 anschließende israelische Besetzung hat die palästinensische Gesellschaft gespalten und die Uneinigkeit verstärkt.

Mehr als 1,5 Millionen palästinensische Flüchtlinge leben in 58 anerkannten Flüchtlingslagern in Jordanien, im Libanon, in Syrien, im Gazastreifen sowie im Westjordanland (mit Ost-Jerusalem). Als Flüchtlinge sind sie sozial isoliert und stigmatisiert. Sie besitzen keine Bürgerrechte und werden systematisch diskriminiert. Die Mehrheit der Bewohner*innen der Flüchtlingslager im Westjordanland und im Gazastreifen sind Jugendliche und junge Erwachsene – etwa 40 Prozent der Einwohner*innen sind jünger als 19 Jahre. Angesichts der hohen Arbeitslosigkeit, der Armut und der oft alltäglichen Gewalt wachsen diese jungen Menschen ohne Perspektiven auf.

Ziel

Die Fragmentierung der palästinensischen Gesellschaft wird durch die Förderung und Stärkung des Gemeinschaftsgefühls verringert. Schädliche Stereotype und Vorurteile werden abgebaut. Durch Kunst, Kultur und Sport entwickeln die Kinder und Jugendlichen kreative Ausdrucksmöglichkeiten und lernen, psychologische und emotionale Barrieren zu überwinden. Die jungen Menschen erarbeiten sich eine gewaltfreie Lebensperspektive und werden bei der Verwirklichung ihrer Vorstellungen begleitet.

Ziviler Friedensdienst (ZFD). Palästinensische Kinder und Jugendliche trainieren für einen Auftritt. © GIZ

Vorgehensweise

Über seine Partnerorganisationen unterstützt der Zivile Friedensdienst (ZFD) junge Palästinenser*innen in Flüchtlingslagern und marginalisierten Gebieten bei der Nutzung der alternativen Ausdrucksmöglichkeiten, die Kunst, Kultur und Sport bieten.

Die Partnerorganisationen des ZFD stellen sichere Räume zur Verfügung, in denen die Jugendlichen alternative Methoden aus den Bereichen Kulturpädagogik und Kunst entdecken und sich damit Perspektiven für ein Leben ohne Gewalt erschließen können. Darüber hinaus tragen sichere Räume auch zur Stärkung von gewaltfreien gesellschaftlichen Strukturen bei.

Der ZFD fördert die Friedenserziehung, um negative Stereotypen und Vorurteile innerhalb der gespaltenen palästinensischen Gesellschaft abzubauen. Im Rahmen von gemeinsamen Aktivitäten innerhalb und außerhalb der Flüchtlingslager erhalten die palästinensische Kinder und Jugendlichen die Möglichkeit, untereinander in Kontakt zu treten und unterschiedliche Sichtweisen auszutauschen. In verschiedenen Schulungen und Workshops lernen sie gewaltfreie Strategien kennen, die sie in ihrem Lebensalltag anwenden können. Mit diesen Aktivitäten schlägt das Projekt Brücken zwischen den verschiedenen Teilen der palästinensischen Gesellschaft, so dass die Menschen neues Gemeinschaftsgefühl entwickeln können.

Wirkungen

Im Rahmen der langfristigen Zusammenarbeit mit seinen Partnerorganisationen hat der ZFD viele Möglichkeiten des Austauschs wie Konzerte und Musikfestivals für Jugendliche aus verschiedenen Flüchtlingslagern, Städten und Dörfern ins Leben gerufen.

Regelmäßig stattfindende gemeinsame Sportaktivitäten tragen dazu bei, dass die Teilnehmer*innen dauerhaft eine positive Kreativität entwickeln und Frustration abbauen. So werden beispielsweise Kinder und Jugendliche seit Anfang 2015 in der gewaltfreien Kampfkunst Aikido unterrichtet. Mit Aikido zeigt das Vorhaben den Kindern und Jugendlichen Möglichkeiten auf, Erfahrungen extremer Gewalt zu verarbeiten und ihre Aggressionen zu kanalisieren. Seit 2018 werden Kletter- und Parcours-Sessions angeboten, bei denen die Jugendlichen die Gelegenheit haben, ihre physischen und emotionalen Grenzen zu überwinden und dadurch ein Gefühl der Selbstwirksamkeit und des Selbstvertrauens zu erleben.

Außerdem machen die Kinder und Jugendlichen gemeinsam Musik – insbesondere Rap –, erleben Kunst als Instrument der Bildung und beteiligen sich an kulturellen Aktivitäten wie dem kreativen Schreiben und Tanz. Dadurch lernen sie, ihre Gefühle zu entdecken und sich kreativ auszudrücken. Mit Medien für einen sozialen Wandel, Fotografiekursen und der Vermittlung der Kunst des Geschichtenerzählens verlagert das Vorhaben den Schwerpunkt vom Persönlichen zum Sozialen, vom Individuum zur Gesellschaft. Mithilfe von Medien-Tools haben die Teilnehmer*innen einen aktiven und dauerhaften kommunikativen Austausch über ihre Gemeinden erreicht und wurden darin bestärkt, ihre Sichtweisen zu artikulieren und ihre Erfolgsgeschichten zu präsentieren.
Diese innovativen, neuen Wege der gewaltfreien Interaktion tragen dazu bei, der politischen, sozialen und geographischen Fragmentierung der palästinensischen Gesellschaft entgegenzuwirken. Gleichzeitig hat das Vorhaben die Jugendlichen und Kinder dazu befähigt, mit den Konflikten in ihrem Umfeld gewaltfrei umzugehen. Dadurch werden sie zu Vorbildern für ein friedliches, kooperatives Miteinander in ihren Gemeinden.

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