Ziviler Friedensdienst / Sonderinitiative Flucht: Gewaltprävention durch Kultur- und Sport in Flüchtlingslagern

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Ziviler Friedensdienst / Sonderinitiative Flucht: Gesellschaftliche Defragmentierung und Gewaltprävention über Kultur und Sport in palästinensischen Flüchtlingslagern
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Palästinensische Gebiete
Gesamtlaufzeit: 2014 bis 2021

Ziviler Friedensdienst (ZFD). Aktivitäten im Rahmen des Sawa-Sawa-Festivals. © GIZ

Ausgangssituation

Die palästinensische Flüchtlingskrise ist eine der am längsten andauernden Krisen der Welt. Flucht und Vertreibung begannen unmittelbar nach dem Teilungsbeschluss der Vereinten Nationen (1947) und den darauf folgenden Gewaltausbrüchen. Sie setzten sich fort mit dem Palästinakrieg 1948, dem Sechstagekrieg 1967 sowie der israelischen Besetzung des Westjordanlands und des Gazastreifens.

Die palästinensische Gesellschaft ist fragmentiert. Das Westjordanland, Ostjerusalem und der Gazastreifen bilden keine zusammenhängende Fläche und sind auch politisch und institutionell getrennt. Seit 2007 regiert die Hamas den Gazastreifen, während die Fatah Teile des Westjordanlandes verwaltet. Ostjerusalem und die C-Gebiete, das sind 62 Prozent des Westjordanlands, werden von Israel kontrolliert und verwaltet. Der übergeordnete israelisch-palästinensische Konflikt verstärkt diese Spaltung. Die Konfliktlinien verlaufen durch die verschiedenen Gruppen wie palästinensische Flüchtlinge versus ansässige Palästinenser, Stadt- und Landbevölkerung, Beduinen, religiöse Gruppen und andere. Bewohnerinnen und Bewohner der Flüchtlingslager bilden die palästinensische Unterschicht.

Die meisten Flüchtlinge leben heute in Lagern des UN-Hilfswerks für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) oder in besetzten Gebieten. Als Staatenlose haben sie keine staatsbürgerlichen Rechte und werden systematisch diskriminiert. Trotz der schwierigen Lebensbedingungen wächst die Bevölkerung in den Flüchtlingslagern und den besetzten Gebieten: Etwa 40 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner sind unter 15 Jahre alt. Aufgrund hoher Arbeitslosigkeit, Armut und oft alltäglicher Gewalterfahrungen wachsen sie in Perspektivlosigkeit auf. Besonders junge Männer sind deshalb häufig gewaltbereit und anfällig für extremistische Anschauungen.

Ziel

Palästinensische Jugendliche aus verschiedenen Kontexten, Orten und Regionen planen und setzen gemeinsame Aktivitäten innerhalb und außerhalb von Flüchtlingslagern um. Sie setzen erlernte Strategien der gewaltfreien Konfliktbearbeitung in ihrem Umfeld ein und geben ihre Erfahrungen als Vorbilder an andere Jugendliche weiter.

Vorgehensweise

Der Zivile Friedensdienst (ZFD) unterstützt verschiedene Partner in Ostjerusalem und Bethlehem sowie in den Flüchtlingslagern Balata und Shuafat bei der Umsetzung alternativer, kreativer Ausdrucksformen aus Kunst, Kultur und Sport. Darüber hinaus fördert er Maßnahmen zur Friedenserziehung und Öffentlichkeitsarbeit und trägt damit zum Abbau von Stereotypen, Vorurteilen und Feindbildern bei. Unter Beteiligung aller Partnerorganisationen wurde beispielsweise ein Musikvideo gedreht.

Durch psychosoziale Begleitung werden Menschen, vor allem Jugendliche, Kinder und Frauen, bei der Verwirklichung einer gewaltfreien Lebensperspektive unterstützt. Der ZFD arbeitet zusammen mit Akteuren im Gazastreifen, im ländlichen Raum sowie in den Flüchtlingslagern und trägt zu deren Vernetzung bei.

Das Projekt ist Teil der BMZ Sonderinitiative „Fluchtursachen mindern – Flüchtlinge reintegrieren“.

Wirkung

Bei gemeinsamen Aktivitäten lernten die Teilnehmenden einander kennen und entwickelten Verständnis für die Situationen der anderen. Vorurteile wurden abgebaut und Kontakte geknüpft. Mithilfe gemeinsamer traditioneller Spiele erfuhren die Jugendlichen ihre gemeinsame Identität. Das Gemeinschaftsgefühl wurde so gestärkt und emotionale Hindernisse überwunden. Der Spaltung der palästinensischen Gesellschaft wird so etwas entgegengesetzt.

Das Aikidotraining bot Jugendlichen innerhalb und außerhalb von Flüchtlingslagern Möglichkeiten, mit ihren teils extremen Gewalterfahrungen umzugehen. Die bei der Gewaltprävention erlernten Strategien zur gewaltfreien Konfliktbearbeitung setzen die Jugendlichen in ihrem Umfeld ein. Sie dienen Gleichaltrigen damit als Vorbild für gewaltfreies Handeln.

Ziviler Friedensdienst (ZFD). Palästinensische Kinder und Jugendliche trainieren für einen Auftritt. © GIZ

Kreatives Schreiben und die Produktion eines Musikvideos halfen den Jugendlichen, sich ihrer Emotionen bewusst zu werden und sie künstlerisch ausdrücken. Gemeinsame Wanderungen und gegenseitige Besuche ermöglichten es den Jugendlichen, ihre Regionen auch geografisch besser kennenzulernen. Aus den Kontakten während der Aktivitäten sind Freundschaften entstanden, die bis heute gepflegt werden.