Ziviler Friedensdienst / Sonderinitiative Flucht: Bessere Beziehungen zwischen Aufnahmegemeinden und Geflüchteten sowie psychosoziale Begleitung

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Ziviler Friedensdienst / Sonderinitiative Flucht: Psychosoziale Betreuung von Flüchtlingen, Verbesserung der Beziehung zwischen lokaler Bevölkerung und Flüchtlingen, Maßnahmen zur Friedenserziehung
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Ruanda
Gesamtlaufzeit: 2014 bis 2021

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Ausgangssituation

Ruanda ist seit Jahrzehnten Anlaufstelle für Geflüchtete, vor allem aus der Demokratischen Republik Kongo. Die aktuelle Krise in Burundi führte zu einem weiteren, unerwarteten Zustrom an Geflüchteten, sodass sich deren Gesamtzahl in Ruanda verdoppelte. Die meisten Geflüchteten leben in den sechs Flüchtlingscamps des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR). Knapp 60 Prozent sind unter 18 Jahren.

Die große Zahl der Geflüchteten beeinflusst die gesellschaftliche Entwicklung Ruandas stark. Vor allem Konflikte um Land und Ressourcen werden verstärkt. Es kommt häufig zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen jungen Leuten innerhalb und außerhalb der Camps. Grundbedürfnisse wie Nahrung, Basisgesundheitsversorgung und Zugang zu (Schul-)Bildung werden zwar erfüllt, die psychologische Betreuung ist jedoch unzureichend. Posttraumatische Stresssyndrome beeinträchtigen Lebensfähigkeit und -qualität der Betroffenen. Ihre Umgebung begegnet ihnen häufig mit Misstrauen. Geflüchtete Frauen und Mädchen sind eine besonders verwundbare Gruppe und häufig von sexueller Gewalt betroffen.

Aufgrund ihrer geringen wirtschaftlichen Möglichkeiten sind viele junge männliche Geflüchtete frustriert. Dies äußert sich nicht selten in Aggression.

Ziel

Jugendliche Geflüchtete aus den Camps und Jugendliche aus den umliegenden Dörfern überwinden im konstruktiven Dialog ihre gegenseitigen Feindbilder. Dies fördert eine Kultur gegenseitiger Unterstützung sowie Empathie und reduziert gewaltsame Auseinandersetzungen. Langfristig mindern nachhaltige Maßnahmen strukturelle Fluchtursachen wie beispielsweise soziale Ungleichheit.
Frauen und Mädchen mit traumatisierenden Gewalterfahrungen sind durch psychosoziale Unterstützung in ihrer psychischen Gesundheit und Widerstandsfähigkeit gestärkt.

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Vorgehensweise

Das Projekt ist Teil der Sonderinitiative „Fluchtursachen mindern – Flüchtlinge reintegrieren“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Es unterstützt Geflüchtete und aufnehmende Gemeinden gleichermaßen.

In Zusammenarbeit mit den Partnern UNHCR, Vision Jeunesse Nouvelle (VJN), Ejo Youth Echo (EYE), Community-Based Sociotherapy (CBS) und Eglise Evangélique des Amis au Rwanda (EEAR) fördert der Zivile Friedensdienst (ZFD) die Gewaltprävention in und um die Flüchtlingscamps Kigeme, Mahama und Mugombwa.

Dialogprozesse machen den Beteiligten die Probleme und Ängste der jeweils anderen Seite deutlich und eröffnen ihnen Handlungsoptionen. Teams bieten Jugendlichen psychosoziale Begleitung und Traumaarbeit an, insbesondere für Frauen und Mädchen.

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Wirkungen

Eine von den Projektpartnern etablierte Radiosendung soll Verständnis für Ansichten und Verhaltensunterschiede einheimischer und geflohener Jugendlicher untereinander wecken.

In mit den Projektpartnern etablierten Friedensclubs erlernen Jugendliche, Konflikte gewaltfrei zu bearbeiten.

Nach einer Schulung in konfliktsensiblem Journalismus haben junge Menschen in und um die Kigeme und Mugombwa Flüchtlingscamps bisher vier Ausgaben der Camp-Zeitung „Kigeme Iwacu“ produziert, die in allen umliegenden Flüchtlingslagern verteilt wird.

Über 1000 Jugendliche aus den Camps und umliegenden Gemeinden nahmen an Veranstaltungen zum Thema Frieden teil, zum Beispiel Theatervorführungen, gemeinsamen Sportaktivitäten oder Kino- und Diskussionsveranstaltungen. Im Anschluss starteten Jugendliche Initiativen zur Unterstützung von bedürftigen Personen oder Drogenkonsumenten aus ihrer Altersgruppe. 

Rund 80 junge Geflüchtete erhielten ein einjähriges Stipendium für eine Berufsausbildung. Ein Viertel hat die Ausbildung bereits abgeschlossen, zehn Prozent fanden bereits eine Anstellung.

Verwaltungsangestellte, religiöse Autoritäten, alleinerziehende Mütter und Menschen mit Behinderungen wurden in Methoden zur Konfliktlösung geschult. Sie vermitteln nun in Konfliktfällen, machen auf häufige Konfliktthemen aufmerksam oder bilden andere als Multiplikatoren aus.

Jeden Monat werden Friedensdialoge organisiert, um Konflikte zwischen Geflüchteten und aufnehmenden Gemeinden auf einer freundschaftlichen Basis zu lösen. Ebenso gibt es einen monatlichen Austausch zwischen der Polizei, dem ruandischen Ministerium für Flüchtlingsangelegenheiten (MIDIMAR) und Jugendlichen, die zum Drogenkonsum neigen. Diese Treffen bauen Vertrauen auf, verbessern die Zusammenarbeit und erleichtern die Handhabung von Drogenmissbrauch im Camp.

Zusätzlich wurden knapp 50 Dienstleister in den Camps dahingehend sensibilisiert und geschult, Konfliktpotential zwischen aufnehmenden Gemeinden und Geflüchteten zu erkennen und diesem durch ihre Arbeit vorzubeugen. Dadurch wurden die Beziehungen verbessert. Psychosoziale Unterstützungsangebote wurden durch Trainings in Traumabehandlung und aktivem Zuhören für Sozialarbeiter verbessert.