Ziviler Friedensdienst / Sonderinitiative Flucht: Bessere Beziehungen zwischen Aufnahmegemeinden und Geflüchteten sowie psychosoziale Begleitung, Dialog und Friedenserziehung

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Ziviler Friedensdienst / Sonderinitiative Flucht: Psychosoziale Betreuung von Flüchtlingen, Verbesserung der Beziehung zwischen lokaler Bevölkerung und Flüchtlingen, Maßnahmen zur Friedenserziehung
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Ruanda
Gesamtlaufzeit: 2014 bis 2021

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Ausgangssituation

Die immer wiederkehrenden rebellischen Gräueltaten gegen die lokale Bevölkerung im Osten des Kongo und die Krise rundum die Wahlen 2015 in Burundi haben Tausende von Kongolesen und Burundern dazu veranlasst, aus ihrem Land zu fliehen und Zuflucht in Ruanda zu suchen. Die meisten Geflüchteten leben in den sechs Flüchtlingscamps des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR). Knapp 60 Prozent sind unter 18 Jahren.

Die große Zahl der Geflüchteten beeinflusst die gesellschaftliche Entwicklung Ruandas stark. Vor allem Konflikte um Land und Ressourcen (z.B. Feuerholz) werden verstärkt. Es kommt häufig zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen jungen Leuten innerhalb und außerhalb der Camps. Grundbedürfnisse wie Nahrung, Basisgesundheitsversorgung und Zugang zu (Schul-)Bildung werden zwar erfüllt, die psychologische Betreuung ist jedoch unzureichend. Des Weiteren werden sie in ihren Ansprüchen und Rechten stark beschränkt. Posttraumatische Stresssyndrome beeinträchtigen Lebensfähigkeit und -qualität der Betroffenen. Ihre Umgebung begegnet ihnen häufig mit Misstrauen. Geflüchtete Frauen und Mädchen sind eine besonders verwundbare Gruppe und häufig von sexueller Gewalt betroffen.

Aufgrund ihrer geringen wirtschaftlichen Möglichkeiten sind viele junge männliche Geflüchtete frustriert. Dies äußert sich nicht selten in Aggression.

Ziel

Jugendliche Geflüchtete aus den Camps und Jugendliche aus den umliegenden Dörfern überwinden im konstruktiven Dialog ihre gegenseitigen Feindbilder. Durch Friedenserziehung, Gewaltprävention und psychosozialer Unterstützung wird soziale Kohäsion und eine Kultur des Friedens zwischen Flüchtlingen und Flüchtlingen und Aufnahmegemeinden hergestellt.  Langfristig mindern nachhaltige Maßnahmen strukturelle Fluchtursachen wie beispielsweise soziale Ungleichheit. Frauen und Mädchen mit traumatisierenden Gewalterfahrungen sind durch psychosoziale Unterstützung in ihrer psychischen Gesundheit und Widerstandsfähigkeit gestärkt.

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Vorgehensweise

Das Projekt ist Teil der Sonderinitiative „Fluchtursachen mindern – Flüchtlinge reintegrieren“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Es unterstützt Geflüchtete und aufnehmende Gemeinden gleichermaßen.

In Zusammenarbeit mit den Partnern UNHCR, Vision Jeunesse Nouvelle (VJN), Ejo Youth Echo (EYE), Community-Based Sociotherapy (CBS), Eglise Evangélique des Amis au Rwanda (EEAR) und dem Legal Aid Forum (LAF) fördert der Zivile Friedensdienst (ZFD) die Gewaltprävention in und um die Flüchtlingscamps Kigeme, Mahama und Mugombwa.

Dialogprozesse machen den Beteiligten die Probleme und Ängste der jeweils anderen Seite deutlich und eröffnen ihnen Handlungsoptionen. Teams bieten Jugendlichen psychosoziale Begleitung und Traumaarbeit an, insbesondere für Frauen und Mädchen.

Durch den Einsatz kreativer und interaktiver Methoden wie konfliktsensible Medienproduktion, Cineduc (Bildungskino), Forumstheater und Sport können die Jugendlichen konstruktive Wege im Umgang mit Konflikten üben, den Dialog entwickeln und gegenseitiges Verständnis aufbauen.

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Wirkungen

Der konstruktive Dialog zwischen Campbewohnern und Menschen aus den Aufnahmegemeinden wird u.a. durch das Format „Friedensdialog“ , die Gründung eines intercamp-Magazin namens „Nyiramubande“, partizipatives Theater, Filmerziehung, Sport und Austausch von Vorträgen und Kulturaktivitäten gefördert.

Gegenseitige Unterstützungsinitiativen und freundschaftliche Besuche zwischen Menschen aus den Flüchtlingscamps und den Aufnahmegemeinden werden organisiert.

Frauen, Männern, Mädchen und Jugen werden durch ausgebildete Community Psychosocial Workers unterstützt, die in Traumaarbiet, aktivem Zuhören, direkte psychosoziale Unterstützung und Bildung sowie klinische Supervisionen ausgebildet wurden.

Regelmäβig wird das Camp Magazins „Nyiramubande“ in allen sechs Flüchtlingslagern Ruandas veröffentlicht. Des Weiteren wurden in den Camps Journalisten ausgebildet, die für  das Magazin konfliktsensitiv Bericht erstatten.

Eine von den Projektpartnern etablierte Radiosendung soll Verständnis für Ansichten und Verhaltensunterschiede einheimischer und geflohener Jugendlicher untereinander wecken.

Ebenso gibt es einen monatlichen Austausch zwischen der Polizei, dem ruandischen Ministerium für Flüchtlingsangelegenheiten (MIDIMAR) und Jugendlichen, die zum Drogenkonsum neigen. Diese Treffen bauen Vertrauen auf, verbessern die Zusammenarbeit und erleichtern die Handhabung von Drogenmissbrauch im Camp.

Zusätzlich wurden knapp 50 Dienstleister in den Camps dahingehend sensibilisiert und geschult, Konfliktpotential zwischen aufnehmenden Gemeinden und Geflüchteten zu erkennen und diesem durch ihre Arbeit vorzubeugen. Dadurch wurden die Beziehungen verbessert. Psychosoziale Unterstützungsangebote wurden durch Trainings in Traumabehandlung und aktivem Zuhören für Sozialarbeiter verbessert.

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