Bessere Beziehungen zwischen Aufnahmegemeinden und Flüchtlingen und psychosoziale Begleitung

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Dialog und Beziehungsarbeit zwischen Aufnahmegemein-den und Flüchtlingen sowie psychosoziale Begleitung von Flüchtlingen
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Ruanda
Gesamtlaufzeit: 2014 bis 2019

Flüchtlingskinder und Kinder aus den aufnehmenden Gemeinden lesen die Camp-Zeitung „Kigeme Iwacu“. © GIZ

Ausgangssituation

Aufgrund anhaltender politischer Instabilität und zahlreicher Konflikte in Zentralafrika und in der Region der Großen Seen ist Ruanda seit Jahrzehnten Anlaufstelle für Flüchtlinge, vor allem aus der Demokratischen Republik Kongo. Die aktuelle Krise in Burundi führte zu einem weiteren, unerwarteten Zustrom an Flüchtlingen, sodass sich deren Zahl in Ruanda verdoppelte. Die meisten Geflüchteten leben in einem der sechs Flüchtlingscamps des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR). Knapp 60 Prozent sind unter 18 Jahren.

Die große Zahl der Flüchtlinge beeinflusst die gesellschaftliche Entwicklung Ruandas stark. Vor allem Konflikte um Land und Ressourcen werden verstärkt. Es kommt häufig zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen jungen Leuten innerhalb und außerhalb der Camps. Grundbedürfnisse wie Nahrung, Basisgesundheitsversorgung und Zugang zu (Schul-) Bildung werden zwar erfüllt, die psychologische Betreuung ist jedoch unzureichend. Posttraumatische Stresssyndrome beeinträchtigen Lebensfähigkeit und -qualität der Betroffenen. Ihre Umgebung begegnet ihnen häufig mit Misstrauen. Stigmatisierung verstärkt Isolation und psychischen Druck. Geflüchtete Frauen und Mädchen sind eine besonders verwundbare Gruppe.

Die starke Frustration junger männlicher Flüchtlinge äußert sich nicht selten in Aggression. Konstruktive Konfliktlösungen haben sie häufig nicht erlernt. Die latente Frustration birgt an-haltendes Konfliktpotenzial, das sich durch die stetig wachsende Zahl der Flüchtlinge noch vervielfacht.

Ziel

Jugendliche Flüchtlinge und Jugendliche aus Dörfern, die an die Camps angrenzen, überwinden im konstruktiven Dialog ihre gegenseitigen Feindbilder.
Frauen und Mädchen mit traumatisierenden Gewalterfahrungen sind durch psychosoziale Unterstützung in ihrer psychischen Gesundheit und Widerstandsfähigkeit gestärkt.

Ziviler Friedensdienst (ZFD). Eine Gruppe junger Künstler – Ruander und Flüchtlinge © GIZ

Vorgehensweise

In Zusammenarbeit mit den Partnern UNHCR, Vision Jeunesse Nouvelle (VJN), Ejo Youth Echo (EYE) und Eglise Evangélique des Amis au Rwanda (EEAR) fördert der Zivile Friedensdienst (ZFD) die Gewaltprävention in und um die Flüchtlingscamps. Feindbilder und die dahinter verborgenen Bedürfnisse und Ängste zu erkennen sowie Fluchtursachen und Konfliktlagen zu thematisieren, sind Voraussetzungen für ein friedliches Zusammenleben zwischen lokaler Bevölkerung und Flüchtlingen.

Aufgrund der Ergebnisse zweier Grundlagenstudien sowie Feldbesuchen wurde das Kigeme Flüchtlingslager für die Aktivitäten des Projekts ausgewählt. Im Distrikt Nyamagabe, im Süden Ruandas, beherbergt das Flüchtlingslager Kigeme derzeit fast 20.000 kongolesische Flüchtlinge.

Durch die Partner angestoßene Dialogprozesse machen den Beteiligten die Probleme und Ängste der jeweils anderen Seite deutlich und eröffnen ihnen Handlungsoptionen. Dies fördert eine Kultur gegenseitiger Unterstützung und Empathie und reduziert gewaltsame Auseinandersetzungen.

Die Partner haben eine Radiosendung etabliert, die Verständnis für Ansichten und Verhaltensunterschiede einheimischer und geflohener Jugendlicher untereinander wecken soll. Darüber hinaus wurden Friedensclubs eingerichtet, in denen die Jugendlichen Ansätze ziviler Konfliktbearbeitung kennenlernen und sie in ihrem Umfeld einüben.

Im Flüchtlingscamp Kigeme bringt das Projekt gemeinsam mit jungen Menschen aus dem Camp eine Jugendzeitung heraus. Sie wird innerhalb und außerhalb des Camps verbreitet und fördert die gegenseitige Akzeptanz und kritisches Denken.

Teams aus dem Projekt bieten Jugendlichen psychosoziale Begleitung und Traumaarbeit an.

Das Projekt ist Teil der BMZ Sonderinitiative „Fluchtursachen bekämpfen – Flüchtlinge reintegrieren“. Kurzfristig unterstützt es Flüchtlinge und aufnehmende Gemeinden gleichermaßen. Langfristig mindern nachhaltige Maßnahmen strukturelle Fluchtursachen wie beispielsweise soziale Ungleichheit. Dieses Projekt leistet einen Beitrag zur Integration und sozialen Entwicklung von Flüchtlingen in Ruanda.

Wirkung

Das Projekt hat bislang 30 junge Menschen in und um das Kigeme Flüchtlingscamp im konfliktsensiblen Journalismus geschult. Diese Jugendlichen produzieren die Camp-Zeitung „Kigeme Iwacu“, die in allen umliegenden Flüchtlingslagern verteilt wird. Es entstand ein kurzer Dokumentarfilm über das Leben als Flüchtling und Nicht-Flüchtling, um sowohl den aufnehmenden Gemeinden als auch den Flüchtlingen die Kultur, das Leben und die Probleme des Anderen näher zu bringen. Der Film wurde bisher im Format „Cineduc“ (pädagogisches Kino) in drei Gruppen zu je etwa 30 Jugendlichen gezeigt und besprochen.

Rund 300 Jugendliche haben an Veranstaltungen teilgenommen, die das Thema Frieden thematisierten. Es fanden Theatervorführungen statt, gemeinsame Sportaktivitäten, Kino- und Diskussionsveranstaltungen.

81 junge Flüchtlinge erhielten ein einjähriges Stipendium, um eine Berufsausbildung zu absolvieren.

450 Teilnehmer, wie beispielsweise Verwaltungsangestellte des Flüchtlingslagers, religiöse Autoritäten, alleinerziehende Mütter und Menschen mit Behinderungen wurden in Methoden zur Konfliktlösung geschult. Zu Beginn der Projektaktivitäten gab es noch keine verlässlichen Zahlen zur Häufigkeit von Konflikten. Mittlerweile wurde jedoch erhoben, dass im Zeitraum Juni bis November 2016 132 Konfliktfälle gemeldet wurden. Diese Zahl wird als Baseline für die anstehenden Projektaktivitäten gelten.

Das Projektteam hat knapp 50 Dienstleister zu den Themen gewaltfreie Konfliktlösung, dem do no harm Ansatz – bei dem es darum geht, Konflikte zwischen aufnehmender Gemeinde und Flüchtlingen zu vermeiden und ihnen die gleichen Möglichkeiten zu bieten – und konfliktsensibler Kommunikation geschult. Die erlernten Fähigkeiten werden im alltäglichen Umgang mit Flüchtlingen und bei der Planung von Aktivitäten angewendet.

Ziviler Friedensdienst (ZFD). Blick auf das Kigeme Camp, in dem rund 18.000 kongolesische Flüchtlinge leben © GIZ