ValuES: Methoden zur Integration von Ökosystemleistungen in Politik, Planung und Praxis

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: ValuES: Methoden zur Integration von Ökosystemleistungen in Politik, Planung und Praxis
Auftraggeber: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) im Rahmen der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI)
Land: Global
Politischer Träger: Umweltministerien in den Projektländern oder zuständige Ministerien vor Ort, wie das Energieministerium, Entwicklungsministerium, Landwirtschaftsministerium, Infrastrukturministerium, Ministerium für Gebietsverwaltung, Ministerium für ländliche Entwicklung
Gesamtlaufzeit: 2013 bis 2018

Ausgangssituation

Essenziell für das Wohlergehen der Menschen und die Produktion von Nahrungsmitteln und Gütern sind Ökosystemleistungen, beispielsweise sauberes Wasser, fruchtbare Böden, Bestäubung von Nutzpflanzen oder der Schutz von Ufern, Küsten und Hängen. Ihre Grundlage ist die Vielfalt von Tier- und Pflanzenarten, genetischer Variabilität und gesunden Ökosystemen. Degradierte oder verloren gegangene Leistungen wiederherzustellen oder zu ersetzen, ist meist sehr teuer oder unmöglich.

Aufgrund des Verlustes von natürlichen Lebensräumen durch Landnutzungsänderungen, Übernutzung natürlicher Ressourcen und Umweltverschmutzung geht die Biodiversität weltweit zurück. Biologische Vielfalt und Ökosystemleistungen zu einem zentralen Thema aller gesellschaftlichen und politischen Entscheidungen und Prozesse zu machen, trägt dazu bei, die Ursachen des Biodiversitätsverlusts umzukehren. Das Konzept der Ökosystemleistungen ist besonders dafür geeignet, die Bedeutung von Natur darzustellen: Sowohl die Abhängigkeit der Menschen von Ökosystemen als auch die Auswirkungen menschlichen Handelns auf die Umwelt werden dadurch veranschaulicht. Diese Erkenntnisse können dazu beitragen, umweltfreundlichere politische Maßnahmen und Strukturen zu entwickeln, die dem Biodiversitätsverlust entgegenwirken.

Die Mitgliedsstaaten des Internationalen Abkommens zur Biologischen Vielfalt (CBD) haben 2010 den „Strategischen Plan für Biodiversität 2011-2020“ verabschiedet. Die sogenannten Aichi-Ziele fordern unter anderem, Wert und Nutzen biologischer Vielfalt politisch intensiver zu berücksichtigen und entsprechende Fachkompetenzen zu fördern.

Mit zahlreichen Methoden und Instrumenten ist es möglich, Ökosystemleistungen zu ermitteln, zu messen, zu bewerten, darzustellen sowie in Politiken und Maßnahmen zu integrieren. Informationen darüber sind jedoch schwer zugänglich und der Wissensaustausch ist begrenzt. Bislang fehlt eine Orientierung, um aus der Vielzahl der möglichen Methoden die jeweils geeignete für einen bestimmten Fall auswählen zu können. Zudem werden Ökosystemleistungsanalysen bei Entscheidungen oft nicht in Betracht gezogen.

Ziel

Vertreter umweltrelevanter Ministerien und Organisationen sind in der Lage, Ökosystemleistungsanalysen besser zu planen und durchzuführen sowie deren Ergebnisse zielgruppengerecht zu kommunizieren und in politische Entscheidungsprozesse einzubinden.

Vorgehensweise

Das Vorhaben arbeitet in sechs Kernbereichen:

  1. Analyse und Aufbereitung von Erfahrungen
    Analysen von Ökosystemleistungen werden untersucht und aufgearbeitet, inklusive ihrer Verwendung in Entscheidungs- und Planungsprozessen zur politischen Entscheidungsfindung und Ausgestaltung von Instrumenten. Lernerfahrungen werden abgeleitet und gute Praxisbeispiele aufbereitet. Die Erkenntnisse nutzt das Projekt für die Ausrichtung und Planung von Produkten und Aktivitäten.

  2. Entwicklung eines Methodeninventars
    Im Methodeninventar werden vorhandene Methoden und Instrumente für die Analyse und Integration von Ökosystemleistungen über die Webseite des Vorhabens zugänglich gemacht. Das Inventar bietet Entscheidungsträgern und Fachkräften Orientierung bei dem Zugang, der Auswahl und der Anwendung geeigneter Indikatoren, Methoden und Instrumente zur Analyse und Integration von Ökosystemleistungen für einen bestimmten Entscheidungsprozess.

  3. Aufbau und Stärkung von Kompetenzen und institutioneller Leistungsfähigkeit
    Das Methodeninventar und die Erkenntnisse aus Beispielen von Ökosystemleistungsanalysen sind die Grundlage für Trainings, die Methoden- und Gestaltungskompetenz vermitteln. Praxisorientiertes Wissen über Analyse, Indikatoren, Instrumente und Integration von Ökosystemleistungen sind hierbei zentrale Themen. Die Trainings werden in Institutionen der Partnerländer verankert, damit diese später als Multiplikatoren agieren können.

  4. Beratung von Partnerländern bei der Anwendung von Methoden und Instrumenten
    In konkreten Prozessen in den Partnerländern werden Akteure zur Methoden- und Prozessgestaltung beraten, um Ökosystemleistungen in Politik und Maßnahmen zu integrieren. Ziel ist es, aufgrund von Ökosystemleistungsanalysen weiterführende, wirkungsvolle Argumente zu entwickeln und in die Politikberatung einzubringen

  5. Stärkung von Vernetzung und Austausch in regionalen, nationalen und internationalen Foren
    Das Vorhaben bringt seine Erfahrungen in fachliche internationale Netzwerke ein. Es unterstützt national, regional und international den Aufbau von Anwendergemeinschaften, um einen Süd-Süd- und Nord-Süd-Erfahrungsaustausch sowie aktiveres Lernen zu fördern. Auf jährlichen Veranstaltungen wird kollegiale Beratung angeboten, um Ideen zu realisieren und weiterzuentwickeln sowie Herausforderungen zu überwinden. Das Projekt trägt darüber hinaus zur internationalen Wissenschaftsdebatte und zur Umsetzung des Strategischen Plans des Internationalen Abkommens über biologische Vielfalt bei.

  6. Stärkung der Intergovernmental Platform on Biodiversity and Ecosystem Services (IPBES)
    Strukturen und Prozesse des IPBES-Gremiums werden durch punktuelle Beratung, Verbreitung von Information, logistische und finanzielle Unterstützung sowie Organisation und Durchführung von Veranstaltungen gestärkt. So sollen Ansätze, Methoden und Prozesse sowie die Handlungsfähigkeit von IPBES unterstützt und international bekannter gemacht werden. Gleichzeitig werden Erfahrungen aus Prozessen in Partnerländern des Vorhabens in IPBES eingebracht, um ihre Wirksamkeit zu erhöhen.

Wirkung

Relevante Akteure wurden befähigt, für ihre jeweilige Situation und die Rahmenbedingungen passende biophysische, soziale und/oder ökonomische Methoden auszuwählen, um Ökosystemleistungen zu erfassen und zu bewerten. Ergebnisse der Analyse wurden zielgruppengerecht kommuniziert und in politische Entscheidungsprozesse eingebracht.

Durch die Entwicklung und Stärkung der Leistungsfähigkeit von Partnerinstitutionen, die gleichzeitig die Integration von Ökosystemleistungen in Planung, Praxis und Politik fördert, leistete das Projekt einen Beitrag, um die Ursachen der Degradierung von Ökosystemen umzukehren und so die biologische Vielfalt zu erhalten.

Durch Fortbildungen, Studien, Zugang zu Informationen, Erfahrungsaustausch und Prozessberatungen wurde in ausgewählten Partnerländern vorhandene Leitungsfähigkeit ausgebaut. Das Vorhaben hat hierzu in mehr als 20 Ländern Trainings durchgeführt. Insgesamt wurden bereits mehr als 60 Trainings angeboten mit jeweils 20-30 Teilnehmern. Eine Intensivierung von Prozessen und Aktivitäten in den jeweiligen Ländern wurde so ermöglicht.

Durch die Kommunikation in den jeweiligen Ländern entstand ein Austausch im Kontext des IPBES-Prozess, sodass diese Nachhaltigkeitsdialoge auch IPBES-Prozesse unterstützen. Das Wissen aus der internationalen Zusammenarbeit wurde in IPBES eingebracht, was sich wiederum in den Empfehlungen zu den Ökosystemleistungsanalysen von IPBES widerspiegelt. Durch die Entwicklung von Kompetenzen und durch Prozessberatung wurden die Partnerländer befähigt, Empfehlungen von IPBES in ihre nationalen Prozesse und Strategien aufzunehmen.

Im Zusammenwirken der verschiedenen Aktivitäten wurde so erreicht, dass Ökosystemleistungsanalysen zielgerichtet und mit geeigneten Methoden und Instrumenten durchgeführt werden, zum Beispiel in Mexiko. Das führt unter anderem dazu, dass Länder ihren Beitrag zur Umsetzung des Strategischen Plans des Internationalen Abkommens über biologische Vielfalt sachgerecht leisten können.