Demokratieförderung durch nachhaltige Ressourcennutzung

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Teilhabe der ländlichen Bevölkerung am Management von Wasser und Boden am Oberstrom des Nebhana-Staudamms
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Tunesien
Politischer Träger: Ministère de l’Agriculture, des ressources hydrauliques et de la pêche
Gesamtlaufzeit: 2016 bis 2020

Ausgangssituation

Um den steigenden Wasserbedarf des Landes zu decken, investierte die tunesische Regierung seit den 1980er-Jahren verstärkt in den Bau von Staudämmen. Von der neuen Infrastruktur profitierten zumeist die Menschen, die unterhalb der Staudämme wohnen. Die Bevölkerung am Oberstrom profitierte hingegen wenig: Aufgrund mangelhafter Bewässerung ist die Landwirtschaft dort wenig entwickelt und es herrscht hohe Arbeitslosigkeit. Dies gilt auch für das Gebiet oberhalb des Nebhana-Staudamms in Oueslatia, eine der ärmsten Regionen Tunesiens. Wegen mangelnder beruflicher Möglichkeiten in Landwirtschaft und Industrie wandert vor allem die junge Bevölkerung stetig ab. Gleichzeitig gibt es großes Potenzial für eine ökologisch nachhaltige Landwirtschaft, die auch Arbeitsmöglichkeiten schafft. Zurzeit wird dieses Potenzial aufgrund fehlender Vermarktungsstrukturen und -wege jedoch zu wenig ausgeschöpft.

Ziel

Die Beteiligung der lokalen Bevölkerung am Management der Wasser- und Bodenressourcen in Oueslatia ist verbessert. Eine ökologische Landwirtschaft und die Vermarktung ihrer Produkte sind gestärkt.

Vorgehensweise

Mit Unterstützung des Vorhabens wird die Infrastruktur zur Wasserversorgung von Schulen, Krankenstationen und privaten Haushalten aufgewertet. Die Beschäftigungsmöglichkeiten in der Landwirtschaft werden verbessert. Dazu werden, unter anderem gemeinsam mit der Bevölkerung, Produkte ermittelt, die vor Ort ökologisch nachhaltig erzeugt und anschließend vermarktet werden können, etwa Honig oder Heilkräuter.

Die Bevölkerung wählt die zu fördernden Aktivitäten selbst aus, wozu sie sich auf Gemeindeebene in Entscheidungsprozesse einbringt. Durch Dialog und Kooperation werden demokratische Prozesse eingeübt. Durch neue Beschäftigungsmöglichkeiten in der Landwirtschaft soll die Abwanderung, vor allem der jüngeren Bevölkerung, verringert werden. Das Vorhaben unterstützt diesen Prozess durch Anschubfinanzierungen für Unternehmensgründungen sowie durch Fortbildungen. So lernen etwa die Mitglieder kommunaler Beteiligungsplattformen, wie sie Analysen von Beschäftigungspotenzialen sowie zum nachhaltigen Umgang mit den Ressourcen Wasser und Boden durchführen und ihre Interessen besser vertreten können. Regional und national werden die Partner dabei unterstützt, politische Teilhabeprozesse eigenständig einzuleiten und durchzuführen. Durch das Vorhaben werden etwa 30.000 Menschen erreicht. Sie profitieren unter anderem von einer besseren Wasser- und Sanitärversorgung.

Politischer Träger des Vorhabens ist das tunesische Agrarministerium. Weitere Partner sind die Generaldirektion für Raumplanung und den Schutz landwirtschaftlicher Flächen, das Landwirtschaftsamt Kairouan, das Planungsbüro des Landwirtschaftsministeriums für den Wassersektor sowie der Verein für die Entwicklung von Kairouan. Die deutsch-tunesische Arbeitsgemeinschaft GOPA-Concept unterstützt das Vorhaben unter anderem bei der Schulung von Verwaltungsfachkräften in Oueslatia. Außerdem begleitet sie die Ausarbeitung eines von der Bevölkerung partizipativ entwickelten Plans zum Management der natürlichen Ressourcen Wasser und Boden.

Das Vorhaben ist Teil der Sonderinitiative des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) zur Stabilisierung und Entwicklung in Nordafrika und Nahost. Mit den Projekten der Sonderinitiative trägt das Ministerium dazu bei, wirtschaftliche und soziale Perspektiven für die Menschen in der Region zu schaffen. In diesem Rahmen stehen für Vorhaben der GIZ und anderer Durchführungsorganisationen in den Jahren 2014 bis 2021 bisher mehr als 300 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung. Im Fokus stehen dabei die Themenbereiche Jugend- und Beschäftigungsförderung, wirtschaftliche Stabilisierung, Demokratisierung sowie die Stabilisierung von Nachbarländern in Krisensituationen.