Zugang zu nachhaltigen Sanitärsystemen und Hygiene verbessern

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Sanitärversorgung für Millionen
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Global; Aktuell in Uganda, Pakistan und Jordanien aktiv
Gesamtlaufzeit: 2016 bis 2022

jordanien-sanitaer

Ausgangssituation

Sanitärversorgung ist laut den Vereinten Nationen (UN) ein Menschenrecht. Dafür hat sich vor allem die deutsche Bundesregierung eingesetzt und sich in ihrem Aktionsplan für Menschenrechte zu dessen Verwirklichung bekannt. Auch in den Nachhaltigkeitszielen (Sustainable Development Goals, SDGs) sind Zugang zu hochwertigen grundlegenden Gesundheitsdiensten und zu Sanitärversorgung sowie eine bessere Abwasserbehandlung verankert. 

Trotz weltweiter Bemühungen hatten 2015 weltweit 4,4 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sicherer Sanitärversorgung, so die UN. Vor allem ärmere Bevölkerungsgruppen sind betroffen. Darüber hinaus sind Trinkwasserquellen noch immer vielerorts durch Fäkalien verunreinigt. An Schulen fehlen oft einfachste sanitäre Anlagen, stellte UNICEF 2018 fest. Rund 900 Millionen Kindern bleibt der Zugang zu sicherer Hygiene deshalb an Schulen verwehrt. 

Die Ursachen hierfür sind vielfältig. Oft fehlen finanzielle Mittel für die Errichtung von Sanitäreinrichtungen und –anlagen. Das gilt gleichermaßen für den öffentlichen wie auch privaten Bereich. Klare Aufgaben und Aufträge für verschiedene Komponenten der Sanitärkette fehlen oder werden nicht durchgesetzt. Konzepte, die Anreize für private Investitionen schaffen, finden häufig keine Anwendung. Außerdem fehlen oftmals notwendige Kompetenzen, um Installations-, Betriebs-, Sanierungs- und Instandhaltungsmaßnahmen sachgerecht durchzuführen. 

Eine besondere Herausforderung stellt die Behandlung von Fäkalien und Fäkalschlamm dar. Häufig fehlt es an Kenntnissen zu sicherem Umgang mit Hygiene. Damit sich die Situation auch für die Menschen der besonders schutzbedürftigen Bevölkerungsgruppen verbessert, sind innovative Mechanismen zur Finanzierung notwendig, weil deren Einkommen oftmals nicht ausreicht. Auch Eigentumsfragen der entstehenden Anlagen sind für die Finanzierungspartner*innen zu klären. 

Ziel

Benachteiligte und schutzbedürftige Bevölkerungsgruppen verfügen über einen Zugang zu sicherer Sanitärversorgung und Hygiene. Vor allem der Zugang zu adäquater Sanitärversorgung in öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Gesundheitseinrichtungen und Moscheen ist verbessert.

Construction of new toilets and handwashing facility  (Quetta, Pakistan),

Vorgehensweise

Um die Wirkung und Sichtbarkeit der deutschen Entwicklungszusammenarbeit (EZ) in der Sanitärversorgung zu steigern, ist 2016 die Initiative „Sanitation for Millions“ entstanden. Das weltweite Vorhaben ist Plattform für die Zusammenarbeit internationaler Geber und wirbt weitere Partner für die Förderung und Umsetzung an. Regionale Schwerpunkte orientieren sich bislang an den Hauptaufnahmeländern von Menschen auf der Flucht und Ländern, die stark von Binnenflucht und inneren Auseinandersetzungen betroffen sind. Derzeit setzt das Vorhaben Maßnahmen in Jordanien, Uganda und Pakistan um. Geplant ist, die Aktivitäten auszuweiten. 

Die Arbeit von Sanitation for Millions mit Partnern ist an die Situation jedes Landes angepasst, um den langfristigen Erfolg von Wirkungen zu sichern und politische Verankerung im Partnerland sicherzustellen. Das Vorhaben arbeitet in einigen Ländern mit mehreren politischen Partner*innen zusammen, vor allem mit nationalen Ministerien und Behörden im Bereich Wasser- und Sanitärversorgung, Bildung, Gesundheit; Sicherheit, Stabilität und Religion sowie kommunalen Behörden. Um eine effektive Umsetzung sicherzustellen, arbeitet Sanitation for Millions auch mit Nicht-Regierungsorganisationen (NRO), Verbänden und der Privatwirtschaft zusammen. 

In Jordanien unterstützt das Vorhaben den Pfadfinderverband beim Thema Bewusstseins- und Bildungsmaßnahmen. Mit der NRO Days for Girls verbessert das Projekt die Menstruationshygiene in Uganda. In Pakistan arbeitet das Vorhaben eng mit dem Balochistan Rural Support Programme (BRSP) und der Bremer Arbeitsgemeinschaft für Überseeforschung und Entwicklung (Bremen Overseas Development Association, BORDA). Hier geht es vor allem um Planung und Bau von dezentralen Abwasseraufbereitungsanlagen. In Pakistan und Uganda führt das Vorhaben außerdem Schulwettbewerbe und Kampagnen mit der German Toilet Organisation e.V. (GTO) durch. Diese fördern die Eigeninitiative, um Betrieb und Instandhaltung von Sanitäreinrichtungen umweltverträglicher zu gestalten und die Hygienepraktiken von Schüler*innen zu verbessern. Besondere Berücksichtigung bei den Aktivitäten des Vorhabens finden die Bedürfnisse von Frauen und Mädchen sowie von Menschen mit Beeinträchtigungen. Beispielsweise wird bei der Bereitstellung von Sanitärinfrastruktur besonders auf barrierefreien Zugang geachtet. 

Neben dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) erhält Sanitation for Millions finanzielle Unterstützung von der Bill & Melinda Gates Stiftung, dem britischen Solidaritätsfond Water Unite und dem ungarischen Ministerium für Äußere Angelegenheiten und Außenhandel.

Handwashing routines at a  group handwashing facility Gabba Uganda

Wirkung

In allen drei Umsetzungsländern wurde die Verbesserung von Sanitärversorgung und Hygieneverhalten an Schulen politisch priorisiert. Die Situation hat sich spürbar verbessert: 

  • In Pakistan gibt es an Schulen, die zuvor weder über Toiletten noch Wasser verfügten, saubere Schultoiletten und Trinkwasserspender. 
  • In Uganda hat sich der Zustand der Toiletten sowie die Anzahl von Toiletten pro Schüler*in deutlich verbessert. 
  • In Jordanien konnte Zugang auch für Menschen mit Behinderungen geschaffen werden. 
  • Erfolge gibt es auch beim Betrieb und der Wartung. Von den verbesserten Konzepten profitieren nicht nur die Einrichtungen, an denen das Projekt aktiv war, sondern auch die, in denen andere Geber oder die Partner*innen selbst aktiv sind. 
  • Sauberhaltung und Instandhaltung konnten erheblich verbessert werden. 
  • Beispiele für Leistungen des Projekts sind das Inklusionskonzept für Schulen in Jordanien, die Ausbildung von Personal von Basisgesundheitszentren und Schulen in Pakistan, die Entwicklung von angemessenen Designs für Sanitäranlagen in Uganda sowie entsprechende Bau- und Sanierungsmaßnahmen an Schulen, Kliniken wie auch Moscheen. 
  • Bis Mai 2019 wurden insgesamt mehr als 200.000 Menschen durch Neubau, Erweiterung und Sanierung von sanitären Anlagen an öffentlichen Einrichtungen erreicht. 
  • Das Vorhaben hat 810 Menschen zu den Themen Betrieb und Instandhaltung trainiert. Das kommt indirekt circa 400.000 Menschen zugute.
  • Von Trainings und Maßnahmen zur Hygienesensibilisierung in Schulen, Moscheen, Sommercamps und Gemeinden profitieren weltweit mehr als 300.000 Menschen.
  • Mit der Bill & Melinda Gates Stiftung, dem ungarischen Ministerium für Äußere Angelegenheiten und Außenhandel,  (BMGF) und Water Unite hat das Vorhaben neue Finanzierungspartner gewonnen.

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