Sport für Entwicklung

Projektkurzbeschreibung

Projektbezeichnung: Sektorvorhaben “Sport für Entwicklung”
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Afghanistan, Brasilien, Kolumbien, Namibia, Palästinensische Gebiete
Gesamtlaufzeit: 2012 bis 2018

Kabul, Afghanistan. Chancengleichheit, sich gemeinsam bewegen – kein Alltag in Afghanistan. Bei einem Sportfestival, das die deutsche Entwicklungszusammenarbeit in Kooperation mit dem Deutschen Fußball-Bund e.V. (DFB) ausgerichtet hat, begegnen sich afgha

Ausgangssituation

Sport wirkt sozialintegrativ, bewegt und bildet. Wie kaum ein anderer Bereich reicht Sport mit seinen professionellen und ehrenamtlichen Strukturen in alle gesellschaftlichen Sphären hinein, ermöglicht Teilhabe und schafft ein Zusammengehörigkeitsgefühl über ethnische und soziale Grenzen hinweg.

Weltweite Anerkennung erhielt das Thema „Sport für Entwicklung“ zum ersten Mal 2001: Die Vereinten Nationen (VN) ernannten den ersten Sonderbeauftragten für „Sport für Entwicklung und Frieden“. Zwei Jahre später folgte die Anerkennung von „Sport als Mittel der Förderung von Bildung, Gesundheit, Entwicklung und Frieden“ (VN-Resolution 58/5). Um ein öffentliches Bewusstsein für die Bedeutung von Sport zu schaffen, erklärten 2013 die VN den 6. April zum Internationalen Tag des Sports für Entwicklung und Frieden. Auch die Agenda 2030 bekräftigt den Beitrag, den Sport zur Umsetzung der Ziele für nachhaltige Entwicklung leisten kann, zum Beispiel durch die nachhaltige Nutzung von Ressourcen oder die Inklusion von Menschen mit Behinderung.

Sachkundig eingesetzt, kann sich Sport vor allem bei der Förderung von Kindern und Jugendlichen positiv auswirken. Sie lernen faires und tolerantes Verhalten kennen, stärken ihr Selbstwertgefühl und entwickeln die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Sport vermittelt außerdem sogenannte Life Skills – Fähigkeiten, die dabei helfen, schwierige Lebenssituationen zu meistern und Perspektiven für die eigene Zukunft zu entwickeln. Dieses Potenzial hat die deutsche Bundesregierung erkannt und setzt auf „Sport für Entwicklung“ als Querschnittsthema der deutschen Entwicklungszusammenarbeit (EZ) mit Bezügen zu anderen entwicklungspolitischen Zielen, unter anderem Bildung, Gesundheitsförderung, Gewaltprävention, Konfliktbearbeitung, berufliche Bildung, Gleichstellung der Geschlechter, Organisationsentwicklung, Inklusion oder die Integration von Flüchtlingen.

Ziel

Sport wird in der Entwicklungszusammenarbeit verstärkt als Instrument für Mobilisierung, Sensibilisierung und Integration eingesetzt und gilt als innovatives Thema, das Impulse für Veränderungen und nachhaltige Entwicklung gibt – sowohl individuell als auch gesellschaftlich.

Shuafat, Palästinensische Gebiete. Zukunft gestalten – Kinder und Jugendliche sind in fast allen Entwicklungsländern die Bevölkerungsmehrheit – und entscheidend für die Zukunft ihres Landes. Sport lehrt soziale Kompetenzen und Werte, vermittelt Alltagsfäh

Vorgehensweise

Sport wird in der deutschen EZ seit vielen Jahren als Instrument zur Mobilisierung, Sensibilisierung und Integration genutzt. Ziel ist es, Sport als Mittel der EZ langfristig und strukturell zu verankern. Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) setzt die GIZ das Vorhaben „Sport für Entwicklungsmaßnahmen“ um.

Schwerpunkte sind inhaltliche und strategische Politikberatung, Weiterentwicklung des deutschen Beitrags zu „Sport für Entwicklung“ mit langfristiger nationaler und internationaler Positionierung, wissenschaftliche Begleitung sowie Monitoring und Evaluation, um Erfahrungen aufzuarbeiten und Wirksamkeit zu messen. In ausgewählten Partnerländern, derzeit Afghanistan, Brasilien, Kolumbien, Namibia und die Palästinensischen Gebiete, werden Maßnahmen umgesetzt.

In den Partnerländern entwickelt die GIZ gemeinsam mit Partnern aus dem organisierten Sport, wie dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), dem Deutschen Fußball-Bund e.V. (DFB) und lokalen Partnerorganisationen, partizipative Methoden sowie Lehr- und Lernmittel zum Einsatz von Sport für entwicklungspolitische Ziele, beispielsweise das Handbuch „Kicking Youth Competencies“ zur Förderung von Kompetenzen Jugendlicher durch Sport in den Palästinensischen Gebieten. Multiplikatoren und Lehrpersonal werden zielgerichtet ausgebildet, zum Beispiel Sportlehrerinnen an Mädchenschulen in Afghanistan.

Über den Sport können neue Partner für die deutsche EZ gewonnen werden. Die GIZ arbeitet mit Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen zusammen, mit Akteuren aus Sport, Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft sowie mit internationalen Organisationen, die Sport bereits erfolgreich zur Entwicklungsförderung von Jugendlichen einsetzen.

Wirkungen

Afghanistan und Namibia. Die Stärkung von Mädchen und jungen Frauen steht in den Vorhaben im Vordergrund. In Kooperation mit dem afghanischen Bildungsministerium wurden bislang knapp 100 Sportlehrerinnen und -lehrer an Mädchenschulen ausgebildet sowie ein spezielles Schulcurriculum entwickelt. In Namibia wurden Entwicklungsmöglichkeiten für Mädchen und junge Frauen durch den Bau eines Mädchenzentrums auf dem Gelände des Namibischen Fußballverbandes (NFA) in Windhuk geschaffen. Das Zentrum wird als geschützter Raum zum Sporttreiben und Lernen genutzt. Weiterbildungsangebote zu Tourismus, mit Partnern aus der Wirtschaft, ergänzen das Portfolio. Sportangebote wie Fußball und Basketball werden unter anderem zur gesundheitlichen Aufklärung und HIV-Prävention genutzt und mit einem Life-Skills-Training verbunden.

Kolumbien und Brasilien. Gewaltprävention, friedliche Konfliktlösung und die Reintegration von Binnenflüchtlingen stehen in Kolumbien im Fokus. Mit einem speziell entwickelten Handbuch wird gesellschaftliche Aussöhnung durch Sport unterstützt. In Kolumbien wurden bislang 100 Lehrerinnen und Lehrer sowie 160 Trainerinnen und Trainer ausgebildet, 15 Frauen und Männer wurden für die Ausbildung von Trainern qualifiziert. Rund 15.000 Kinder und Jugendliche wurden dadurch erreicht. Auch in Brasilien werden Gewaltprävention und Jugendförderung verfolgt, vor allem in Brennpunktschulen und benachteiligten Wohngebieten, wo bislang rund 30.000 Kinder und Jugendliche von den Maßnahmen profitiert haben.

Palästinensische Gebiete. Sport wird zur Förderung von Berufsbildung und Arbeitsmarktbefähigung eingesetzt. Er soll dazu beitragen, berufliche Bildung attraktiver zu gestalten, und damit gleichzeitig weitere Programme und Trainingseinheiten der deutschen EZ zur beruflichen Bildung unterstützen. Sachkundig eingesetzt kann Sport ein Instrument sein, um persönliche und soziale Fähigkeiten, sogenannte Soft Skills, wie Teamwork, Kommunikation und Entscheidungsfähigkeit zu schulen – grundlegende Werte für die berufliche Entwicklung. In verschiedenen Summer Schools konnten bislang über 2.000 Jugendliche erreicht werden.

Britta Heidemann, erfolgreiche deutsche Fechterin, unterstützt als Botschafterin „Sport für Entwicklung“ die entwicklungspolitischen Anliegen des BMZ und des DOSB. Sie nutzt ihre Bekanntheit, um die Öffentlichkeit und die Welt des Sports für dieses Thema und für nachhaltige Entwicklung zu sensibilisieren. Bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro hat Britta Heidemann beispielsweise Sportprojekte der deutschen EZ besucht und darüber in den Medien berichtet. Sie hat am Zukunftskongress des BMZ 2016 teilgenommen, um als Podiumsteilnehmerin für das Thema zu sensibilisieren.

Salvador da Bahía, Brasilien. Alle für einen – Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit vermittelt über Sport und Bewegung Life Skills und regt Lernprozesse zu Themen wie Umwelt, Geschlechtergerechtigkeit oder Gesundheit an. Sport motiviert Kinder und Juge