Cash for Work: Produktion und Vermarktung von Handwerk und Handarbeiten

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Cash for Work: Produktion und Vermarktung von Handwerk und Handarbeiten
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Türkei
Politischer Träger: Prime Minister's Office
Gesamtlaufzeit: 2016 bis 2019

ein Syrer absolviert ein on-the-job-Training in einem Privatunternehmen in Kooperation mit der GCI

Ausgangssituation

Dier Türkei hat seit Beginn der Krise in Syrien mehr als 3,5 Millionen syrische Flüchtlinge aufgenommen – somit ist die Türkei das größte Aufnahmeland von Flüchtlingen weltweit. Ein Großteil von ihnen ist in den urbanen Regionen der Türkei untergekommen. Viele Kommunen sind mit der Aufnahme der Flüchtlinge überlastet. Neben den Basisdienstleistungen, die ihnen vom türkischen Staat bereitgestellt werden, fehlen den meisten Flüchtlingen Möglichkeiten, ein Einkommen und berufliche Qualifizierungen zu erwerben. So dass sie dann auf informelle Beschäftigung unter teils prekären Bedingungen ausweichen. Mangelnde Türkischkenntnisse sind ebenso ein Hindernis für den dauerhaften Zugang zum türkischen Arbeitsmarkt.

Viele Syrer haben einen Kleinstbetrieb eröffnet. Doch fehlen ihnen die finanziellen Mittel und Kenntnisse, um den Betrieb bei den Behörden zu registrieren. Sie riskieren dadurch eine Schließung.

Ziel

Die wirtschaftlichen Lebensbedingungen der syrischen Flüchtlinge und der bedürftigen türkischen Bevölkerung in den Aufnahmegemeinden sind temporär verbessert.

syrische und türkische Frauen in einem Konditoreikurs in einer Volkshochschule in Bursa

Vorgehensweise

In berufsvorbereitenden Maßnahmen werden syrische Flüchtlinge und besonders bedürftige einheimische Bewohner für den türkischen Arbeitsmarkt im Handwerk oder Diestleistungsbereich ausgebildet. Die Trainings orientieren sich am Arbeitsmarkt der jeweiligen Provinz. So werden zum Beispiel viele Kurse im Textilsektor angeboten, der sehr bedeutsam für die türkische Industrie ist. Frauen fragen vor allem Kursangebote nach, die ihnen anschließend eine Selbständigkeit ermöglichen oder von Zuhause ausgeübt werden können, wie beispielsweise als Köchin, Konditorin und im Catering, als Kindergärtnerin, Schneiderin oder in der Herstellung von Teppichen und Kunsthandwerk.

Männer bevorzugen eher Weiterbildungen in Berufen, die von der Industrie nachgefragt werden, beispielsweise als Spengler, Tischler, Mechaniker, in der Elektrotechnik, dem IT-Bereich, der Kühl- und Heizanlagenwartung, Werkstoffprüfung und Labortechnik.

Die berufsvorbereitenden- und begleitenden Maßnahmen verbessern den Zugang von syrischen Flüchtlingen und bedürftigen türkischen Bürgern mit beruflichen Vorkenntnissen zum Arbeitsmarkt. Für die Teilnahme wird ein finanzieller Zuschuss gezahlt. Dadurch wird vermieden, dass sie unter prekären Bedingungen im informellen Arbeitsmarkt tätig sein müssen. Die syrischen Teilnehmenden besuchen Türkischkurse und lernen die Arbeitskultur in der Türkei kennen.

In einem Pilotprojekt mit der Industriekammer Gaziantep werden 1.400 Menschen in unterschiedlichen bedarfsorientierten Berufsparten qualifiziert und werden im Anschluss in Privatunternehmen für ein sechsmonatiges „On-the-job-Training“ vermittelt.

Wirkungen

Bislang haben rund 11.800 Männer und Frauen in zwölf Provinzen an ungefähr 400 Trainings teilgenommen. Darunter sind rund 5.000 Menschen, die in den staatlichen Volkshochschulen weitergebildet wurden. Die von türkischen und syrischen Teilnehmenden gemeinsam besuchten Kurse werden sehr positiv bewertet. Diese fördern nicht nur Kenntnisse, Fähigkeiten und Talente und somit Aussichten auf Beschäftigungen. Sie tragen auch maßgeblich zum Abbau von Vorurteilen und einem besseren Verständnis zwischen Syrern und Türken bei – Freundschaften entstehen.

Syrer erlernen das Schuhhandwerk in Yayladagi, Hatay

Von den rund 1.000 Kursabsolventen aus dem Pilotprojekt mit der Industriekammer Gaziantep wurden bereits rund 70 Personen erfolgreich an Unternehmen für ein „On-the-job-Training“ vermittelt. Die Teilnehmenden erhalten für die Dauer der Beschäftigung eine Arbeitsgenehmigung und sind sozialversichert.

In Gaziantep wurden zudem 310 syrische bislang nicht lizenzierte Kleinbetriebe registriert. Damit konnten die Geschäftsinhaberinnen und -inhaber nicht nur bessere Lieferbedingungen aushandeln, sondern hochwertigere Ware bestellen und legal Beschäftigte einstellen. (Stand August 2018)