Sport für Entwicklung

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Austausch, Bildung und Konfliktbearbeitung durch Sport für Entwicklung
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Länder: Jordanien, Irak
Politischer Träger: Jordanien: Ministry of Education; Irak: Ministry of Planning of the Kurdish Regional Government
Gesamtlaufzeit: 2016 bis 2019

Sport für Entwicklung: Jordanien und Nordirak. Fußballtraining im Zaatari-Flüchtlingscamp. © GIZ

Ausgangssituation

Durch den Krieg in Syrien und die Ausbreitung der Terrororganisation Islamischer Staat wurden seit 2011 mehrere Millionen Menschen aus ihrer Heimat vertrieben. In Jordanien wurden zum ersten Halbjahr 2016 offiziell 655.000 syrische Flüchtlinge registriert – die Dunkelziffer ist schätzungsweise doppelt so hoch. In den Irak sind 2016 etwa eine Viertelmillon Menschen geflohen. Dazu kommen 46.000 irakische Staatsbürger, die aus Syrien in ihre alte Heimat zurückkehren mussten. Zusätzlich sind mehr als drei Millionen Binnenvertriebene im Irak auf der Flucht.

In Jordanien und im Irak lebt die Mehrzahl der geflüchteten Menschen in Aufnahmegemeinden außerhalb der Flüchtlingslager. In manchen Städten, beispielsweise im nordirakischen Dohuk, hat sich die Einwohnerzahl seit 2011 daher verdoppelt. Dies bedeutet große Herausforderungen. Alle Bevölkerungsgruppen müssen Zugang zu medizinischer und allgemeiner Grundversorgung erhalten. Zum Abbau von Spannungen muss das Angebot an psychosozialer Unterstützung, Bildung und Freizeitaktivitäten ausgebaut werden. Traumatisierte Menschen, vor allem Kinder und Jugendliche, benötigen professionelle Beratung und Unterstützung. Vielfach haben lokale Behörden und Schulen die Grenzen ihrer Leitungsfähigkeit erreicht. So arbeiten viele Lehrer in doppelten Schichten und unterrichten jordanische und syrische Kinder vormittags und nachmittags.

Ziel

In irakischen und jordanischen Flüchtlingscamps und Aufnahmegemeinden treiben Binnenvertriebene, Flüchtlinge und Einheimische im Alter zwischen 8 und 24 Jahren in einer sicheren Umgebung gemeinsam Sport. Neben den sportlichen Fähigkeiten werden Respekt, Toleranz, Disziplin, Empathie, Fair Play und Selbstvertrauen gefördert.

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Vorgehensweise

Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt die GIZ lokale Organisationen bei der Einführung von Sportangeboten in irakischen und jordanischen Flüchtlingscamps und Aufnahmegemeinden.

Das Projekt fördert mit fundierten pädagogischen Methoden die körperliche und mentale Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Es wendet sich auch an benachteiligte und gehandicapte junge Menschen. Mädchen und junge Frauen sollen ebenfalls am Sportangebot teilhaben. Das Projekt arbeitet nach dem Do-No-Harm-Konzept, das heißt, alle Maßnahmen werden konfliktsensibel geplant und gestaltet. Einheimische Trainer, Sportlehrer und Sozialarbeiter werden geschult, um die vielfältigen Entwicklungspotenziale des Sports zu erkennen und sportliche Aktivitäten künftig zur gezielten Förderung von Werten und sozialen Kompetenzen einzusetzen.

Freier Zugang zu Sportaktivitäten ist in der Region nicht selbstverständlich. Die Teilnahme trägt auch zu einem selbstbestimmteren Leben bei. Teamsport eröffnet neue Wege: Soziale Treffpunkte entstehen und junge Menschen unterschiedlicher Herkunft lernen sich kennen – Konfliktprävention und Hoffnung für eine friedliche Zukunft.

Die GIZ entwickelt mit der Jordan Football Association (JFA), dem Asian Football Development Project (AFDP) und der University of Jordan ein Trainingskonzept zur physischen und mentalen Unterstützung von syrischen Flüchtlingen und der jordanischen Jugend. Das Konzept stützt sich auf Erfahrungen aus Projekten in Südafrika, Kolumbien und Brasilien.

Wirkungen

Durch die Beteiligung der GIZ erhalten junge Menschen an mehr als 60 Schulen und über 40 Gemeinden Zugang zu Sportaktivitäten. Mit dem Ansatz „Sport für Entwicklung“ erreicht das Projekt über 10.000 Kinder und junge Menschen in Jordanien, vorwiegend in den Provinzen Amman, Irbid, Mafraq and Zarqa. Etwa 65.000 Kinder und junge Menschen in 6 Flüchtlingscamps und 6 Jugendzentren in den nordirakischen Bezirken Dohu (Stadt), Saxo und Sumel profitieren ebenfalls von den Sportaktivitäten.

Der Ansatz „Sport für Entwicklung“ trägt nachhaltig zur psychosozialen Betreuung, Gewaltprävention und zur Konfliktbewältigung bei. In mehrstufigen Fortbildungsmaßnahmen schult das Projekt 240 Lehrer und Trainer in der Anwendung von Sportaktivitäten. Die Hälfte der Schulungsteilnehmenden ist weiblich.

Maryana Haddad (21) spielt für die jordanische Fußballnationalmannschaft der Frauen. Nachdem sie Lehrgänge des Programms „Sport für Entwicklung“ absolviert hat, gibt Haddad den Ansatz in eigenen Schulungen weiter. „Mir wurde schnell bewusst, wie groß das Potenzial des Vorhabens ist. In Jordanien ist der Ansatz neu, professionelles Fußballtraining gezielt mit Persönlichkeitsentwicklung zu verbinden. So macht es viel mehr Spaß, mit den Kindern zu arbeiten und ihre Entwicklung zu beobachten, unabhängig von ihrer Nationalität, ihres Alters oder ihres Geschlechts. Als Trainerin lerne auch ich viel über meine Rolle als Vorbild für die Kinder – sowohl auf als auch neben dem Platz.“

Sport für Entwicklung: Jordanien und Nordirak. Die Trainerin Maryana bei einem Fußballtraining. © GIZ