Unterstützung bei der sozialen Sicherung zur Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Unterstützung bei sozialer Sicherung, einschließlich Absicherung im Krankheitsfall
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Pakistan
Politischer Träger: Economic Affairs Division (EAD), Ministry of Finance, Revenue and Economic Affairs, pakistanische Regierung
Gesamtlaufzeit: 2016 bis 2020

Ausgangssituation

Die Mehrheit der Menschen in Pakistan muss ihr Leben nach wie vor ohne jeglichen Schutz vor Lebensrisiken wie Krankheit, Erwerbslosigkeit, Altersarmut oder Verlust von Eigentum bestreiten.  Siebzig Prozent der wirtschaftlichen Probleme, mit denen arme Haushalte konfrontiert sind, stehen im Zusammenhang mit Ausgaben für Gesundheitsleistungen. Diese stellen für viele Haushalte eine doppelte Belastung dar, da sie einerseits die Beschäftigungsfähigkeit und Produktivität und andererseits das verfügbare Einkommen verringern. Die von den Bürgerinnen und Bürgern selbst aufgebrachten Ausgaben machen 56,3 Prozent der gesamten pakistanischen Gesundheitsausgaben aus und gehören zu den höchsten in der Region. Ohne eine Absicherung durch ein soziales Sicherungssystem sind insbesondere Arbeitnehmer im informellen Sektor einem höheren Armutsrisiko ausgesetzt, wenn ihnen unvorhergesehene Kosten entstehen oder sie einen plötzlichen Einkommensverlust erleiden. Die meisten Lohnempfänger arbeiten unter prekären Bedingungen mit geringer oder gar keiner Beschäftigungssicherheit, niedrigen Löhnen und Defiziten bei der Mitarbeiterbeteiligung und der sozialen Sicherung. Dreißig Prozent der arbeitenden Bevölkerung werden als „Erwerbsarme“ eingestuft. Die pakistanische Regierung führt auf der Grundlage von staatlichen Transferzahlungen soziale Sicherungssysteme ein, um die Lebensgrundlage der von der Armut betroffenen oder bedrohten Bevölkerungsgruppen zu erhalten. Sie fördert auch beitragsbezogene Zahlungen, um die Bevölkerung besser vor weiteren Lebensrisiken zu schützen, sowie neue Programme, um den Menschen die Möglichkeit zu verschaffen, sich produktiv an der Entwicklung zu beteiligen.

Ziel

Die pakistanische Regierung erleichtert den Zugang zu bedarfsgerechten sozialen Sicherungsdienstleistungen, insbesondere für Menschen, die in Armut leben und von dieser bedroht sind.

Vorgehensweise

Das Projekt berät seine Partner auf Landes- und Provinzebene bei der Entwicklung von Strategien und unterstützt in den Provinzen Punjab und Khyber Pakhtunkhwa die Umsetzung von staatlichen Initiativen der sozialen Sicherung. Es fördert den provinzübergreifenden Informationsaustausch auf nationaler Ebene, unterstützt staatlich gelenkte Reformen, erleichtert den Kapazitätsaufbau von Durchführungsorganisationen und stärkt den strukturellen Rahmen für die wirksame Anwendung von nachhaltigen Lösungen für die soziale Sicherung.

Das Projekt ist in drei zentralen Handlungsfeldern tätig:

  • Gestaltung von Systemen zur Stärkung der sektorübergreifenden Zusammenarbeit bei Initiativen der sozialen Sicherung auf Provinzebene.
  • Unterstützung der Partner bei der Umsetzung von Programmen der sozialen Sicherung, insbesondere durch die Steigerung der Handlungsfähigkeit von relevanten Akteuren auf Provinz- nd Distriktebene. Zur Verbesserung des Zugangs zu sozialen Sicherungssystemen, unterstützt das Projekt in Khyber Pakhtunkhwa den Ausbau der vorhandenen Programme und die Einrichtung von sogenannten Single Window Service (SWS) Centers, während es in Punjab die Integration von Sozialhilfeleistungen in die bestehenden Bürgerzentren fördert.
  • Provinzübergreifende Austausch- und Lernprozesse, um die Akteure auf nationaler und regionaler Ebene dazu zu ermutigen, sich am Dialog und am gegenseitigen Lernen im Bereich der sozialen Sicherung zu beteiligen. Durch die Einführung von provinzübergreifenden und mehrstufigen Peer-Learning-Gruppen für die SWS Centers sowie von Initiativen der sozialen Gesundheitssicherung unterstützt das Vorhaben das gegenseitige Lernen auf der Grundlage der bei der Planung und Umsetzung gesammelten Erfahrungen und fördert gleichzeitig die Vernetzung, die zur Harmonisierung von Maßnahmen über Provinzgrenzen hinweg beiträgt.

Wirkungen

Der Zugang zu medizinischen Dienstleistungen für schutzbedürftige Menschen und in Armut lebende Bevölkerungsgruppen wurde durch die Einführung eines staatlichen Sozialversicherungssystems verbessert. Seit diese Reformen im Jahr 2016 eingeleitet wurden sind sie mehr als 4,5 Millionen unterversorgten Familien in ganz Pakistan zugutegekommen. Die voll subventionierte Krankenversicherungskarte im Rahmen des Sehat-Sehulat-Programms gibt den Karteninhabern Zugang zu Gesundheitsleistungen an über 450 privaten und öffentlichen Krankenhäusern in 84 Bezirken. Die Regierung wird diese Initiativen nun ausbauen, um 14 Millionen Familien zu erreichen. Das Sehat-Sahulat-Programm hat über 650 politischen Entscheidungsträgern und Führungskräften von Bezirks-, Provinz- und Bundesgesundheitsbehörden, Krankenhäusern und Versicherungsgesellschaften erhebliche Verbesserungen in den Bereichen Gesundheitsmanagement, Gestaltung und Versicherungen ermöglicht. Die Entscheidungen werden inzwischen verstärkt auf Grundlage von Daten getroffen, und das Bewusstsein für die Notwendigkeit eines Risikomanagements im Hinblick auf die finanzielle Nachhaltigkeit von Initiativen haben zugenommen. Mit Unterstützung des Projekts haben staatliche Ausbildungsstätten wie die Health Services Academy Kurzlehrgänge zu den Themen Krankenversicherung und Vertragsmanagement entwickelt.

Es wurden zwei verschiedene SWS-Center-Prototypen entwickelt und von den Distrikt- und Provinzregierungen angenommen. Durch das Registrierungssystem für Begünstigte haben die Bezirksbehörden eine einheitliche Datenbank für alle Dienste und Leistungen der sozialen Sicherung. Die Bezirksämter übernehmen die Koordinierung der Maßnahmen, um den Bedarf der Bevölkerung an sozialen Sicherungsleistungen besser zu decken und Diskrepanzen zu vermeiden.

In Zusammenarbeit mit der Social Protection Authority von Punjab wurde das soziale Sicherungssystem der Provinzen unter Rückgriff auf international entwickelte Bewertungsinstrumente bewertet. Dadurch konnten die multisektorale Koordinierung, die Harmonisierung sowie Überlegungen zur Wirksamkeit der bestehenden Systeme gefördert werden.

Der Austausch zwischen den Provinzen auf nationaler Ebene hat Vertrauen auf allen Seiten aufgebaut. Ferner konnten länderspezifische Erkenntnisse weitergegeben werden, etwa über die Nutzung von internationalen und regionalen Erfahrungen zur Entwicklung von landesspezifischen Lösungen.

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