Kapazitätsentwicklung für das türkische Monitoring-, Berichts- und Verifikationssystem für Treibhausgasemissionen

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Kapazitätsentwicklung zum Aufbau eines Monitoring-, Berichts- und Verifikationssystems (MRV) für Treibhausgasemissionen in der Türkei
Auftraggeber: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU)
Land: Türkei
Politischer Träger: Ministerium für Umwelt und Stadtentwicklung der Republik Türkei (MoEU)
Gesamtlaufzeit: 2013 bis 2020

Panel “New Climate Regime - From Paris to Antalya” Ankara May 2016

Ausgangssituation

Die Türkei ist in Annex I der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC) aufgeführt und gilt somit als Industrieland im Übergang zur Marktwirtschaft. Als solches hat das Land jedoch kein verbindliches quantifiziertes Emissionsreduktionsziel. Zwar hat die Türkei 2016 das Pariser Klimaschutzabkommen unterzeichnet, doch die Ratifizierung steht noch aus. In dem Dokument zum angestrebten nationalen Klimaschutzbeitrag (INDC) der Türkei wird betont, dass „die Türkei bei Maßnahmen gegen den Klimawandel finanziellen und fachlichen Einschränkungen unterliegt“. Wie andere Länder sieht auch die Türkei Technologietransfer, Capacity Development und finanzielle Unterstützung als Voraussetzungen für die Umsetzung von groß angelegten Klimaschutzmaßnahmen an. Auf nationaler Ebene will die Türkei die Kohlendioxidemissionen in bestimmten Wirtschaftszweigen in den Griff bekommen. In der nationalen Klimawandelstrategie für den Zeitraum 2011-2023 und dem entsprechenden nationalen Klimawandel-Aktionsplan (NCCAP) wurden daher entsprechende politische Ziele und Maßnahmen festgelegt, die mit umfangreichen Konjunkturpaketen verbunden sind und sich auf verschiedene Emissionsbereiche beziehen. 

Die Überwachung des THG-Ausstoßes ist für die Emissionsminderungsprozesse entscheidend. Bislang gab es kein leistungsfähiges und belastbares Datenmanagementsystem (DMS) zur Überwachung der industriellen THG-Emissionen in der Türkei. Im Rahmen des Projekts und als Teil der MRV-Infrastruktur wurde ein zweckdienliches DMS eingerichtet. Damit können die zuständigen Behörden verschiedene wichtige statistische Erhebungen durchführen, von den einzelnen Emittenten bis auf die Ebene des gesamten Landes.

Ziel

In der Türkei ist ein MRV-System eingeführt, das eine verlässliche und robuste Datengrundlage zur Ermittlung von Treibhausgasemissionen und damit eine solide Basis für künftige Klimaschutzmaßnahmen bietet.

Dissemination event Ukraine December 2017

Vorgehensweise

Das Projekt ist Teil der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) des Bundesumweltministeriums (BMU). Es umfasst die Beratung des türkischen Ministeriums für Umwelt und Stadtentwicklung (MoEU) sowie die Unterstützung beim Aufbau der notwendigen Infrastruktur für das Monitoring-, Berichts- und Verifikationssystem zur Erhebung und Dokumentation der THG-Emissionen, die in der türkischen Industrie anfallen. Dieses MRV-System fügt sich in den bestehenden Regulierungsrahmen ein, der zum großen Teil auf EU-Leitlinien aufbaut. Die durch das System erhobenen Daten werden für zukünftige Klimaschutzmaßnahmen verwendet, etwa für ein Emissionshandelssystem (EHS).

Im Rahmen des Projekts werden Schulungen und Sensibilisierungsveranstaltungen für Beschäftigte in öffentlichen Einrichtungen und verschiedenen Industriezweigen durchgeführt. Außerdem werden Handreichungen für die Betreiber von Industrieanlagen ausgearbeitet.
Darüber hinaus wurde ein speziell zugeschnittenes webbasiertes MRV-Datenmanagementsystem komplett neu entwickelt, um die Anforderungen aller beteiligten Stakeholder zu erfüllen. Die Kernmerkmale dieses hochmodernen Systems bieten einen großen Gestaltungsspielraum und wurden an die Bedürfnisse und Lernerfahrungen der Akteure angepasst.

Das Projekt fördert den Wissensaustausch mit den Experten im MoEU und verbessert so die Fähigkeit des Ministeriums, das MRV-System als Ganzes zu verwalten und weiterzuentwickeln. Das türkische MRV-System hat in der Region Vorbildcharakter; vor diesem Hintergrund wurden Maßnahmen getroffen, um das System auch in der Ukraine sowie in Tunesien einzuführen.

Mit der Verlängerung des Projekts sind drei neue Komponenten hinzugekommen (2018-2020): Als neuer Sektor wird die Luftfahrtbranche in das bestehende MRV-System aufgenommen. In diesem Zusammenhang werden die fachlichen Anforderungen sowie die Kompetenzen der betreffenden Akteure ermittelt. Die Qualität der vorliegenden Emissionsdaten wird verbessert. Darüber hinaus wird das MoEU bei der Entwicklung von Vorschlägen in Bezug auf Benchmarks für ausgewählte potenzielle EHS-Sektoren unterstützt.

Das Projekt gliedert sich in acht Komponenten:

  1. Datenerhebung zu den THG-Emissionen und Nutzung eines entsprechenden Datenmanagementsystems durch das MoEU
  2. Einführung von sektorspezifischen MRV-Richtlinien für THG-emittierende Industriezweige sowie von zusätzlichen rechtlichen Rahmenbedingungen für MRV
  3. Relevante Akteure übernehmen Verantwortung für die sektoralen Prozesse des MRV-Systems
  4. Beiträge zu politisch-strategischen THG-Minderungsmaßnahmen, zum Beispiel im Zusammenhang mit dem Aufbau eines Emissionshandelssystems
  5. Verbreitung der bei der Entwicklung des MRV-Systems gesammelten Erfahrungen in anderen Ländern
  6. Ermittlung der Voraussetzungen für die Einführung eines MRV-Systems in einem weiteren Sektor (Luftfahrt), und zwar sowohl in fachlicher Hinsicht als auch im Hinblick auf die Kompetenzen der beteiligten Akteure
  7. Erfüllung der EHS-Anforderungen der EU durch die türkischen MRV-Akteure.
  8. Entwicklung von Benchmarks für potenzielle EHS-Sektoren.

Wirkungen

Seit Beginn des Projekts wurden jedes Jahr Seminare für Unternehmen abgehalten, die Monitoringpläne und jährliche Emissionsberichte einreichen müssen. So konnten bisher rund 1000 Teilnehmer die notwendigen Kenntnisse für die Erstellung und Einreichung dieser Pläne und Berichte erwerben. Des Weiteren wurde ein innovatives, speziell zugeschnittenes Datenmanagementsystem entwickelt. Dank seiner Schlüsselmerkmale Transparenz, Präzision und Vergleichbarkeit können mit dem DMS Klimaschutzmaßnahmen gesteuert und die Fortschritte im Hinblick auf die klimaschutzbezogenen Ziele überwacht werden. Die MRV-Akteure können im System miteinander kommunizieren, und es können Monitoringpläne und jährliche Emissionsberichte für Industrieanlagen eingereicht werden.

Es wurden bereits Emissionsdaten für mehr als 700 türkische Industrieanlagen über das DMS eingereicht. Auf diese Anlagen entfallen ca. 50 Prozent der CO2-Emissionen in der Türkei. Das entspricht etwa 250 Mt CO2, die jetzt durch das türkische MRV-System erfasst und überwacht werden.
Es wurde eine Reihe von türkeispezifischen MRV- und DMS-Richtlinien für die Stakeholder erstellt. Die Wirkung des Projekts wird zudem durch eine eigens eingerichtete Website unterstützt, über die Richtlinien und Informationen zu Projektmaßnahmen sowie Neuigkeiten und Meldungen leicht zugänglich sind.

Weiterhin wurden mehrere Veranstaltungen zur Sensibilisierung von Stakeholdern, öffentlichen Einrichtungen und Branchenvertretern durchgeführt. Nach Abschluss des Pariser Klimaschutzabkommens wurde im Mai 2016 in Ankara eine internationale Diskussionsrunde mit hochrangigen Vertretern organisiert. Unter dem Titel „From Paris to Antalya – New Climate Change Regime“ bot die Veranstaltung eine Plattform, um den öffentlichen Sektor, die Zivilgesellschaft sowie Nichtregierungsorganisationen für das Klimaschutzabkommen und die Klimaschutzbeiträge der einzelnen Länder zu sensibilisieren. Ende September 2016 fand in Izmir eine internationale Sommerakademie rund um die Einführung und Verbesserung von MRV-Systemen statt, an der zahlreiche Experten aus vielen Ländern der Region teilnahmen.

Es wurde eine Broschüre mit dem Titel „MRV in Practice – Experience in Turkey with designing and implementing a system for monitoring, reporting and verification of GHG emissions“ erstellt. Darin werden die Erfahrungen und Erkenntnisse vorgestellt, die bei der Einführung eines speziell zugeschnittenen MRV-Systems für die Treibhausgasemissionen des türkischen Energie- und Industriesektors gewonnen werden konnten. Die Broschüre bietet Hinweise zur Gestaltung und Einführung eines effektiven MRV-Systems auf Grundlage der landesspezifischen Anforderungen und zeigt auf, wie sich der DMS-Ansatz mit geringem Aufwand replizieren lässt.

Die Einführung des türkischen MRV-Systems hat als Best-Practice-Beispiel das Interesse anderer Länder der Region geweckt. Aus diesem Grund wurden 2017 und 2018 erfolgreich jeweils ein Workshop mit der Ukraine und einer mit Tunesien durchgeführt.

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