Resiliente und inklusive städtische Entwicklung

Projektkurzbeschreibung

Titel: Resiliente und inklusive städtische Entwicklung (RIUD)

Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) über die Sonderinitiative „Energie- und Klimafonds (EKF)“ gefördert vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB)

Land: Bangladesch

Politischer Träger: Local Government Division of the Ministry of Local Government, Rural Development Cooperatives (MLGRDC)

Gesamtlaufzeit: 2015 bis 2018

© GIZ

Ausgangssituation

Bangladesch ist eines der am stärksten durch den Klimawandel gefährdeten Länder. Gleichzeitig hat das Land eine der höchsten Urbanisierungsraten Asiens: Vermutlich wird sich die Zahl der in Städten lebenden Menschen bis 2050 auf etwa 112 Millionen verdoppeln. Ein wesentlicher Faktor ist dabei die durch den Klimawandel verursachte Landflucht. Experten gehen davon aus, dass die Auswirkungen des Klimawandels Lebensgrundlagen und soziale Netzwerke der Menschen schwächen und gleichzeitig natürliche Lebensräume und Agrarflächen schädigen werden. Erstes und in den meisten Fällen letztes Ziel der neuen städtischen Armen sind die Slums.

Durch den informellen Charakter von Wohnen und Leben in den Armenvierteln, fehlende grundlegende Infrastrukturen und Dienstleistungen sowie sehr eingeschränkte Beteiligung an sozialen, wirtschaftlichen und politischen Entscheidungsprozessen hat die dortige Bevölkerung ausgesprochen ungünstige Voraussetzungen, um die Auswirkungen des Klimawandels zu bewältigen. Stadtverwaltungen und Kommunen sind nur begrenzt in der Lage, angemessen auf die rasante Urbanisierung zu reagieren. Dadurch wird die Gefährdung der Bevölkerung formeller und informeller städtischer Siedlungen durch klimawandelbedingte Katastrophen und andere Stressfaktoren noch verschärft. Hinzu kommt, dass die Entscheider in den Stadtverwaltungen über die Gefahren einer ungeplanten Urbanisierung im Zusammenspiel mit dem Klimawandel zu wenig wissen, und dass die Behörden der Lokalregierung nicht ausreichend finanziert werden, um die Resilienz der Bevölkerung zu stärken.

Ziel

Ausgewählte Städte setzen, aus eigener Initiative und unter aktiver Mitwirkung der armen Bevölkerung, Maßnahmen zur Stärkung der Anpassungsfähigkeit in den städtischen Armutsvierteln um.

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Vorgehensweise

Das Projekt unterstützt die Verwaltungen der Kommunen Sirajganj und Satkhira sowie der Städte Barisal, Khulna und Rajshahi. In jeder Kommune oder Stadt arbeitet das Projekt mit wichtigen Akteuren und betroffenen Bevölkerungsgruppen – Bewohnern, Vertretern der Stadt oder Kommune, Vertretern anderer öffentlicher Einrichtungen, zivilgesellschaftlicher Organisationen und Nichtregierungsorgansationen – an der Planung und Umsetzung geeigneter Maßnahmen in zwei Bereichen:

Unterstützung gemeindenaher Anpassungsmaßnahmen in ausgewählten Armenvierteln.
Das Projekt arbeitet gemeinsam mit Bürgern und Gemeinden an der Verbesserung der Entscheidungs- und Umsetzungsfähigkeit der städtischen Behörden. Es hat der Nachfrage nach einem wirksamen, leicht verständlichen Instrument entsprochen, das den Gemeinden in den Armutsvierteln sowie den Stadtverwaltungen eine gemeinsame Plattform bietet: Ein zweistufiger, partizipativer Gemeindeentwicklungsprozess wurde dazu erarbeitet. Er soll dazu führen, dass die Bewohner der Armutsviertel und die Stadtverwaltungen Maßnahmen künftig professioneller planen und durchführen, beispielsweise durch eine systematische Erfassung der Vulnerabilität, die Priorisierung von Entwicklungsmaßnahmen und eine gemeinsame Durchführungsplanung. Gleichzeitig schärft das Projekt bei den städtischen Entscheidern das Bewusstsein für die klimawandelbedingten Herausforderungen, mit denen arme, ausgegrenzte Bewohner städtischer Armutsviertel konfrontiert sind.

Stärkung der Planungs- und Managementkompetenzen von Stadtverwaltungen und Kommunen.
Das Projekt stärkt die institutionelle Leistungsfähigkeit des politischen Trägers. Dadurch soll die Fähigkeit der Abteilung verbessert werden, Budgetierungs-, Planungs- und Verwaltungsprozesse in den Kommunal- und Stadtverwaltungen zu unterstützen, einschließlich der Berücksichtigung klimarelevanter Maßnahmen und grundlegender Versorgungsleistungen für die Bevölkerung der städtischen Armutsvierteln. Darüber hinaus fördert das Projekt Reformen und Arbeit wichtiger Institutionen, wie der ständigen Ausschüsse der Stadtverwaltungen sowie der Koordinationsausschüsse in Städten und Kommunen. Das Vorhaben führt dazu Fortbildungen für technische Fachkräfte und Verwaltungsfachkräfte durch, sowohl beim politischen Träger als auch in den Institutionen der Lokalregierungen. Ferner unterstützt das Projekt maßgebliche lokale und nationale Akteure dabei, die aus Dialogforen und Studien gewonnenen Erkenntnisse angemessen zu nutzen.

Das Projekt führt Maßnahmen zu Verbesserung von Kompetenzen und Ressourcen in Barisal und Satkhira durch. Themen sind klimaresiliente Katastrophenhilfe, -vorplanung und -vorsorge, Gewässerbewirtschaftung, Planungsprozesse zum Schutz der städtischen Umwelt sowie Planung und Instandhaltung der physikalischen und technischen Infrastrukturen in den beiden Städten. Die Lernerfahrungen aus den Maßnahmen werden an alle fünf vom Projekt geförderten Städte und Kommunen weitergegeben.

Wirkung

In den fünf Partnerstädten haben inzwischen 16.800 Bewohner von Armutsvierteln etwas von den Auswirkungen des Klimawandels auf ihre sozioökonomische Lage erfahren. Sie sind sich der Bedrohung durch natürliche und vom Menschen verursachte Katastrophen sowie der Notwendigkeit von Katastrophenvorsorge stärker bewusst und verstehen das Problem der klimawandelbedingten Landflucht. Außerdem kennen die Bewohner die Rolle der Stadtverwaltungen bei der Entwicklung und wissen, welche Leistungen diese erbringen. Stadtverwaltungen und Bevölkerung haben Interesse an weiteren Sensibilisierungsmaßnahmen bekundet, in denen auf ihre spezifischen lokalen Anpassungsbedarfe eingegangen wird.

Im partizipativen Gemeindeentwicklungsprozess haben bisher etwa 4.000 Haushalte in Rajshahi und Khulna, zusammen mit ihren Ratsmitgliedern und Vertretern der Stadtverwaltung, die Herausforderungen ermittelt und priorisiert, mit denen sie durch den Klimawandel konfrontiert sind. In diesem Prozess wurden mehr als 300 Bewohner aus Armutsvierteln als Vertreter für die gemeinsame Arbeit mit den Mitarbeitern der öffentlichen Institutionen bestimmt. Inzwischen wird die Methodik auf die Armutsviertel der drei anderen Projektstädte übertragen. Im zweiten Schritt des partizipativen Prozesses besuchten jeweils zwei Vertreter aus jeder der fünf Projektstädte Train-the-Trainer-Fortbildungen. Die Teilnehmenden unterstützen nun die Vertreter der Bewohner von 25 Armenvierteln bei der Entwicklung von Maßnahmen, mit denen die größten der zuvor identifizierten Herausforderungen angegangen werden sollen, unter anderem die Beteiligung der Bewohner an Betriebs- und Wartungsaufgaben.

Auf städtischer Ebene hat das Projekt stadtspezifische Lageberichte für zwei der Partnerstädte fertiggestellt. Sie vermitteln den Verantwortlichen einen besseren Überblick über Regierungsführung und Finanzlage. Die anderen drei Städte erhielten ihre Berichte im ersten Quartal 2017. Mit Unterstützung des Projekts konnten die Städte die zurzeit bestehenden institutionellen Lücken beim Finanzmanagement und beim Bedarf, die Leistungsfähigkeit zu erhöhen, ermitteln.

Zur Schließung dieser Lücken wurden zwei Fortbildungen für öffentliche Vertreter und Mitarbeiter der Stadt entwickelt. Thema einer Veranstaltung ist Finanzmanagement für inklusive und klimaresiliente städtische Entwicklung. Die andere Veranstaltung befasst sich mit Schwierigkeiten bei der Mobilisierung von Steuermitteln. 150 Mitarbeiter in drei Städten haben bisher an den Fortbildungen teilgenommen; weitere 150 Mitarbeiter aus den anderen beiden Städten haben die Fortbildung bis Mitte März 2017 abgeschlossen.

Den fünf Städten steht nun eine Schulungsdatenbank mit Informationen zu 21 relevanten Fächern zur Verfügung, die an 136 Berufsbildungseinrichtungen in Dhaka sowie in den Projektstädten gelehrt werden. Jedes Jahr können 60.000 Personen diese Berufsbildungseinrichtungen besuchen. Die Datenbank enthält außerdem Angaben über Bewerbungsverfahren, Studiengebühren und finanzielle Förderung. Die Informationen sollen bald auch den Bewohnern der Armutsviertel zur Verfügung stehen und in Infotheken der Stadtverwaltungsbüros bekannt gemacht werden.

In verschiedenen Büros der fünf Partnerstädte wurden vielseitige Lernzentren zur Anpassung an den Klimawandel eingerichtet, die mehrere Funktionen übernehmen und einen engen, regelmäßigen Austausch zwischen den Stadtverwaltungen und der Bevölkerung in den Armutsvierteln fördern. Öffentliche Vertreter und Mitarbeiter der Stadt nutzen die Zentren regelmäßig für die Durchführung interner und externer Veranstaltung zur Koordinierung der Entwicklungsmaßnahmen. Die lokale Bevölkerung und die städtischen Mitarbeiter können die in den Zentren zur Verfügung stehenden Lern- und Quellenmaterialien nutzen, wie Akten der Kommunalverwaltung, Richtlinien der Regierung und Lehrmaterial zum Thema Anpassung an den Klimawandel. Darüber hinaus steht Multimediatechnik zur Verfügung, sodass audiovisuelle Schulungsmaterialien und Lehrfilme für das Selbststudium eingesetzt werden können.