Verbesserung der Beschäftigungs- und Einkommenssituation

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Berufliche Qualifizierung für Existenzgründungen in Niger (ProEMPLOI)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Niger
Politischer Träger: Ministère du Plan
Gesamtlaufzeit: 2017 bis 2020

Ausgangssituation

Die Republik Niger nimmt im Index der menschlichen Entwicklung der Vereinten Nationen (2016) den vorletzten Rang ein (187 von 188). Von den 19,9 Millionen Einwohnern (2015) leben knapp 60 Prozent unterhalb der nationalen Armutsgrenze. Bei unverändertem Bevölkerungswachstum ist mit einer Verdoppelung der Bevölkerung etwa alle 20 Jahre zu rechnen. 70 Prozent der nigrischen Bevölkerung sind unter 25 Jahre.

Niger hat sich in den letzten Jahren zu einem der wichtigsten Transitländer für westafrikanische Migranten auf dem Weg nach Nordafrika und Europa entwickelt. Die Regionen Agadez und Zinder liegen auf den Hauptrouten. Hier sind im Zuge der Migrationsökonomie direkte oder nachgelagerte, zum Teil illegale Beschäftigungsmöglichkeiten für die lokale Bevölkerung entstanden. Die Beschäftigungseffekte und die wirtschaftliche Entwicklung in der Region sind sehr fragil und nicht nachhaltig. Die Verabschiedung eines neuen Migrationsgesetzes (2016) und die Kriminalisierung der Migrationsökonomie bedeuten substanzielle Einkommensverluste.

Die nigrische Wirtschaft generiert nicht ausreichend Arbeit für die rasant wachsende junge Bevölkerung. Ein formeller Arbeitsmarkt existiert kaum und beschäftigt lediglich 7 Prozent der Erwerbstätigen, nur 0,5 Prozent der Erwerbsbevölkerung arbeitet in Betrieben mit mehr als fünf Mitarbeitern. Unterbeschäftigung und Erwerbsarmut charakterisieren den nigrischen Arbeitsmarkt. Vor allem Jugendliche sind davon betroffen. Ihnen fehlen ökonomische Perspektiven. Die Beschäftigungs- und Einkommenssituation der nigrischen Bevölkerung ist insgesamt unzureichend.

Ziel

Die Beschäftigungs- und Einkommenssituation der lokalen Bevölkerung in den Regionen Agadez und Zinder ist verbessert.

Vorgehensweise

Das Vorhaben setzt Maßnahmen zur Beschäftigungs- und Wirtschaftsförderung um, ergänzt durch kurzfristige, einkommensschaffende Sofortmaßnahmen. Ziel ist es, der prekären Arbeitsmarkt- und Armutssituation entgegenzuwirken. Das Vorhaben arbeitet mit einem integrierten Ansatz der Beschäftigungsförderung und deckt die drei Säulen, Arbeitsmarktnachfrage, -angebot und -vermittlung, ab. Darüber hinaus trägt es zur Verbesserung der regionalen Rahmenbedingungen bei.

Das Vorhaben verfolgt einen Mehrebenenansatz. Es arbeitet in vier Handlungsfeldern:

  1. Stärkung der regionalen Strukturen und ihrer Gestaltungfähigkeit in der Beschäftigungspolitik
    Der regionaler Dialog und die Koordinierung privater und öffentlicher Akteure werden gestärkt. Das Vorhaben unterstützt die Regionalvertreter und staatliche Ministerien bei der übergreifenden Koordination und Umsetzung beschäftigungsrelevanter Maßnahmen gemäß den regionalen Entwicklungsplänen. Dies ist zudem ein Beitrag zur bisher schleppenden Dezentralisierung. Eine stärkere Beteiligung der lokalen politischen Akteure an zentralen Entscheidungs- und Planungsprozessen wird ebenfalls ermöglicht.
     
  2. Umsetzung beschäftigungsfördernder Cash-for-Work-Maßnahmen
     
  3. Verbesserung des Angebots an Unterstützungsmaßnahmen zur Förderung von Existenzgründungen in Potenzialsektoren
     
  4. Verbesserung des Zugangs von Kleinst- und Kleinunternehmen zu Unternehmensdienstleistungen
    Der ganzheitliche, bedarfsorientierte Ansatz zur Verbesserung von Einkommens- und Beschäftigungsmöglichkeiten umfasst: Ermittlung lokaler Geschäftsmodelle, Sensibilisierung und Schulung sowie nachhaltige Beratungs- und Coachingleistungen.

Wirkungen

Das Vorhaben unterstützt und berät die regionalen Behörden bei der übergreifenden Planung und Umsetzung beschäftigungsrelevanter Maßnahmen. So wurde unter anderem in den Regionen Agadez und Zinder ein Aktionsplan für Beschäftigungsförderung erstellt. Das methodische Vorgehen fördert die aktive Rolle der regionalen Strukturen und schafft eine hohe Identifikation mit der Durchführung und den Ergebnissen. Dadurch stellt das Vorhaben sicher, dass die regionalen Behörden die Beschäftigungsförderung langfristig eigenständig umsetzen.

Die vom Projekt initiierten Cash for Work Maßnahmen haben rund 2.500 jungen Menschen ein zeitweiliges Grundeinkommen gesichert. Zusätzliche Qualifizierungsmaßnahmen erleichtern ihnen zudem den Eintritt in ein langfristiges Arbeitsverhältnis. Da die Arbeiten Erosionsschutz und die Sanierung von öffentlichen Gebäuden wie Schulen und Krankenhäuser umfassen, verbesserte sich die Infrastruktur in der Region.

80 Personen unterschiedlicher Berufsgruppen, zum Beispiel Schneider*innen und Friseur*innen, haben Trainings und eine Grundausstattung erhalten. Dadurch konnten sie ihr Geschäftspotenzial besser nutzen und haben ihr Einkommen erhöht – teilweise um bis zu 116 Prozent.

Die Bedarfsanalyse für Existenzgründer*innen wurde abgeschlossen und die Maßnahmen werden nun gemeinsam mit den Behörden vor Ort umgesetzt.