Ziviler Friedensdienst / Sonderinitiative Flucht: Den Umgang mit gesellschaftlicher Diversität erlernen

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Ziviler Friedensdienst / Sonderinitiative Flucht: Friedenspädagogische Maßnahmen zur Unterstützung in der Überwindung von gesellschaftlichen Polaritäten in der Ostukraine
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Ukraine
Gesamtlaufzeit: 2017 bis 2020

Ausgangssituation

Zwölf Jahre nach der Unabhängigkeit der Ukraine, im November 2013 kündigte die ukrainische Regierung an, das Assoziierungsabkommen mit der EU nicht zu unterzeichnen. Breite Teile der ukrainischen Gesellschaft versammelten sich auf dem Maidan in Kiew. Sie protestierten gegen diese Entscheidung und wandten sich gegen Korruption sowie die Einschränkung der Menschen- und Bürgerrechte. Bei landesweiten Ausweitungen der Proteste kam es zu Gewaltausschreitungen. Nach Bildung einer Übergangsregierung floh der damalige Präsident. Gleichzeitig erstarkten separatistische Bewegungen an der östlichen Landesgrenze. Im März 2014 annektierte Russland die Halbinsel Krim. Die von Russland gestützten Separatisten riefen kurz darauf die Unabhängigkeit der beiden ostukrainischen Regionen Luhansk und Donezk aus, die international nicht anerkannt wurden. Seither kommt es zu offenen Auseinandersetzungen zwischen Separatisten und proeuropäischen Kräften.

Um die beiden abtrünnigen „Volksrepubliken“ folgte ein mit schweren Waffen geführter Krieg. Dabei haben bislang rund 8.000 Menschen ihr Leben verloren, 15.000 bis 20.000 Menschen wurden verletzt und geschätzte zwei Millionen Menschen mussten aus ihrer Heimat fliehen. Sie leben nun als Binnenvertriebene in anderen Landesteilen der Ukraine. Trotz des mit internationaler Unterstützung verhandelten Minsker Abkommens über eine Waffenruhe von 2015 und die Anwesenheit von OSZE-Beobachter/innen an der Konfliktlinie, ist ein Ende dieser gewalttätigen Auseinandersetzung nicht absehbar.

Die Spannungen zwischen der lokalen Bevölkerung und den Binnenvertriebenen, zwischen proeuropäischen und prorussischen  Gruppierungen sowie zwischen der Bevölkerung und den staatlichen Institutionen belasten das gesamtgesellschaftliche Klima. Es bestehen wenig wirtschaftliche Perspektiven und kaum Möglichkeiten oder eine Kultur gesellschaftlicher Mitbestimmung für die Bevölkerung. In vielen Fällen haben zivilgesellschaftliche Organisationen de facto Aufgaben staatlicher Institutionen übernommen. 

Ziel

Der positive Umgang mit Diversität und der Abbau von Vorurteilen und Stereotypen wirkt der gesellschaftlichen Polarisierung in der Ostukraine entgegen. Konflikte zwischen Bevölkerungsgruppen werden zunehmend gewaltfrei und im Rahmen von Dialogprozessen bearbeitet.

Vorgehensweise

Der Fokus des ZFD liegt auf der jungen Generation. Sie wächst in einem extrem angespannten Klima auf, das mit massiven Vorurteilen gegenüber anderen Bevölkerungsgruppen einhergeht. Sie ist aber auch vergleichsweise offen, diese stereotypen Zuschreibungen zu hinterfragen.

Zusammen mit Schulen, außerschulischen Kinder- und Jugendeinrichtungen, zivilgesellschaftlichen Organisationen und staatlichen Behörden werden friedenspädagogische Ansätze entwickelt, die das Gemeinsame betonen und den Wert von Vielfalt verdeutlichen. Darunter können gemeinsame Veranstaltungen wie Summer Camps, Friedensgruppen an Schulen sowie Sport -und Kulturveranstaltungen sein. Austauschplattformen sollen die offene und geschützte Diskussion von Gegensätzen ermöglichen. Pädagog/innen, Sozialarbeiter/innen und Psycholog/innen sowie Mitarbeiter/innen von Verwaltungsbehörden werden entsprechend geschult.

Partizipative Dialogforen sollen die gewaltfreie Bearbeitung von Konflikten in den Gemeinden ermöglichen.