Saubere und zuverlässige Stromversorgung für ländliche Gemeinden

Programmkurzbeschreibung

Bezeichnung: Förderung von Mini-Grids für die Elektrifizierung des ländlichen Raums (Pro Mini-Grids)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Uganda
Politischer Träger: Ugandisches Ministerium für Energie und die Erschließung von bergbaulich geförderten Rohstoffen (MEMD)
Gesamtlaufzeit: 2016 bis 2019

Ausgangssituation

Uganda weist landesweit einen Elektrifizierungsgrad von nur 15 % auf, was eine große Herausforderung für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes und die Armutsminderung darstellt. Der geringe Elektrifizierungsgrad sorgt dafür, dass alltägliche Tätigkeiten wie die Förderung von Wasser mithilfe von Pumpen, die Bewässerung von Feldern, die Arbeit von Frisören, das Aufladen von Mobiltelefonen und zahlreiche Tätigkeiten auf dem Bau mühselig und langwierig sind. Dies ist nicht zuletzt ein Problem für viele Tätigkeiten, denen überwiegend Frauen nachgehen, sowie für die Sicherheit von Frauen. Vor allem die Menschen auf dem Land sind von der Stromversorgung abgeschnitten: So haben 70 % der Ugander im ländlichen Raum keinen Strom, denn der Elektrifizierungsgrad liegt hier nur bei 7 %.

Die nationale Strategie zum Ausbau des Stromnetzes hat zwar dazu geführt, dass die städtischen Ballungsräume jetzt besser mit Strom versorgt werden, doch auf dem Land hat sich nur wenig getan. Auf dem Land greifen die Menschen teilweise auf Heimsolarsysteme (SHS) zurück, doch reicht der mit diesen Anlagen erzeugte Strom nur für eine grundlegende Beleuchtung und das Aufladen von Mobiltelefonen aus. Eine Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung ist dagegen nur mit einer Anbindung an das Stromnetz sowie mit Dieselgeneratoren oder Mini-Grids möglich, für die es wiederum erheblicher Investitionen bedarf. Bisher war das Interesse der Privatwirtschaft an Projekten zum Aufbau einer netzfernen Stromversorgung wegen der unklaren gesetzlichen Rahmenbedingungen und der hohen Investitionskosten allerdings begrenzt. Hinzu kommt, dass ein Masterplan für die Elektrifizierung des Landes fehlt, so dass Entwickler, die staatliche Unterstützung für ihre Projekte in Anspruch nehmen möchten, nicht genau wissen, welche Technologie für welchen Ort am sinnvollsten ist.

Ziel

Mit verbesserten Rahmenbedingungen könnten private Unternehmen auf breiter Basis dezentralisierte Mini-Grids auf der Grundlage erneuerbarer Energien realisieren.

Vorgehensweise

Die Pro Mini-Grid-Strategie umfasst drei Komponenten zur Identifizierung und Unterstützung von geeigneten Projektentwicklern und staatlichen Akteuren. Außerdem sollen die Komponenten den langfristigen Betrieb der Mini-Grids sowie die Replizierung von Projekten in anderen Gebieten sicherstellen.

Komponente 1 „Strategie und Planung“. Bei dieser Komponente arbeitet die GIZ mit MEMD an der Entwicklung einer Mini-Grid-Strategie, in der die Rollen der Stakeholder festgelegt sind und mit der geprüft wird, welche Dörfer im ländlichen Raum Potenzial für den Bau von Mini-Grids bieten. Außerdem wird im Rahmen dieser Komponente berechnet, wie sich eine landesweite Einführung des Projekts auf den Staatshaushalt auswirken würde. Die Methodik des Masterplans sieht eine gemeinsame Entwicklung mit der ugandischen Behörde für die Elektrifizierung des ländlichen Raums (REA) vor. Dabei werden die für eine Förderung in Frage kommenden Dörfer mithilfe eines präzisen technisch-finanziellen Modells identifiziert. So soll gewährleistet werden, dass stets die kostengünstige Technologie eingesetzt wird. Dieses Vorgehen bietet den Entwicklern ferner die Sicherheit, dass künftige Projekte sich nicht negativ auf ihre Konzessionen auswirken.

Komponente 2 „Institutionelle Instrumente“. Für die Auswahl von Akteuren, die für die Vergabe einer Konzession für den Bau und Betrieb von Mini-Grids in Frage kommen, sind bestimmte institutionelle Instrumente erforderlich. Dabei ist vorgesehen, dass die REA mit Unterstützung des Projekts ein transparentes und effizientes Ausschreibungsverfahren entwickelt. Dieses Verfahren soll anschließend zur Identifizierung der Projektentwickler genutzt werden, die am besten für den Bau der Anlagen und die Versorgung der Dörfer mit Strom geeignet sind. Die ugandische Stromregulierungsbehörde ERA soll bei der Anpassung des Konzessionsverfahrens unterstützt werden, damit dieses auch auf kleine Projekte mit vertretbarem Aufwand anwendbar ist. Dies gilt insbesondere für die Einführung angemessener Kontroll- und Compliance-Standards.

Komponente 3 „Technologie und deren Nutzung“. Im Rahmen dieser Komponente wird mithilfe des Ausschreibungsverfahrens ein Konzessionsnehmer für die 15 Pilotdörfer des Projekts ausgewählt. Das ausgewählte Unternehmen wird in den Aufbau von Stromerzeugungskapazitäten investieren und muss als Stromversorger die Verteilung des erzeugten Stroms an die Dörfer gewährleisten. Die REA finanziert die Netzinfrastruktur und vermietet diese an den Konzessionsnehmer. Gleichzeitig sollen im Rahmen eines Berufsbildungsprogramms die technischen und kaufmännischen Kapazitäten für den Betrieb und die Wartung von Mini-Grids aufgebaut werden. In den Dörfern werden die Stromkunden dabei unterstützt, den zur Verfügung stehenden Strom für produktive Zwecke zu nutzen. Dadurch wird die Stromversorgung letztlich nachhaltiger. Steigende Einkommen sollen dazu beitragen, dass die Menschen sich den Strom auch leisten können.

Der wichtigste Faktor für die Gewinnung von privaten Investitionen zur Elektrifizierung des ländlichen Raums besteht darin, den Stromkunden zu vermitteln, dass Strom nicht nur die Möglichkeit bietet, den eigenen Lebensstandard zu heben, sondern vor allem ein Produktionsmittel ist. Denn wenn die Dorfbewohner den Strom für eine wirtschaftliche Tätigkeit nutzen, können sie durch den höheren Mehrwert ihr Einkommen steigern. Damit wird Elektrizität erschwinglicher, so dass der Stromversorger langfristig mehr Strom erzeugen und absetzen kann.

Und was geschieht mit den Mini-Grids, wenn das nationale Stromnetz weiter ausgebaut wird? Die Stromverteilnetze der Mini-Grids sind nach denselben Standards gebaut wie die des nationalen Stromnetzes, so dass eine Einbindung in das nationale Stromnetz möglich ist. Außerdem sind die Stromerzeugungsanlagen transportfähig und können, wenn sie nicht mehr gebraucht werden, einfach in ein anderes netzfernes Dorf gebracht und dort eingesetzt werden.