Elektroschrott in Ghana nachhaltig managen

Projektkurzbeschreibung

Projektbezeichnung: Umweltgerechte Entsorgung und Recycling von Elektroschrott 
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Ghana
Politischer Träger: Ministerium für Umwelt, Wissenschaft und Innovation
Gesamtlaufzeit: 2016 bis 2023

3_E-Waste in Old Fadama

Ausgangssituation

Bevölkerungswachstum, steigender Wohlstand und veränderte Konsumgewohnheiten führen in Ghana zu einer steigenden Nachfrage nach Haushalts- und Unterhaltungselektronik. Ghana ist so zu einem wichtigen Importeur für gebrauchte Elektro- und Elektronikgeräte geworden. Dies trägt dazu bei, die digitale Kluft gegenüber weiter entwickelten Ländern zu überwinden. Andererseits nehmen damit Abfälle von Elektro- und Elektronikgeräten (Elektroschrott) zu. Diese enthalten neben Wertstoffen auch Schadstoffe, deren unsachgemäße Behandlung die menschliche Gesundheit und Umwelt gefährden.

95 Prozent solcher Altgeräte werden in Ghana gesammelt. Allerdings sind sowohl Sammlung als auch Verwertung meist informell organisiert. Das heißt, diese Tätigkeiten sind nicht staatlich reguliert und stehen ungelernten Arbeitskräften offen. Der wichtigste Ort hierfür ist der Schrottplatz von Old Fadama in der ghanaischen Hauptstadt Accra. Dieser ist besser bekannt als „Agbogbloshie“. Der Schrottplatz ist international zum Inbegriff für problematische Verwertung von Elektroschrott geworden. Viele Menschen verdienen hier ihren Lebensunterhalt und nehmen die damit verbundenen Risiken in Kauf. Bisher gibt es nur vereinzelte Recyclingunternehmen, die Umwelt- und Sozialnormen erfüllen. Sie haben höhere Kosten und sind deshalb gegenüber informellen Schrottverwertern benachteiligt, die Schäden für Mensch und Umwelt ignorieren. 

Ziel

Die ghanaische Regierung führt erfolgreich ein System für nachhaltiges Management von Elektro- und Elektroaltgeräten ein.

 

1_Sammler

Vorgehensweise

Um die Voraussetzungen für den nachhaltigen Umgang mit Elektro- und Elektronikaltgeräten zu verbessern, setzt das Vorhaben in drei Bereichen an: Es kombiniert Politikberatung mit der Stärkung der Recyclingwirtschaft und unterstützt informelle Recycling-Werkstätten dabei, sich zu formellen Kleinunternehmen zu entwickeln.

Im Bereich der Politikberatung unterstützt das Projekt das ghanaische Umweltministerium dabei, seine Vorgaben zu Elektronikabfällen umzusetzen. Dazu gehört es, Finanzierungsmechanismen für den nachhaltigen Umgang mit Elektroschrott zu entwickeln. Zudem wird das Ministerium dabei unterstützt, diesen Wirtschaftsbereich besser zu steuern. Dabei geht es einerseits um die verbesserte Zusammenarbeit mit anderen staatlichen Stellen. Andererseits soll sich der Austausch mit der Privatwirtschaft, den Kommunen, mit Nichtregierungsorganisationen sowie Vertreter*innen der informellen Recyclingwirtschaft verbessern.

Die Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft stärkt die Interessensvertretung der Recyclingunternehmen. Dabei werden die Unternehmen dabei unterstützt, innovative und finanziell tragfähige Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln. Dies eröffnet auch Chancen für Startups.

Bei der Arbeit in der informellen Recyclingwirtschaft steht der Schrottplatz von Old Fadama im Mittelpunkt. Dort sollen Austausch und Beratung zeigen, wie der Übergang zu einem nachhaltigen Recyclingpark mit stärker geregelten Strukturen partizipativ gelingen kann.  

Bei der Umsetzung des Vorhabens unterstützen das World Resources Forum sowie das Öko-Institut die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH. Das Projekt ist Teil eines Programms, das gemeinsam mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) umgesetzt wird. 

Wirkungen

  • Das ghanaische Ministerium für Umwelt, Wissenschaft und Innovation nutzt Beratung und internationalen Austausch zur Entwicklung geeigneter Umsetzungsverordnungen in der Elektroabfallpolitik und deren effektiver Umsetzung.
  • Der vom Ministerium organisierte Austausch mit den betroffenen gesellschaftlichen Gruppen fördert das gegenseitige Verständnis zu Herausforderungen und führt zu gemeinsam entwickelten konkreten Lösungsansätzen.
  • Die neu gegründete Vereinigung der formellen Recyclingunternehmen bündelt die Interessen seiner Mitglieder und wird von der ghanaischen Regierung als offizieller Interessensvertreter anerkannt.
  • In dem auf dem Schrottplatz Old Fadama eingerichteten Bildungszentrum finden regelmäßig Kurse für die richtige Behandlung von Elektro- und Elektronikaltgeräten statt. Zu diesem Zweck ausgebildetes Lehrpersonal führt die Kurse durch. Als Grundlage wurden passende Lehrpläne entwickelt.
  • Das Projekt hat zwischen auf dem Schrottplatz Old Fadama verfeindeten Gruppen vermittelt. So hat es Spannungen verringert und die gemeinsame Entwicklung einer Zukunftsvision ermöglicht.
  • Für die Verwertung problematischen Elektroschrotts wurde ein Anreiz- und Finanzierungsmodell erfolgreich getestet. Es wird nun für die Steuerung eines Recyclingfonds genutzt.
2_BMZ  MESTI

Stand: Februar 2021