Umweltgerechte Entsorgung und Recycling von Elektroschrott in Ghana (E-Schrott Vorhaben)

Projektkurzbeschreibung

Projektbezeichnung: Umweltgerechte Entsorgung und Recycling von Elektroschrott in Ghana (E-Schrott Vorhaben)
Auftraggeber: Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Ghana
Politischer Träger: Ministry of Environment, Science, Technology and Innovation (MESTI)
Gesamtlaufzeit: 2016 bis 2020

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Ausgangssituation

Bevölkerungswachstum, steigender Wohlstand und veränderte Konsumgewohnheiten führen in Ghana zu immer größeren Mengen an Elektro-und Elektronik-Schrott, auch E-Schrott genannt. In Ghana kommen zudem viele importierte Gebrauchtgeräte mit vergleichsweise kurzer Restlebensdauer zum Einsatz. Schätzungsweise 15 Prozent dieser Geräte sind bereits bei der Einfuhr kaputt.

Ein nachhaltiges, effizientes Recyclingsystem für die Behandlung und Entsorgung von E-Schrott gibt es in Ghana nicht. Der Schrottplatz Old Fadama, besser bekannt unter dem Namen Agbogbloshie, in der Hauptstadt Accra ist als Beispiel für unsachgemäßes Recycling von E-Schrott und dadurch entstehende Umwelt- und Gesundheitsprobleme weltbekannt. Die Böden und Oberflächengewässer sind durch Schwermetalle und langlebige organische Schadstoffe schwer belastet. Durch die Verbrennung von Elektrokabeln entstehen toxische Gase, die oftmals zu Atemwegserkrankungen führen. Zusätzlich werden Treibhausgase ausgestoßen, beispielsweise durch das unsachgemäße Recycling von Kühlschränken.

Die ghanaische Regierung hat diese Herausforderung erkannt und den „Hazardous and Electronic Waste Control and Management Act 2016 (ACT 917)“ verabschiedet. Der gesetzliche Rahmen für ein nachhaltigeres E-Schrott-Management ist somit gegeben.

Derzeit ist Recycling und Verwertung von E-Schrott in Ghana fast ausschließlich informell organisiert. Es ist Lebensgrundlage vieler Menschen hat aber erhebliche Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt. Materialien, die für die informellen Abfall-Sammler und -Behandler keinen Wert haben, werden ohne Rücksicht auf lokale oder globale Folgen verbrannt oder in der Umwelt wild entsorgt. Diese kurzfristig kostengünstige Arbeitsweise stellt einen wirtschaftlichen Vorteil des informelle Sektors gegenüber der Recyclingbranche dar, die Umwelt-, Gesundheits- und Sozialstandards beachtet.

Das Potential des informellen Recyclings ist enorm: Durch das derzeitige System werden 95 Prozent des E-Schrott-Aufkommens Ghanas gesammelt. Außerdem bietet der informelle Sektor Einkommens- und Beschäftigungsmöglichkeiten für ungelernte benachteiligte Jugendliche, insbesondere für solche, die aus dem Norden des Landes in die Hauptstadt Accra ziehen.

Ziel

Die Rahmenbedingungen für nachhaltiges E-Schrott-Management in Ghana sind verbessert.

 

Vorgehensweise

Das Vorhaben unterstützt das ghanaische Ministerium für Umwelt, Wissenschaft, Technologie und Innovation (Ministry of Environment, Science, Technology and Innovation, MESTI) dabei, die Rahmenbedingungen für nachhaltiges E-Schrott-Management zu verbessern.

Die folgenden Handlungsfelder spiegeln die drei Interventionsebenen des Vorhabens wider:

  • Die politischen Rahmenbedingungen für nachhaltiges Management von E-Schrott werden auf der Makroebene verbessert.
  • Wirtschaftlich tragfähige Geschäftsmodelle werden auf der Mesoebene eingeführt und entwickelt. Damit wird ein nachhaltiger E-Schrott-Recyclingsektor angestoßen und gefördert.
  • Durch Capacity Development werden die Akteure des informellen Sektors auf Mikroebene in die Lage versetzt, das E-Schrott-Management nachhaltiger, umwelt- und gesundheitsschonender zu gestalten.

Zusätzlich gibt es Maßnahmen, damit sich die unterschiedlichen Stakeholder austauschen und vernetzen können.

Um das gemeinsame Programmziel zu erreichen wurde ein Multi-Stakeholder-Ansatz gewählt. Politische Institutionen auf nationaler und lokaler Ebene, die Privatwirtschaft und der informelle Sektor werden miteinbezogen:

  • Im Fokus steht Capacity Development der Partnerinstitutionen auf individueller und organisatorischer Ebene. Die Akteure sollen in die Lage versetzt werden, das E-Schrott-Management betreffende, rechtliche Instrumente einzuführen und anzuwenden. Insbesondere bei MESTI und bei der Ghana Environmental Protection Agency (EPA) sollen Kompetenzen aufgebaut werden, damit ein System der erweiterten Herstellerverantwortung aufgebaut werden kann. So sollen die Partnerorganisationen im Aufbau des, in der nationalen E-Waste-gesetzgebung vorgesehenen, Recyclingfonds unterstützt werden, über den zukünftig nachhaltiges Recycling von Elektroaltgeräten finanziert werden soll. Gespeist werden soll dieses System durch Abgaben, welche künftig von Herstellern bzw. Importeuren bei der In-Verkehr-Setzung von elektrischen und elektronischen Geräten eingehoben wird. Zudem werden die Partnerorganisationen dabei unterstützt, ein elektronisches Register zur Erfassung von Produzenten und In-Verkehr-Bringern von Elektro- und Elektronikprodukten aufzubauen.
  • Durch Fach- und Prozessberatung wird die Entwicklung und Einführung von wirtschaftlich tragfähigen Geschäftsmodellen für die Verwertung und Entsorgung von E-Schrott unterstützt. Politische und privatwirtschaftliche Entscheidungsträger werden in die Lage versetzt, technologische und wirtschaftliche Optionen für das E-Schrott-Management einschließlich Betreibermodelle zu entwickeln und zu bewerten. Ein gemeinsames Verständnis für angepasste technische Lösungen und deren finanzielle, soziale und umweltpolitische Auswirkungen wird durch umfassende Kommunikation und Netzwerk-Aktivitäten unterstützt.
  • Individuelle und organisatorische Fähigkeiten von Personen und Unternehmen, die direkt an Verwertungs- und Entsorgungsprozessen beteiligt sind, werden gefördert. Personen, die indirekt von den Folgen der momentanen Rückgewinnung von Ressourcen aus E-Schrott betroffen sind, werden ebenfalls miteinbezogen. Das Vorhaben schult veränderungsbereite E-Schrott-Sammler und -Verwerter in umwelt- und gesundheitsverträglicheren Recycling- und Entsorgungsverfahren. Das bessere Verständnis für die negativen Auswirkungen derzeitiger Praktiken auf Gesundheit und Umwelt fördert die Anwendung von Arbeitsschutzmaßnahmen.